Druckschrift 
6 (1836)
Entstehung
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und selten werden wir trüber gestimmt, ohne zugleichweiser zn werden!

Sonnig, still und klar brach der dritte August 1750an! es war der Morgen der Gerichtsverhandlung. Alssich Minor in der Schwester Zimmer schlich, fand sie Ma-delinen vor dem Spiegel, mit sichtbarer Sorgfalt die rei-chen Locken ordnend.

Ich wollte," sprach sie,Du hättest Dich mir zuLieb zu einem Festtag geschmückt. Sieh, ich will dasKleid anziehen, worin ich ihm anget-.aut werden sollte."

Minor schauderte^ Was ist grauenhafter, als einZeichen der Freude als Zugabe einer bitter», unbarmher-zigen Wirklichkeit zu erblicken?

Ja," fuhr Madeline mit einem Lächeln voll unaus-sprechlicher Milde fort,ein wenig Nachdenken wird Dirselbst zeigen, daß dieser Tag nicht als Tag der Trauer be-trachtet werden darf. Nur die Ungewißheit wars,was unsere Herzen so abdorrte. Wird er losgesprochen,wie wir Alle glauben und hoffen, so ist ja eine äußerlicheSchaustellung unsers Jubels ganz am rechten Platz! Wirder's nicht, nun so werd ich ihm in Hochzeitkleideru vvran-gchen in unser Hochzeitland. Ach," fuhr sie nach kurzemStillschweigen fort und ihr Ansdruck tu Stimme undMiene ward ernster, gesammelter und tiefer:-ach, er-innerst Du Dich noch, wie Eugen uns einst erzählte,daß, wenn wir Mittags ans den Grund einer tiefen Grubehinabsticgen, wir die Sterne sehen würden, die oben auf