Druckschrift 
3 (1836)
Entstehung
Seite
133
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waltet und gegen welchen man nie ans ein Mittelflnt. Unsere ansnehmende Hochhaltung des keuschenWeibes führt zu einer verächtlichen Fühllosigkeitgegen das unkeusche. Wir kümmern uns nicht wieviele derselben es gibt, was sie leiden wie tiefsie in den Abgrund des Verbrechens hinabsteigen.So komt in manchen Akkerbaubezirken nichts derschamlosen Hingebung der Bäurinnen gleich. Dieden unehlichen Nachwuchs begünstigenden Gesezz«spornen dir Liederlichkeit an und, wie ich bereitsgesagt, der Arme heiratet ansdrüklich die Mutterunehlicher Kinder, um ein besseres Anrecht an dieGemeinde zu haben. In unfern größer» Städtenbringt eine gleich methodische Verachtung der un-glüklichen Opfer nicht sowol der Sünde als derUnwissenheit und Armuth eben so nachteilige Folgenhervor. Ans ihre Gesundheit und Lage wird nicht,wie in andern Ländern, durch eine strenge Polizei-ordnung Rükficht genommen; ihre durchschnittlicheAusdauer auf Erden beschränkt sich auf vierJahre! Ihre Wohnungen werden nicht visitirtihre Schlupfwinkel nicht bewacht, und so entsteht«ine furchtbare Masse von Krankheiten, Zügellosig-keit und Dieberei. Eine zu große Verachtung gegenein Laster löst dasselbe, wie dieses Beispiel zeigt,in hundert andere noch rettunglosere Laster auf. Sohaben wir durch einen falschen oder unzulänglichenBegriff von Sittlichkeit unfern eigenen Zwek zerstört,und die ausschliesliche Intoleranz gegen Unkeuschheit