78
den Brief— ach ! wie ganz anders war er als derjenige,welchen Siduey vor noch nicht vierzehn Tagen ihr einge-händigt! Es war Mr. Robert Beauforts Handschrift. Sieschauderte und legte ihn weg. Und jetzt zuckte ihr plötzlich,zum erstenmal, wie ein Blitz das Gefühl ihrer seltsamenLage durch den Sinn — die Furcht vor der Zukunft. Wassollte fortan ans ihren Söhnen werden? Was aus ihrselbst? Wie geweiht und heilig auch ihre Ehe gewesen,das Gesetz konnte ihr doch entstehen. Von der Verfügungdes Mr. Robert Beaufort konnte das Schicksal von dreiLeben abhängeu! Sie rang nach Athem, sie nahm denBrief wieder auf und überflog den Inhalt; er lautete so:„Liebe Madame, — Wohl einsehend, daß Ihr natür-lich besorgt seyu müßt, wegen der künftigen Aussichten fürEure Kinder und Euch selbst, da mein armer Bruder Euchzurückließ, offne irgend eine Vorsorge getroffen zu haben,ergreife ich so frühe, als nur immer Schicklichkeit und An-stand es mir zu gestatten scheinen, die Gelegenheit, Euchvon meinen Absichten in Keuntniß zu setzen. Ich brauchenicht zu sagen, daß, streng genommen, Ihr keinerleiAnsprüche an die Verwandten meines verstorbenen Brudersmachen könnt; auch will ich Euren Gefühlen nicht wehethun durch moralische Betrachtungen, die, so hoffe ich, indieser Zeit des Kummers sich Euch unwillkürlich von selbstaufdrängen müssen. Ohne weiter auf Euer eigenthümli-cheS Verhältnis; zu meinem Bruder hinzuweisen, darf ichdoch vielleicht mir erlauben beizufügen, daß diese Verbin-dung sehr wesentlich dazu beitrug, ihn von den rechtma-