Druckschrift 
6 (1836)
Entstehung
Seite
45
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sehen sollten. Dir einen freundlichen Gruß als letztes An-denken Von mir zu bringen, Weine nicht, Walter! Esist etwas Furchtbares, Männer weinen zu sehen! Nurein einziges Mal sah ich ihn weinen schon vor langer,langer Zeit! In der Stunde des Schreckens und der Ge-fahr hat er keine Thränen, Doch es ist keine Frage, diesist eiiie schlimme Welt, Walter, und ich bin ihrer müde.Bist Du'S nicht auch? Was stehst Du mich so an,Minor? Ich bin nicht wahnsinnig! Hat sie Dir gesagt,ich wäre wahnsinnig, Walter? Glaub ihr nicht! Siehmich an, ich bin ruhig und gefaßt! Aber morgen ist o Gott! o Gott! Wenn wennI"

Madeline bedeckte ihr Gesicht mit den Händen undwurde plötzlich still; doch nur für kurze Zeit. Als siedie Augen wieder aufschlug, begegneten sie Walters Blick,wie er durch jene blendenden, herzerstarrenden Thränenhindurch, die blos dem Männerschmerz abgerungen wer-den, das Antlitz betrachtete, von dessen früherem Selbstnichts mehr übrig war, als der göttliche, überirdische Aus-druck, der die Liebliche immer besonders bezeichnet hatte,Ja, Walter, ich welke schnell dahin so schnell,daß keine Ätacht des Geschickes mehr dazwischen tretenkann! Gott sey Dank, der die Lüfte dem geschorenenLamm lau macht; wenn das Aergste geschieht, könnenwir nicht lang getrennt seyn. Eh der zweite Sonntag vor-über ist, kann ich mit ihm im Paradies seyn! WelchenGrund hätten wir dann noch zur Trauer?"

Minor schlang sich unter heftigem Schluchzen um