Nachtdunkel unter freiem Himmel kam ihr nichtgleich, sondern nur etwa die eingeschloffene, jedesStrahls entbehrende Finstcrniß in einem kleinenZimmer. Im Vcrhältniß jedoch zu der anwachsen-den Schwärze nahmen auch die Blitze von dem Ve-suv her in grellem, blendendem Glanz zu. Dabeiblieb ihre furchtbare Schönheit nicht auf die gewöhn-lichen Farben des Feuers beschränkt; nie kam einRegenbogen ihrem wechselnden, reichen Kolorit gleich.Jetzt glänzte cs blau wie die azurne Tiefe des süd-lichen Himmels; — jetzt zuckte es in einem gelbli-chen, schlangcnartigen Grün rastlos hin und her, wiedie Windungen eines ungeheuren Gewürms; jetzterleuchtete es in einem schauerlichen, kaum ertragba-ren Roth, das weit und breit aus den Rauchsäulencmporfuhr, die ganze Stadt von Halle zu Halle;dann erstarb es wieder jählings zu einer krankhaftenBlässe, gleichsam dem Gespenst seines eigenen Da-seins.
In den Pausen des Aschenregens hörte man un-terirdisches Rollen und die seufzenden Wellen derbewegten See; oder wohl auch leiser, und nur derAufmerksamkeit der höchsten Angst vernehmbar, daszischende Geräusch der Lustarten, die durch die Spal-ten des fernen Berges entwichen. Bisweilen schiendie Wolke ihre feste Masse zu brechen und beimSchein des Blitzes seltsame riesige Gestalten vonMenschen oder Ungeheuern anzunehmen, die durchdas Dunkel hinschrittcn, gegen einander ansticßen