62
Handwerkern oder Dienern der Freisassen. NMwol durfte ein solches Gesez den damaligen Legis-latoren rinfallen, wenn Bauern, Arbeiter, Hand-werker und Diener nicht lesen gekont hatten!Der gewöhnliche Forscher grübelt an der Geschichteunsrer Kirchcnreform: er staunt über die Bereit-willigkeit des Volks, dem König in der Zerstörungjener mildthätiqen Superstitionen die Hand zu bieten;er wundert sich über die Macht des Königs, über dieSchnelligkeit jener Umwälzung. Er sieht nicht, wiewenig sie das Werk des Königs, wie weit mehr sie Werkdes Volkes war; nicht, daß die Fortschritte der Volks-bildung eben so stark auf unsere Reformation ein-wirkten, als der Wille des habsüchtigen Tndor.Man erlaube mir ihm nur eine Thatsache zuzuflü-stern: in den dreissig leztcn Jahren vor dieser Re-formation waren mehr Elementarschulen errichtetworden, als während zweihundert Jahren früher.Wer, der Dies nicht weiß, kann als Geschichtschrei-ber jener Zeit vor uns anftreten? Die Reforma-tion ist das Feuer, die Mine aber war in den Un-terricht gelegt. Als die Kriegslast des hohen Adelsabnahm, empfand er mehr die Nothwendigkcit derKentniffe für sich selbst; ") der Hof des Schulvor-
*) Latimer (ein eifriger Beförderer der Reformationin England, geb. 1470, gestorben 15SL) klagt sehrbitter, „daß jezt nur Söhn« vornehmer Leut«