Druckschrift 
1 (1889)
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

H 1. Plan einer kurbrandenburgisch-ostindischen Kompagnie. 1647—1662. 23

des Kurfürsten aufs höchste geheim zu halten und es nur im äußerstenNvthfall zu entdecken; er soll vorgeben, daß der Kurfürst im Privat-interesse eigene Schiffe durch den Öresund schicken wolle und für dieseZollvergünstigungen, zum mindesten wie solche die Holländer genössen,beanspruche. Mit einem Kreditiv beim König Christian IV. und mitEmpfehlungsschreiben an den damaligen Kronprinzen Friedrich, sowieeinige hohe dänische Beamte ausgestattet, traf Schlezer im August inKopenhagen ein. Am 17/27. durfte er in einer persönlichen Audienz demKönige in Friedrichsburg des Kurfürsten Begehren vortragen und esdurch Überreichung einer Denkschrift unterstützen. Er erhielt indes; schonam folgenden Tage einen abschlägigen Bescheid, welcher damit begründetwurde, daß der König, wenn er dem Kurfürsten willfahrte, nicht alleinmerklichen Abbruch an seinen „Jntraden" erleiden, sondern bei denbenachbarten Herrschaften, deren Unterthanen willig die Zölle abtrügen,schweres Nachdenken mit gefährlichen Konsequenzen verursachen würde.Ans seine umgehende Vorstellung, daß der Kurfürst doch wenigstenswissen müsse, wie seine Schiffe, die noch nie den Sund passiert und dieunter die Königsbergischen oder Memclschen nicht zu rechnen, behandeltwerden würden, eröffnete man ihm noch selbigen Tags, daß es bei demersten Bescheide bewende und daß man die kurfürstlichen Schiffe nichtanders, als ,,insgemein krallquironcka ästimieren" könnte.

Als die wahren Ursachen dieser „unbeweglichen Resolution" giebtSchlezer an: die Erschöpfung der Königlichen Schatzkammer, die mandurch alle Mittel und Wege zu ersetzen suchte, den Willen des KönigsNiemanden im Öresund ohne zwingende Nothwendigkeit zu begünstigen,den Mangel an zuverlässigen Rathgebern, indem der König nach Fried-richsburg nur einige Hvfjunkcr und einen Sekretär mitgenommen Hütte,eine Mißstimmung gegen Brandenburg und endlich die Furcht vorSchweden, welches dahinter eine geheime ihm nachtheilige Allianz witternmöchte.^ Im Vertrauen ward Schlezer gerathen die Sache nicht ganz

b' Der letzte Grund hatte in der That etwas für sich. Die schwedische, wieauch die französische Diplomatie beschäftigte sich bald genug mehrfach mit dieser Sendung,die nach ihrer Vermnthung den Zweck hatte für den Fall einer Ruptur des Kurfürstenmit Schweden diesem die Hilfe und den Rath Dänemarks zu sichern. S. Ilrk. u. Menst.,Bd. 4, S. 631 (685).

Der Herausgeber jenes Bandes (Erdmannsdvrsfer) fügt in einer Anmerkunghinzu: „Ob derselben auch Motive der oben «»gedeuteten Art wirklich zu Grunde lagen,läßt sich nicht entscheiden; es existieren über die Sendung keine weiteren Akten,als ein von Schlezer mit Obristian IV. von Dänemark abgeschlossener Vertrag (äat.XopsnÜLAen 14. blov. 1647) über die Schiffahrt durch den Sund." Das letztere istirrig; die Akten waren ihm nur nicht bekannt.