Druckschrift 
6 (1836)
Entstehung
Seite
122
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keine Reue gefühlt. Nun fühlte ich sie. Ich hatte keinVerbrechen anerkannt und jetzt schien Verbrechen das in-nerste Wesen meiner Seele zu seyn! Das Loos des Oedi-pus, das den Alten das fürchterlichste aller Menschenge-schicke dünkte, war das ineinige. Verbrechen Ent-deckung unheilbare Verzweiflung! Höre in mir dieStimme eines Menschen, der am Rand einer Welt steht,in deren Schauer die Vernunft nicht einzudringen vermag höre mich: wenn Dein Herz Dich zu einem Abweichenvon der Bahn verführen will, die den übrigen Menschenvorgezeichnet ist und Dir zuflüstert:Das mag für Andereein Verbrechen seyn, ist es aber für Dich nicht" so zit-tere; halte fest, fest am Pfad, den zu verlassen es Dichanlockt. Gedenk an mich!

Bei dieser Gemüthsstiinmung war ich jedoch noch ge-nöthiget den Heuchler zu machen. War' ich allein in derWelt gestanden wären Madclinc und Lester mir nichtgewesen, was sse mir waren so hätt' ich meine Thatund deren Beweggründe bekennen hätte zu den Herzender Menschen sprechen hätte die düstere Geschichte derFolgerungen und Lockungen, durch welche wir das klareBewußtseyn verlieren und zu Werkzeugen des Erzfeindeswerden, erzählen mögen! Aber so lang ihre Augen ausmich gerichtet waren, so lang ihr Leben, ihre Herzen anmeiner Lossprechung hingen, kämpfte ich weniger ummeinet- als um ihretwillen gegen die Wahrheit, limihretwillen waffnetc ich meine Seele; ich war ein Böse-wicht und um ihretwillen ward ich znm kühnen, schlauen,