Druckschrift 
2 (1907) Geistliche - Bürger, 1
Entstehung
Seite
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Einleitung.

findet, von welchen Stellen her ich ja auch die bereits gedruckten Briefe über-nommen habe. Die vorliegende Quellensammlung muß also billigerweise nurmit jenen Publikationen in Parallele gestellt werden. Dann wird sich vielleichtsogar ergeben, daß in ihr philologisch einiges mehr geleistet und mehrphilologisches Rüstzeug mitgebracht" worden ist als in jenen. Was würdewohl herauskommen, wenn man eine Reihe von Editionen namhafter deutscherHistoriker nachträglich nach Art Schönbachs prüfen wollte? Wobei noch zubeachten ist, daß in jenen die Worterklärung möglichst, oft überhauptvermieden ist, während in der vorliegenden Publikation die Benutzung inder weitgehendsten Weise zu erleichtern versucht wurde.

Auf den Inhalt des vorliegenden zweiten Bandes will ich hier nurganz kurz eingehen. Er unterscheidet sich von dem des ersten wesentlich, unddie Scheidung nach Ständen erweist sich durchaus als berechtigt. Die Abteilungder geistlichen Briefe trägt einen wirklich geistlichen Charakter freilich nurzum Teil, wenn die Briefe auch in der äußeren Form, in den Eingangs-grüßen usw., sich fast durchweg als geistlich dokumentieren. Aber namentlichtreten doch die die Klosterinsassen neben den geistlichen bewegenden sonstigenInteressen uns besonders anschaulich entgegen. Übrigens ist zu beachten,daß in der Abteilung: Geistliche auch die au Geistliche gerichteten Briefemit ausgenommen sind, daß aber andererseits die Briefe von Geistlichenund Klosterfrauen, die an Fürsten gerichtet sind, oder derjenigen Kloster-frauen, die fürstlichen Geblüts waren, bereits in der ersten Abteilung enthaltenfind (siehe darüber auch die alsbald folgenden Vorbemerkungen S. XIX ff.).Daß gerade für diese Abteilung die noch erhaltenen lateinischen Briefe besondersnach der geistlichen Seite hin eine wesentliche Ergänzung bieten würden, istklar; weniger würden sie wohl für die hier im Vordergrund stehende kultur-geschichtliche Seite ergeben. Tiefe Einblicke in den sittlichen Verfall derOrden, in das zuchtlose Leben der Klöster erlauben die hier vollständig vor-gelegten Söflinger Briefe, die aber auch wieder das Kloster- und Ordens-leben in äußerer Beziehung vielfach veranschaulichen. Viel ergibt sich inletzterer Beziehung aus den Langeuhorster Briefen. Die Beziehungen desKlosters zur Welt, der Klosterfrauen zu den Angehörigen draußen in derWelt spielen in ihnen wie in den nur vereinzelt erhaltenen Briefen derSammlung auch eine Rolle, die Familienbeziehungen eine besondere in denGnadenberger Briefen und in den innig-naiven Briefen Gertruds vonSickingen aus Trier und Hoogstraeten. Aus den beiden letzten Gruppenatmet aber auch eine naive Frömmigkeit, die ja eine starke Äußerlichkeitin dem Gebrauch hergebrachter Formen und Wendungen freilich nicht zuverleugnen vermag. Inneres religiöses Leben in tiefster Form spricht ausden ältesten Briefen der Sammlung, den Briefen der deutschen Mystiker,von denen wenigstens eine kleine Auswahl aus den bereits vorhandenenPublikationen unserer Sammlung unbedingt vorangeschickt werden mußte.