49
So alltäglich dieser Anflug von Empfindsamkeit war,nahm es doch die arme Evelinc für schönes und tiefesGefühl. Dann war Caroline gescheut, unterhaltend,herzlich und besaß jene oberflächliche Ucbcrlegcnheit, dieein Mädchen von dreiundzwanzig Jahren, das Londonkennt, leicht über ein Landmädchen von siebzehn Jahrenausübt. Andererseits war Caroline freundlich und zärt-lich gegen fie. Die Pfarrerstochtcr fühlte, daß sie nichtimmer, selbst im Modcton nicht, ihre Ucbcrlegcnheitgegenüber der reichen Erbin behaupten wurde.
Eines Abends, als Mrs. Leslic und Mrs. Mcrtonunter dem Balkon des Landhauses saßen, ohne ihreMithin, welche allein ins Dorf gegangen war, unddie Mädchen vertraulich auf dem Rasen mit einanderplauderten, begann Mrs. Leslic ziemlich rasch und^ ohneZusammenhang mit dem bisherigen Gespräch: „Istnicht Evclinc ein entzückendes Geschöpf? Wie unbe-wußt ihrer Schönheit! Wie anspruchslos und doch vonder Natur so begabt!"
„Ich habe nie ein Mädchen gesehen, das mich mehrintcrcssirt hätte," sagte Mrs. Mcrton, ihre Pelerinezurcchtriickcnd, „sic ist außerordentlich hübsch."
„Ich bin so angcfochten um sic," fing Mrs. Leslicwieder nachdenklich an, „Du weißt von dem Wunschdes verstorbenen Lords Vargravc, daß sie seinen Neffen,den jetzigen Lord, hcirathcn möchte, wenn sic das Al-ter von achtzehn Jahren erreicht hat. Es sind nur nochneun oder zehn Monate bis dahin; sic hat noch NichtsBulwer's Romane. I,XVlkk. 4