106
Aon dem Instrumente, empor in die Höhen, um oft gehörtzu werden von der Tochter frommem Ohre, wenn derHimmel heiter und die Erde trüb ist. Denn es gibt einenGehörsinn, von welchem die Menge nichts weiß. Und die !Sltmmen der Todten hauchen sanft und häufig Solchenzu, welche Erinnerung und Glauben zu vermählen wissen!
Und jetzt ist Viola allein in der Welt, Allein in dem theimischen Hanse, wo Einsamteit von der Wiege an ihrals etwas der Natur Widersprechendes erschienen war.
Von Anfang war ihr die Verlassenheit und Stille uner-träglich, Habt Ihr, Ihr Trauernden, welchen diese sibpl-lintschen Blätter, von Zanberhänden mit manchem dun-keln Näthsel erfüllt, werden zngetragen werden, habt Ihrnicht das Gefühl gehabt, wenn der Tod eines Jnnigstgc-liebten Heerd und Herz verödet hat, habt Ihr nicht dasGefühl gehabt, als ob die Schwermntli des verwandeltenHauses zu schwer auf dem Gedanken laste, um sie zu er-tragen?— Ihr möchtet es, und wäre es ein Palast, ver-lassen, es vertauschen mit einer Hütte. Und doch — esist traurig zu sagen — wenn Ihr dem Gefühle folgt,wenn Ihr aus jenen Mauern flieht, wenn an dem frem-den Orte, wo Ihr Eure Zuflucht sucht, Euch nichts vondem Verlornen spricht: habt Ihr dann nicht wieder einSehnen gespürt nach eben der Nahrung für die Erinne-rung, die Euch eben zuvor noch Bitterkeit und Gallewar? Ist es nicht beinahe nnfromm und frevelhaft, diesentheuern Heerd Fremden preis zu geben? Und die Ver-fassung per Heünath, wo Eure Eltern wohnten und Euch