Abt Anfelmo war eia Mann von ziemlich freisin-nigem nnd nmfasscndcm Geist; er bewahrte nichtnur mein Geheimnis!, was mir für meinen Frie-den uncrläslich dünkte, sondern er trat auch fürmeine Person mit der seinigen ein, wovon vielleichtmeine Sicherheit abhing. Ein Denker, der sich blos zuüberzeugen wünscht, und zwar blos über einen einzi-gen Gegenstand, braucht nicht viele Bücher. DieWahrheit liegt zwischen engen Grenzen und fürmeinen Theil wollt' ich bei spekulativen Betrach-tungen lieber ein Buch des Euklid zum Vorbild,als alle Werke des Vatikans zu Autoritäten-Aber freilich sez' ick auch keinen Werth dareinmich bei Vernunfrschlüssen noch irgend andrerHilfsmittel als der Vernunft selbst zu bedienen;weisere Männer als ich nehmen cs damit nicht sogenau. Vct all Dem waren jedoch die wenigenBücher, deren ich bedurfte, in Italien sehr anrü-chig. Der gute Vater lief sie mir unter seinereigenen Obhut von Ravenna kommen. „Ich sei,"sagte er, „ein heiliger Mann, welcher der katholi-schen Kirche durch Abfassung eines gründlichenWerks gegen gewisse ruchlose Meinungen einengrosen Dienst zu leisten wünsche, und die Schrif-ten, die ich läse, seien gröstcnthcils solche, die ichzu widerlegen vorhättc." Dieses Gerücht ver-schalte mir Schuz und Ansehen, und nachdem ichgar meinen Bankier in Ravenna beauftragt, demtrcflichcn Abt ein Silbergeschirr und eine tüchtige
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten