Druckschrift 
3 (1836)
Entstehung
Seite
52
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LL

ständ' er leibhaftig vor mir! Er mar ein schüchter-nes, stilles, unterwürfiges Kind, von sehr häßlichemAeuffcrn. Meine Eltern waren eitle, schanstellende,ehrsüchtige Weltleute, die sich meines Bruders schäm-ten, während sie in mich ihren Stolz setzten. Gleich-wohl zeichnete er sich später im Kriegsdienst, in wel-chen er getreten, höchlich aus. Er starb in einerSchlacht und hinterließ eine einzige Tochter, die,wie Du weißt, einen Edelmann von hohem Rangheirathete. Ihr weiteres Schicksal zn berichten wärehier nnnöthig.

Von Kindheit an gehätschelt und verweichlichtwuchs ich mit der tiefsten Uebcrzengung von meinerVortrefflichkeit, und mit der fieberhaften, prikelndcnSucht, in Jedem der mir in den Weg kam, diegleiche Vorstellung zu erregen, auf. Sir WilliamTemple stellt irgendwo den Sah auf, dessen Wahr-heit ich oft schmerzlich empfunden habe:Ein rast-loser Trieb im Menschengemüth etwas zn seyn, wasman nicht ist, und etwas zu haben was man nichthat, ist die Wurzel aller Jmmoralität *)." In derSchule war ich nach allgemeinem Geständuiß dergeschickteste Junge meiner Klasse, und, was ich bei-nah eben so hoch anschte, ich war unter den eilfbesten Ballspielern der Beste. Dort also, wirst Dumeinen, sey meine Eitelkeit gänzlich befriedigt gewe-sen: keineswegs! Den Platz neben mir in der

') lind alles Guten.

Der Verfasser.