3S
Schönes — die reine Poesie des Herzens. Das Ver-langen, durch die Furcht geheiligt, und fast ohne dieMöglichkeit auf dem gewöhnlichen Weg der Sinneseinen Zündstoff zu verzehren, bricht sich seinen Er-guß iu jenem unbestimmten Schmachten — jenemerhabenen Streben nach dem Hellen — Fernen — Un-erreichten. Es ist „die Sehnsucht des Staubs nachden Sternen" — es ist die Liebe der Seele!
Die Aerzte hatten Gertrud gerathen, den Ein-fluß eines südlicheren Klimas zu versuchen; aberGertrud war die Tochter einer deutschen Mutterund ihre junge Fantasie hatte sich mit all den dich-terischen Sagen und lokcnden Träumenn genährt,die den Ufern des Rheins angehören. Ihr Ge-müth, mehr romantisch als klassisch, sehnte sich nachden rebenbekränzten Hügeln und geisterrüchigen Wäl-dern , die einen so fruchtbaren Zauber über Alleansüben, die selbst nur wenige Züge aus der Lite-ratur des Nordens gcthan haben. Ihr mit Nach»druk ausgesprochener Wunsch, ihre erklärte Ueder-zeugung, daß wenn irgend ein Ortwechsel den Fort-schritt ihrer Krankheit noch aufhalten könne, es di«Gestade des Stromes seien, nach deren Anblik sie solang geschmachtet, hatten bei den Aerzte» und demVater den Ansschlag gegeben, und beide Thcile zurEinwilligung in die Pilgecschast am Rhein bewogen,aus welcher Gentrud, ihr Vater und ihr Geliebterjezt begriffen waren.
A» der grünen Userkrümmung welche die Lie-
5 *