Druckschrift 
5 (1836)
Entstehung
Seite
104
Einzelbild herunterladen
 

404

all« vorläufige Ueberlegung vermeiden, sei so viel alseinem Interesse uachgeben, vermag ich nicht einzuse-hen. Wo ein Interesse ist, da ist auch ein Zwek,der durch das Verhalten, welches in der That oderin deren Unterlassung besteht, erreicht wird. NichtsDergleichen findet in dem oben angeführten Beispiel«statt. Richtiger wäre es, zu sagen: daß unser Ver-halten zuweilen durch ein Interesse, d. h. durcheinen wohlerwogenen Zwek, dessen wir uns bewustsind, zuweilen durch einen Impuls, d. h. durch«ine Empfindung bestimt werde, der weiter kein Zwekvorschwebt, da die That oder die Unterlassung an undfür sich selbst zum Zwek wird.

Der Versuch, die Motive, d. i. die menschlichenNeigungen und Abneigungen aufzuzählen, scheint mirauf einem Irrthum zu beruhen. Die Motive findzahllos, es gibt schlechterdings nichts, das nicht zueinem Gegenstand des Begehrens oder des Verab-scheuend werden könte. Es mag zwekmäßig sein, diestärksten und am meiste» vorkommenden Motive be-sonders zu bezeichnen ; allein Bentham hat nicht ein-mal Dieses gethan. In seinem Verzeichniß der Mo-tive ist z. R. die Menschenliebe angeführt; es fehltaber das Gewissen oder das Gefühl der Pflicht. Werblos Bentham läse, erführe kein Wort darüber, daßdie Menschen etwas thun können, blos weil es rechtist, oder etwas unterlassen, blos weil es schlecht ist.Ja dieser Hinsicht weicht er gar sehr von Hartleyab, der, wenn er die moralischen Gefühle anch ganz-