240 3. Kapitel. Die brandenburgisch-afrikanische Kompagnie.
standen daher stattliche Mittel zur Verfügung, und man trug Sorge,sie vortheilhaft zu verwenden. Im August wurden sechs, im Dezemberfünf und im nächstfolgenden Jahre drei Schiffe nach Afrika und Amerikagesandt. Mit Spanien war ein Sklavenlieferungsvertrag, der großenGewinn versprach, geschlossen worden?" Der Schiffsbau zu Havelbergwurde vergrößert?^ Dieser ausgedehnte Handelsbetrieb überstieg aberdie Kräfte der Kompagnie, sie arbeitete zum großen Teil mit fremdeniGelde,"" und als ihre Gläubiger sich weigerten, ihr weitere Vorschüssezu machen, vielmehr die bereits dargeliehenen zurückforderten, gerieth sieEnde des Jahres 1693 in eine pekuniäre Nothlage, aus welcher sie sichohne Aufnahme von Leibrenten auf den Namen des Kurfürsten nichtretten zu können vermeinte. Ein Theil der Aktionäre war mit einersolchen Direktion der Kompagnie nicht zufrieden, er meinte, daß sie zuihrem Ruine führen müßte; es brachen nun Streitigkeiten mannigfacherArt im Schooße der Gesellschaft aus, und im Frühjahr 1694 wurdeallgemein der Ruf nach einer Generalversammlung laut.
Aus der dem Freiherrn von Knyphausen, Johann von Danckelmanund Raule ertheilten Instruktion"" ersehen wir am besten die damaligeLage und die Mittel, welche zu ihrer Aufbesserung für dienlich gehaltenwurden. Es wird darin zuvörderst hervorgehoben, daß der Kurfürst nachdem pslichtmüßigen Gutachten der sämmtlichen Geheimen Räthe gemäßdem Transportvertrage zu weiteren Geldleistungen nicht verbunden sei,sondern daß diese vielmehr den Partizipanten allein oblägen. Die hollän-dischen Interessenten hätten es sich selbst zuzuschreiben, wenn sie dadurchin Schulden geriethen, daß sie mehr Geld auf Seeequipagen verwendet,als sie vorher baar zusammengebracht, oder wenn sie durch For-cierung des Handels zu neuen Beiträgen genötigt würden. Dessen-ungeachtet habe sich der Kurfürst zur Aufrechterhaltung der Marine undzur Ermöglichung der von der Kompagnie geplanten Erwerbung der
b° Joh. von Danckelman und Raule an den Kurfürsten, 4. ä. Haag, den5. Januar 1694/26. Dezember 1693. L. 65. 18.
Nach einem Verzeichniß vom Jahre 1694 — L. 65. 18 — waren in Havel-berg seit Beginn der neuen Kompagnie folgende Schiffe gebaut worden:o.) Friedrich III. werth .... 13000 Berl. Rth.
b) Schloß Oranienburg werth . 13000 Berl. Rth.
e) Charlotte Luise, werth . . . 2000 Berl. Rth.
ck) Fliegender Drache, werth . . 2000 Berl. Rth.
s) 2 Schnauen, werth .... 4000 Berl. Rth.
^ In dem Anm. 86 citierten Berichte wird gesagt, daß der gegenwärtigeschwungvolle Handelsbetrieb ein Kapital von etwa einer Million Gulden erforderte.
<1. ä. Köln, den 4. Mai 1694. R. 65. 18.