Druckschrift 
5 (1836)
Entstehung
Seite
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Der Quellen, ans welchen wir jezt die tragischenMotive schöpfen sollten, sind zwei, nämlich das Ein-fache und das Prächtige. Geschichten ans demgewöhnlichen Leben, die ihr Echo im Herzen desVolkes finden, der Stoff einer Dorftragödie, dieein uns allen gemeinsames Interesse berührt; ergrei-fend aber schlicht, ans der Wirklichkeit genommen,ernst, das Pathos und die Leidenschaft des gemeinenDaseins, wie die Erzählungen von Jeannie Deansoder die Romane von Carwell: dies ist die EineHauptquelle derjenigen Rührungen, an welche derdramatijKe Dichter unserer Zeit sein Talent wendensollte! Ursprünglich wurden die Personen einer Tra-gödie mit Recht aus der vornehmen Welt genom-men. Nach einem ihnen gebärenden Znkommenschritten Könige über die Bühnenbretter; die Hel-din war eine Königin, der Liebhaber ein Feldherr:denn in jenen Tagen gab es kein Volk!Man hielt die erregten Empfindungen für um so tra-gischer, je erhabener die Stellung ihrer Opfer er-schien. Diese Ansicht war im gewöhnlichen Lebenallgemein beglaubigt, und es war daher natürlichund geziemend für die Bühne, sie wiederzuspiegeln.Jezt aber find wir im wirklichen Leben eines andernGlaubens worden und diesem Glauben müssen wir,wollen wir den Zuschauer int-ressircn, auf den Bret-tern in Anspruch nehmen. Wir find zu der Betrach-tung gekommen, daß am Hofe die Gemüthsbewegun-gen nicht am leidenschaftlichsten auftreten; daß die