Druckschrift 
2 (1836)
Entstehung
Seite
97
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brünstig angebeteten und doch am wenigsten göttli-chen Leidenschaft, die, selbstsüchtig und begehrlich,ihre Nahrung aus der Zerstörung, ihr eigentlichesLeben aus Thränen zieht."

Nicht doch!" entgegnete Clarence,Du ver-wechselst die beiden Arten von Liebe, Eros und An-teröS, Götter, die mein guter Hofmeister so genauzu unterscheiden pflegte. Sicherlich schmähst Du dochnicht so gegen jede Liebe?"

Ich bitte mir zu verzeihen," antwortete War-ner mit etwas wie Spott in seinem nachdenklichenTon.Wir wollen nicht streiten und deshalb willich mich zufrieden geben, aber mach' aus der Liebewas Du willst: was ist das falsche Lächeln einerLippe, die wenige Jahre wie ein Herbstblatt «»welkenkönnen? was die Huldigung eines Herzens Las ebenso schwach und sterblich ist, wie das Deinigr und meini-ge? Will ich doch mit ein paar Strichen eines-schelchens Haar und einer wesenlosen Mischung clevderFarben eine Schönheit erschaffen, in deren Mundkeine Lüge, auf deren Lippe kein Verwelken seinsoll; da sollst Du in Deiner Bewunderung nicht derSchmeichelei bedürfen und keine Falschheit zu fürch-ten haben; keine Eifersucht soll Dich peinigen, keineVerrätherei Dich toll machen, und Du darfst nichtmit brechendem Herzen einer abnehmenden Blüte,einer weichenden Gesundheit zusehen, bis das Grabsich öfnet und Dein vergängliches Paradies nichtmehr ist. Nein, das Nachbild ist mehr als das