125
es nicht — ich fühlte, ich sah nichts — als das Ant-litz des Erlösers!"
Der Greis schwieg tief bewegt und den Jüng-ling überlief es kalt und sein Haar sträubte sichempor: Er war in der Gegenwart eines Menschen,der das Gehcimniß des Todes geschaut hatte!
„Bis zu jener Zeit," nahm der Sohn der Wittwewieder das Wort, „war ich gewesen, wie andereMenschen, gedankenlos, — doch nicht verworfen;
— um nichts mich kümmernd als um Liebe undLeben; ja ich hatte mich zu dem düstern Glaubender irdisch gesinnten Sadduca'cr geneigt! Aber vonden Todten aufcrstanden, aus furchtbaren, ödenTräumen, welche diese Lippen nie offenbaren dürfen,auf die Erde zurückgcrufen, um die Macht des Him-mels zu bezeugen — abermals sterblich geworden, umein Bürge der Unsterblichkeit zu sein — brachte ich
'ein neues Dasein aus dem Grab. O unglückliches
— verlorenes Jerusalem! ihn, von welchem meinLeben kam, sah ich zu einem qualvollen Tod desVerschmachtcns verurthcilt; — im dichten Gedrängesah ich das Licht über dem Kreuz schimmern; ichhörte das höhnende Volk; — ich schrie laut, — ichtobte, - ich drohte: — Niemand achtete meiner; —ich war verloren im Gewirr und Gebrüll von Tau-senden! Aber selbst damals, in meiner und seinerTodesqual, war mirs als suche mich das glänzendeAug des Mcnschcnsohncs; - seine Lippe lächelte,als ob sie den Tod besiegte; - sie sänftigte mich