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lichen Lebens selten eine so auffallende und ansprechendeGestalt gesehen hatte. Seine Haltung war allerdings dieeines bestimmten Berufs — der flüchtigste Blick entdecktein ihm den Soldaten. Aber er schien der Soldat aus einerfrüheren Zeit oder ans einem minder civilistrten Lande.Er erinnerte sie an jene Kopse,die sie in derBeaufort'schenGallerie und andern noch berühmteren Sammlungen ge-sehen — an die Portraits von Titians Hand von jenenkriegerischen Staatsmännern, die in den alten RepublikenItaliens in beständigem Kampf mit ihrem Geschlecht leb-ten — an die Bilder finsterer, entschlossener, ernster Män-ner. Selbst was in seinem Gesicht Geistiges lag, verrieth,wie bei jenen Bildern, einen Geist, der mehr durchs thätigeLeben als durch Studien geschärft war; denn diese In-telligenz verrieth sich nicht in der blaffen Farbe, der abge-matteten Erschöpfung, der eingefallenen Wange, wie beimBüchermenschen und Träumer, sondern in der gesammel-ten und strengen Ruhe der Züge, in der ruhigen Tiefe,welche unter dem Feuer der Augen lag, und dem starkenWillen, welcher in den geschloffenen, vollen Lippen, so wiein der hohen, aber nicht wolkenlosen Stirne sich aussprach.
Und wie sie nach ihm blickte, wandte Vaudemont fichum — ihre Augen senkten sich unter den seinigen, und fieempfand Verdruß über fich selbst, daß sie erröthete. Vau-demontsah das niedergeschlagene Auge, sah das Erröthen,und der Zauber von Camilla's Erscheinung war wiederhergestellt. Er wollte sich ihr nähern, aber in diesem