Druckschrift 
2 (1832) Geschichte des Johanniter-Ordens
Entstehung
Seite
77
Einzelbild herunterladen
 

der kindische König Balduin V. Der Verdacht die-ses so schleunigen TodeS siel theils auf den Reichs-'Verweser, theils auf die Mutter des jungen Monar-chen, die, voll ehrgeiziger Plane, nach dem unbe-schränkten Besitze der Krone strebte, um sie ihremGemahle, dem Grafen Veit von Lusignan, in dieHände zu spielen. Der Verdacht schien um so ge-gründeter, als man nie etwas Näheres von derKrankheit noch von der Todesart des jungen Fürstenerfahren hatte.

Kaum war der Leichnam des Knaben in der kö-niglichen Grabstätte beigcsetzt, so verlangte die Mut-ter von dem Patriarchen und den Großmeistern derbeiden Orden, als nächste Blutsverwandte, die Krone.Weder Heraklius, noch Gerhard von Ridcfort, Mei-ster des Tempels, machten Schwierigkeiten; nurRoger des Moulins wollte den zwischen dem Kö-nige Balduin IV. und dem Grafen Raymund ge-schlossenen Vertrag aufrecht erhalten, und behaup-tete, daß über den erledigten Thron kein andererverfügen dürfe, als die in jenem Vertrage bcstinnn-tcn vier hohen Fürsten.

Die Gräfin und ihre Anhänger sahen wohl ein,daß sie ohne Beistimmung dieser Männer nicht leichtzum Ziele gelangen konnten, indem cs ihnen selbstnicht möglich war, ohne Willen der Großmeisteranders als mit Gewalt sich die Insignien des Kö-nigthums zu verschaffen. Denn diese lagen in derReichs-Schatzkammer, zu welcher einzig und alleinnur der Patriarch und die zwei Großmeister denSchlüssel hatten. Roger des Moulins weigerte sich,diesen auszuliefern, so lange die Gräfin Sibyllanicht von den Baronen des Reichs als rechtmäßigeErbin der Krone öffentlich anerkannt wäre. Erst