73
oder sterbe," antwortete der Fremde mit einer Mischungvon Stolz und Wehmnth in seinem Tone; „aber, wie dasLied sagt:
„Ich frage nach Niemand, »ei», fürwahr!
Denn Niemand fragt nach mir!"
ES lag ein gewisses schmerzliches Pathos in der höh-nischen Art, womit er die bekannten Zeilen hersagte, ob-gleich er dabei sich in die Brust warf, wie im Bewußtsehndes Trostes und der Kraft, die er besaß in den Hülfsquellen,welche nicht von Andern abhingen, und die er in seinemeignen ehernen Körper und seinem männlichen Herzengefunden.
In diesem Angenblick — fühlte er einen leisen Druckseiner Hand, und sah Fanny, die ihn durch ihre noch strö-menden Thränen hindurch anblickte.
„Zhr habt Niemand, der sich um Euch kümmert?Sagt das nicht! Kommt und lebt mit uns, Bruder. Wirwollen für Euch sorgen. Ich habe nie die Blumen vergessen— nie! Kommt! Fanny wird Euch lieben. Fanny kannfür Drei arbeiten!"
„Und man nennt sie blödsinnig!" brummte der Alte,mit einem nichtssagenden Lächeln um den Mund.
„Meine Schwester! Du sollst meine Schwester seyn!Verlorene, die selbst die Natur betrogen und verrathenhat! Schwester! — wir Beide Waisen! Schwester!" riefder finstere, strenge Mann leidenschaftlich und mit gebro-chener Stimme; und er öffnete seine Arme, und Fanny,ohne ein Erröthen oder einen Gedanken von Beschämung,