nahm sie oft zu sich in ihr eigenes Hans, wenn siesich eben in der Gegend aufhielt; Dies war jedochnur selten und jedesmal nur auf einige Tage derFall. Ausser ihr hatte Lucie keine Freundin.
War es somit «in Wunder, daß sie meine Be-suche gestaltete? — Laß wir Stunden um Stundenmit einander zubrachten? — daß sie mich ihren ein-zigen Freund, und eben so sehr ihren Bruder wieihren Geliebten uante? Bei unserer gegenseitigenZuuciguug war besonders etwas bemerkenswerth.Nie, von der ersten Stunde unseres Zusammentreffensbis zur lezten unseres Scheidens sagten wir nns jerin unfreundliches oder verlezzendes Wort. In ge-ringem Umgang lebend, nie mit der Welt zusammenstoßend, nnbekant mit all den Lugen, Zweifeln undKunstgriffen der Menschen, hatten wir nie Grundzu der Eifersucht, dem Vorwurf, dem Argwohn,der absichtlichen Koketterie, welche dem Lauf derLiebe in der grosen Gesellschaft seine Schartirungengeben: — Nur die freundlichste Sprache, die zärt-lichsten Gedanken wurden zwischen uns gewechselt.Hinderte sie etwas an einer Zusammenkunft mit mir,so verhehlte sie ihre Bctrnbniß darüber nie, undeben so wenig gab ich mir das Ansehen böse zu sein.Wir wüsten ans dem Grund unserer Herzen, daßwir einander Alles in Allem waren — und nie trübtesich die Fülle nnd Klarheit dieses köstlichen Bewnst-seins. Arme, arme Lucie! welch« Unendlichkeitscheint seit damals vergangen zu sein! wie dämmerig