23
und inbrünstig weidete sich sein ganzes Herz und Wesendurch das Auge an diesem köstlichen Bild der Unschuldund Jugend, daß er einige Augenblicke gar nicht sah, daßdie Schläferin nicht allein war. Plötzlich drängte sichein Anörnf ans seine Lippen — er ballte die Faust ineifersüchtiger Herzenspein — er trat näher — er beugtesich über sie — er hörte den regelmäßigen Athenizng, wieihn die Träume der Schule nie kennen; und dann wie erin deutlicher Nähe sah diese reine, verschlungene Umar-mung — das friedvolle doch etwas melancholische AntlitzSybillens, welches im Mondschein farblos wie Marmorschien, halb hingcbeugt über das Angesicht Anna's, gleich-sam noch im Schlafe sie bewachend, — beide reizende Ge-stalten so verflochten und an einander gekettet, daß dieZwei nur Ein Leben schienen, beider Brust wie yon EinemAthenizng sich hebend und senkend, die dunkeln LockenSybillens sich mischend mit dem hellbraunen Gold vonAnna's üppigen Haaren, und das Dunkel und das Gold,Locke in Locke gemengt, mit parteiloser Fülle über denHals Beider fallend, der wie Elfenbein unter der gemein-samen Schleierhülle glänzte, als er diesen zweifachenLiebreiz sah : da schauerte das Gefühl, die lieber,eugungvon dem geheimnißvollcn Schutze, welcher der Reinheitinwohnt, wie Eis durch seine glühenden Adern, Bei allseiner Macht als Monarch und als Mann fühlte er dasEhrfurcht und Scheue Gebietende dieses unerwartetenSchutzes — wie Jungfräulichkeit der Jungfräulichkeitden Schild vorhielt, Unschuld die Unschuld bewachte, Die