VIII
Vorrede.
Neues Licht darf aber noch erwartet werden, und es ist zu wünschen,daß die Hoffnung, welche vr. Schück — unten S. 15, Anm. 21 —Non dem Wiederauffinden der Gijsels'schen Papiere hegt, in Erfüllunggehen möchte.
So harrte die von dem Grafen von Hertzberg gerügte Lücke inder Geschichte Brandenburg-Preußens noch immer ihrer Ergänzung.Es muß daher dankbar anerkannt werden, daß vr. Schück sich der mühe-vollen Aufgabe unterzogen hat, die in den Archiven zu Berlin, Aurichund Emden aufgestapelten Urkunden einer genauen Durchsicht zu unter-werfen. Die Ergebnisse seiner Studien haben dein Ruhmeskranze desGroßen Kurfürsten das Blatt hinzugefügt, welches geeignet ist, ein Bilddavon zu geben, wie er sich um die Hebung der wirthschaftlichen Wohl-fahrt seines Volks bemüht und schon vor mehr als zwei Jahrhundertenin unablässigem Kampfe nach einem Ziele gestrebt hat, dessen erfolgreichereWiederaufnahme erst seinem späten Enkel, dem ersten deutschen Kaiser,nach Aufrichtung des neuen Reichs vergönnt war.
Von Kaiser Wilhelm I. wird nach dem Erwerb der ersten Schutz-gebiete in Westafrika eine Äußerung erzählt, die er seiner Umgebunggegenüber gemacht haben soll. „Jetzt erst — meinte der greise Kaiser —kann ich wieder dem Standbild des Großen Kurfürsten gerade ins Gesichtsehen." Die heutige deutsche Kolonialpolitik ist aber nicht bloß eineWiederherstellung der früheren brandenbnrgischen; sie ist nicht bloß eineGenugthuung für die anfgegebenen früheren Besitzungen. Sie ist aufselbständigen wirthschaftlichen und politischen Grundlagen erwachsen, abersie hat — was viele heute absichtlich oder unabsichtlich außer Achtlassen — mit der früheren und eigentlich mit jeder Kolonialpolitik sehr vieleBerührungspunkte. Die Erfahrungen, welche nun die Zeitgenossen machen,sie hat der Große Kurfürst mit seinen Enttäuschungen und Hoffnungenerleben müssen. Die Ursachen, aus denen die damalige Kolonialpolitikscheiterte, treten genau in derselben Weise auch heute zu Tage, wie dieAnfeindungen innerhalb und außerhalb des Reichs.
Ehe ich daher näher auf die Arbeit des vr. Schück in ihren Einzel-heiten eingehe, glaube ich es nicht unterlassen zu sollen, jene Berührungs-punkte der früheren und jetzigen Kolonialpolitik zu streifen. Heute dürfenwir hoffen, daß die Schwierigkeiten, denen der Große Kurfürst mitseinem kleinen, aus dem Wirrsal langer Kriege in Noth und Elendgeretteten Brandenburg unterlegen ist, von dem deutschen Reich unterFührung Kaiser Wilhelms II. und bei dem allmälich wiedererwachtenBewußtsein der Nation sieg- und erfolgreich werden überwunden werden.
Dem Beginn der Kolonialpolitik gingen große Kriege voraus.