Druckschrift 
2 (1907) Geistliche - Bürger, 1
Entstehung
Seite
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Vorbemerkungen.

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ist überhaupt gar keine Originalarbeit." Weiterhin sagt Bihlmeyer (S. 42*):Daß sichSeuse in seiner Meinung, das ursprüngliche Briefbuch sei bis auf den ins Kl. Bfb. über-nommenen Rest vernichtet, getäuscht hat, ist richtig und immerhin auffällig. Aber dieTatsachen verlangen die Annahme: es muß noch ein zweites Exemplar des Briefbuches,sei cs in der Hand der Stagel oder einer Gcsinnungsgenossin, existiert haben, das erhaltenblieb. Völlige Aufhellung des Rätsels wird uns wohl nie gelingen."

Für uns kommt nun vor allem in Betracht, daß es Bihlmeyer auf Grund um-fassender Handschristenforschung und einer Reihe noch nicht bekannter Manuskripte gelungenist,das Große Briefbuch in guter Rezension vorzulegen".Zum erstenmal werden indieser Ausgabe jene elf Briefe, welche Seuse gekürzt in das Kleine Briesbuch aufnahm, inihrer ursprünglichen Form bekannt gemacht" (S. V). Wie in diesem Bande S. 4, Anm. 3erwähnt ist, hat Elsbeth Stagel Seuses Briefe gesammelt. Seuse selbst wählte einen Teil derBriefe,kürzte sie und machte ein neues Büchlein von elf Briefen, das er als vierten Teildem Exemplar einverleibte" (S. 38*). Diesgerechte Exemplar" sollte nämlich ein selbst-zusammengestelltes und einheitlich redigiertes Korpus seiner Schriften mit revidiertem Textwerden. Hierfür sind nun auch jene Briefe umredigiert, stark gekürzt und in lehrhafterAbsicht umgeordnet. Diese Briefe publiziert Bihlmeyer nunmehr auf Grund der bestenHandschrift des Exemplars, der Handschrift ^ (Berlin, König!. Bibliothek, Ns. Kvrw.gnarto 840), die als Führerin zu gelten hat. Ihre ursprüngliche Gestalt ist aber injenemGroßen Briefbuch" erhalten. Zu den so zu rekonstruierenden Briefen gehören unterden von mir ausgewählten Stücken Nr. 1 und der größte Teil von Nr. 3 (bricht ab).Nr. 2 hingegen hat nicht zu den gekürzten elf Briefen gehört, ist also ursprünglicher geblieben.Ihr entspricht der III. Brief desGroßen Briefbuchs". Über dessen Überlieferung sagt nunBihlmeyer (S. 43*):Was das Handschriftenverhältnis in bezug auf das Gr. Bfb. betrifft,so ist es nicht leicht, ein klares Bild hiervon und eine sichere Grundlage für die Text-gestaltung zu gewinnen, und dies insbesondere deshalb, weil fast bei jedem Brief dieZahl der ihn überliefernden Hss. sich anders zusammensetzt, und weil es an einereigentlich führenden Hs. fehlt. Sämtliche Texteszeugen sind vom Archetypus schonziemlich weit entfernt, und keiner derselben ist frei von zahlreichen Verderbnissen undAuslassungen." Bihlmeyer hat in sprachlicher Hinsicht 2 (Zürich, Stadtbibliothek, Hs.6. 69) zugrunde gelegt,weil diese Hs. vermöge ihres Alters und ihrer Mundart demOriginal am nächsten stehen dürfte".Bei den Briefen, welche in 2 nicht stehen, ist s(Stuttgart, Oocl. düsoi. si xstil. 4". 67) bevorzugt." Jedenfalls ist für unsere drei Briefe derPregersche Text der weit schlechtere. Auch für den im Großen Briefbuch nicht enthaltenenSchluß von Nr. 3 müssen wir uns an den besseren Text des Kl. Bfb. bei BihlmeyerHallen. So erachte ich es denn für notwendig, da ein neuer Abdruck aller drei Briefenicht gut tunlich ist, das Wichtigste über die ursprüngliche, resp. dem ursprünglichennähere Gestalt unserer Briefe hier zusammenzustellen.

Von Brief Nr. 1 (Großes Briefbuch Nr. XII (Kleines Briefbuch Nr. Illj),(Bihlmeyer S. 439 ff. (vgl. S. 367 f.j) gebe ich den Anfang des ungekürzten Briefesvollständig:

XiAra sum, seä lormosa, tilias lerusalsw, sieub ts-ösrnaenia Osckar, sieud xsliis8aiomonis. Also stat geschriben an der minne buch von der minnenden sele. Dietbhtren von Jerusalem hatent ein angaffen mit einem wunder her Salomonis usserweltenfrowen, daz so swartz was und ime doch wol under vierzig und hundert frowendie liebste was. Des autwürt in togenlich und sprichst also: ,XiZra »um 6te., ich

bin swartz und bin aber doch lütselig und minneklichff reht als ob spreche: ,mir ist

lieber ein gnadrich, lütseligü swertzi denn ein schin einer gnadlosen wisst!

Ach, nu hörent, ir schönen löhtren, waz meinet der heilige geist hierinne? Wer ist

disü swartzü lntseligü mörin, die dem himelschen Salomon so reht minneklich ist? Sehent,