in den Stand gesetzt, das herrliche Farbenspiel der alten Glasmalereiengetreu wiederzugeben, andererseits haben wir heute gründlich vorge-bildete und zwar eigens für unser Fach vorgebildete Zeichner undGlasmaler. Mögen in früheren Jahren auch von bedeutenden Meisterngrossartige Kartons gezeichnet 1 ) worden sein, so entsprachen dieselbendoch weder dem strengen Charakter noch der Technik der Glasmalerei.Dazu kam dann noch, dass die ausführenden Glasmaler die alte Techniknicht kannten und in Folge dessen unter Aberkennung der richtigenGrundsätze die schon von vornherein für Glasmalerei falsch aufgefasstenund zu weich gezeichneten Kartons auch noch in ungenügender, bezie-hungsweise unrichtiger Weise ausführten.
Wenn nun bis in die allerneueste Zeit hinein doch immer nochArbeiten angefertigt werden, in welchen man die glänzende Farbenprachtder alten Werke vermisst, oder in welchen man verzeichnete — ichmeine nicht etwa stylisirte — Formen findet, so liegt dies zunächstnur an dem Mangel an Leistungsfähigkeit einzelner Anstalten, derenLeiter oder Inhaber weder wissenschaftlich noch technisch befähigt sind,den berechtigten Anforderungen der heutigen Zeit zu genügen. Weit ge-fehlt wäre es, für derartige Mängel unsere schöne Kunst als solcheverantwortlich machen zu wollen.
Neben den praktischen Erfahrungen erfordert die Glasmalereisorgfältige kunsthistorische und technische Studien sowohl in der ge-sammten einschlägigen, heute schon ziemlich umfangreichen Litteratur,als auch an alten und neuen mustergültigen Glasmalereien. Hierbeimuss ich gleich betonen, dass auch unter den alten Werken Arbeitenzweiten und dritten Ranges sich befinden; nicht alles, was alt ist, istdarum auch gut. Schon Edmund Levy sagt in seinem berühmten Werke»Histoire de la peinture sur verre« 2 ): »De nos jours le peintre sur verrene peut plus, comme autrefois, ignorer l’histoire de son art.« (Heutzu-tage darf der Glasmaler mit der Geschichte seiner Kunst nicht mehr,wie ehemals, unbekannt sein.)
Noch grössere Anforderungen, und das mit Recht, stellt Warringtonin seinem vorzüglichen Werke 3 ) an die theoretischen Kenntnissedes Glasmalers; er verlangt vom Glasmaler gründliches Studium der
') Hierher gehören die an und für sich meisterhaft ausgeführten Fenster imsüdlichen Schiff des Kölner Domes. Die Glasmalerei des 19. Jahrhunderts nahmsich merkwürdiger Weise bei ihrem Wiedererwachen nicht die alten Werke zum Vor-bild, sondern lehnte sich an die Kabinetmalerei der Renaissance an und geriethso in falsche Bahnen.
2 ) Edmund Levy (et Capronnier) : Ilistoire de la peinture sur verre en Europeet particulierement en Belgique. Bruxelles 1860.
3 ) William Warrington: The history of stained glass etc. etc. London 1S48.