83
wiewohl vergebens, dringend gebeten, seine Arbeit ruhenz» taffen, hat ihm den Schweiß vo» der Stirne geküßtund steht im Begriff, in ihr anstoßendes Zimmer sich zu-rückzuziehen. Sie hat sich der Schwelle genähert, dahorch! ein schwacher, ferner Schrei, bas Kreischen einesWeibeS — der To» einer zugeschlagenen Thüre! DieStimme — es ist die Stimme Anna's! Sybille überschrittdie Schwelle — sie ist im Corridor — der winterliche Mondscheint durch die offenen Bögen — die Lust ist frostig undklar. Plötzlich wird die Thüre am entgegengesetzten Endedes Ganges weit aufgeriffen, eine Gestalt stürzt in denCorridor — sie eilt an Sybillen vorbei — sie bleibt stehen
— kehrt sich um —- „Oh, Sybille!" schrie Lady Anna,mit einer von Entsetzen verstörten Stimme — „rette mich
— hilf—hilf mir! barmherziger Himmel— der König!"
Jnstinktmäßig zog Sybille, erstaunt und zitternd,Unna in das Zimmer hinein, das sie eben verlaffen hatte,und wie sie sich darin sicher wähnten, wie Anna auf denBoden niedersank — da blitzte der Schimmer vo» Gold-tuch durch die dämmernde Atmosphäre, und Edward, nochin dem Staatskleide, worin er bei seinem königlichen Fest-mahl alle Augen geblendet hatte, stand im Zimmer. Seinstattliches Gesicht war aufgeregt von Leidenschaft, undseine klare Hautfarbe vom Wein geröihet und entflammt.Bei seinem Eintritt sprang Anna vom Boden auf undstürzte ans Warner zu, der in stummem Staunen seineArbeit eingestellt hatte, und vor dem Heureka stand, auswelche»! der schwarze Rauch hastig empor dampfte und