Druckschrift 
8 (1843)
Entstehung
Seite
21
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Ihre Hände waren in einander gefaltet, ihreGesichter waren himmelwärts gerichtet; sie sprachen nicht,auch waren sie sich nicht bewußt, daß sic beteten, aber ihrSchweigen war Denken, und ihr Denken war Erhebungzu Gott.

Mitten im Kummer und in der Einsamkeit derer,die reines Herzens find, tritt manchmal eine plötzliche,wunderbare Heiterkeit ei» ein Schlafwachen wo derInstinkt des Lebens jenseits des Grabes wie ein geräusch-loser Traum dis Seele beschleicht; und immer ist derHimmel, »ach welchem die Seele sich sehnt, gefärbt vonden Phantasien des zärtlichen, menschlichen Herzens, undJedes gestaltet sich das höhere Jenseits nach den hienie-den ungestillt gebliebenen Wünschen.

Dort," dachte das nachfinnende Mädchen,wirdGrausamkeit und Kampf aufhören, dort 'werden dieschroffen Ungleichheiten des Lebens verschwinden, dortfinde» wir, die wir geliebt und verloren haben, und durchden Sohn, der irdische Leiden kostete, werden wir erhöhtzur Heimath des ewigen Vaters!"

Und dort," dachte der hoch strebende Weise,stürmt derGeist» hienieden eiugekeikert und gefesselt, frei in dieReiche des unendlichen Raumes dort fäll! von jedemGeheimniß der Schleier dort lächelt der Allwissendedenjenigen zu, welche durch das Dunkel des Lebens, dasGrab, diese Lampe, die Seele, genährt haben dortentfaltet sich der Gedanke, auf Erden nur Saamen, zurBlüthe und reift zur Frucht!"