„Ach, strafender Fremdling," erwiederte diearme Seele, „Du sprichst zu Einer, die auf ErdenGottes Geschöpf mehr geliebt hat als Gott; deshalb istsie mit Recht vernrtheilt. Aber ich weiß das; meinarmer Adcnheim unaufhörlich um mich trauert, undder Gedanke an seinen Schmerz ist mir unerträgli-cher, als Alles was mir die Dämonen zufügen können."
„Und woher weist Du daß er um Dich klagt?"fragte der Engel.
„Weil ich weiß mit welcher Todesqual ich umihn getrauert haben würde," erwiederte einfach dieSeele.
Die göttliche Natur des Engels ward gerührt,denn Liebe ist das Wesen der Söhne des Himmels.„Und wie." fragte er, „kann ich Deinem Gram ab-helscn?"
Entzüken schien die Seele zu dnrchbeben. Siehob die nebelhaften, unfasbaren Arme empor undries:
„Laß mich — o laß mich nur auf eine kleineStunde zur Erde znrükkehren, daß ich meinen Aden-Heim sehr und ihn, mein eigenes Leiden vor ihmverbergend, in dem scinigen tröste!"
„Ach!" erwiederte der Engel mit abgewandtemGesicht— denn Engel weinen vor den Augen Ande-rer nicht —: wol könnt ich Dir diese Bitte gewäh-ren, aber Du weist nicht, was Du damit verwirkst.Die Seelen im Fegfeuer können zur Erde znrükkeh-ren aber streng ist der Richterspruch der auf solcher