148
richtig angerathen, eher Las Denkvermögen als dasGefühl ausznbilden, denn das Denkvermögen ver-söhnt uns mit den täglichen Gegenständen des Daseins,unsere Gefühle dagegen bringen in nnö eine Sehn-sucht nach dem Fernen, Schweren, Unsichtbarenhervor,
,, Um dle gemeine Deutlichkeit der Dinge
Den gvldnen Duft der Morgcnrölhe wehend."*)
Aber der goldne Duft schwindet, je weiter derTag vorschreitct; - unsere Fantasie ist Opium für un-ser Leben: Eutzükkcu und herrliche Gesichte — hieraufAbspannung und Angst. Betrachten wir jedoch dieSache näher, welch seltsames Verhängnis; ist cs dann,das es zu einer Versiandcspflicht macht, unsere gött-lichsten Regungen nicht zu nähren! Wir tragen inuns die Keime der Gröse; schiefen sie aber auf, soumschatten sie unfern Verstand und unser Glük!Man werfe einen Blik ans die Verirrungen derMenschheit: wie wunderbar, daß dieselben aus demStreben herrorgehcn musten, gröser zu sein als sieist! Wie der Baniancnbaum emporschicst, nur umwieder zu der Erde zurükzukehren, wollen wir denHimmel ersteigen, und finden uns wieder im Staub.So fühlten die früher» Menschen beim Aufblik zum
*) Im Englischen lauten diese Worte Schillers:LlotliiuA tlic ^alpsdle auel tim täiuilrarWilli goieieu exlialations trom tim eiarvu.
Der Uebers.