Werth, machte doch eine» gewissen Eindruck aus Camilla— vielleicht einen Eindruck von Angst. Ich sage nicht, dennich weiß es nicht, was ihre Gefühle gegen Vaudemonteigentlich waren. Da die ruhigsten Naturen oft am meistenvon ihrem Gegentheil hingerissen werden, blendete underschreckte er sie vielleicht mehr, als daß er ihr gefallenhätte; gewiß ist wenigstens, daß er sich ihr Interesse ge-wann. Dennoch würde sie erschrocken zurückgebebt seyn,wenn Jemand zu ihr gesagt hätte: „Liebst Du DeinenVerlobten weniger, als da Ihr an dem glücklichen Seebeisammen wäret?" und ihr Herz hätte den Frager mitEntrüstung zurückgewiesen. Die Briefe ihres Geliebtenwaren immer noch lang und häufig; die ihrigen warenkürzer und gedämpfter. Aber es war auch ein Zwang betder Correspondenz — sie mußte ihrer Mutter vorgelegtwerden.
Wie auch Vaudemonts Benehmen gegen Camillaseyn mochte, wenn der Zufall sie allein zusammenführte,gewiß ist, daß er seine Aufmerksamkeit für sie nicht so aus-fallend an den Tag treten ließ, daß man es bemerkt hätte.Sein Auge beobachtete sie mehr als sein Mund sie anredete;er hielt sich so entfernt als möglich von der übrigenFamilie, und seine gewöhnliche Weise war schweigsamselbst bis zum Düstern. Aber es gab auch Augenblicke, woer einer fieberhaften Aufwallung seiner Laune sich überließ,die etwas Gezwungenes und Unnatürliches hatte. LordLilburnes kurzes Wohlgefallen an ihm war schon vorüber;denn seitdem er beschlossen hatte, dieses edeln Spielers