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1 (1889)
Entstehung
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1. Kapitel.

Entwickelung. 5 Seine Regierung fiel in eine Epoche, die zur wirth-schaftlichen Neugestaltung allen Anlaß bot, ja die schon mit Machtüber den engen Kreis des kleinen Territoriums hinauswies auf dieBahn der staatlichen Zusammenfassung der Kräfte. Eine ungeahntePerspektive hatte sich in Indien und Amerika dem Welthandel eröffnet;der Besitz der Gewürzkolonien und der neuen Gold- und Silberländerverhieß den Staaten, welche es verstanden, an der Beute Theil zu nehmen,unermeßliche Rcichthümer. Die ganze äußere Politik jener Zeit faßtesich zusammen in dem Gegensatz der gesonderten Lebens-, Macht- und Wirth-schastsinteressen der neu sich bildenden Staaten, deren jeder in der euro-päischen Nölkergesellschaft und auf dem jetzt Amerika und Indien um-spanncnden Weltmarkt seinen Platz sich erringen und behaupten wollte. °

Wo konnte Friedrich Wilhelm, der besser als jeder Andere denGeist seiner Zeit verstand, einen geeigneteren Ausgangspunkt für seinedem Bolkswohle gewidmeten Pläne finden, als in den Häfen der Ostsee?Galt diese doch seit jeher als die Mutter aller Kommerziell. Schonin den frühesten Zeiten des Mittelalters hatte sich hier ein großer Handelund blühender Schiffsverkehr entwickelt, erst in slavisch-gothischcn, dannvorzüglich in deutschen Händen. Seit dem 17. Jahrhundert waren esdie Holländer eurerseits, die Dänen und Schweden andererseits, welchedie Deutschen verdrängten. Die Leichtigkeit der Küstenschiffahrt, die Groß-artigkeit der hier mündenden Stromsysteme, die Fischerei und der hierzuerst entwickelte Handel mit Massenprodukten, wie Holz und Getreide,der Zusammenhang des Ostseehandels mit Flandern und Holland, sowiemit den großen russisch-asiatischen Handelswegcn, hatten diesen längstznm wichtigsten Zweige des nordeuropüischen Handels überhaupt ge-macht; gegen 1200 holländische Schiffe kamen damals durchschnittlichjährlich in die Ostsee.Wenn die Kommerziell in der Ostsee nicht freiblieben," erklärten die holländischen Gesandten in Münster,dann könnecs in zehn Jahren dahin kommen, daß ans der Börse in AmsterdamGras wüchse und man die Schiffe zu Brennholz in die Kamine ver-wenden müsse. Das Oouiinilliu inaris daltioi war eines der großenallbeherrschenden Schlagworte der Zeit".'

Die Erwerbung Pommerns und seine Bereinigung mit Branden-burg-Preußen war daher der sehnlichste Wunsch des Großen Kurfürsten.

5 S. das vom Großen Kurfürsten eigenhändig geschriebeneBedenken, ob Icheinige parlis rtzo oder ins Künftige allnehmen solle" vom Juni 1647, Urk. und Menst.,Bd. 4, S. 552 sf.

° S. Schmoller, a. a. O., Bd. 8, S. 41 ff.

' Schmoller, a. a. O., Bd. 8, S. 383.