führen. Aber das ausschweifende Leben hatte bei Hastingsdie Entschuldigung glühender Leidenschaften; er hatte inseiner früher» Jugend tief und unglücklich geliebt, und ergab stch der wilden und wüsten Genußsucht der Zeit hinmit dem rastlosen Ungestüm, welcher starken und lebhaftenNature» eigen, wenn das Herz nicht befriedigt ist; undunter all dem leichten, gefälligenZanber seines Gesprächsund den wilven Genüssen seines Lebens brach das melan-cholische Temperament eines Mannes hervor, der bessererDinge würdig ist. Auch war das höfische Laster desWüstlings nicht die einzige Schattenseite des tugendhaf-ten Charakters, welcher Hastings von Comines bcigclegtwird. Seine Menschenkenntniß hatte ihm Etwas von derMenschenverachtung des Cynikers eingeflößt, und er trugkein Bedenken, seine Genußsucht oder seinen Ehrgeiz durchMittel zu besriedigen, welche seine bessere Natur vor sei-nem klaren Verstände nicht entschuldigen konnte. * Aberdennoch vermochte die Welt nicht, sein Gemüth zu verhar-ren , wenn sie eS auch verschlechtert hatte. Wenige Per-sonen von solchen Gaben und Talenten handelten w häufigaus Antrieben ohne Berechnung; diese Antriebe warengrößtentheils gemüthlich und großherzig; aberdann stelltesich die Reue der Vorsicht und der Erfahrung ein ; undHastings bot seine Geisteskraft auf, um die Aufwallungen
* Cine merkwürdige Anekdote erzählt Comincs zum Belegedessen, was Sharon Turner mit einem glücklichen Ausdruckdie „moralische Koketterie" HastingS nennt — eine Anekdote,welche Niel von seinem Charakter enthüllt.