Druckschrift 
5 (1836)
Entstehung
Seite
103
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ganz falsch ist, die Meinung nämlich, daß alle un-sere Handlungen durch solche Schmerzen und Ver-gnügen bestirnt würden, die wir vor« ns den undals die Folgen unserer Handlungen betrachteten.

Dies als allgemeine Wahrheit aufzustellen gehtdurchaus nicht an: der Schmerz oder das Vergnü-gen, das unser Betragen bestirnt, geht dem Augen-blik des Handelns eben so oft voran, als es dem-selben folgt. Ein Mensch, der in Versuchung fällt,kann allerdings von einem Verbrechen abgehalteawerden durch die Furcht vor der Strafe oder derReue, die nach vollbrachter That ihn erwartet, undin solchem F-ll kann man mit einigem Grund sa-gen, sein Verhalten werde durch das Abwägeu vonJmcreffen oder auch von Motiven besinnt. Der Fallist aber auch möglich und sogar wahrscheinlich, daßer schon durch den Gedanken an die That selbst vonder Vollziehung derselben zurükgeschrekt wird. DerGedanke, sich in die Lage des Verbrechers zn versez-zen, ist ihm so peinlich, daß er den physischen Mnthzur That nicht gemint. Sein Betragen wird durcheinen Schmerz bestirnt, der aber der That vorangeht,nicht auf sie folgt. So kann es sich nicht nur ver-halten, sondern wenn es sich nicht geradezu so ver-hält, so ist eben der Mensch nicht tugendhaft. DieBefürchtung eines ans die That folgenden Uebels sezteine Ueber egung voraus; Wer aber c,st überlegt,der steht schon am Rand eines Abgrundes. Mitwelchem Recht man sagen könne: eine That ohne