Druckschrift 
3 (1836)
Entstehung
Seite
133
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1ZL

Schenk der Gazelle; wenn sie lachte, so lachte allesmit, Gesicht, Lippen, Augen, Stirne, Wangen.Das Paradies schien in ihrem Antlitz geöffnet:wenn sie ernst war, so war es ein so hoher undgroßartiger, und doch süßer und einnehmenderErnst, daß man, selbst mit der geringsten Ein-bildungskraft begabt, auf die Ahnung einer neuen,diesem Antlitz nachgebildeten Ordnung von En-geln, zwischen dem Cherub und dem Seraf, denEngeln der Liebe und Weisheit, kommen konnte.Sie war in der Gesellschaft vielleicht nicht ganzso schweigsam, als nach meinem individuellen Ge-schmack gewesen wäre; aber wenn sie sprach, sowar cs immer mit einer Eigenthümlichkcit desGedankens und des Ausdrucks, die es mich bitterbeklagen ließen, wenn sie wieder verstummte. Eswar, als ob eine Schönheit mitten in der Er-schaffung ins Stocken gerathen wäre.

Genug davon jetzt. Ich kramte verdrossen (amMorgen nach dem Abend bei Lady Roseville) ineinigen alten Büchern, als Vincent eintrat. Ichbemerkte, daß sein Gesicht geröthet war und seineAugen mit mehr als gewöhnlichem Glanz funkel-ten. Er sah sich sorgfältig im Zimmer um, rücktedann seinen Stuhl dem meinigen näher und be-gann mit leiser Stimme:

Pelham, ich habe etwas Wichtiges aus demHerzen, das ich mit Ihnen zu erörtern wünsche;aber lassen Sic mich Sie ersuchen Ihrem ge-