Druckschrift 
8 (1835)
Entstehung
Seite
96
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SS

andeutete, welche die Schuld mildert, aber die Furcht-barkeit des überlegte» Verbrechens steigert, dem siede» Spottnamen der Tugend beilegt.

Er hatte sein Geschäft vollendet, die Pistole zusich gesteckt und erwartete die Stunde, in welchersein Genosse ihn zur unseligen That abrufen würde,als er auf dem Tisch dicht neben sich den Brief be-merkte, von welchem das Weib gesprochen, und dener im Sturm seines Gemüths gänzlich vergessenhatte. Mecbanisch öffnete er denselben die Einlagefiel zu Boden; er hob sie auf; es war eine Bank-note von beträchtlichem Werth. Der namenlose, mitsichtlich verstellter Hand geschriebene Brief enthieltnur wenige Zeilen, die ganz dazu geeignet waren,Eindruck auf den Republikaner zu machen und ihnmit der Gabe anszusöhnen. Der Schreiber versi-cherte, durch kein anderes Gefühl als die Bewunde-rung der unerschütterlichen Reinheit, die WolfsLeben stets bezeichnet habe, geleitet zu werden, sowie von dem Wunsch, daß Aufrichtigkeit in Grund-sätzen, sollten sie auch von denen des Gebers abwei-chen, nicht bloS mit Mangel und Elend belohntwerden möchten.

Es läßt sich unmöglich bestimmen, in wie weitWolfs verzweifelte Glücksnmstände unmerklich mitden Gründen verschmolzen, welche seinen gegenwär-tigen Entschluß herbeigeführt: so viel ist gewiß, daßda, wo die Zukunft hoffnungslos erscheint, das Ge-müth leicht von Härte zum Verbrechen übergeht und