Architektur, der Heraldik und verschiedener Hülfswissenschaften alsunbedingt erforderlich.
Besonders gute und reich illustrirte Werke haben uns England,Belgien und Frankreich geliefert. In den letzten Jahren ist auch diedeutsche Litteratur in erfreulicher Weise bereichert worden. EingehendeWürdigung werden die Werke am Schlüsse des geschichtlichen Vortragesfinden.
Der Glasmaler muss ausserdem, wie schon oben angedeutet wurde,die Stätten bereisen, an welchen sich noch Reste monumentaler Glas-malereien oder gute neue Werke vorfinden, um diese in Farbenstimmungund Zeichnung auf sich wirken zu lassen und um die Technik derselbengründlich zu studiren.
Ein weiterer, und zwar recht häufig vorkommender Grund für dieVerbreitung mindenverthiger Glasmalereien liegt in dem Kostenpunkt.Leider ist durch billiges Angebot die Werthschätzung unserer Erzeug-nisse eine irrige geworden; dies ist um so schlimmer, als die Kenntnisseauf diesem Gebiet bei einem grossen Theil des Volkes und selbst beiLeuten, welche als Abnehmer dieser Werke Interesse daran habensollten, noch recht mangelhafte sind. Es ist ein grosser Unterschied,ob vorzügliches Material oder ob mindenverthiges Glas angewendet wird,ob ein tüchtiger Künstler den Entwurf zeichnet und ausmalt, oder obein in der Ausbildung begriffener Anfänger die Arbeit ausführt.
Flierin, meine Flerren, finden Sie die Erklärung der oft unbegreiflichscheinenden Preisunterschiede. Erhält dann der Auftraggeber dem nie-drigen Preis entsprechende oder vielleicht nicht einmal entsprechendeArbeit, dann schweigt er kluger Weise, auch wenn er von der Minder-werthigkeit der Leistung überzeugt ist. Viele Auftraggeber werden so,abgesehen von dem eigenen Schaden, durch das Drücken der Preiseunbewusst zu Mitschuldigen an dem Rückgang des tüchtigen Kunst-gewerbes.
Es würde mich heute zu weit führen, auch fürchte ich den Vor-wurf, zu sehr pro domo zu sprechen, — ein wenig, meine Herren,müssen Sie mir schon zugeben — sonst könnte ich Ihnen hierüber rechtlehrreiche Beispiele in grosser Zahl anführen. Nur den praktischenWink will ich Ihnen geben: Verlassen Sie sich bei grossen Aufträgennicht zu sehr auf die von Ausstellung zu Ausstellung wandernden Renom-mirstücke und auf schöne Redensarten, sondern besuchen Sie, wennmöglich, verschiedene Anstalten, und urtheilen Sie dann nach den täg-lichen Leistungen. Gott sei Dank, besitzen wir heute in Deutschlandmehrere vorzügliche Anstalten, welche ich im geschichtlichen Vortragbei der Beschreibung unserer Zeitepoche aufzählen werde. Vor allemlassen Sie sich nicht durch billiges Angebot locken.
/