24
Zehntes Kapitel.
Dein Kind soll leben und ich sorg' für es.
Titus Andronikus.
Wie man sich denken kann, hatten die Anstrengung
und Gemüthsbewegung bei der Reise nach N-die
Fortschritte von Katharinens Krankheit beträchtlich be-schleunigt. Und als sie ihre Wohnung wieder erreicht hatte,und sich in den einsamen, so stillen, so freudlosen Zimmernumsah, aus denen Sidney fort war, fort für immer: dawar ihr in Wahrheit so zu Muth, als wäre das letzteRohr, worauf sie sich gestützt, gebrochen, und ihre Auf-gabe auf Erden zu Ende. Katharine sah sich nicht zuäußerster Armuth verdammt, zu der Armuth, welcheknirscht und nagt, zur Armuth der Lumpen und des Hun-gers. ES blieb ihr noch beinahe die Hälfte des TheilS vondem kleinen Kapital, das für ihre Schmucksachen erlöstworden, der den Krallen des Gesetzes entgangen war; undihr Bruder hatte ihr eine Note von 20 Pfund aufgedrnn-gen, mit der Zusicherung, daß ihr dieselbe Summe halb-jährlich ausbezahlt werden solle. Ach! es war wenigWahrscheinlichkeit, daß sie es noch einmal bedürfen werde.So fehlten ihr also nicht die Mittel, sich die gewöhnlichenBedürfnisse des Lebens zu verschaffen. Aber jetzt war eineneue Leidenschaft in ihrer Brust erwacht — die Leiden-schaft des Geizigen! sie wünschte jeden halben Schillingzu ersparen zu einem kleinen Schatz für ihre Kinder. Was