Druckschrift 
8 (1835)
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
 

95

schauerliche Art von Prunksucht an die Mittel ver-schwendet wird.

Wolf schlug ein Licht, setzte sich wieder bedächt-lich nieder und begann mit äußerster Sorgfalt dasGewehr zu laden; eine Scene, die kein unwürdigerGegenstand für einen jener Maler gewesen seyn wür-de , welche die Kunst besitzen Hem Niedrigen einean's Großartige grenzende Kraft zu verleihen, unddie das Schreckliche durch eine Beimischung von Ko-mischem zu erhöhen wissen. Die ärmliche Kammer,die feuchten Wände, das in der Höhe angebrachteFenster, in welchem eine Handvoll verblichenes Pa-pier manche fehlende Scheibe ersetzte; der einzigeTisch von rohem Eichenholz, der zerbrochene Stuhlmit geflochtenem Biusensitz, das Kamin das keinFeuer kannte, und über welchem eine elende BüsteSidycys, ein jämmerlicher Kupferstich von Hamp-den Schuhwache hielten während der trübe Licht-spahn bleich auf Wolfs gebräuntes, kräftiges, emsigüber seiner Arbeit gebeugtes Antlitz siel! In derfesten Ruhe, welche dem kurzen Kampf der Gefühleauf diesem Antlitz gefolgt war, mischten sich dieEnergie eines verzweifelten Entschlusses und die Mat-tigkeit eines erschöpften Körpers, während die ge-furchte Stirn, die eisernen Züge, ja selbst die blut-dürstige Miene etwas über den Stempel gemeinerVerbrecher Erhabenes zeigten, ein Etwas, dasdie Beweggründe sowohl als die That selbst aus-sprach und jene nicht unedle Verkehrtheit des Urtheils