Druckschrift 
8 (1835)
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

75

Wimper ruhte auf dem schneeigen Augenlied - omöchte kein Thränengnell darunter weilen! undihr Odem entschwebte so ruhig; und regelmäßig denblühenden Lippen, daß sie, wie das Waldlanb '), vonGebeten bewegt schienen. Der eine Arm lag aufder Decke, der andre stützte ihren Kopf in der un-nachahmlichen Grazie der Kindheit, jener Grazie,welche wir fast der bildenden, unsichtbaren Seel«zuschreiben möchten, die, wenn die Gestalt ruht, ei-nen freiem Spielraum hat, aber nur derjenigen Seele,deren nngebunduc, überwiegende Lieblichkeit nochkeine Kunst verdrehte, keine Schuld befleckte. Undder Geist dieses schönen, feenhaften Kindes trug sowenig von der irdischen Schlacke an sich! Durch ihreEinsamkeit und Abgeschiedenheit von Andern ihresAlters war sie mit einer Atmosphäre umgeben,welche niemals der Hauch rauheper Gefühle berührthatte! Kaum schienen ihre Gedanken auf dem ir-dischen Boden zu weilen, den sie betrat, sondernmochten ohne Uebertreibung jenen aus dem Para-diese verbannten Vögeln verglichen werden, derenSchwingen, die Segnung der Heimath noch bewah-rend, sie über die unheilige Erde, auf die sie ver-stoßen sind, hintragen!

Noch einmal stand Mordannt still, denn dasHerz ward ihm voll, als er sein Kind betrachtete;

Des Waldes Land schien vom Gebet bewegt."

Byron.