Druckschrift 
2 (1907) Geistliche - Bürger, 1
Entstehung
Seite
XVI
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XVI

Vorbemerkungen.

daz ist ein gotlidender mensche, den die ewige sunne mit grossem, bitterlichem liden cnt-ferwet und mit eime lebenden sterbenne diser weite entstellet, und aber den innerenMenschen mit gnadricher, minneklicher lütselikeit kleidet. Wer uff der himelschen Heide sichermeijet hat, der atztet nüt vil uff des zitlichen meien Wat; oder waz sol ime rosenrot,vyol, lylien und allerlei) varwe der blümen, so sin Hertz davon in keiner wise kan gerüwen?

Min kint, min kint, warzü gibe ich dir schöne wort, so min ögen svolj Wassers und

min hertze vol füres ist? Und daz machet daz lieplich töten, in dem uns got in diser

welle vor vil andern menscheu tötet. Ach, minneklicher got, es ist lihte zu sprechen»«und lihte hören, es tut aber als gar we ein gegenwärtiges enpfinden. Kint mins,

hat unser got vergessen, weis er uns nüt lebent? Owe, schöner, zarter, truter herre von

himelrich, wes hastu gedaht über uns? Wie mag dine hant so swer sin, und diu hertzedoch so rehte milte ist?"

So geht der Brief weiter, viel ausführlicher und viel schöner als der PrcgerscheText, der nur einen schlechten Auszug darstellt.

Hinter der Stelle, die unserer S. 5, Zeile 17 einigermaßen entspricht, folgt dannim ungekürzten Brief (Bihlmeyer S. 440 f.):

Herre, dis stosset mich reht in mich selber, und so ich gerne etwenue einenungeduliigen gedank hetti, so erschamen ich mich berlich und gedenke: ,vwe, wer bin ich,daz du, gcminter almehtiger herre, mich geruchest dinsn lieben fründen, dinen zartenHeilgen glichen? Ich bin doch nüt wirdig, daz du au mich armen verschulten Menschengedenkest. Owe, schöner herre, möht ich aber din minne und dine liebe, diu zarten süssenhcimeliche erwerben! Eha, herre, so töde, so Marter, so Vertrag mir nüt uff ertrich i Sich,herre, wer ich kenne der zartest, minneklichest mensche, der uff allem eririch lebet nachaller wirdekeit, daz müsse an mir erdorren, und so daz erdorroti, so wölti ich, daz dennohtlusent andrst Menschen uatürlichü blügende schöni ir jungen natur in minem hertzen undlibe erdorren soltil

Herre, dis sprich« ich, so ich bi mir selber bin, owe, mer, so du, geminter schönerherre, bi mir bist. Herre, ob ich aber allen ziten hierinne niht stan nach dem gegen-wärtigen anblicke, darumb Han ich dich doch nüt verlorn morgent und abent ist eingantzer tag. Herre, min verschaltes leben oder aber din geminies usserwelen hat michvor der weite entstellet. Daz si. Sol ich daz klagen? Nein ich, genierlich!"

Auch aus dem späteren Text möchte ich noch eine Stelle als Probe anführen(S. 442 f.):

Kint mins, gehoben uns wol! Wir sint nüt allein die versmehten, der mer teildes himelschen Hoves sint da unser gesellen. Sint wir den lüten unnütz: das widin holtzist unfruhtber, man machet aber gar schöne lütselign bilde darus, dien me eren Wirt er-brüten kenne den hohen zederbömen. Nemen unser glichen herfür und erlösen uns,lassen uns reht wohl sin! So arme dürftigen, die in Hungersnot sint, züsamen koment,so gewinnent etwenn ein kurtzewile, daz ires Hungers vergessent."

Die Geschichte mit dem Fußtuch wird am Schluß ausführlich in der Ichform er-zählt, ähnlich wie sie Sense in seinem Leben (Bihlmeyer S. 58) erzählt hat (vgl. diemodernisierte Wiedergabe in unserm Bande S. 5, Anm. 5).

Sonst sei zu Brief Nr. 1 noch bemerkt, daß bei der Wiedergabe im Kleinen Brief-buch (Bihlmeyer S. 867s.) hinter der Überschrift:Wie sich ein mensch" usw. ausdrücklichdie Adresse steht:Elsbeten der Staglin ze Tözz!" s

S. 4, Anm. 6 muß heißen: Hohel. l,4 (Vulgata). Zu S. 5, Z. 2 vgl. Offenbar.Joh. 21,10ff., zu S. 5, Z. 4: Paulus 1. Korinth. 4,13, zu S. 5, Z. 15: siout psilis- Hohel. 1, 4 (Vulgata), zu S. 5, Z. 17 f.: SKO snm vsrmis Psalm 21, 7 (Vulgata).

Zu Nr. 2 ist weniger zu bemerken. Dieser Brief gehört nicht zu den von Geusegekürzten elf Briefen. Er befindet sich im Großen Briefbuch unter Nr. III, bei Bihl-