121
wie Vieles von diesen Differenzen angeboren ist undsich durch Erziehung oder äussere Umstände wedergeben noch nehmen läst. Diese natürlichen und noth-wendigen Verschiedenheiten unter den Menschen sindnach meiner Meinung so groß, daß jede praktischeAnsicht des menschlichen Lebens, die auf dieselbenkeine Rükflcht nimt und nicht bei blosen Allgemein-heiten flehen bleiben will, wenigstens eben so vielJrrthum als Wahrheit enthalten, und daß jedernach solch einseitiger Theorie entworfene Plan derGeistesbildung in dem Maß, in welchem er für einegewisse Klaffe von Menschen taugt, für alle anderedurchaus unpassend sein muß.
In Beziehung auf die Moral und auf die Er-ziehung hat Mill der Welt bis jezt nur Allgemeinesgegeben, aber keine leere, sondern sehr ergiebige All-gemeinheiten, wenn auch die Frucht erst künftig zuerwarten ist. Richtet er einst seine Forschungen ansdas Detail dieser Gegenstände, so muß ein Geist, wieer, nothwendig ein neues und starkes Licht darüberausgießcn. Die Gefahr ist nur, die Aufhellungmöchte ungleichförmig und beschränkt anslallen; ermöchte zu voreilig und zu rasch zu dem Schluß kom-men, was zur Bildung oder zur Verbesserung ei-nes Karakters diene, könne sofort allen Menschenempfohlen werden, und was für eine gewisse Mcn-schcnklasse nicht nöthig oder nicht nüzlich sei, habeüberhaupt keinen Werth. Endlich ist auch zu besor-gen, daß er sich die menschliche Vollkommenheit nicht