Allgemeine Historische T^schenbMiotheL für Jedermann. Sieben und dreißigster Th eil. Geschichte der drei wichtigsten Ritterorden des Mittelalters. Zweites Bändchen. Erste A b t h e i l u n g. Dresden, P. G. Hilscher'sche Buchhandlung. 1832 . Geschichte der drei wichtigsten Ritterorden des Mittelalters: Templer, Johanniter und Marianer, (oder deutsche Herren) von Aarl Falkenftein, Bibliothekar an der König!. Sächs. öffentlichen Bibliothek zu Dresden, und mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitgliede. Zweiter Th eil. Geschichte des Johanniter-Ordens. Dresden, P. G. Hilscher'sche Buchhandlung. 1832 . Vorwort a l s Einleitung., ->Hn diesen an großen und außerordentlichen Begebenheiten so reichen Tagen, wo die verschiedenartigsten Begriffe von Recht und Unrecht, Gesetzlichkeit und Willkür, Volksausstand und Empörung die Gemüthcr der Menschen wie Pole von einander entfernt halten, wo neben dem Triumphruf der Liberalen das Zetergeschrei der Absolutisten ertönt, und eine dumpfe Unruhe, wie sie in der Lust dem Sturme vorangeht, die Völker mit dem Schleier des Schweigens deckt, mag es Viele wundern, durch eine Geschichte des Malteserordens die Anklange des veralteten und verhaßten Feudalwescns wieder ins Leben * t VI gerufen zu sehen, dessen bloßer Name schon den Radikalen schaudern macht; Viele aber mögen sich freuen, den Ursprung, Fortbestand und Untergang eines Institutes kennen zu lernen, das — eine Vereinigung barmherziger Brüder — gar bald von der Krankenpflege in Jerusalem sich zu einem souverainen Staate erhob, seinen Einfluß durch alle Lander Europa's verbreitete, das — so oft seiner Auflösung nahe — sich immer wieder erhielt, aus jeder Gefahr ruhmvoller, wenn auch nicht mächtiger hcrvvrging, und endlich unter dem Schutze eines der trefflichsten Könige, die jetzt auf Europa's Thronen sitzen, in dem Lande deutscher Zunge, das allen.übrigen voranleuchtet, zum wenigsten den Namen und einen schwachen Wiederschein seines ehemaligen Glanzes gerettet hat. Der unbefangene Forscher wird das Großartige in dem Orden der Johanniter trotz seiner vielen Schwächen nicht übersehen. Wer kann ohne stille Bewunderung denselben Ritter, der einige Stunden zuvor das Schlacht- schwcrt zum Schutze der Christenheit schwang, einen Gichtbrüchigen oder mit ekelhaften Geschwüren bedeckten Kranken aus Demuthsinn nach VII dem Beispiele des Heilandes reinigen, pflegen und die Speisen reichen sehen, wer ohne Staunen die Tapferkeit, mit der sich die kleine Heldenschaar innerhalb der Mauern von Ptolemais, auf Rhodus und Malta gegen die Übermacht der Sarazenen verthcidigt? Wer lies't ohne Erhebung des Gcmüths den freiwilligen Untergang der vierzig Helden im Fort San-Elmo, ein Beispiel von Unerschrockenheit, Gehorsam und Aufopferung, wie sie von den Spartanern bei Thermopyla nur durch die Erhabenheit des Zweckes übertroffen werden? Aubuisson, L'Jsle Adam und La Valette — welche Charaktere! Bei einer Geschichte nun, in der sich Alles um den Begriff des Glaubens wie um eine Angel dreht, wo das Wort „Gläubige" das Recht, und die Benennung „Ungläubige" den Grund zu den grausamsten Verfolgungen angibt, kann es allerdings nicht überflüssig scheinen, den Gesichtspunkt zu bestimmen, unter welchem wir unsere Helden auf dem weiten Schauplatze des Mittelalters, aus dem sie hervorgegangen und in dem sie wirkten, ins Auge zu fassen haben. Bis auf Witken hat man allge- VIII mein die Farben zu dem Gemälde der Kreuzzüge von dem Papste Urban geborgt und Mu- hammcd als einen Betrüger und seine Anhänger als Verworfene ohne Ausnahme verdammt, mit einem Worte, man hat — um die Christen zu rechtfertigen — Diejenigen als Kinder des Verderbens geschildert, welche zu verderben jene heiligen Heere ausgezogen waren. Rührende Einfalt bezeichnet die Kindheit des Ordens, Glanz und Ehre krönt seine Jugend, Kampf und Verfolgung prüft sein Mannesalter, — aber bald unterliegt er auch den Schwächen der Menschlichkeit. Wohlstand und Macht — natürliche Gefährten der Tapferkeit und Auger Mäßigung — halfen seinen Sturz befördern. Das Beispiel der Johanniter, sowie das der Templer, bekräftigt die unumstößliche Wahrheit, daß nichts Bestand hat, was Eitelkeit und Ichsucht beherrscht, selbst wenn es Aufopferung und Tugend begründete, — daß nur die ewige Vernunft für die Ewigkeit baut. Im Gebiete der Kirche wie im Bezirke des Staates führt nur Selbstverleugnung zur wahren Größe, d. h. zu der von jedem Vernünftigen als Ziel vorgesteck- ten Humanität, oder allgemeinen Menschenliebe, und durch diese — zur Unsterblichkeit, nicht aber Trotz und geistloses Kleben am tobten Worte der Satzung. Die Rahmen des für ein ununterbrochenes Gemälde zu reichen Stoffes sind: I. Entstehung, Wachethum und Schicksale des Ordens. II. Tafcl der Großmeister. III. Innere Verfassung und Rcgierungsform. IV. Eintheilung der Mitglieder. V. Ordensämter. VI. Zungen, Priorate, Balleicn und Com- menden. VII. Literatur. Möge diese historische Skizze nur ein kleines Sternchen zu dem großen Musivgemälde der Weltgeschichte abgeben — und wenn auch nicht durch den Inhalt (bei der in diesem Augenblicke vorherrschenden Stimmung der Zeit möchte es schwerlich der Fall sein), doch wenigstens durch die Genauigkeit der Ausführung das Interesse des Geschichtsfreundes verdienen, und mit freiem Geiste, ohne Vorliebe und Vorhaß, oder wie X der strenge Tacitus in einer sittenschlaffen Zeit die Worte stellt, — ohne Vorhaß und Vorliebe (sine irs et stullio) — von dem Beurtheiler ausgefaßt werden. Dresden, im Octobcr 1832. Karl Falkenstein. Entstehung des Johanniter-Ordens >Vchon seit dm ältesten Zeiten war es eine fromme Sitte, nach dem gelobten Lande zu wallfahrten, an den heiligen Statten zu beten, und sich in dem Wasser des Jordans zu baden, welches durch Jesu Taufe geweihet war. Als nun vollends Constantin der Große, der erste römische Kaiser, welcher sich zum Christenthum bekannte, und besonders seine fromme Mutter Helena das verschüttete Grab des Weltheilandes, welches man am Fuße der Anhöhe von Golgatha wieder aufgefunden, mit einem hohen Gewölbe auf schönen Säulen überbauen, und daneben einen Tempel, sowie auf der Spitze des Ölberges eine kleine Kirche hatte erbauen lassen, wurden die Pilgerfahrten nach dem gelobten Lande immer häufiger. Die Araber, welche durch Mohammcd's weit um sich greifende Eroberungen im VII. Jahrhundert auch in den Besitz dieses Landes kamen, störten die Pilgrime nicht, sondern freuten sich des Vortheils durch den Besuch so vieler Fremden, und ließen den Patriarchen von Jerusalem und die dortige christliche Gemeinde in ihrer Religionsübung ungekränkt. H. 1 2 Allein nachdem im Jahre 1073 die seldschuki- schen Türken, ein rohes barbarisches Volk aus Osten, diese Länder eingenommen hatten, kamen Klagen über Klagen nach Europa, wie grausam die andächtigen Wallfahrer mißhandelt, und wie empörend die heiligen Örter, wo Christus gelebt, gelitten und geblutet, entweihet und beschimpft würden. Einer von den Pilgern, welcher durch eine besondere Fügung des Himmels, und unterstützt von einer kräftigen Leibesbeschaffenheit der fanatischen Wuth der Barbaren entgangen war, kam mit einer Bittschrift des bedrängten Patriarchen von Jerusalem in Europa an. Sein Name war Peter von Amiens, auch Peter der Einsiedler genannt; der Papst lobte seinen Eifer und sandte ihn an die Fürsten der christlichen Länder umher, um die Gemüther zu einem Auge nach Palästina vorzubcrciten. Seine Rede voll Begeisterung, das Feuer, das aus seinen tiefliegenden Augen strahlte, und die abgezehrte hagere Gestalt, welche zu der Wohnung alles Elends und aller erdenklichen Leiden gestempelt zu sein schien, machten den tiefsten Eindruck. Wo er hinzog, ergriff gleiche Begeisterung Hohe und Niedere. Die beiden Kirchenversammlungen zu Piacenza in Italien und Clcrmont in Frankreich, und der begeisterte Ausruf des Papstes Urban II.: „Gott will es! Gott will cs!" brachten den Entschluß der Ritterschaft und der Großen des Reichs vollends zur Reife. Der 15. August des Jahres 1096 wurde als Versammlungstag des großen Zuges festgesetzt. Unzählige Schaaren von Rittern, Edlen, Reisigen, Knechten und Volk aus Italien, Frankreich, Lothringen strömten herbei, und besonders aus der Normandie, wo in den Nachkommen der Normannen Z noch mit dem alten Heldcnfeuer die Liebe zu fernen abenteuerlichen Zügen lebte. Schon mit Anfang des Frühjahres brach Peter der Einsiedler an der Spitze eines Volkshaufens, der die festgesetzte Zeit nicht abwarten konnte, in Gesellschaft eines französischen Ritters Gaultier mit dem Beinamen „s.ins svoir" (Walther ohne Habe) nach dem gelobten Lande auf. Allein ihrem Heere fehlte Ordnung und regelmäßige Bewaffnung. Die meisten kamen blos bis Ungarn, wo sie ihrer Räubereien wegen erschlagen wurden, und das kleine Häuflein, welches unter Peter's und Walther's Anführung bis nach Kleinasien in das türkische Gebiet gelangte, wurde von den Sarazenen so übel empfangen, daß nur Peter mit einigen Wenigen in dem traurigsten Zustande in die Hcimath zurückkam. Ein so unglücklicher Anfang hätte leicht den Muth zu allen weiteren Versuchen Niederschlagen können, wenn man nicht gewußt hätte, daß diese ersten Haufen zum großen Theil aus der Hefe des Volkes bestanden, und daß es ihren Führern an Klugheit, Erfahrung und Ansehen fehlte. Auf Gottes Gnade gestützt sammelte sich also in der Mitte des Sommers 1096 ein wohlgeordnetes und trefflich gerüstetes Heer, an dessen Spitze viele der angesehensten Fürsten standen: Rapmund von St. Gilles, Graf von Toulouse, der Erste, welcher zum Zeichen der Weihe ein rothes Kreuz auf seine rechte Schulter heftete, ein wackerer Held, der schon unter Alphons II. im Kriege gegen die Araber rühm- lichst mitgekämpst, Hugo der Große, Bruder Phi- lipp's I., Königs von Frankreich, Robert Graf von Flandern, Stephan von Valois, Graf von Chartres und Blois, Robert, Herzog der Normandie, 1 * Bruder Wilhelms des Rothhaarigen, Königs von > England, Tankred, Herzog von Apulien, Bohe- mund, der tapfere Sohn des braven Guiskard, Fürst von Tarento, Balduin von Burg u. A. Kein König war als Anführer der gesammelten Heer- schaarcn zugegen; aber unter den Fürsten und Edlen ragte Gottfried, Herzog von Nieder-Lothringen und Brabant, den man nach seinem Stammfchlosse Gottfried von Bouillon nannte, und der mehrmals in den Schlachtreihen Heinrichs IV. mitgefochten hatte, durch jegliche Heldentugend hervor. Auf ihn fiel einstimmig die Wahl des Anführers. Begleitet von seinen zwei Brüdern Eustach und Balduin brach er mit 90,000 Mann auf, nahm mit denselben den Weg durch Ungarn und die Lander des griechischen Kaisers, wahrend andere Fürsten durch Italien, und von da zu Wasser nach Constantinopel zogen. j Bevor dies im Abendlande geschah, hatte um die Mitte des elften Jahrhunderts eine Gesellschaft von Kaufleuten aus Amalfi in Italien, welchen, da sie jährlich eine Reife nach Ägypten machten, reiche ^ Waaren und künstliche aus Europa mitgebrachte Ar- , beiten den Zutritt am Hofe des Khalifen *) öffneten, den Entschluß gefaßt, den europäischen Pilgrimen einen sichern Zufluchtsort in der heiligen Stadt zu verschaffen, wo sie weder den schwärmerischen Fanatismus der Mohammedaner, noch den bittern Haß der schismatischen Griechen befürchten durften. Durch wiederholte kostbare Geschenke, welche sie sowohl dem Khalifen Mostaksi Billah (Mo- stasser Billach) als seinem ersten Minister darbrach- ^ ten, erlangten sie endlich die Eclaubniß, in Je- » *) S. Anmerk. 1. rusalem unweit dem heiligen Grabe eine besondere Herberge für die abendländischen Christen und zum Behuse der Andachtsübungcn eine Capelle zu erbauen. Die gottesdienstlichen Verrichtungen wurden den Benedictincrn übertragen, und die Capelle zu Ehren der h. Jungfrau, die lateinische Marienkirche (8. Uaria äella l,atina) zum Unterschiede von den Kirchen der Griechen, wo man den Gottesdienst nicht nach den Gebrauchen der römischen oder lateinischen Kirche verrichtete. Bald führte man unweit derselben zwei andere Gebäude zu Herbergen (HIberAia) für die Pilgrime beiderlei Geschlechts auf, in welchen Gesunde und Kranke verpflegt werden sollten. Jedes dieser Gebäude bekam in der Folge seine eigene Capelle, davon eins der h. Magdalena, das andere dem h. Johannes dem Täufer gewidmet wurde, und hiervon nannte man sie später Johanniter. Viele abendländische Christen, von Liebe zur leidenden Menschheit und Religionseisec beseelt, faßten den Entschluß, ihrem Vaterlande auf immer zu entsagen, um sich in dieser heiligen Wohnung der ununterbrochenen Pflege der Pilgrime und Kranken zu widmen. Hier wurden die Wallfahrer des h. Grabes mit offenen Armen ausgenommen, beherbergt, genährt und gepflegt, ja die Gastfreundlichkeit dieser Männer ging so weit, daß sie nach Aussage des berühmten Cardinals Jakob de Vitry, Bischofs von Frascati und St. Jean d'Acre, auf ihre eigenen Tische Brot aus Kleien und Bohnenmehl gesetzt hatten, um den Kranken und Verwundeten das Feinere auszufparen. Die menschenfreundliche Thätigkeit der hülfespen- denden Brüder gab ihnen den Namen der Hospi- ^ talbrüder, der Hospitaliter. Dies ist der Ursprung des edlen Malteserordens, der in jenen früheren Zeiten seines Daseins den Namen des Johanniterordens führte — eines Ordens, welcher, obgleich der politischen j Schaubühne entrückt, für den Philosophen der Mensch- I heit auf ewige Zeiten als eine merkwürdige Er- ^ scheinung dasteht, welcher, wahrend der Orden der > Tempelherren wie ein Meteor glänzte und plötzlich ! aus der Weltgeschichte verschwand, sieben Jahrhunderte hindurch durch seine wohlthätigcn Tugenden ein schimmerndes Licht über seine Entstehung verbreitete, und dessen Thatcn für immerdar ein schönes Denkmal des edlen Einflusses der christlichen Religion sein werden. Gastfreiheit und Menschenliebe waren die Trieb- » federn seiner Existenz, die Früchte seiner Fortdauer. In dem Hospitale zu St. Johannes in Jerusalem fand der verlassene Pilger einen Freund, der > Verfolgte eine Zufluchtstatte, der Unglückliche einen thatigcn Theilnehmer seines Schicksals, der Kranke ^ einen Tröster und Pfleger, und der Langsamhinster- bende ein friedliches Ende, fern von dem Getümmel der Welt — naher seinem Erlöser und den Erwartungen jenseits. Lange genoß dieser edle Schutzort armer Waller nichts als zufällige Geschenke andächtiger Christen aus Europa. Während sich die obenerwähnten Kaufleute aus Amalsi ein eigenes Geschäft daraus ^ machten, jährlich so viel Almosen in den italieni- ^ schen Staaten einzuziehen, als die Unterstützung ihres frommen Instituts crsoderte, verwendeten die Benedictliier Alles für die Erhaltung der großmü- thigen Krankenwärter. Die von den Christen des Abendlandes gegen die Sarazenen unternommenen Kreuzzüge waren für die Hospitaliter die würdigste Gelegenheit zur Auszeichnung ihrer Milde. Gottfried von Bouillon's Zug sollte nach dem Rathschlusse Gottes einen glänzenderen Sieg, als den gewöhnlichen einer furchtbaren Übermacht über die Feinde der Christenheit davon tragen. Die Heldenkrone dieses Führers sollte schimmernder, der Ruhm des Kreuzheeres dauernder sein, und seine Macht zu einem kleinen Häuflein Auserwählter zusammenschmelzen, um in geringer Anzahl den Sieg zu erfechten, und das gelobte Land auf immerdar von dem Despotismus der Barbaren zu befreien. Mangel an Lebensmitteln, Märsche in unbekannten Ländern und auf beschwerlichen Wegen, ein ungewohntes Klima, Hunger und ansteckende Krankheiten rafften mit jedem Tage eine Menge Menschen und Pferde dahin. Der verbreitete Geist der Zwietracht, die Eifersucht, die unter den vornehmsten Kreuzfahrern ausgebrochen war, theilte die Ge- müthec der Volksansühcer, und die Treulosigkeit der griechischen Bundesgenossen, verbunden mit der neidischen Hinterlist des byzantinischen Kaisers Alexis Komnenos, welcher das Heer durch falsche Wegweiser dem feindlichen Hinterhalte entgcgenführte, — Alles dieses war nur zu sehr geeignet, den Muth der Übriggeblicbenen zu schwächen und die Truppen zu erschlaffen. Schon singen auch die tapfersten Ritter an zu verzagen, die Fürsten schwankten in ihrem Entschlüsse, das Volk murrte. In diesem Momente der Kraftlosigkeit fachte einzig und allein 8 der wackere Gottfried von Bouillon die halb erloschene Flamme des Muthes durch sein tapferes Beispiel wieder an. Ohne seine Standhaftigkeit hatte vielleicht auch dieser Zug ein unglückliches Ende genommen. Bekannt mit allen Hindernissen und von Jugend auf vertraut mit Abenteuern und Beschwerden, führte er gelassen sein Heer jedem Unfall entgegen. Keiner scheute, auf ihn blickend, den gewissen Tod, noch die augenscheinliche Gefahr. Eine Heldcnthat folgte der andern, überall Beispiele von Entschlossenheit und Verachtung des Todes, redende Denkmale echt- ritterlicher Tapferkeit, schone Wirkungen des religiösen Enthusiasmus. Die Feinde wurden von allen Seiten geschlagen, Syriens Hauptstädte sielen, Antiochien ergab sich, das stolze Tarsus beugte sein Haupt, Nizea und Edessa wichen der Kriegslist, und Tortosa dem Sturme. Endlich im Juni des Jahres 1099 betraten die Füße der aus tausend Gefahren übriggebliebencn Wallbrüder das Gebiet der heiligen Stadt, und am sechsten Juni erblickten sie von der Anhöhe bei Emaus das Ziel ihrer Wünsche >— Jerusalem. Ein unendliches Jubelgeschrei erfüllte die Luft, und Freu- denthränen stürzten aus Aller Augen. Von einem heiligen Schauer ergriffen warfen sich alle auf die Km'ee, und die Berge, welche rings die Stadt bekränzen, ertönten im Widerhall ihrer lauten Andacht. Kaum konnte Gottfried ihren Eifer so weit zügeln, daß sie nicht tollkühn auf die Mauern der Stadt losstürmten. Ihre Eroberung war nicht leicht, die Besatzung an Zahl viel stärker als die Kreuzfahrer; denn nur etwa 40,000 waren von diesen noch übrig. Der feindliche Befehlshaber spottete im Bewußtsein seiner Übermacht mit stolzem Trotze. Doch weder die Abwesenheit Bohemunds und Balduins, zweier vortrefflicher Heerführer, noch die aus dem Zuge erlittenen Beschwerden vereitelten ihr frommes Vorhaben. Schon am 5tcn Tage ihrer Ankunft befahl Gottfried den ersten, obwohl vergeblichen Angriff. Mit vieler Mühe mußte man Kriegsmaschinen in Form von beweglichen Gerüsten und Sturmleitern in der holzarmcn Gegend zusammen- zimmern. Am 14. Juli wurde ein allgemeiner Sturm gewagt. Ec mißlang; die Belagerten kämpften mit großer Tapferkeit. Am folgenden Tage aber stürmten die Christen von Neuem, und Gottfried von Bouillon war einer der Ersten, der von seinem Kriegsthucme auf den feindlichen Wall springend, die Christusfahne auf Jerusalems Mauern pflanzte. Sein Schwert bahnte den Übrigen den Weg. Bald war die Mauer von allen Seiten bezwungen, die Thore geöffnet, das ganze Heer der Kreuzfahrer stürzte in die Stadt. Ein fürchterliches Blutbad begann. In der ersten Wuth fraß das Schwert alles Lebendige, und nur wenige der Einwohner blieben verschont. Dann, als die Besinnung zurückkehrte, reinigten die Krieger ihre Waffen von Blut, und eilten mit entblößtem Haupte und baarfuß nach den heiligen Örtern; und die Stadt, welche noch eben von dem wilden Geschrei des Mordes erschallte, war nun erfüllt mit Gebeten und Lobgesangen zur Ehre Gottes. Jerusalems Besitz krönte die frommen Wünsche der Christenheit. Jetzt dachte man an die Wahl eines Königs für das neue Königreich Jerusalem. Auf wen konnte die Wahl wohl anders fallen, als auf den Tapfersten und Weisesten im Heere — auf Gottfried von Bouillon? Allein er weigerte sich, da eine Krone zu tragen, wo der Heiland der Welt unter einer Dornenkrone geblutet habe, und nannte sich, obwohl mit der höchsten Gewalt begabt, nur Beschützer des h. Grabes. Rector Gerhard. Schon langst hatte er von dem Edelmuthe und den wohlthatigen Anstalten der Hospitalbrüdcr gehört, allein die Sorge für die Sicherheit seines ihm anvertrauten Reiches hatte ihn bisher verhindert, sic selbst in Augenschein zu nehmen. Nun aber begab er sich in die neuerrichtete Herberge und das Krankenhaus, wo er von dem ehrwürdigen Gerhard, dem Vorsteher derselben, welcher von seinen Untergebenen Ueetor genannt wurde, mit liebenswürdiger Freundlichkeit und tiefer Ehrfurcht empfangen ward. Dieser edle Priester Gerhard, mit dem Beinamen Tom, stammte aus einer angesehenen Familie auf. der Insel Martigucs in der Provence, war als Pilger nach Jerusalem gezogen und hatte nach einem kurzen Aufenthalte daselbst, hingerissen von dem Beispiele der gastfreien Johanniter, den Entschluß gefaßt, als Mitglied in ihre Gesellschaft zu treten, zu eben der Zeit, als eine edle Römerin, Namens Agnes, der Stiftung für die weiblichen Pilgrime Vorstand. Wahrend der Leitung dieses Greises wurden Griechen und Lateiner ohne Unterschied in dem Johannishospital ausgenommen, Mohammedaner selbst genossen Almosen daraus, und alle Einwohner der Stadt betrachteten Gerhard als den gemeinschaftlichen Vater aller Hülstoscn. Wie freudig war das Erstaunen Gottfrieds, als er eine große Anzahl seiner Waffcngcfährten, die man nach der Einnahme der Stadt verwundet hie- hcr gebracht hatte, nun genährt, und gepflegt und viele schon wieder halb genesen fand. Alle priesen die milde und unermüdliche Sorgfalt der Brüder in den rührendsten Ausdrücken der Dankbarkeit. Solche erhabene Beispiele reizten eine Menge junger Edelleute aus dem Heere der Kreuzfahrer zur Nachahmung. Entschlossen, nicht mehr in ihr Vaterland zurückzukehren, und sich ebenso zu Gottes Ehre nur dem Dienste der Kranken zu widmen kamen sie zu Gerhard und baten um Aufnahme. Unter diesen waren vorzüglich Raymund du Puy (Urummiilus äs koäio) aus der Dauphine, Conon von Montaigue aus der Auvergne, Dudon von Eomps und Ritter Gastus (Gaston), über dessen eigentliches Vaterland die Schriftsteller noch uneinig sind. Der Spitalvorsteher Gerhard empfahl nun die Anstalt dem neugckrönten Könige. Aufgemuntert durch die gnädigsten Gunstbezeigungen foderte er dann zum Besten des Ganzen die fromme Gesellschaft, sowohl Brüder als Schwestern aus, ihrer Verbindung durch eine gewisse Regel, oder vielmehr durch eine gesetzmäßige Form, eine bleibende Dauer zu verschaffen. Das Ordenskleid bestand in einem einfachen schwarzen Gewände, an dessen linke Seite ein weißleinenes Kreuz geheftet war. Der Patriarch von Jerusalem legte den Brüdern dieses Gewand eigenhändig an, und nahm ihnen am Fuße des h. Grabes die drei geistlichen Gelübde: „der Armuth, Keuschheit und des Gehorsams" ab. — Einige Jahre nachher bestätigte Papst Paschalis H. dieses neue Institut öffentlich durch eine Bulle *), sprach das Ocdenshaus zu Jerusalem, sowie alle ihm gehörenden Güter in Europa und Asien frei von Abgaben, und sanctionirte nicht nur die bisherigen, sondern auch die zukünftigen Schenkungen, und erklärte ausdrücklich, daß nach dem Tode des frommen Rectors Gerhard die Hospitaliter hinfür nicht mehr von dem Abte des Bencdictincrklostcrs wie bisher abhängen, sondern ihnen einzig und allein das Recht zukommen solle, ein Oberhaupt aus der Mitte der Ordensbrüder an ihre Spitze zu stellen. Jerusalems ncugewählter König erfreute das Hospital jede Woche mit seiner Gegenwart, verlieh ihm ganze Herrschaften im Gebiete der Stadt, und einzelne Güter in den dem Feinde abgenommenen Provinzen, und setzte unter Anderm fest, daß das Eigcnthum aller Kreuzfahrer und Edlen, welche ohne Erben aus diesem Leben schieden, dem Hospitale anheimfallen sollte. Mehre Könige, der gesammte Adel Asiens und viele europäische Fürsten und Ritter bezeigten den Brüdern ihre Gunst und Freigebigkeit. Der erste Krieg für das h. Grab war nun geendigt, die Kreuzfahrer sahen ihre Wünsche erfüllt und ihr Gelübde gelöst, vor ihnen lag das kühne Werk ihrer Tapferkeit in blühender Hoffnung, allgewaltig zogen nun die Bande des Vaterlandes und der Liebe an ihren Herzen. Dis Schaaren versammelten sich, die See wimmelte von Schiffen, und hierhin und dahin flog der kleine Überrest des Kreuz- Heeres den Ufern der geliebten Heimat zu. Nur Gottfried von Bouillon blieb nebst zweihundert Mann zu Fuß und 300 Reitern zurück, und mit ihm der 0 S.. Anmcrk. 2. tapfere Tancred, der ihn nie verließ, und sein jüngster Bruder Balduin, und Bohemund, Fürst von Tarento. Um die Gegenwart dieser Fürsten, die er als die Stütze seiner politischen Kraft ansah, durch Landerbesitz zu befestigen, gab er das Fürstenthum Gal- liläa seinem geliebten Waffenjünger Tancred, die Grafschaft Edefsa in Mesopotamien seinem Bruder, Antiochien aber dem tapfcrn Bohemund zum Lehen. Die Ebbe und Flut von christlichen Wallfahrten dauerte indessen ununterbrochen fort, und brachte fast das halbe Europa nach Asien über. Ihre nächsten Folgen waren indes sehr ersprießlich für den neu entstandenen Orden, dem von allen Seiten reiche Besitzungen und Schenkungen aller Art zufielen. Die hülfreiche Lhatigkcit der Johanniter schrankte sich aber nicht blos auf Jerusalem ein, sondern auch über das Abendland ergoß sich ihr wohlthatiger Einfluß. In den blühendsten Seestädten Europa's, als zu Messina in Sicilien, zu Tarento in Apulien, St. Giles in der Provence und Sevilla in Andalusien wurden auf Kosten des Haupthauses geräumige Hospitäler aufgesührt. Diese wohlthätigen Filialhäuser des Johanniter-Hospitals zu Jerusalem, welche man gleichsam als die ersten Kommenthure ien des Ordens ansehen kann, waren eigentlich dazu bestimmt, den Pilgern und Kriegsleuten, weiche mit dem Vorsätze das h. Land zu besuchen, hier zusammentrafen, zu sichern Herbergen und Vereinigungsörtcrn zu dienen. Während nun dieser Orden durch die schönen Früchte der Wohlthatigkeit seinen Ruhm durch ganz Asien und Europa verbreitete, gab Gottfried v. Bouil- 14 lon seinem neu errungenen Reiche durch weise Gesetze, die unter dem Namen der „Briefe des h. Grabes" bekannt sind, und in der Kirche zum h. Grabe aufbewahrt werden, die Seele der Eintracht und irdischen Glückseligkeit. Dann brachte er Liberias und viele andere Städte am See Gencsa- reth unter die Kreuzesfahne, eroberte mehre Provinzen von Ostgalliläa, und würde ganz Palästina unterjocht haben, wenn ihn nicht eine ansteckende Krankheit mitten in der Blüte seines Glückes im I. 1100 plötzlich von dem Schauplatze seiner Größe hinweggerisscn hätte. Mit glanzendem Pompe bestieg sein jüngster Bruder Balduin den Thron unter dem stolzen Titel eines Königs von Jerusalem, als wollte er durch das Gepränge des Äußeren einen täuschenden Schimmer über die Dürftigkeit seines Geistes ziehen. Doch mit diesem tollkühnen, im Lebensgenüsse versunkenen Regenten ging die finstere Epoche von Palästina's Zerstörung aus, gleich wie das hell schimmernde Abendroth, das auf die untergcgangene Sonne folgt, einen trüben Tag verkündet. Zwar hatte Tripolis nach einer vierjährigen Belagerung die Thore geöffnet, Sidon und Beritta sich ergeben, Ptole- mals sich gebeugt; — nur Tyrus allein erhob stolzer als zuvor sein Haupt, und reizte den Wüthen- den zum Sturme, während welchem er von der Ruhr dahingerafft wurde. Ihm folgte sein Vetter Balduin von Burg, oder Balduin 1l. Wahrend dieser Fürst seine Kräfte zersplitterte, um den durch mancherlei Verluste gereizten und racheschnaubenden Feind von den Stufen seines Thrones abzuhalten, erlitten die Brüder des Hospitals den schmerzlichsten Verlust. Der Va- ter aller Armen, Kranken und Verlassenen von ganz Jerusalem, der ehrwürdige Gerhard neigte sein graues Haupt, wie die reife Ähre von der Fülle ihrer eigenen Last, und die Thränen der Dankbarkeit folgten dem Edlen in die stille Wohnung des ewigen Friedens. Ray mund du Puy. 1118 — 1160 . Als die Hospitaliter ihrem Vorsteher die letzte Ehre erwiesen, kannten sie kein heiligeres Geschäft, als nach dem Wunsche des Papstes an dessen Stelle einen Nachfolger zu wählen. Einstimmig nannten Alle Ray mund du Puy (IRvneundus de ?o- dio), aus der Dauphin« gebürtig, als den Würdigsten zum neuen Amte. Mit diesem Manne, der sich gleich zu Anfang seiner Regierung einen „Knecht der Armen Jesu Christi und Meister des Hospitals zu Jerusalem" nannte, hebt eine neue Epoche in der Geschichte des Johanniterordens an. Bisher hatte dieser still und ruhig in glücklicher Abgeschiedenheit nur dem Wohlthun und der Tugend der Barmherzigkeit gelebt. Raymund du Puy aber faßte den Entschluß, den Vorzug der Tapferkeit, mit demjenigen der christlichen Milde zu verbinden. Mit einem Male veränderte sich nun die Scene. Eine kühne Männerschaac, zu Schutz und Trutz gerüstet, erscheint auf dem Schauplatze der für das Höchste begeisterten Christenheit. Der stille Krankenwärter vertauscht seinen Klosterhabit mit dem Panzer und Helme des Ritters, der friedliche Mönch seine Zelle mit dem Tummelplätze der Zerstörung und des Mordes. Die Gesellschaft der Hospitalbrüder erhalt nun doppelte Pflichten: die Vcrthei- digung des neu eroberten Königreichs und die ununterbrochene Pflege der Kranken und Pilgrime. Aus diesem Vereine von Kräften entsproß für den wankenden Thron von Jerusalem eine kräftige Stütze. Das sogenannte Königreich glich mehr einem Gerippe, als einem gesunden Körper, dessen Glieder bis auf das Haupt derselben, Jerusalem, von sich durchkreuzenden Besitzungen der Sarazenen verstümmelt und zerrissen waren. Da nun aus dem Ausammentceten von Männern unter den Kaufleuten von Amalsi ein Verein, unter Gerhard eine Gesellschaft, und unter Raymund du Puy ein Orden entstanden war, lag es diesem Letzteren, der gleichsam als Stifter betrachtet werden kann, vorzugsweise am Herzen, durch Gesetze und eine gewisse feste Regel dem neuen Ritterorden, als einem staatsähnlichen Körper, Ansehen.-; und feste Dauer zu begründen. Ordens-Statuten'^). Die Statuten, welche der Großmeister Raymund dem Orden gegeben, und den Brüdern zur strengen Befolgung nach seinem Tode schriftlich hinter- *) S. Anmcrk. 3. ließ, waren im Ganzen denjenigen der Tempelherren ähnlich, doch weniger streng und in Sachen des Gottesdienstes nach der Regel des h. Benedict entworfen. Ihr Hauptinhalt ist, mit Übergehung der bloßen Disciplinarrcgeln, ungefähr folgender: 1) Soll jeder Bruder, welcher in den Orden treten will, die drei kanonischen Gelübde halten: Keuschheit, Gehorsam und freiwillige Armuth, d. h. ohne alles Eigcnthum zu leben. 2) Soll er die Kranken, welche in das Ordens- Haus ausgenommen werden, mit aller Sorgfalt und Milde der christlichen Liebe pflegen, nach den Einkünften des Hauses halten, und, wenn es diese erlauben, herrlich bedienen. 3) Sollen Alle und Jede, dafern sie nicht durch Krankheit oder Altersschwache verhindert sind, gegen die Ungläubigen zu Felde ziehen, und die Feinde der Christenheit nach Kraft und Wissen bekämpfen. 4) Sollen die Brüder der Gerechtigkeit und Tugend beistehen, die Unterdrückten befreien, die Unschuld beschützen, die Witwen und Waisen vertheidigcn und vor Allem die Heiden und Mohammedaner verfolgen, gleichwie die Makkabäer gegen die Feinde des Volkes Gottes gethan. 5) Sie sollen sich des Gottesdienstes befleißigen, und täglich anstatt der sieben Gezeiten (>w- rae) hundert und fünfzig kllter noster sprechen. 6) Zur bestimmten Zeit sollen sie fasten, und im Jahre drei Mal das h. Sacrament der Beichte und des Altars empfangen, nämlich zu Ostern, Pfingsten, und am Christtage. 7) So man den Gottesdienst verrichtet, sollen sie weder in den Chor noch in die Nähe des 18 Hochaltars hinkniecn, damit sie Niemanden in der Andacht stören, und sollen in der Ordnung Einer nach dem Andern gehen und sitzen, wie sie in den Orden ausgenommen worden. 8) An den vorgeschriebenen Tagen sollen sie Umgang (Procession) halten, Gott um Frieden und Eintracht in der Christenheit anrufen, und darauf für den Großmeister und die sammtli- chen Ritter beten. 9) Im Convente soll man die ganze Fasten und den Advent hindurch predigen. Bei der gemeinschaftlichen Tafel soll der I-eotor in einem erbaulichen Buche lesen. 10) Soll ein jeder Bruder mäßig, nüchtern und einfach leben, den Ocdenshabit, d. i. das schwarze Gewand, aus dessen linker Seite das weißleincne Kreuz mit acht Ecken befestigt ist, ohne Unterlaß tragen; doch niemals ohne dieses Zeichen des Ordens. 11) In Kriegszeiten, und wenn die Ritter zu Felde ziehen, sollen sie statt der schwarzen Sutane (eine Art von langer Tunica) einen rochen Waffenrock, über welchen sowohl auf der Brust als' auf dem Rücken in ganzer Länge das Kreuz himveggeht, zur Bekleidung haben. 12) Wer in den Orden ausgenommen zu werden begehrt, soll rein und ohne Mackel an Blut, Körper und Leben sein*); d. h. er muß von adeligem und christlichem Herkommen, auch in gesetzlicher Ehe erzeugt und geboren sein; daher er sich auch anheischig machen muß, seinen Adel *) S. Anmcrk. 4. von acht Ahnen (vier von beiden Altern) zu beweisen. Die Gesundheit des Körpers ist für die strengen Pflichten des Krankcnwartens und des ritterlichen Kampfes unentbehrlich. Die Reinheit des Lebenswandels begreift in sich, daß der Akolyth keinen Mord oder anderes Verbrechen begangen, und im Allgemeinen kein unanständiges Leben geführt habe. Es wurden zwar, besonders in spätem Zeiten, auch uneheliche Kinder in den Orden ausgenommen, aber nur von großen Herren, und von einer freigebornen Mutter *). Jedoch konnten diese niemals zu höhern Ordensämtern, als: des Großmeisters, Großpriors oder Heermeisters, gelangen. 13) Man soll Keinen in den Orden aufnehmen, der schon einem andern Orden verpflichtet, oder der einem Andern hörig oder gar leibeigen ist. 14) Man soll auch Keinen in den Orden aufnehmen, der von den Macanen, Juden, Sarazenen oder Mohammedanern herkommt, und wenn er gleich ein Fürstensohn wäre. 15) Dreizehn Jahre soll der aufs wenigste alt sein, welcher in den Orden begehret zu kommen. Er sei gerade und stack vom Leibe, abgehärtet, wohl bei Sinnen und von adeligen Sitten. 16) So Einer einmal in die Ritterschaft ausgenommen worden, der soll seiner Person halber forthin unangefochten sein. 17) Wer sich auf das Meer begeben will, der beichte, und entschlage sich schriftlich und freiwillig al- *) S. Anmcrk. 5. tes Eigenthums und aller Ansprüche an den Orden. 18) Die Brüder sollen sich keinem Menschen auf Erden mit einem Eide verpflichten; auch keine Kriegsschiffe ohne Vorwiffen des Meisters bewaffnen. 19) Wenn christliche Fürsten mit einander Krieg führen, sollen sie unparteiisch sein, und keinem Theile beistehcn, sondern eher Alles anwenden, sie zu versöhnen, und den Frieden wieder herzustellen. 20) Die Übertretung dieser Gesetze soll mit zeitlichen und ewigen Strafen belegt werden. 21) Die Ordnung des Ranges werde beobachtet in der Kirche, im Capitel und an der Tafel, sowie ein Jeder nach dem Andern in den Orden gekommen ist. 22) In den Tagen der Versammlungen oder bei dem jedesmaligen General-Convent, so man auf die Quatember zu halten pflegt, soll die Regel im Beisein aller Brüder laut und vernehmlich vorgelesen werden. Eintheilung der Ordens-Mitglieder. Um dieser Umgestaltung der frommen Brüdergesellschaft, welche unter Gerhards Rectorat nur Werke der Barmherzigkeit kannte, in einen förmlichen Ritterorden gleichsam die Krone aufzusetzen. 21 theilte Raymund dessen Glieder in drei Hauptmassen, wovon die eine, ohne seine bisherige Bestimmung — die Pflege der Kranken und Pilgrims zu versäumen, jederzeit bereit sein sollte, das Reich gegen die Ungläubigen zu vertheidigcn, wahrend dis andere ausschließlich die Geschäfte des Hauses und die niedrigeren Dienste verrichtete, und die dritte, in Krieg und Frieden die Gottesverehrung besorgend, den Sinn Aller zum Göttlichen wendete. Aur ersten wurden alle diejenigen genommen, welche adelige Geburt und bewährte Tapferkeit zur Führung der Waffen berechtigten; diese hicßenRitter. Die zweite Masse bildeten die Kapellane, welche außer ihren Pflichten als Geistliche auch noch die Verbindlichkeit hatten, im Kriege das Amt eines Feldprcdigers und im Frieden eines Almoseniers zu verwalten: Priester, Ordenspresbytcr. Die dritte Masse, deren Glieder weder zu dem Adel noch zur Klerisei gezählt werden konnten, führten den Namen der dienenden Brüder, oder 8erventi ä'armi. Durch diese weise Einrichtung gab Rapmund seinen Gefährten Gelegenheit, ihren Muth zu prüfen, Gefahren und Kricgsbeschwerden zu bestehen, und christliche Demuth zu üben. Nur langjährige Proben von Tapferkeit und Gehorsam, nur Gelübde, durch einen feierlichen Eid unwiderruflich gemacht, führten den Dienstbruder zur Ehre des Ritters; nur besondere Auszeichnung diesen zum Ordensbeamten oder Vorgesetzten. Rapmund du Puy's Meisterthum war die glänzende Epoche, wo der Geist des Johanniterordens mächtig wirkte, und wo der Same des Edlen und Großen, der Keim echter Ordenspflichten gestreut wurde. Er war gleich- >)-) sam die Seele der feierlichsten Gelübde und das Beispiel und der Sporn großer Handlungen für alle seine Nachfolger; denn unter ihm übertrafen die Ritter den weltlichen Adel an Much und Religionseifer. Er veränderte das Ocdenszeichen, das weiße Kreuz auf der linken Seite des Kleides, und gab ihnen statt des einfachen, Kreuzes mit geraden Balken, wie cs unter Gerhard's Rcctorat gewesen, ein gleichfarbiges mit acht Spitzen zum Sinnbild der acht ritterlichen Haupttugenden. In dem Kriege wider die Feinde befahl er den Rittecbrüdern, dis glanzende Rüstung, und darüber ein rothes Ober- klcid — vor- und rückwärts mit einem durchlaufenden weißen Kreuz ohne Spitzen, und auch außer den Waffen einen rothcn Kriegsgürtel mit einem > silberfarbigen geraden Kreuze zu tragen. Die Purpurfarbe stellte sinnbildlich die Erhabenheit ihrer Würde und das Blut zum Siegel ihrer Gelübde vor, welches sie für den Glauben zu vergießen bereit sein sollen. Das schöne Gewand, in welches er das erhabene Institut kleidete, die glanzende Laufbahn, die er dem Adel durch häufige Übungen militärischer Talente, und zugleich eines mitleidigen Herzens eröffnet,!, entsprach vollkommen dem damaligen romantischen Geiste des europäischen Adels. Angespannt von der Lust nach Fehde und glänzenden Waffenthaten, gereizt durch einen allgemein belebten frommen Enthusiasmus, eilten die edelsten Männer aller abendländischen Staaten nach Jerusalem zu dem Hospitale des h. Johannes. Ganze Rittervereine weihten ihre Schwerter dem Ordensdienste, verbrüderten sich durch das Band der Ge- 23 lübde von Neuem, und schwuren, Mühe und Gesicht, Ehre und Gewinn mit einander zu theilen, keinem Feinde der Christenheit zu weichen, und für Gottes heilige Erde kämpfend auf dem Felde der Ehre zu siegen oder zu sterben. Ordens-Zungen. Die Zahl der Ordcnsmitglieder wuchs so heran, daß Raymund du Puy sie bereits nach der Verschiedenheit der Nationen, von welchen sie abstamm- tcn, cintheilen mußte. Dies ist der Ursprung der sogenannten A u n g e n im Orden, welche Benennung von dem lateinischen Unz-ua (Zunge und zugleich Sprache) herkommt, indem die Sprachverschiedcn- hcit den Maßstab zur Eintheilung lieferte. Solcher Haupt-Clafsen nach Nationen, oder in der Ordenssprache Zungen, waren acht: die von Provence, von Auvergne, Frankreich, Ita- lien, Aragonien nebst Catalonien und Navarra, Kastilien nebst Portugal, Deutschland und England. Um dieser neuen Organisation durch eine systematische Eintheilung, nach Art eines Staates, Ordnung und Leben einzuhauchen, bestimmte man in der Folge einen Ordensrath aus der Mitte der Ritter (Eonventualbailliven genannt) und bestellten jeden derselben zum Oberhaupte seiner Nation. Diesem Ordensrathe (Lonsilio oräinario) war die administrative Leitung des Ganzen anvcrtraut, in wel chem z. B. unter Anleitung der Gesetze und Statuten in allen Geschäften entschieden wird, die von den Zungen oder einzelnen Mitgliedern vorgetragcn werden. In späterer Zeit hatten auch der Bischof von Malta, der Kirchenprior und die wirklichen Großkreuze Sitz und Stimme in diesem Rache. Die gesetzgebende oder souveraine Gewalt des Ordens beruht einzig und allein auf dem General-Eapitel, welches in einer Versammlung von Repräsentanten aller Nationen, aus welchen der Orden zusammengesetzt ist, besteht."' Wenn auch die gänzliche Umgestaltung der Gesellschaft zum Hospital unter ihrem ersten Meister noch nicht aus den Punkt gediehen sein konnte, auf dem sie in der Folge, gleich dem besten Staatsver- bande, ein schönes Gleichgewicht zwischen Oberhaupt und Untergebenen, Beamteten und Geistlichen herzustellen wußte, so hatte sie doch bis auf wenige Ausnahmen von allem Anfang an dieselbe Einthei- lung der Ämter und Würden, die wir an dem Orden der Tempelherren*) bewunderten, und die in der Folge auch die Mari an er oder deutschen Herren zu einem förmlichen Staatskörper umbildeten. Es lagen diese auch zu tief in dem innern Leben und Sein eines Ritterordens begründet, welcher unter dem Schutze geistlicher Gelübde und mönchischer Verfassung frühzeitig schon einen Staat im Staate zu bilden begann, als daß eine solche Ämtecverthcilung füglich hätte umgangen werden können. Damit aber bei der Wahl der Großwürdenträ- h S. Anmerk. 6. ger des Ordens keine Nation beeinträchtigt werden konnte, gebot ein Gesetz, daß gewisse Bedienstungcn immer nur von Rittern aus einer und derselben Nation versehen werden sollten, und erhob diese zu gewissen Erbamtern für diese oder jene Zunge, wobei aber der Würdenträger zugleich dirigirender Vorsteher derselben war. So stand 1) die Zunge von Provence unter dem Großkompthur, welcher, als Verwalter des Schatzes und der Einkünfte, gleichsam der Finanzminister des Ordens war. 2) Die von Auvergne hatte den Marschall zum Oberhaupte, welcher im Kriege das Commando führte, im Frieden die Waffenknechte (8errienti il'^rml) einübte, und über die Gefangenen das Urtheil sprach. 3) Die französische Zunge war dem Ober- Spittler oder G roßhospitalier untergeordnet, der die Aufsicht über das Mutterhospital zu St. Johann in Jerusalem führte, und die zur Pflege der Kranken bcordneten Brüder leitete. 4) Die italienische Zunge stand unter dem Großadmiral, welcher nebst dem Commando über alle dem Orden gehörenden Schiffe und über die Galeeren auch den Oberbefehl über die Seetruppen führte. 5) Die Zunge von Aragonien, Catalo- nien und Navarra gehorchte dem Ordens- Drap i er, vom Jahre 1539 an „U grau 6on- oervatore" genannt, d. i. dem Vorsteher der Haushaltung. Er besorgte Alles, was zur Anschaffung und Einrichtung eines Hauses gehörte; ja durch ihn erhielten die Brüder sogar die Erlaubniß, sich neu zu kleiden. Spater war dies aber nicht mehr II. 2 26 üblich; er unterschrieb statt dessen nur di« Vesol- dungszettel. 6) Die englische Zunge, aus der im vorigen Jahrhunderte die englisch-baie rische entstanden war (welche letztere statt der erloschenen englischen von dem Kurfürsten von Baicrn durch Schenkung der Güter der Jesuiten errichtet wurde) stand unter dem Tu-kopoliere, oder dem General der Cavalcrie, welcher zugleich die Aufsicht über die großmeisterlichcn Marställe, die Feld- und Hauswachtdienste, und die Waffenkammer führte. Diese Würde ging, als im Jahre 1550, da der letzte Turcopolier gestorben war, ein, und siel im Jahre 1582 auf das Magisterium zurück, sowie auch die Güter der englischen Zunge demselben ein- verleiht wurden. Das Amt verwaltete von diesem Zeitpunkt an der Seneschall. 7) Die dcutscheZunge, welche sonst Deutschland, d. i. das Gebiet des h. römischen Kaiserreichs, Böhmen, Mähren, Ostreich, Schlesien, Ungarn, Dacien, Dänemark, Schweden und andere nordische Länder begriff, stand unter dem Groß-Or- dens-Bailli, oder dem Großprior, welcher außer der Aufsicht über die Festungswerke und dem Stadtcommando von Jerusalem, das Jnspectorat über die Inseln Gozzo und Camino und das Ca- stel San Pietro in der Levante, sowie das Präsidium in den Zungenversammlungen führte. 8) Endlich die Zunge von Castilien, Leon und Portugal hatte den Großkanzler zum Oberhaupts, welcher die Correspondenz und eigentlichen diplomatischen Geschäfte des Ordens leitete. Dieses Amt wurde erst im Jahre 1462 begründet, als man die spanische Zunge in zwei Hälften theilte. 27 Die ebenbenannten acht Zungenhäupter, welche gleichsam den geheimen Rath des Großmeisters ausmachen, nannte man auch Lallivi eonventuales. Außer dem Convente waren die Priore die höchste Behörde, indem ein Jeder derselben den Geschäften seiner Provinz vorzustehcn hatte. Ein jedes Priorat umfaßte in der Regel vier Commenden oder Kompthureien *). Unter den Prioren standen die Lallivi capitu- lare», deren Balleien auch aus etlichen Commenden zusammengesetzt waren, jedoch keine eigene Jurisdiction, wohl aber die Verpflichtung auf sich hatten, bei dem Provinzial-Capiteln zu erscheinen **). Hierher gehören auch die Lallivi ad Iionore», Ehrenbaillivs, welche zwar den Titel einer Baller führen, aber keinen Antheil daran haben, wie z. B. die Bailli's von Negroponte, Morea. Nach den Bailli's folgten im Range die Com- inendatores, Kompthure, welchen die Verwaltung der Ordcnsgütcr anvertraut war, wovon sie jährlich gewisse Gelder, die man Lesponsions» nannte, an den Hof des Großmeisters abzuliefern hatten. Die Ritter selbst konnten nur aus einer der acht Zungen, nie aber aus einer andern Nation, die nicht darin begriffen war, gewählt werden, und wurden zufolge ihrer Geburt Cavalieri di Oinsti- ria, wenn sie aber ohne genügende Beweise ihres Adels wegen ihrer Verdienste in den Nitterstand erhoben und unter die Zahl der Ordensmitglieder ausgenommen worden, Cavalieri di Craüia genannt. In der Regel mußte ein Ordensritter bei *) S. Anmerk. 7. **) S. Anmerk. 3. 28 der Ahnenprobe acht Ahnen Nachweisen, d. h. je vier von väterlicher und mütterlicher Seite. Die französische Zunge behielt diese Anordnung auch bis zuletzt bei, die spanische und italienische aber, welche letztere sonst 200 Jahre des Adelstandes haben will, bewiesen nur 4 Ahnen, da hingegen die deutsche Zunge besonders in der spateren Zeit zum Gesetze machte, deren statt acht sechszehn mit Helm und Schild erst als vollgültige Probe anzunehmen. Außer den Kapellanen oder Priestern (Viavoni et LubcUavoni), deren es auch zweierlei, nämlich Oonventu.-lli und (l'Obetliennin gab, und den dienenden Brüdern oder k>a-8srventi hat der Orden auch Oavalieri lli (levotione, d. h. solche Personen zu Rittern angenommen, welche weltlichen Standes, aber von hohem, meist fürstlichem Range waren und die Erlaubniß hatten, um den Hals ein güldenes und auf dem Mantel ein leinenes Kren; zu tragen gleich den regulären Ordensbrüdern. Ferner hatte der Orden sogenannte Donaten (vonsti) oder Halbkrcuze, Männer von gutem und christlichem Lebenswandel, welche zwar das Gelübde ablegen, dem Orden hold, treu und gewärtig zu sein, aber dennoch weltlich bleiben. Sie wurden den Servienten des Ordens gleich geachtet, vor Zeiten selbst in die Zungen ausgenommen, und meist als Herbergs-Verweser angestellt, durften aber zum Unterschiede von den eigentlichen Ordensbrüdern nur ein halbes Kreuz tragen, d. i. ein solches, wo der oberste Flügel fehlt. Die Großwürdenträger, als die Zungenhäupter, Priore, Bailli's und späterhin der Bischof von Malta trugen ein goldenes, ziemlich großes Kreuz an dem Halse, und das von Leinwand auf der Brust. Ordens-Priorate und Ämter. In der Zunge von Provence. Dos Priorat von St. Giles (St. Ägidius) in der Diöcese von Nismes. - - von Toulouse. > Die Capitular-Ballei von Monvasia (ItlLnosgue). Oberhaupt: Der Großkompthur (U konimeuäatore). In der Zunge von Auvergne. Das Priorat von Auvergne. Die Capitular-Ballei von Devesset, ehemals von Lürol und Lyon. Oberhaupt: Der Ordens-Marschall. In der Zunge von Frankreich. Das Priorat von Frankreich. - - von Aquitanien. - - Champagne. Die Capitular-Ballei von Morea, deren Residenz zu St. Jean de Lateran gewesen war. Die Ballei Corbeil, welcher die Großschatzmeister- Würde eigen war. Oberhaupt: Der Ober-Spitler, oder Groß- H o sp i t a l i e r. In der Junge von Italien. Das Großpriorat von Rom. Das Priorat der Lombardei. Das Priorat von Venedig. - - von Pisa. - - von Barletta. - - von Messina. - - von Capua. Die Capitular-Ballei von St. Euphemia. - - - von St. Stefano. - - - von Napoli. - - - von Venosa. - - - von Cremona. - - - von Rocella. « - - von St. Sebastian. - - - von Bagnara. - - - von St. Johann zu Neapel. Oberhaupt: Der Groß-Admiral. In derZunge vonAragonien, Catalonien und Navarra. Das Großpriorak von Aragonicn. Die Priorate von Catalonien. - - von Navarra. Die Capitular-Ballei von Majorca. - - - von Earpes. - - - von Negroponte. Der Eastellan von Emposta war stets Großprior von Aragonien. Oberhaupt: Der Ordens-Drapier. (II grau Lvnssrvlltore ) In der Junge von England. Das Großpriorat Edersberg. Das Priorat von England, oder St. Johann zu London. Das Priorat von Irland. Die Capitular-Ballcl von Aquila. (äiZIs.) Die Ballei Neuburg. Oberhaupt: Der Turkopolier. Die englische Zunge ist mit der Reformation erloschen, und an deren Stelle im Jahre 1782 die baierisch-englische Zunge getreten, deren Turkopolier zu Neuburg rcstdicte. In der Zunge von Deutschland. Das deutsche Großpriorat oder Johanniter-Mcister- thum. Das Großpriorat von Böhmen. Das Priorat von Ungarn, l,, - - von Dacien. s ^ - - von Dänemark. Die Ballei St. Joseph in Doschitz. Die Baller Brandenburg, oder das Herren- oder Sonncnmcistcrthum. Der Bailli von Brandenburg führte den Titel „Herr-Meister in der Mark, Sachsen, Pommern und Wendland". Oberhaupt:DerOrdens-Großprior(Oran- 1>riore oder Oranä-LaUU.) Die Zunge von Castilien, Leon und Portugal"). Das Priorat Gastilien. - - Leon. *) Beide sind Würden ohne Land. **) Diese Zunge wurde im Jahre 1461 von der Zunge von Aragonien getrennt, und für sie allein die Würde des Großkanzlers begründet. Das Priorat Portugal oder Crajo. Die Ballci Bovedo. Oberhaupt: Der Großkanzler. Außerdem hat der Orden durch eine im Jahre 1780 glücklich beendigte Unterhandlung mit Polen das Großpriorat „Ostrog" mit acht ordentlichen und acht Patronat-Commcnthureien wieder erworben. Doch es sei uns vergönnt, nach dieser Digres- sion den Faden der Ordensgeschichte wieder aufzunehmen. Die oben erwähnte schöne Verfassung des Orsens verschaffte den Johannitern Don den meisten europäischen Königen die ansehnlichsten Freiheiten durch Ertheilung öffentlicher Vorzüge vor dem weltlichen Adel. Außer der von Paschalis II. verliehenen Befreiung von Abgaben und der bischöflichen'Gerichtsbarkeit, der damals noch jeder Orden sich unterziehen mußte, begünstigte besonders Papst Hadrian lV. den Orden auf jede mögliche Weise. So wurde z. B. der Patriarch von Jerusalem, der in einem Alter von hundert Jahren die Reise nach Rom antrat, um sich gegen die Hospitaliter bei dem Papste wegen vorenthaltener Zehenden und Ausnahme von excommunicirten Christen und wegen der prächtigen Ordensgebaude vor der Auferstehungskirche zu Jerusalem zu beschweren, nicht nur abgcwiesen, sondern die Ritter auch von der Gerichtsbarkeit des Patriarchats losgesprochcn *). Zu diesen Gunstbezeigungen fügte Kaiser Friedrich der Rothbart, aus dem Hause Hohenstaufen, im Jahr 1185 einen Gnadenbrief hinzu, mittelst wel- ') S. Anmcrk. 9. chem er den gesummten Orden nicht nur unter des Reiches Schutz und Schirm nimmt, sondern alle Mitglieder und Güter desselben von jeder Art von Steuern, Dienstbarkeiten, Zöllen u. s. w. frei erklärt. Durch dieses Beispiel aufgemuntert, bestätigten alle folgenden Kaiser jene Privilegien durch Vermehrung ihrer Huld, und Könige, Herzoge und Fürsten zeigten Ehrfurcht vor dem erhabenen Meister des Hospitals. Alle diese Schenkungen und Freiheiten machten die Ritter frühzeitig übermüthig *). Einstimmig rühmen die Schriftsteller jener Zeit die besondcrn Ehrenbezeigungen, womit im I. 1155 der Kaiser Emanuel Komnenes Raymund du Puy zu Soria empfangen und bewirthet hat. Auch der König Balduin von Jerusalem, der, rings von Barbaren und Sarazenen eingeschlossen, nichts so sehr als Beistand bedurfte, wurde auf das angenehmste überrascht, als die tapfere Schaar der Johanniter-Ritter, unter der Fahne des edlen Raymund du Puy, vor dessen Throne erschien, zu seinem Dienst sich anzubietcn. Es galt die Verthci- digung von Tripolis und Edessa. Die Tapferkeit der Ritter entsprach ihrem Eifer für das Beste der Christenheit vollkommen. Nach einem langen, blutigen Widerstande räumten die Turkomanen das Feld, und Balduin kehrte sieggekrönt in seine Hauptstadt zurück. Doch schnell waren die Lorbern des Sieges verwelkt. Statt die Früchte seiner Tätigkeit zu ärndten, sah sich der König genöthigt, aufs Neue zu den Waffen zu greifen. Balak, einer *) Die geistlichen Privilegien des Johanniter-Ordens sind in der Bulle Anastasius IV. „Oliristianae tillsi religio" cI6. XII. Oalencl. Xov. 1154. (bei Manst XXI. 7av.), zusammengefaßt. 2 " 34 < o. !j ! d n k i- der mächtigsten Emire der Turkomanen, hatte Edessa überfallen und den Grafen gefangen genommen. Der ihm zu Hülfe eilende Balduin theilte dasselbe Schicksal. Nun warfen sich die Hospitaliter mit vereinter Kraft und mit dem Reste der königlichen Truppen in die festen Platze. Der Khalif von Ägypten aber sandte, diesen Umstand zu benutzen, Belagerungstruppcn nach Jaffa. Nun waren die Lateiner von allen Seiten eingeschloffen und ihrem Untergange nahe. Schon verzweifelte man an der Rettung. Da drang ein alter, ehrwürdiger Kriegsmann, Eustach Garnier, Graf von Sidon und Eä- sarea, mit 7000 Reisigen und Vasallen und dem Häuflein der Johanniter, die er von Jerusalem mitnahm, in Eilmärschen nach Jaffa vor, — und zerstreute den Feind, ehe er noch dessen Ankunft erfahren hatte. Darauf entsetzte er Askälon und schlug den Feind in mehrern Treffen. Zu gleicher Zeit verloren die Sarazenen ihre Flotte, die aus ihrem Rückzuge dem Dogen von Venedig, Enrico Michieli, in die Hände siel. Garnier blieb in dem letzten Treffen. Wilhelm von Barrcs übernahm das Commando der Armee und belagerte Tyrus. Hartnäckig war der Kampf, thätig und siegreich das Schwert der Johanniter. Endlich ergab sich die Stadt. Der Graf von Edeffa entkam der Gefangenschaft. Auch Balduin kehrte befreit in sein Reich zurück. Kurze Zeit darauf siegte er noch in zwei Treffen über einige turkoma- nische Fürsten, vertrieb sic aus Antiochien, und nahm die Festung Rapha im Gebiete der Grafschaft Tripolis mit Sturme ein. Bei allen diesen Unternehmungen entschieden die Waffen der Johanniter den Sieg. Der Feind zit- tcrte vor ihrer Entscheidung, die Christenheit staunte sic an. Unter den Tapfersten glanzte Folko (Foul- ques) von Anjou, einer der größten Fcldherrn seines Jahrhunderts. Ein natürlicher Sohn König Philipps 1. von Frankreich, war er aus Gram über den Verlust seiner Gattin als Pilger nach Palästina gezogen und hatte sich durch seine kriegerischen Tugenden dem Könige so unentbehrlich gemacht, daß dieser ihn nur höchst ungern wieder fortziehcn ließ, als ihn die Pflege seiner mutterlosen Kinder endlich zurück nach Frankreich rief. Nichts vermochte Balduin über den Verlust dcS tapfern Mannes zu beruhigen, nicht einmal die eidliche Versicherung aus seinem Munde, daß er wieder- kchren wolle, sobald cs ihm seine Pflichten als Vater »erstatteten. Doch che er dieses Gelübde in Erfüllung bringen konnte, beschäftigte sowohl das Morgen- als das Abendland eine neue unerwartete Erscheinung, welche ebcnsowie die Orden der Hospitaliter und Marianer ihr Dasein dem begeisternden Einflüsse der Menschenliebe und Religiosität aus die Gemü- ther der Menschen verdankte. Acht französische Ritter, unter ihnen hauptsächlich Hugo von Payens und Gottfried von St. Omer (St. Uldemar), zu denen im I. 1125 ein neunter trat, verbanden sich zum Schutze der Pilgrime, ohne der ritterlichen Lebensart zu entsagen. Der Weg nämlich von der Secküste nach Jerusalem und von da nach dem Jordan war vielfach durch sarazenische Horden gefährdet. Die Ritter gaben aber ihrer Verbindung ebenfalls eine mönchische Form, indem sie das Gelübde der Keuschheit, Armuth und des Gehorsams ablegten. Sie waren anfangs so arm, daß sie keine bestimmte Ordcns- kleidung hatten, sondern nur solche, die sie von mildthätigen Händen geschenkt bekamen. König Balduin lt. räumte ihnen eine Wohnung in einem Theile des königlichen Palastes ein, welcher neben dem Tempel Salomo's war und deshalb auch der „Tempel" geheißen ward. Daher nannten sie sich selbst: kratres luiUtiao templi — Tempelritter. Noch mehr als die Johanniter singen die Tempelherren durch ihre fast mörderisch zu nennende Tapferkeit an, Aller Augen auf sich zu ziehen. Der heilige Bernhard, Abt von Clairvaux, war für ihr Institut ganz begeistert. Der Orden wandte sich an ihn, um von ihm eine feste Regel zu erhalten. Die Zweckmäßigkeit ihres Unternehmens wurde auch so allgemein anerkannt, daß sie sich gar bald von allen Seiten mit Gaben und Schenkungen vielfach bedacht sahen. Mit dem steigenden Rcichthum der beiden Ritterorden konnten sie ihre Wirksamkeit bei Verthci- digung der Pilgrime -dadurch ausdehnen, daß sie andere Edelknechte oder auch gemeines Kriegsvolk in Sold nahmen. Auch sie theilten sich in Ritter, Geistliche und dienende Brüder — nur waren die Letzteren nicht, wie bei den Johannitern, vorzugsweise Krankenpfleger, sondern Waffendiener und Handwerker. Die Ocdensklcidung der Tempelritter war durchaus von weißer Farbe; Papst Eugen Ul. fügte in der Folge noch ein rothes Kreuz hinzu. Die Christenheit hatte nun zwei streitende Heere in Asien, die Muth und Entschlossenheit genug besaßen, jedem feindlichen Ansalle nachdrücklich die 37 Spitze zu bieten und den Königsthron von Jerusalem vom Untergange zu retten. Beide wetteiferten mit einander durch Tapferkeit und kriegerischen Ruhm, durch Neligionseifer und Wohlthätigkeit. Beide begünstigte das Schicksal schon in den ersten Zeiten ihres Daseins mit einer glanzenden Blüte. Mittlerweile war der Liebling König Balduin's, der tapfere Graf Fulko von Anjou, mit einem ansehnlichen Gefolge zurückgekehrt. Die Feier der glücklichen Ankunft ward auch zugleich sein Vermahlungsfest mit der Prinzessin Melisinde, der ältesten Tochter des Königs, mit deren Besitz die Krone von Jerusalem verbunden war. Der Orden des Hospitals vergrößerte durch die glücklichen Feldzüge gegen die Feinde der Christenheit sein Ansehen von Tag zu Tage, und dessen Meister wurde endlich der Vertraute der wichtigsten Staatsgeheimnisse, und selbst der Mittler königlicher Familiensachen. So wurde Hali, Prinzessin von Jerusalem, Balduin's zweite Tochter, blos durch die Fürsprache und Unterstützung Raymund's dem Fürsten von Antiochien zur Gattin gegeben. Der regierende Graf von Eoessa, des Fürsten stärkster Nebenbuhler, welcher laut früheren Versprechungen Ansprüche auf ihre Hand machen zu dürfen glaubte, hatte, von ihrer Schönheit bethört, um ihre Hand angehalten, wurde aber vergessen oder verschmäht, und sann^auf Rache. Schon entspann sich in seiner Seele ein fürchterliches Gewebe menschlicher Arglist, als Raymund du Puy diese gefährliche That- kraft bemerkte, und in Vereinigung mit dem Patriarchen von Antiochien den Gewählten und Verschmähten zum brüderlichen Handschlage brachte. Den Tempelherren und Johannitern vereint übergab Balduin im I. 1127 mehre der bedeutendsten Landcsfestungen und Güter zur Bewachung, und im Jahre 1130 dehnte er sein Vertrauen gegen Letztere so weit aus, daß er vor seinem Hcec- zugc nach Antiochien selbst die Zügel der Regierung seines Königreiches in die Hände des weisen Hospitalmcisters nicdcrlegte. Balduin 11. überlebte die glücklicheren Zeiten des siegreichen Frankcnvolkes nicht lange. Ein plötzlicher Tod machte seinem vielbewegtcn Leben ein Ende, und öffnete seinem Nachfolger, dem tapfern Fulko von Anjou die Bahn zum Purpur. Mit dem Tode dieses Fürsten schienen Palästinas Blütentage sich ihrem Untergange entgegen zu neigen. Vergebens bot König Fulko alle seine Kräfte ans, um die Gewitterwolken zu zerstreuen, die sich über Jerusalems Mauern zusammenzogcn. Von allen Seiten drohten Araber, Sarazenen oder Turko- manen. Askalon war in Hinsicht auf diesen letzteren Feind der Schlüssel zu dem Herzen von Palästina. Hier vereinigten sich die Nerven der khalisischen Macht. Hier war der Sammelplatz der tapfersten Moslims, die Pflanzschule des sarazenischen Heeres. Alles übte sich hier in den Waffen. Schon die zarte Jugend lernte frühzeitig die Christen mit Haß und Grausamkeit verfolgen. Schaarenweise zogen die Einwohner ins offene Feld, lagerten sich im Hinterhalte und überfielen die abendländischen Pilgrime, welche über Jaffa nach Jerusalem wollten. Gegen diese Angriffe wußte der König kein besseres Mittel, als die Mauern der Stadt Verseba wiederherzustellen, um dem Reiche von dieser Seite wenigstens Ruhe zu verschaffen. Zum Beweise seines unbedingten Vertrauens theilte er für die Zeit seiner Abwesenheit die Regicrungssorgen zwischen Raymund du Puy und seiner Gattin Melisinde. Diese aber übergab den Johannitern die Vertheidi- gung jener neuen Festung (1133) und verschaffte dadurch den bedrängten Christen einen sichern Zufluchtsort. Bald waren Aller Augen auf die Thätigkeit der geistlichen Ritter gerichtet. Von den vornehmsten Höfen bis zu den untersten Volksclaffen herab war nur ein Interesse — für Palästina und dessen Dertheidiger. Alfons 1., König von Aragonien und Navarra, der sich den Titel eines Königes von Spanien anmaßte, setzte im Jahr 1131 den Ritterorden der Johanniter, Templer und die Ritter des h. Grabes *), welche ungefähr zu derselben Zeit entstanden sind, ausdrücklich zu seinen Erben ein. Als dieser König bald darauf in einem Treffen gegen die Mauren blieb (bei Fraga, am 19. Juli 1133), begab sich der Meister des Hospitals an der Spitze von einigen der ältesten Johanniter, von den Abgesandten der Tempelherren und des Patriarchen von Jerusalem, der zugleich Prior des Klosters zum h. Grabe war, nach Aragonien, dieses Reich in Besitz zu nehmen. Doch die Großen der Monarchie eilten, durch eine neue Königswahl den Federungen der Ordensritter zuvorzukommen. Jetzt entstand aber zwischen beiden Nationen, den Ara- goniern und Navarcesen, ein gefährlicher Zwiespalt. Jede wollte einen Prinzen aus ihrer Mitte auf dem Thron haben. Dieses getheilte Interesse trennte *) S. Anmcrk. 10. 40 selbst das politische Band, welches Beide seit sechs- zig Jahren verbunden hatte. Die Navarccsen wählten Don Ramira, einen jungen Prinzen aus dem Geblüte der ältesten Dynastie des Königreichs, — die Aragonier aber den Bruder des großen Alfons, der auch Ramira hieß, einen Mann von strengen Sitten, der schon 40 Jahre die Mönchskutte getragen und verschiedene geistliche Würden bekleidet hatte. Durch den Papst von seinen geistlichen Gelübden dispcnstrt, vermählte er sich mit Agnes, Tochter des Grasen Wilhelm von Antiochien. Die Frucht dieser Ehe war eine Tochter, Namens Petronilla. Nach dem Tode seiner Gattin aber ergriff den König eine quälende Gewissensangst. Er verließ den Thron, für den er sich z« schwach fühlte, und floh in die friedliche Zelle seines Klosters zurück, nachdem er vorher Don Raymund Berengar, Grafen von Barcelona, zum Gemahle seiner einzigen Tochter bestimmt hatte. Um aber den Foderungen der zwei Orden einigermaßen zu genügen, wurde im September 1141 ein Tcactat zwischen beiden Thcilen abgeschlossen, den Papst Hadrian IV. und der König von Jerusalem bestätigten, wodurch festgesetzt wurde, daß man den Thron, im Falle Petronilla und ihr Gemahl ihn ohne Erben verlassen sollten, den beiden militärischen Orden und dem Domcapitel des h. Grabes ohne Weigerung abtreten wolle. Bis dahin sollte ihnen erlaubt sein, in den Hafen aller derjenigen Plätze, die man in Zukunft der Herrschaft der Mauren entreißen würde, eine bestimmte Anzahl von Schiffen zu unterhalten. Dagegen sollten die Ordensritter als Vasallen der spanischen Krone verpflichtet sein, dieselbe im Kampfe mit den Ungläubigen zu unterstützen. Außer dem Besitze von beträchtlichen Ländereien und Schlossern im spanischen Gebiete wurde festgesetzt, daß der König von Aragonien nie ohne Zuziehung des Patriarchen von Jerusalem und der beiden Ritterorden einen Frie- densvertcag mit den Mauren eingchen sollte. Nach dieser glücklichen Beseitigung der Geschäfte kehrte Raymund du Puy noch in dem Jahre 1141 nach Palästina zurück und wurde dort mit einer Freude empfangen, welche nur die Tochter einer so reinen Achtung sein kann, als Raymund's Tugenden in den Herzen Aller erweckten. Um diese Zeit starb der tapfere Fulko von Anjou, und hintcrließ zwei minderjährige Prinzen. Seine Gattin Mclisinde verwaltete das Königreich, bis sein ältester Sohn unter dem Namen Balduin III. zum Könige von Jerusalem gekrönt wurde. Des jungen Balduins kräftiger Geist, vom Vater auf den Sohn geerbt, und der Beistand der Ritterorden waren jetzt 1>ic einzigen Stützen des Thrones. Zn diesen brannte noch jenes erste kriegerische Feuer, welches sie aus ihren friedlichen Zellen auf den Kampfplatz gelockt 'hatte. Mit beispielloser Tapferkeit stürzten sich die Ritter den ein- bcechendcn Feinden entgegen und erkauften dem ohnmächtigen Staatskörper mit ihrem Blute noch ein kurzes, mühseliges Dasein, das der Gewalt der Übermacht endlich doch unterliegen mußte. Das Jahr 1152 nahm wiederum Raymund du Puy's ganze Lhätigkeit in Anspruch. Es entspann sich ein verderblicher Streit zwischen Balduin und seiner königlichen Mutter über die Regierung und Verwaltung des Staats. Die bejahrte Köm- 42 gin fand den gemeinschaftlichen Besitz von Jerusalem mit ihrem Sohne, den schon in seinem dreizehnten Jahre die Königskrone schmückte, ebenso unschicklich als für ihr herrschsüchtiges Gemüth unerträglich. Sie drang daher auf eine Lheilung, welche aber weder dem Geiste damaliger Politik noch dem Endzwecke der unternommenen Kreuzzüge entsprach, äs Ein Vertrag wurde geschlossen, durch welchen dem Könige die Städte Tycus und Ptolemais mit ihrem Sprengel, der Königin Mutter aber Jerusalem und Ncapolis mit deren Kreisen zueckannt wurden. m io Aber nur wenige Monate stiftete dieser Vertrag Ruhe und Frieden. Der König säumte nicht lange, seine ehrgeizigen Absichten auszuführen. Zuerst lagerte ec sich mit seiner Ritterschaft vor Mi- rabel, einer Burg des Günstlings der Königin, Con- netable Manasse, dann berannte er die Stadt Nea- polis und -zog in Eilmärschen vor Jerusalem. Weder die Bitten des Volks noch das Ansehen des Patriarchen Fulcher, welcher im pciesterlichen Ornate an der Spitze der Geistlichkeit ihm entgegenging, vermochten seinen Haß zu beschwichtigen. Er ließ zum Sturm blasen, sprengte die Thore und — nun sahen die Christen am Grabe des Erlösers den sündhaften Kamps zwischen Mutter und Sohn. Die Königin, vor dem Schwerte ihres eigenen Kindes entfliehend, flüchtete sich in die Burg, aber auch da brach sich sein Zorn nicht eher, als bis ein Vertrag wohl die äußere Eintracht, aber nicht den inner» Frieden wiederhcrgcstellt hatte. Diesen Zwiespalt zwischen Mutter und Sohn benutzten die Sarazenen und fielen mit großer Hec- resmacht in die Grenzen des Reichs ein. Der beängstigte Balduin eilte ihnen entgegen und überließ den Johannitern und Templern die Obhut von Jerusalem und die Pflicht, für das Königreich zu fechten. Auf ihren Schultern ruhte nun die Rettung und Wohlfahrt des Reiches, von ihren Schwertern erwartete man den Ausgang der Schlacht. Das Häuflein von Rittern, welche in der Stadt zur Verwaltung ihrer Ocdenshäufcr zurückgeblieben waren, zog nun, um dem Feinde nach Kräften Widerstand zu leisten, die Bürger der Stadt an sich, und besetzte die Mauern mit dem unwiderruflichen Entschlüsse, den kühnen Belagerern die Spitze zu bieten. Die Sarazenen verdoppelten mit neuer Hitze, mit neuer Hartnäckigkeit ihre Angriffe; allein sie wurden von den Helden rücklings von den Mauern geworfen, geschlagen, verfolgt und gelobtet. Kaum erholten sich die vom Kampfe erschöpften Ritter, kaum legten die tapfern Brüder die Schwerter von ihrer Seite, um nur eine kurze Zeit Ruhe zu genießen, so soderte man schon wieder ihren thätigen Geist zum Rathe, ihren Arm zum Handeln auf. Balduins Freunde riechen, die Schwäche der Feinde und die Vorthcile des Sieges ungesäumt zu nützen, und die Burgfeste Askalon, das Bollwerk der sarazenischen Kriegsmacht, zu überrumpeln. Die Johanniter ließen die Templer zur Besatzung von Jerusalem zurück und erschienen mit frischem Muthe und Waffen vor Askalon's Mauern. Wie erstaunten die heidnischen Bewohner dieser Stadt über den gewaltigen Troß der christlichen Helden. Sie kannten nur ein Gefühl, — daS 44 des Ingrimms und der fürchterlichsten Rache; denn sie wurden in dem Augenblicke von dem Schimmer der fränkischen Waffen an ihren Mauern überrascht, als sie die Ritter mit den türkischen Heeren vor Jerusalem im Verzweiflungskampfe überwunden, hinsterbend und in Sklavenketten schmachtend wähnten. Von dem Gefühle der Angst und des beschämten Übermuthes zur Verzweiflung gebracht, beschlossen die Askalonier, eher, die Ringmauern mit ihren Leichen zu decken, als lebendig 4n gdie Hände der Franken zu fallen. Allein —,,was vermag der Muth, den blos die. Verzweiflung,; einflößt, was die Tapferkeit, wenn nicht ein edler Zweck und der Begeisterung edler Rettungsfunke den" Arm des Kämpfers führt? In dem Heere der Christen fochten außer den Johannitern und Templern selbst die Pilgrime, die kaum angclangt in dem gelobten Lande schon den Muschelhut mit dem Helme, den Stab mit dem Schwerte vertauschten. Mit unverdrossenem Muthe wurde in Eile ein gewaltiger Thurm gleich einer großen Burg errichtet und unter wildem Freudengeschrei dicht an die Mauer gebracht. Schon konnten die Sarazenen wegen des gewaltigen Schießens mit Pfeilen, Wurfspießen, Pechkränzen und allerlei Art von Belagerungszeug von diesem Thurme herab, welcher die Stadt beherrschte, nicht mehr sicher in den Straßen wandeln. Wer sich außer dem Hause sehen ließ, war eine Beute des Todes. Endlich brachte ein Beginnen, wodurch die Sarazenen den Christen großen Schaden zuzufügen gedachten, ihnen selbst den größten Nachtheil und unabsehbares Unglück. Sie zündeten im Glauben, darin das letzte Rettungsmittcl zu finden, in einer finstern Nacht 45 einen großen Holzstoß auf der Mauer an und verstärkten dessen Flamme noch durch Pech und Öl. Damit wollten sie den großen Thurm der Christen anzünden. Doch plötzlich, als die Flammen ausgelodert waren, erhob sich ein heftiger Ostwind, welcher, die ganze Nacht fortdauernd, die Flamme von dem Thurme abwehrte und nach der Mauer trieb. Diese wurde durch die Heftigkeit der Glut so beschädigt, daß der ganze Raum zwischen zwei Thürmen einstürzte. Nur durch diesen Sturz, nicht aber durch das Feuer der Heiden erlitten die Christen großen Verluste Daß aber die geöffnete Lücke in den Ringmauern den Kreuzfahrern nicht nur keinen Gewinn, sondern bedeutenden Schaden brachte, verschuldeten die Templer durch schnöde Gier nach Raub, welche auch ihnen selbst verderblich wurde. Denn Bernhard von Tremelay, der Templer-Großmeister, als er mit einer Zahl tapferer Ritter seines Ordens durch die Öffnung der Mauer in die Stadt eingc- drungen war, ließ alle andern Streiter abwehren, um die reiche Beute in der Stadt allein zu gewinnen. Als die geängstigten Sarazenen in Askalon, welche anfangs in der Meinung, daß das ganze Christcnheer eindringe, gewichen waren, nur so wenige Ritter wahrnahmen, rafften sie die letzten Kräfte zusammen, rammelten die Öffnung mit großen Balken zu, schlossen die Templer ein und erschlugen sie alle, worauf sie die Leichname auf den Mauern als Siegestrophäcn aufhingcn, den Christen zum Hohne. Diese unerwartete Täuschung einer für untrüglich gehaltenen Hoffnung warf den Muth der Kreuz- sichrer so danieder, daß der König Balduin es für nöthig erachtete, die Belagerung auszuhebcn. In diesem Momente der Muthlosigkeit trat Raymund du Puy in dem Kriegsrathe vor das h. Kreuz und ricth in Vereinigung mit dem Patriarchen Fulcher und seinen Ordensbrüdern, auf Gottes Hülse fernerhin zu bauen und hoffnungsvoll das Werk aufs Neue zu beginnen. Ohne Verzug riefen die Schlachthörner und Trompeten das christliche Volk zu den Waffen, und muthig schaarte sich das Heer zum Kampfe. An der Spitze desselben fochten die Johanniter. Bald füllten zerbrochene Waffen und verstümmelte Gliedmaßen die tiefen Gräben der Stadl, und unwiderstehliche Mauerbrecher durchlöcherten vollends die noch übrigen Schanzen Askalons. Schon drangen die Johanniter von allen Seiten in die Stadt, da machten die gereizten Sarazenen mit der letzten Anstrengung einer verlöschenden Hcldenkraft einen Ausfall, griffen mit Muth die Belagerer an, zerstörten ihre Schanzen und Maschinen, zerrissen ihre Zelte, warfen Alles, was ihnen in den Weg kam, nieder, und drangen mit Blitzesschnelle bis an das Zelt des Königs vor. An der Spitze seiner Edlen focht dieser Fürst mit unerschrockener Standhaftigkeit. Die Tempelritter, voll Eifer ihre verlorne Ehre wieder einzulösen, stürzten sich wie Löwen unter die feindlichen Haufen, und die Johanniter, aus Eifersucht, um nicht von jenen übertroffen zu werden warfen sich mit unerhörter Tapferkeit jeder Gefahr muthig entgegen. Der Sieg blieb lange unentschieden. Die Schlacht glich mehr einem Gemetzel als einem Treffen — 47 „ein Schlachten war's, nicht eins Schlacht z« nennen" — und dauerte vom frühen Morgen bis spät an den Abend. Endlich mußten die Sarazenen weichen, und sich in ihre zertrümmerte Festung zurückziehen. Nun drangen die verfolgenden Johanniter von allen Seiten in die Stadt. Die bestürzten Bewohner streckten > die Waffen, und beugten sich vor dem siegreichen Stahle der Christen. So sank das kühne Askalon (den 12. August 1153), welches die Morgenländer wegen seiner Festigkeit und Schönheit „die Braut von Syrien" nannten (liöbler all elbulk. 'lab. 8)'r. S. 78.), in den Staub, und mit ihm auf lange Zeit der Nerv der sarazenischen Kraft *). Die Nachricht von diesem unerwarteten Sieg« setzte die abendländische Christenheit in freudiges Erstaunen, und mit diesem stieg auch die Hochachtung für die Ritter des Hospitals und ihren tapsern Führer Raymund. Diese allgemeine Verehrung bewog den Papst Anastasius IV., ihre zahlreichen -Privilegien zu bestätigen und zu erweitern. Dahin gehört die ungehinderte Ausübung des Gottesdienstes an Orten, die mit dem Jnterdict belegt sind, und die Erlaubnis, in allen ihren Besitzungen Gottesäcker anzulegen und Kirchen zu bauen, sowie ihre verstorbenen Brüder daselbst mit allen gebräuchlichen Ceremo» nicn zu beerdigen, ohne sich an da§ darauf liegende Bann-Jnterdict, von wem es auch herrühre, zu kehren. Diese geistige Jnquisi'rionsanstalt, wodurch die Päpste und Erzbischöfe des Mittelalters oft wegen ) S. Anmerk. 11. 48 einer Kleinigkeit den unbedingtesten Despotismus j nusübten, war eins der wirksamsten Mittel, um ^ sich der Denk-, Glaubens- und Gewissensfreiheit ! der Christenheit zu bemächtigen. Wenn zum Bei- : spiel ein Fürst durch Widerspenstigkeit die Kirche ^ beleidigt hatte, traf dieser furchtbare Schlag, der mehr war als gewöhnliche Ächtung oder Ercom- munication, mit ihm zugleich das ganze Land. Aller Gottesdienst hörte auf, die Kirchen wurden verschlossen, die Altäre ihres Schmuckes beraubt, ^ die Cruzisire, Heiligenbilder, Reliquien und Statuen umgcstürzt, die Wände in Trauer gehüllt. Keine Glocke wurde mehr geläutet, kein Sacrament außer der Taufe und letzten Ölung mehr erthcilt, und kein Todter mit kirchlichen Gebräuchen beerdigt. Der Genuß des Fleisches war, wie zur Fastenzeit, streng verboten, und die Priester dursten , sich weder waschen noch die Haare und den Bart abschceren. So mußten oft Millionen Unschuldige für ein ganz geringfügiges Vergehen eines Einzigen büßen. Die nächste Folge davon war Unzufriedenheit und nicht selten völliger Aufruhr im Volke, das über die Einstellung des äußern Gottesdienstes in Verzweiflung gerieth. Dadurch wurden die Fürsten gezwungen, sich ohne Widerrede unter den Scepter der Hierarchie zu beugen, und dem Despotismus sowie der Habsucht des römischen Stuhles oft die blutigsten Opfer zu bringen. Nicht lange jedoch sollte sich der Großmeister ^ Raymund du Pup dieser Privilegien und der Früchte des Sieges bei Askalon freuen. Es erhob sich ! zwischen ihm und den Bischöfen des h. Landes ein ^ heftiger Streit über die Befreiung von dem Zehnten, bei welchem Neid und Mißgunst von Seite 49 der Letzteren und Übcrmuth und Stolz von Seite der Ersteren hauptsächlichen Anthcil haben mochten. Wenn der Patriarch im Tempel des h. Grabes auftrat, um,das Volk zu ermahnen oder Ablaß der Sünden zu verkündigen, ließ der Großmeister alle Glocken des Hospitals so gewaltig anschlagcn, daß Niemand in der Kirche die Rede des alten Mannes, so sehr er seine Stimme auch anstrcngen mochte, zu verstehen im Stande war. Als der Patriarch ihm über solchen Frevel Vorstellungen machen ließ, antwortete Naymund du Puy mit Drohungen, welche er auch alsobald ins Werk zu setzen sich nicht scheute. Denn eines Tages, als viele Christen in der Kirche des h. Grabes versammelt waren, drangen die Hospitaliter bewaffnet in dieselbe ein, wie in eine Räuberhöhle, und schossen Pfeile unter ihre Mitbrüder. Man sammelte diese Geschosse und hing sie zum Denkmal dieser ruchlosen That, in einen Büschel gebunden, am Calvacicnberge auf, dem Orte des Leivens Christi, wo sie noch in spateren Jahren gesehen worden sind. Überhaupt so tapfer auch die Ritter der geistlichen Orden gegen die Ungläubigen stritten, und so unverkennbare Verdienste sie sich durch die Beschirmung der wehrlosen Pilger erwarben, so läßt sich doch nicht läugncn, daß eben diese Ritter fast von allem diesem Unfrieden, der im h. Lande obwaltete — wenn auch nicht immer die Anstifter — doch wenigstens sehr thätige Teilnehmer waren, durch Habsucht und schnöde Gier nach Beute sich nicht selten zur Verläugnung ihrer Pflichten verleiten ließen, und selbst bei den Heiden den christlichen Namen schändeten. II. 3 50 Zu eben der Zeit, wo zwischen den Bischöfen und den Hospitalitern jener ärgerliche Streit noch fvrtdauerte, haben die Templer durch eine niedrige Handlung 'den Glanz ihres Ruhmes verdunkelt und ihre Geschichte vom Jahre 1155 mit ewiger Schmach befleckt, indcnri'fre zeigten, daß ihnen Geld höher stehe, als die Erfüllung ihrer heiligsten Pflichten. Als nämlich Nasircddin, Sohn des Veziers Abbas, ein tapferer, bei den Sarazenen sehr geachteter Mann mit unermeßlicher Beute in ihre Gefangenschaft ge- rathcn war, verkauften sic ihn trotz dem, daß er die christlichen Glaubenslehren mit großem Flriße und inniger Überzeugung erlernt hatte, auf die verruchteste Weise seinen und seines Vaters Feinden für 60,000 Goldstücke, und sahen es an, daß er, in einen eisernen Käsig gesperrt, auf einem Kameele nach Ägypten hinweggeführt wurde, wo er unter den grausamsten Martern seinen Geist aufgab. Die Christen verabscheuten diese That nicht minder als die Heiden und betrachteten die Unglücksfälle der folgenden Jahre als Gottes gerechte Strafe. l Der Khalif Nureddin erneuerte im Jahre 1157 den Krieg wider die Christen mit großer Heftigkeit. Nun gaben auch die Johanniter einen redenden ' Beweis, daß sie den Beistand ihres Schwertes — wenn auch nicht immer, doch von Zeit zu Zeit — nur gegen Belohnungen und willkürliche Preise gewährten. So weigerten sie sich in diesem Falle, die Vcrtheidigung von Paneas zu übernehmen, bevor der Connctable Honfcoy von Thoron, dem diese Stadt eigenthümlich zugehörte, sich verbindlich ge- , macht hatte, Herrschaft und Einkünfte mit ihnen ^ zu theilen. Paneas (das alte Cäsarca Philipp!), eine Stadt in Phönizicn, lag am Fuße des Libanon und war die Grcnzfestung gegen Damas, eine Provinz des furchtbaren Nureddins^ Der Connetnble mußte noth- gedrungen einwilligcn. Die Ritter ließen nun Waffen und Lebensmittel von Jerusalem- herbeifchaffen und gingen mit einem gewaltigen Zuge.von Pferden und Kameelcn dahin ab. Der Emir Nasired- din aber, von diesem Unternehmen unterrichtet, kam ihnen zuvor, griff sie im Hinterhalte an-n schlug sie aufs Haupt, nahm ihnen Pferde, Lastthiere, Waffen und Vorräthe- und schickte die Gefangenen mit den Köpfen der im Treffen getödteten Christen nach Damaskus. Den Sieg benutzend rückte er sogleich vor die Stadt. Ein nachdrücklicher Angriff brachte sie nach wenigen Tagen in seine Hände. Der König von Jerusalem eilte zum Entsätze herbei. Nureddin, dies, erfahrend, legte Feuer an die Hauser und legte sich mit feinen Schaaren in dem Walde von Paneas in den Hinterhalte Als nun die Ritter unter heitern und frohen Gesprächen herbeiritten, da brachen plötzlich die Türken aus ihren Schlupfwinkeln hervor und verbreiteten Tod und Verderben unter den Christen, ehe sie sich noch zu schaaren vermochten. Der König konnte sich kaum noch durch die Flucht nach Saphed im benachbarten Gebirge retten. Sein ganzes Feldgeräthe und selbst die Kapelle mit den Heiligthümern wurde den Sarazenen zur Bcutei , . Die Tempelritter waren bei diesem Angriff fast eben so unglückliche wie es die Johanniter bei Nur- reddin's vorhergehendem Überfall gewesen. Viele tapfere Männer wurden jämmerlich erschlagen; — 3 * sie entgingen aber durch den Tod der grausamen Schmach, welche die Gefangenen erfuhren, unter denen selbst der Großmeister des Tempels, Bcrtrand von Blanquefort, und die Ritter Hugo- von Jbelim, Odo von St. Amand, des Königs Marschall und nachherigcr Meister, nebst vielen Andern sich befanden. Diese wurden in schimpflichem Gepränge in Damaskus eingesührl, dem Pöbel zur Schau, die vornehmen Ritter mit Panzer und Helm gerüstet auf ihren Rosien, jeder sein Panier haltend, die gemeinen Ritter je zwei und zwei aus einem Ka- meele und ausgebreitete Fahnen tragend, an welchen Haute von den Köpfen der Erschlagenen mit den Haaren befestigt waren, die Knechte je vier und vier mit Stricken zusammengebundcn. Nicht lange überlebte der in vieler Hinsicht ehrwürdige Meister des Hospitals, Rapmund du Puy, diese Schmach seiner Waffcngefahrten. Gedrückt von der Bürde eines achtzigjährigen Greiscnalters, mit Wunden bedeckt und mit Ruhm überhaust, hatte sich dieser tapfere Kampfer für Gottes Ehre schon seit einigen Jahren in die stilleren Kreise seiner Burg zurückgezogen. In den Armen seiner Brüder fand ihn der Tod, ruhig und gelassen, wie er ihm schon oft im Gewühle der Schlachten begegnet war ( 1160 ). Lange trübten sich über diesen Verlust die reinen Quellen der Frömmigkeit der Johanniter, woraus ihr durch schwere Gelübde gefesselter Geist sonst Trost zu schöpfen pflegte. Noch in tiefer Trauer schritten sie zu der Wahl eines neuen Oberhauptes. Einstimmig wählten die Brüder nach Rapmund's Tode den Ritter 53 Auger von Bälden 1160 — I16Z. zum Meister ihres Ordens. Dieser Auger oder Ottogerius. war aus einem alten Gefchlechte der Dauphine gebürtig, ein Mann, dessen Heller Verstand und unverfälschter Religionseifer das Vertrauen des Ordens rechtfertigte, und dessen Einfluß in den Berathungen des Königs von großem Gewicht war. Sein Ansehen bei dem Letztem nahm durch die wichtigsten Waffenthatcn im Felde und durch die treuen Dienste im Rathe mit jedem Tage so sehr zu, daß nach Balduins Hinschciden sein leiblicher Bruder Amalrich, Graf von Giaffa (Jaffa) und Askalon, blos durch die Unterstützung Auger's von Balken wider den Willen der Stände zum Könige von Jerusalem gewählt und gekrönt wurde. Er bekleidete nur wenige Jahre diese Würde, aber auch diese kurze Zeit war durch viele wichtige Angelegenheiten, die ec glücklich zum Ruhme des Ordens beendigt hatte, ausgezeichnet. Eine doppelte Zwietracht drohte während seiner Regierung dem christlichen Staate in Palästina völlige Zerrüttung. Denn furchtbarer als je erhob sich eine Kirchentrennung im Abcndlande unter Papst Alexander Hl. und dem Gegenpapste Victor 1H. Bei den gethcilten Stimmen auf dem Concilium zu Nazareth machte der König, .eine nachtheilige Trennung fürchtend, den Vorschlag bekannt, vor der Entscheidung der Kirche im Abendlands sich noch für Keinen von Beiden zu erklären. Unerachtet die meisten Fürsten und Herren dem Könige beistimmten, brachte es doch Auger von Bälden nebst dem Erzbischof von Tyrus durch ihren Eifer und ihre Beredsamkeit dahin, daß das Con- cilium Alexander lll. für den rechtmäßigen Besitzer des heil. Stuhles erkannte- ja« sogar jeden schwankenden Aufschub seiner Annahme für unerlaubt erklärte, iü Nicht lange überlebte - der'«Großmeister diesen glücklichen Erfolg in ^einerüdec wichtigsten Angelegenheiten der Christenheit, welchen der Staat seiner Klugheit Meinuzu- danken'»' hatte. Ein schleuniger Tod riß« ihn Von «dem Schauplatze Hinwege auf dem er zum Ruhme des -Ordens noch länger nzu glanzen verdiente. .Koi uä -n-'n-l. rl " SeinoNachfolger«im Meisteramte war ^ »tkNl-iL n» ma-zx r-n o l ^ E'0 m p ß. " ttNM«. SN« n^l», «Er stammte««» aus einem vornehmen Geschlechte in deriMoviNz Dauphinbi, und war seinem würdigest Vorgänger nicht weniger an Verdiensten als an Jahrein gteich-ä «Kaum hatten erniseme -Würde angekreteich chls-ähn schon neue Einfälle der Sarazenen«'zit den Waffen riefens ä tüDreinSiege wareni^s, die mit unzweideutigem Glücke- unter- seiner vierjährigen Regierung erfochten wurden und mit dreifachem- Lorberkranze dessen Haupt umkränzten. Den ersten ersocht er gegen den Usurpator Hargan/welcher sich durch Verdrängung des Sultans Sannar oder-Shäver- des ersten-Ministers des ägyptischen Khal'ifen*) das Sultanat dieses Landes angemaßt den KönigbvdN 'Zevusalemch-Balduin's Hl. Bruder, Amalrich-- mit Krieg überzogen, und als er seinen Untergang worAugen sah, im der Verzweiflung seine — - > s-»ä w» *) S. Anmerk. 12. 1 55 Zuflucht zu einem Mittel genommen hatte, das ebenso gefährlich war als das Unglück selbst, welches er dadurch von sich abwcnden wollte. Um den reißenden Strom der feindlichen Truppen aufzuhalten, ließ ec plötzlich alle, Damme des Nils durchstechen und so das ganze Land unter Wasser fetzen. Wahrend er sich auf diese Weife gegen den Angriff der Christen völlig gesichert.glaubte-, .brach von der entgegengesetzten Seite ein neues, nicht weniger furchtbares H"r wider ihn los. Sultan Schaver, den er seiner Würde beraubt hatte, versprach dem Sultan Nureddin von Aleppo einen Drittthcil seiner Einkünfte, wenn er ihm den Besitz von Ägypten wicdercrobern und Hargan bestreiten helfen wolle. Der - ehrgeizige Nureddin ^ergriff mit Freuden diese Gelegenheit, mit verstellter Freundschaft,, nach geleisteter Hülfe, sich selbst auf den Thron von Ägypten cmporzuschwingen.. Sofort brachte, er ein mächtiges Heer auf die Beine,- und -überließ dem Ägyp- tiec zum Schein den Befehl darüber, den Truppen aber gab er heimlich die Weisung,- nur seinem vertrauten Feldhercn,-Schickuh unbedingten Gehorsam zu leisten. Bald kam es zum Treffen, woran die Ordensritter großen Antheil nahmen. Den zweiten Sieg erfocht er - gegen Nureddin, welcher geblendet -durch die -eitle Hoffnung, in Abwesenheit des christlichen Königs Städte zu erobern, das wehrlose Tripolis und die Burgveste Äcene überfiel. Die Templer und.Johanniter schlugen seinen Ängriff von den Mauern zurück-- verfolgten sein fliehendes Heer und bemächtigten sich des ganzen feindlichen Lagers. 56 Den dritten Kranz, errang sich der Großmeister Arnold de Comps in Ägypten. Als nämlich Schirkuh, der Feldherr der Partei der Abassiden, gegen den schwachen Khaliftn Adhad von Ägypten mit furchtbarer Kriegsmacht heranrückte, um mit ihm den Stamm der Fatimitcn aus der Dynastenreihe des Propheten zu vertilgen, trat dieser mit den Franken in das engste Bündniß und versprach dem Könige Amalrich 400,000 Kronen Tribut zu zahlen. Der Fürst zog, von beiden Ritterorden begleitet, dem neuverbündetcn Gebieter Ägyptens zu Hülfe. Schon hatte sich Schirkuh einer Insel in der Nahe von Kairo bemeistect, schon hatte er im stolzen Siegestaumel sich mit dem süßen Gedanken der gänzlichen Unterwerfung Ägyptens geschmeichelt, als die Christen wider seine Vermuthung auf der Nilinsel kreuzten. Schirkuh floh vor dem Anblicke des fränkischen Heeres und warf sich mit seiner Reiterei nach Alexandrien. Doch auch hier vor dem Arme des verfolgenden Feindes nicht sicher, floh ec aus Alexandrien mit seinem Gefolge, und ließ seinen Neffen, den tapfern Salaheddin, den nachmals so berühmten Feldherrn und Regenten Sa lad in, zur Bertheidigung zurück. Doch auch dieser vermochte nicht, den Rittern Widerstand zu leisten. Überzeugt, daß diese das Äußerste wagen, und dann ihrem ausdauernden Muthe nichts widerstehen würde, übergab auch er den Belagerern die Stadt stimmt ihren Gefangenen. Dem gegebenen Worte getreu überließen der König und die Großmeister der beiden Ritterorden Alexandrien) diesen Schlüssel zum ägyptischen Reiche, dem rechtmäßigen Beherrscher. Der junge Saladin soll an jenem Tage so von der Tapferkeit und schönen Haltung des Connetable Honftoy de Thoron, dem er öfters im Gefechte begegnet war, eingenommen gewesen sein, daß er diesen Helden bat, ihm den Ritterschlag zu erthci- len, welches Honfcoy nach cingeholter" Erlaubniß des Königs von Jerusalem mit allen dieser' Würde gebührenden Ccrcmonien vollbrachte. So wußte der Muselmann christliche Tapferkeit zu ehren, und der Christ vergaß über dem HelScnmuth.e des Gegners die Verschiedenheit des Glaubens. ' Um diese Zeit starb Arnold de Comps. Aus ihn folgte Gilbert von Assalit 1167 — 1170 . in der Würde des Meisterthums. Er war aus England gebürtig und wird von einigen Schriftstellern auch Gilbert de Sailly, oder Gisbertö d'Assaly genannt. Diesel' Mann wußte sich durch seinen schmiegsamen Charakter Amalrichs Zutrauen in einem so hohen Grade zu gewinnen, daß er in Hoffnung auf seine Unterstützung den tollkühnen Plan entwarf, Ägypten der Krone Jerusalem zu unterwerfen, um auf diese Weise der Möglichkeit vorzubeugen, daß irgend ein tapferer Khalif Palästina wieder zur ägyptischen Provinz mache, wie cs vor Gottfried von Bouillon's Zeiten gewesen war. Die Begierde nach den Schätzen' jenes Reichs und die Kcnntniß der Zaghaftigkeit der Nation erhöhte seinen Muth. - Doch wie sehr auch der neue Großmeister für dieses Unternehmen stimmte, so waren doch die Z** Stimmen in den Nathsversammlungcn über diesen Gegenstand sehr getheilt. Die meisten Glieder des Ordens, besonders die ältesten Johanniter, fanden einen Angriffsplan ihren Gelübden sowol als ihrer Bestimmung zuwider, welche letztere sie zwar zum beständigen Kampfe gegen die Ungläubigen, aber nicht gcgcntsolche unter ihnen, mit denen sie Friede geschlossen, zur Vcrtheidigung des heil. Landes, aber nicht zu neuen Eroberungen rief. Doch auch der Großmeister sowol, als der König selbst, hatten ihre Anhänger in. dem Orden, die für den Krieg stimmten. Die Mehrzahl der Ritter bewilligte die Unterstützung der vorgenommencn Eroberung Ägyptens. Das Convent ertheilte dem Großmeister Vollmacht, in den Banken von Florenz und Genua Geld auszunehmen. Die Hoffnung, Ägyptens Schätze unter sich zu theilen, zog außer der großen Anzahl Miethtruppcn noch eine Menge,-. Freiwilliger herbei, und Assalit konnte nun dem Könige eine ansehnliche Armee zu- führcn. u, ,e>> Alles aus der Christenheit zog nun voll Zuversicht gegen die heidnischen Ägypter zu Felde. Nur die Tempelritter wollten an der Unternehmung keinen Antheil nehmen, sei es, weil sie nicht hoffen konnten, der Macht und ödem Glanze der Johanniter gleichzukommeni.- oder, wie sie Vorgaben, weil sie den Krieg für. ungerecht und den Friedensbcuch für treulos hielten', Ehe man in Ägypten noch den leisesten Wink davon erhalten hatte.,- stand,Amalrich mit einem furchtbaren Heere schon vor den Mauern von Bel- beis. So unerwartet der Sturm auch herangebrochen war, und mit entschlossenem Nachdruck Angriff auf Angriff folgte, stellten sich doch die Belagerten, unter Sannaar's Sohn, zur kräftigsten Gegenwehr. Erst nach langem blutigem Kampfe öffneten sich die Thore der Stadt. Wüthend stürzten nun die Sieger hinein, mordeten, sengten und zerstörten Alles, was ihnen in den Lauf kam, und milchten ihren schwärmerischen Triumphgesang in das Klagegeschrei der Weiber, Kinder und Greise. Überall Tod, Verderben, Zerstörung. Die Straßen schwammen in Blut. Es war ein Wettstreit, den der Christ mit dem Ungläubigen in Grausamkeit und Blutgier kämpfte. Zuletzt gewann die Habsucht selbst über die Mordgiec die Oberhand. Der gemeine Troß des Volkes war größtentheils niedcrgemetzelt; die geringe Zahl der Vornehmen und Reichen aber wurde absichtlich verschont, um ihren Henkern die verborgenen Schätze ausliefcrn zu können Unermeßlich waren die Federungen der Christen, und wer sie nicht befriedigte, starb unter dem Schwerte, oder büßte durch die härtesten Sklavcndienste. Der Großmeister Affalit erhielt, dem Vertrage gemäß, die Festung. Der König aber zog mit seinem Heere nach Kairo. Eine grenzenlose Bestürzung bemächtigte sich des Sultans, als er die Eroberung von Belbeis, die Gefangenschaft seines Sohnes und Neffen und die Annäherung des Feindes fast zu einer und derselben Zeit erfuhr. Es blieb dem Verzweifelnden kein Mittel übrig, als seinen Stolz vor Nureddin, dem siegreichen Beherrscher von Damaskus, zu beugen, und sich in dessen Arme zu werfen. Um aber Zeit zur Vereinigung mit der Kriegsmacht dieses Fürsten und zum Aufgebot seiner Völker zu gewinnen, ergriff er die Maske der Vcrstel- lung und bot dem Könige von Jcrusulem zur Erhaltung des Friedens und als Lösegcld für die gefangenen Prinzen zwei Millionen Goldgulden an. Der habsüchtige Amalrich ging die Bedingung mit Freuden ein und genoß schon im Geiste die verschwenderischen Früchte der Zukunft, die seine kühne Entschlossenheit krönen sollten. — Unterdessen rüstete sich Schaver zu einem verzweiflungsvollen entscheidenden Angriff. Nurcddins Feldherr, Schirkuh, rückte eiligst heran mit einer furchtbaren Macht. Noch ahnete Amalrich nichts von dem Betrüge, und selbst die Warnungen seiner ältesten Freunde im Heere, der weisesten Männer voll Erfahrung, vermochten nicht, ihn aus dem Taumel seiner Verblendung zu wecken. Alles schien sich vereinigt zu haben, dem unglücklichen Könige einen gänzlichen Untergang zu bereiten. Ein wüthender Secsturm zerstörte die Flotte, welche der Kaiser von Konstantinopel zu seinem Beistände ausgerüstet und ihm entgegengesandt hatte; seine Armee schmolz mit jedem Tage mehr zusammen. Was die feindlichen Schwerter verschonten, raffte Krankheit dahin, was Hunger und Krankheit nicht aufrieben, wurde eine Beute des Verraths, oder starb auf schimpflicher Flucht. Ein schleuniger Rückzug war das einzige Mittel, welches ihn retten konnte. Bedeckt mit Schande und Scham wegen einer eben so ungerecht angefangenen als unglücklich ausgeführten Unternehmung, mußte er die bezwungene Stadt Belbeis, die einzige Eroberung, wieder in den Händen der Feinde zurücklassen und mit den armseligen Trümmern seiner Armee nach Jerusalem heimkehrcn. Am allerdrückendsten waren aber die Folgen dieses l ü r Feldzuges für den Großmeister des Hospitals, der durch Rath und That einen nicht geringen Antheil daran gehabt hatte. Die Ordensbrüder überhäuften ihn mit Vorwürfen und beschuldigten ihn ganz öffentlich einer grenzenlosen Eitelkeit, die ihn allein zu dem ungeheuren Aufwands, zu einer Schuld von 200,000 Dukaten und endlich zu dem gelo- und mcnschenraubendcn Zuge nach Ägypten verleitet habe. Die Höflinge, deren ephemere Existenz immer an der lächelnden oder zürnenden Miene der Majestät hangt, bestrebten sich, die Thorhcit des jungen Königs zu vertheidigen, und walzten daher die ganze Last auf den unglücklichen Gilbert von Afsalit. Um nun den Vorwürfen der Einen und dem Spotte der Zündern zu entgehen, legte er in einer feierlichen Versammlung des Ordens seine Würde nieder, die ihm jetzt zur Last wurde, und verließ Palästina auf immer. Nach Gilbert von Assalit's Entsagung wählten die Ritter fast einstimmig einen alpen Mönch Gastus oder Castus (Gasto) 1170-1171. dessen Vaterland und Herkunft durch keine historische Quelle uns bekannt geworden ist, zu ihrem Meister. Mit diesem zugleich erhob sich am Himmel des Orients ein hellleuchtendes Rcgcnten-Me- teor, welches an Tapferkeit, Weisheit und Fürstentugend nicht nur alle seine Zeitgenossen, sondern selbst die meisten seiner Nachfolger christlichen oder 62 mohammedanischen Glaubens weit hinter sich zurückließ. Es ist Sa ladin, oder Salaheddin Jussuf Ebn Ayub, ein Neffe des tapfern Fcldherrn Schirkuh, dem er, als dieser nach der Demüthigung seines unter der Maske der Freundschaft gleissenden Todfeindes - und Vundesgenosien, Schauer, gestorben war,i im Hecrbefehle folgten Der Name „Salaheddin" bedeutet im Arabischen bekanntlich „das Heil des Glaubens". Der Khalif von Ägypten, dieses immerwährende Rcgentenphantom, mußte ihn für seinen Sultan erklären. Auch Nureddin wagte cs nicht, sich dem jungen Helden zu widersetzen, weil sein mächtiger Anhang leicht einen Ausruhr hätte erregen können. So stieg Saladin immer höher auf allen Stufen der Macht, und bald erblicken wir ihn als ein Stern der ' Sterne am politischen Himmel des Orients und des Abendlandes. Nicht nur die Schriftsteller seiner Irrt bewundern'ihn als den tapfersten Krieger und weisesten Regenten, sondern auch die Nachwelt staunt, bei aller Grausamkeit, zu der ihn Leidenschaft und Rachegcsähl ermunterten, über seinen echt religiösen Sinn, über seine Duldung, Gerechtigkeit und-Großmuthft Über wenige große Männer isti' das Zeugniß der Geschichte so übereinstimmend als uübev'dSaladinru nSowol die Christen, welche er ebenso^ hartnäckig ! als glücklich bekämpfte, als auch -dre Mnselmänncrl/i die durch ihn die Ehre ihres Glaubens--verherrlicht ffahen, priesen cinmüthig seine Tapferkeit!,- und der -ritterlichste der Könige, Richard Löwenherz, achtete ihn selbst der Ritterschaft würdig. Wenn die Moslems seinen Eifer für die Lehre des Propheten und seine Gewissenhaftigkeit in Erfüllung der Pflichten des Korans -min begeisterter Lobpreisung verherrlichten, so erkennen die Christen, welche gegen ihn stritten, seine Redlichkeit, Treue und menschenfreundliche Milde gegen'-die gefangenen Feinde an; und diese Milde verläugnete -Saladin nur einige Male, als die Christen durch früher begangene Grausamkeit gegen gefangene Muselmänner oder durch Treubruch seinen Zorn gereizt hatten. *) Nurcddin ertheilte dem jungen Sultan den Befehl, den Namen des Khalifcn Adhad (Aded) aus den öffentlichen Gebeten zu vertilgen, und an dessen Stelle den Namen Mostadhi XXXiil. aus dem Stamme der Abassiden einführen zu lassen. Der Khalife Adhad überlebte diese schmachvolle Behandlung nicht lange. Saladin ließ ihn entweder auf Nurcddin's Veranlassung, oder wie einige Schriftsteller behaupten, aus ehrgeiziger Absicht, um sich mit der Zeit selbst auf den Thron von Ägypten zu schwingen, im Bade erwürgen. Mit ihm erlosch der fatimitische Herrscherstamm in Ägypten im Jahre der Hegira 567 und 1171 nach Christi Geburt, und nun war Saladin Gebieter der Lander am Nil. So lange noch sein Oheim Nureddin Zcnghi, der mächtige Fürst von Aleppo und Damaskus, lebte, bezeugte Saladin große Ergebenheit, innigen Dank und unveränderliche Treue gegen ihn; doch bewegte schon eine ebenso große Herrschsucht als Begierde nach Ruhm und Landerbesttz seine Heldenbrust. Er war eine von jenen Naturen, welche in ') S. Anmerk. 13. 64 alle Formen paffen, und oft die widersprechendsten Grundzüge in ihrem Charakter vereinigen. Ebenso bedeutend asch Mynöer FcldMr wiö ' als selbstkam- pfestdeÜ Kriegers'hst^ wol selten ein Heerführer größere Sumnzen für die Gunst seinek Soldaten verschwsMt, ^selten einer 'dieselbe" so sehr durch StthnZLi^uf^W^Spiel AeHtl'^Doch dabei war er ist seiner'MWstszüch^gerecht stnd in der Strafe eliÄisö' u'NeKitmchs^als ist "seinen' Belohnungen ver- schweüdeiiM- ^ «E,,^ />' Eiüschloffest 'geüüg/in zweifelhaften Fallen das Äußerste zu wagen, .ergriff ersjeW Mittel, das sich iyni^baDt')sutyf, Mein Ziele naher zu kommen; daher müßte' ÄM, worauf er seine Wünsche geheftet hatte, entweder seiner Tapferkeit oder seiner Schlauheit erliegen. "" Auf diese Weise hat er, selbst auf dem umgestürzten Throne von Jerusalem, aus den Trümmern so vieler anderer Reiche jenes ungeheure Weltreichs sstrifgM^rmt^''welches'' SMen, Palästina, AtabN/"'WtsW'^Ünd MefopökaMien in sich fassest^' Ws messtest Anstrengung hat ihn das Herz dieses riesengroßen Staatskörpers — Palästina — gekostet. Kühn' unö'^rasch, wie sein Unternehmungsgeist, wakest aAch seine' Angriffe. !^' " ^" Dem^GlaübeÜ seiner Vater getreu, war er ein geschwörknec Feind der Tempelherren, und Johanniter. ^EÄfe b'oM Über auch' alle^ihre iKräste auf, seines ffegreWen"Dbrtschritttn EiHÄt zü'fthun und seine^tÄütheMst'Anfälle"srüchtlbs zstsinachen. Die nur einige Meilen von Gaza entfernte Buttff'Da- run, Welchers'Maiste 'sMostör der Gri/chest" 'bedeutet (sft''wa^üuf den Trümmern eines griechischen Klosters erbaut worden), war Zeuge eines heldcn- müthi'gen Kampfes von beiden Seiten, aus dem die Christen, obwol mit großem Verluste, siegreich hervorgingen. Für Saladin schien aber die Zeit zum ernstlichen Streite gegen das Christenhecr noch nicht gekommen zu seyn-, cs genügte ihm, den Feind zu beunruhigen, die Ordensbrüder durch die Tapferkeit seiner Schaarcn zu necken, letztere zu üben und durch Beute zu reizen. Auf einmal'stand er daher mit seinen Truppen vor Gaza. Diese erst von Balduin Hl. wieder gebaute Stadt war zwar durch ein starkes Castell geschützt, aber ohne feste Mauern. Daher wollten die Einwohner, des Krieges ganz unkundige Ackerleute, mit all' ihrer Habe und Weib und Kindern in die Citadelle flüchten. Allein der ungestüme Tempelritter Milo von Plancy, welcher die Stadt befehligte, und als der Hauptanstistcr alles auf der letzten ägyptischen Heerfahrt über die Christen gekommenen Unheils betrachtet wurde, zwang sie, in der Stadt zu bleiben. Bald aber drang Saladin mit seinen Schaaren in die schlecht verthcidigte Stadt und richtete ein furchtbares Blutbad unter den Einwohnern an. Diese Begebenheiten erweckten in dem Könige von Jerusalem und seiner Ritterschaft große Bestürzung. Amalcich erkannte nun die Nothwendig- keit, andere Stützen seines wankenden Thrones zu suchen. Ein neuer Kreuzzug schien ihm das einzige Mittel, das christliche Reich in Palästina vom Untergänge zu retten. Ec schickte daher eine Gesandtschaft, an deren Spitze der Bischof Wilhelm von Akre stand, an die Fürsten des Abendlandes, dieselben um Beistand 69 anzuflehen. Er selbst reiste nach Konstantinopcl, um von dem Kaiser Manuel Truppen oder Geld zu seiner Unterstützung zu erhalten.-« . -n mDie.-Merwaltung seiner Staaten: aber übergab er während ^seiner Abwesenheit- den «beiden Großmeistern drs-Templer- und Johanniter-Ordens, weil er. .sie Beide-,gleich hoch achtete und,-keinem vordem andern einen -Vorzug gewähren;wollte. ich.An die Stelle-des Gastus- hatten die Johanniter einen Mann von großen Verdiensten zu ihrem Oberhaupts gewahlt>;i.det,snoch kürzlich bei der--Verthei- digung-;,von.-dAntiochien rühmliche;,Beweise seiner Tapferkeit und Einsicht gegeben hatte: -/iplittiup--- ün« u-st- - . ß- chi»» uz M11-9?' MM --1MIV- (tt-UM ol.'M .-.'iinük mm - ---- -muWasrfür ein Ansehen er sich unter den morgen- ländischmICHrrsten erworben «haben mußte, geht aus dem' Umsiande"hervor-/«dllß er, nebst) dem kräftigen Odo von St. Amand (gewöhnlich der große Odo genannt)? Großineister vom Tempel,'- bei : des Königs Abwesenheit- zumMeichsverwescr- von Jerusalem auserkoren ward/Vwbdurch er sich die Mißgunst der Höflinge-undSvicler-.-'-angesehener Fürsten und Gra- feNaxuzsglE msin- nou rchin chü - - Doppelt schwierig war nun -sein Standpunkt. Er halbe stowöl feinen deignenllOrden-'-als das-ihm anvertraute Reich -.-zu-Reschirmen.-: - Und-in der That, es ilfchlts nicht-"-an. -GelegcnheitßvISaladin- beunru- higren im gewohnten Siegesläufe von allen Seiten den schwachen Staatskörpcrpound um das Unglück der Christen vollkommen zu machen, stand jetzt ein MSlgM). ÄLer't -vilse« Iosber t o. 67 neuer gefährlicher Feind auf, der sein eigenes Jn- tccefse mit demjenigen Salcidins vereinigte. Armenien wurde von einer gewissen Sekte von Christen bewohnt, die in mehrern Ceremonien und Glaubenslehren sowol'von-,der griechischen-als-der lateinischen Kirche abwicheii. Ihr-kirchliches Oberhaupt nannte sich „katholischer Patriarch^..' In weltlichen Dingen regierten sic Fürste» /-' welche! sich von der Krone von Byzanz unabhängig-gemacht, und durch die Lagv -ihres Landes und durch -feste Plätze bis dahin ihre Freiheit- erhalten hatten. Tho- ros oder Theodor, der damals das Reich --bchecrschte, hatte mit den Lateinern im Orients'wider dis Griechen ein Bündniß geschlossen, und begünstigte erstcre dergestalt, daß er, die Religionsyerschicdonhcit vergessend, nicht nur den ^Johannitern und Tcmplenr erlaubte, Kirchen in,-seinen Staaten zu errichten, sondern sogar seinem Bruder'Milo (Melier) gestattete,7 in den Tempelherrn- Orden zu, treten.., Mm die Bande der Freundschaft-enger zui-knüpfen/t hatte er sogar eine seiner-Schwestern an-einen vornehmen Lateiner vermählt.no- Die Frucht dieser Ehe war ein Prinz, Namens Thomas, den-Theodor-für- seinen Thronfolger erklärte. Allein als dieser nach Theodors Tode von seinem Throne Besitz .nehmen wollte widevsetzten- sich ihm die Armenier, die sich nicht von einem Ketzer-wollten beherrschen -lassen.- >o--- -ni'ümd'i Sein OheimsWiloi-n aus dieser Abneigung. - gegen den Prinzen Thomas Hoffnung-füb seine -Person schöpfend, verließ den Orden, verband sich mit Saladin,»,Vertrieb seinen Neffen-t'-aus> -Armenien, setzte sich selbst die- Krone auf, siel hierauf.in Antiochien ein, streifte mit seinen Truppen bis an die 68 Grenze von Palästina, und bczeichnete überall seine Schritte mit Blut und Verderben. Um die Gefahr, welche so vielfach das heil. Land be^rochtej, -auch von dieser Seite abzuwenden und, den. Einfällen des wüthenden Apostaten entge- genzuacbciten, schickte der Großmeister Joubert eine Abrheilung seines Ordens diesem Feinde entgegen. i,Bahemund lll. aus Antiochien mit einer Anzahl,wackerer Templer verband sich mit den Johannitern, -Bald,,-wurde derVerräther, der zu wenig Muth und Entschlossenheit besaß, um dem Feinde im offenen Felde die Stirn zu bieten, genöthigt, sich,in den verborgensten Schlupfwinkeln des Gebirges -zu, verschanzen, und dann nebst den Tucko- mannen» seinen Bundesgenossen, sein Heil aus der Flucht zu suchen. Mittlerweile hatte der Tod Nurcddin's zu einer Zeit, tpo das christliche Reich in Syrien in die schwachen Händg, eines schwachen Knaben (Balduin IV.) kam-, den Geist 'des furchtbaren Saladin nicht wenig beschäftigt. Amalrich war im I. 1173 gestorben, gerade als er im Begriffe war, das durch den Templer Gaultier du Mcsnil an dem Gesandten des Alten vom Berge verletzte Völkerrecht exemplarisch zu bestrafen. Schon am vierten Tage nach des Königs Tode wurde sein dreizehnjähriger Sohn BtUduin von dem Patriarchen feierlichst in der Kirche des,heil. Grabes gekrönt. Die Natur hatte ihm einen siechen hinfälligen Körper-mit auf die Welt gegeben, sodaß sein erster Blich, ins Leben', zugleich ein Blick ins Grab zu sein schien. Trüb .und unbemerkt, wie seine Kindheit, verlor sich die kurze Periode seines königlichen Daseins, und gleich den Nebeltagen des Hornungs begleiteten seine vorübereilende Erscheinung unzertrennlich die Schauer des Todes.- -a, ^ mr. Wahrend der ohnmächtigen' Regierung-^ dieses Monarchen neigte sich -> der christliche' Sttiat/0 trotz der Bemühungen des' zum Vormund ssür'den'jün- gen König eingesetzten!' GrdfeSMRaytSMdMK von Tripolis, immer mehr und MehvöstMM'Unterstange entgegen; und wie- voM diesem «eine Kräft Nach -der andern verschwand; stieg dis' Macht "des Süladini- schen Reiches immer furchtbarer eMpot!" stuM Der Sultan glaubte diesen zur-Eroberlinsto von Palästina günstigen Zeitpunkt" nicht »"betMmien zu dürfen, und belagerte' den unmündigen" König- in Askalon. Wenngleich Raymund voM Tripolis, mit hoher Umsicht und klug prüfendem Geiste Mr Führung des Staatsrudersh wie geschaffen, durchs das Übergewicht seincr-Talente nach den Grundsätzen der Regierungskunstüzu-i handeln verstand'/! üüd"die Un- terthanen im Gehorsam s die Lehenträger des'Reichs in beständiger AbhängigkeiZ'zn 'erhakteÄ^wUßte/MM' saß er doch nicht das kriegerische Herz des Johanniter-Meisters- das stinevo Reinheit bewusst und seiner Gelübde eingedenk, nust für^ die^ Ehte^ des Ordens und für den Ruhm Jerusalems schlug'.""" Es war daher Joubert's Muthe'' Vorbehalten, für die Wohlfahrt des Reichcs'-'-unö''>für!'die"EkhÄ- tung des jungen Balduin das Schwert zu schwingen. Der Ehrwürdige unterstützte' MWRakh^und Lhat den minderjährigen' König )>-"und" mächtb'-Mff ihm einen glücklichen- Ausfalist'a-üs Askälönslu Wker dem Mantel einer dunkeln Nacht stürzte sich "das Heer der Christen auf'Hen in sorgloser Ruhendem Schlafe sich hingebenden Feind/"brachte Alles in Verwirrung und warf die ganze Armee der Ungläubigen zu Boden. Saladin, der Unerschrockene, sammelte die Trümmer seines Heeres mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit, und stand des andern Morgens um die achte Stunde.schon, wieder zum Kampfe bereit/den Christen gegenüber. Die Heiden, ein Haufe von 26,000 leicht bewaffneten Reitern, ohne diejenigen., welche auf großen Streitrofscn und Kameelen ritten.--. kamen in geschloffenen Gliedern hcrangezogen.,,3 Das christliche. Heer zahlte aber nicht-, mehr als 370 Geharnischte. An der Spitze derselben der König und der Rcichsvcrwcser Rapmund. Graf Joscelin, deck Königs Oheim und Seneschall des Reichs-,-führte die kleinern Schaaren. Odo von St. Amand, der Großmeister der Templer, stand mit SO seiner. Brüder in dem Mitteltreffen. Den linken Flügel befehligte der Meister des Hospitals, «Joubert. - Bischof Albrecht von Bethlehem trug das"heiü-Krcu;nm!i.-- Es dauerte aber nicht lange, so nahm Saladin an dieser erlittenen Fehde eine blutige Rache. Als nämlich König Balduin -im folgcndewJahvsi es -gewagt hatte, aus einer Anhöhe -am.iJordan, -zehn Rasten von Paneas, da wo--der Erzvaters Jakob über den Jordan ging , als er aus der Dienstbarkeit in Mesopotamien chcimkchrte> 'eine Burg, zu bauen, brach Saladin plötzlich aus einem Hinterhalte hervor und hieb Alles in Stücken, was seinem mörderischen Schwerte cnttzegenkam. Beinahe die ganze christliche - Armee sielivin- seine-'Hände. Was nicht nicdcrgehauen wurde, rettete kaum durch eilige Flucht in den Engp-affem-des Gebirges das Leben. Joubert, der Großmcister>>Lec»Johannitcr, floh mit Wunden bedeckt nsiirinemi-Fischcrnachen über den Fluß und -erreichtet kaum- .noch die Feste Beausort. Der Großmeister der Templer, 1 0do von St. Amand, siel nebst Balduin von Raines und Hugo von Liberias, einem tapfern jungen Ritter, in die Gewalt der Heiden. Denü kranken König rettete nur die Tapferkeit seiner Heergesellen.dll Man denke sich die Bestürzungvdec: ganzen orientalischen Christenheit über ein Ereigniß-, das.- ihr von allen Seiten den Untergang drohte/ Mit.einem Male stand nun dem Sieget- der -Weg--bislün das Herz des Königreichs offen. Ein schleuniger Waffenstillstand war das einzige Mittel, den gänzlichen Sturz noch aufzuschieben. Dtr gereizte Sultan begnügte sich mit einer ansehnlichen Summe, weil 72 in diesem Momente eine in den Provinzen seines Reichs ausgcbrochcne Hungcrsnoth alle seine Kräfte gelähmt hatte. Um diese Zeit verlor der Johanniter-Orden sein theures Oberhaupt in der Würde des Großmeisters Joubert, der nach Einigen in der Feste Beaufort von den Sarazenen belagert und gefangen worden, nach Andern aber zu Jerusalem aus Kummer über den nahen Sturz des christlichen Reiches gestorben sein soll. Das versammelte Eapitcl wählte den Bruder Roger des Moulins, 1179 — 1187 . oder Nogcrius de Mulim's, einen Mann von strenger Pflichterfüllung, einen Ritter, den weder die Beschwerden des Körpers herabstimmten, noch die Jahre und Sorgen entkräfteten. Ec schien zu einem ununterbrochenen Kampfe mit dem Unglück geboren zu sein; doch mit den Schrecken des Krieges ebenso als mit den Leiden des Mißgeschicks vertraut, erlag er nie dem Drucke knechtischer Seelen. Mit Verstand erleuchtet und mit einer edlen Denkungsart begabt, war cs ihm ein Leichtes, durch kluge Worte Vorurtheile und Bürgeczwiespalt zu verscheuchen, die sonst in ein abscheuliches Blutvergießen ausgebrochen wären. So versöhnte sich, hingerissen von der Kraft seiner Vorstellungen, der Patriarch von Jerusalem mit Bohemund, Fürsten von Antiochien, einem Regenten, den er wegen Ehescheidung von Theodoren, Nichte Kaiser Manuel's von Konstantinopel, mit dem Kirchenbanne bestraft hatte. Wer das Mittelalter mit seinen tief eingewurzelten Vorurtheilen und schroffen Institutionen kennt, weiß die Angst eines solchen vom Gewissen gefolterten Herzens zu beurthcilen, und erblickt leicht die Gefahr, welche über Bohemunds Haupte schwebte. Roger des Moulins Bestreben war vorzugsweise dahin gerichtet, mit allen Kräften an der. Wiederherstellung des Reichs zu arbeiten; bank suchte er den Regenten zu einer standhaften Fortsetzung des Krieges aufzumuntern, um dadurch die Kräfte des Feindes nach und nach zu erschöpfen. Doch' eine unselige Zwietracht, lauerte an den Stufen dis Thrones, und die Ohnmacht des Monarchen war nicht im Stande, ihre tückischen Gewebe zu zerstören. Ehrgeiz, Herrschsucht, Neid und Kabalen aller Art trennten die Gkoßen des Reichs und untergruben sogar die Grundpfeiler des Thrones, für die man die beiden Ritterorden der Tempelherren und Johanniter mit Recht anseycn konnte. Letztere sahen mit stillem Ingrimm datz schnelle Wachslhum der erstem, hielten sich aber als Mutterstamm jenes Zweiges für besser und achtungswerther. Beide suchten verschiedene Wege zum Ziele des Ruhms und der Größe aufzufinden, wo sie sich einen Einfluß begründen konnten, welcher sden Glanz seines Nebenbuhlers verdunkelte. Beide g^ngU daher ihren eigenen Weg und kamen somit ANlkier weiter aus einander. Die Früchte dieser Leidenschaften waren unaustilgbarer Haß, der''zuerst'"still"und verborgen in den Gemüthern glimmte, aber bald in offene Feindschaft ausbrach, welche der'Papst, durch den König von Jerusalem zum Schiedsrichter aufgeso- dert, auf kurze Zeit zu dämpfen, aber niemals zu tilgen vermochte. tl. 4 74 Mittlerweile wurden an dem Hofe zu Jerusalem selbst Kabalen auf Kabalen geschmiedet. Es galt nichts weniger als die Frage, wer künftighin die Krone tragen und einstweilen die Zügel der Regierung führen sollte. Balduin IV. fühlte sich täglich schwächer und von seiner entsetzlichen Krankheit *) beinahe aufgczehrt. Er übergab daher noch bei Lebzeiten (1183) die Leitung der Geschäfte dem Ritter Veit von Lusignan, welchem er sogar seine Schwester Sibylla zur Gemalin und die Grafschaft Joppe und Askalon zum Eigen gegeben hatte. Doch bald bereute es der König, sich der Herrschaft entschlagcn zu haben, zumal da die angesehensten Fürsten, Bohe- mund von Antiochien, Rapmunö von Tripolis, Rainald von Sidon und Balduin von Rama ihn mit Bitten über die Nothwendigkeit der Absetzung des unfähigen Rcichsverwesers bestürmten. An diesen Ränken, welche gegen den Grafen von Joppe geschmiedet wurden, war selbst seine Gattin Sibylla nicht ohne Antheil, denn sie wollte lieber die Krone aus dem Haupte ihres geliebten Sohnes Balduin sehen, welchen sie ihrem ersten Gemahl, dem Markgrafen Wilhelm von Longaspata, geboren hatte. In einer Versammlung der Barone und Prälaten des Reichs erklärte der König seinen Willen, die Regierung wieder an sich zu nehmen, und seinem fünfjährigen Neffen Balduin V. unverzüglich die königliche Würde zu verleihen. Der Graf von Joppe, der selbst gegenwärtig war, vernahm diese Erklärung ohne Widerspruch. Wenige Tage darauf wurde der Knabe Balduin in der Aufcrstehungskicche ') Er litt an der bllepbantiasis, d. i. an dem Aussatz. zu Jerusalem gesalbt und gekrönt, und damit er in dem feierlichen Zuge aus der Kirche zu dem Palaste am Tempel Salomonis, wo das Krönungsmahl gehalten wurde, von dem Volke gesehen werden möchte, trug ihn Balian von Jbelin, ein riesengroßer und schöner Mann, auf den Armen. Die Vormundschaft über den minderjährigen König übertrug Balduin IV. dem frühern Regenten Raymund von Tripolis, der wahrend Lusignan's Erhöhung keinem andern Gefühle als der Rache in seinem Busen Raum gegeben hatte. Was den alten König eigentlich zu diesem Schritte bewog, war weder Zutrauen noch ein Zeichen des Vorzugs, sondern vielmehr die weibische Besorgnis, daß Raymund, wenn er zum zweiten Male übergangen würde, aufs äußerste gereizt, Unruhen im Staate erregen möchte. Anfangs weigerte sich der kluge Graf, dem ehrenvollen Anträge des Monarchen Gewähr zu leisten; doch war alles dieses nur Maske und Politik, weil er die Lage der Dinge besser als Alle beurtheilcn konnte, und wol einsah, daß ihm so leicht kein Andrer vorgreisen würde. Unerachtet es ihm nicht entgangen war, daß viele Große des Reichs, unter Andern der Patriarch von Jerusalem und die Großmeister der beiden Orden, seine Wahl mißbilligten, trat er die neue Würde nicht eher an, als bis die beiden militairi- schen Orden sich verbindlich gemacht hatten, diejenigen Burgen, die den Angriffen des Feindes am meisten ausgesetzt wären, mit vollem Nachdruck zu beschützen. Nicht lange nachher starb der aussätzige König zu Jerusalem (1185), gerade als alle Barone des Reichs da versammelt waren, und wurde schon den 4 * 76 Tag nach seinem Tode am Calvarienberge in der Gruft seiner Vater beigcsetzt. Raymunds erste Sorge war, um neue Streit- kräfte sammeln zu können und die erschöpften Quellen des Staates wieder zu starken, sogleich einen Waffenstillstand mit Saladin zu schließen, den er aber nur gegen Ersatz für die Kriegskosten von dem unbeugsamen Sultan erlangte. Kaum waren die Unterhandlungen abgeschlossen, so bereitete man sich in Jerusalem zu einer Gesandtschaft nach Europa vor, um die abendländischen Fürsten zu einem Kreuzzuge zu bewegen. Der Patriarch Heraklius drang sich mit Gewalt zu dieser Gesandtschaft auf. Um dem Unternehmen aber einen glücklichem Erfolg zu sichern und dem Ganzen mehr Nachdruck und Ansehen zu geben, wurden die beiden Großmeister dem Patriarchen beigefellt. Allein der Erfolg entsprach den Hoffnungen nicht. Außer England nahmen nur wenige Staaten einen etwas regeren Antheil. Die meisten Höfe entließen die Gesandten mit glänzenden Versprechungen. Heinrich H., König von England, dem die Ermordung des Erzbischofs von Eantecbury, Thomas Wecket, auf dem Gewissen lastete, munterte seine Ritter auf, sich aus gemeinschaftliche Kosten mit Philipp tl. von Frankreich, den man in das Interesse gezogen hatte, nach Palästina einzuschiffen. Allein was konnte man von einem Söldner-Heere erwarten, in dem der Enthusiasmus fehlte, an dessen Spitze kein einziges Oberhaupt stand, dessen Ansehen und Einfluß sowol den Gehorsam als auch die Tapferkeit der Streiter aufrecht zu erhalten vermochte. Mitten unter diesen traurigen Umständen starb ! der kindische König Balduin V. Der Verdacht dieses so schleunigen TodeS siel theils auf den Reichs-' Verweser, theils auf die Mutter des jungen Monarchen, die, voll ehrgeiziger Plane, nach dem unbeschränkten Besitze der Krone strebte, um sie ihrem Gemahle, dem Grafen Veit von Lusignan, in die Hände zu spielen. Der Verdacht schien um so gegründeter, als man nie etwas Näheres von der Krankheit noch von der Todesart des jungen Fürsten erfahren hatte. Kaum war der Leichnam des Knaben in der königlichen Grabstätte beigcsetzt, so verlangte die Mutter von dem Patriarchen und den Großmeistern der beiden Orden, als nächste Blutsverwandte, die Krone. Weder Heraklius, noch Gerhard von Ridcfort, Meister des Tempels, machten Schwierigkeiten; nur Roger des Moulins wollte den zwischen dem Könige Balduin IV. und dem Grafen Raymund geschlossenen Vertrag aufrecht erhalten, und behauptete, daß über den erledigten Thron kein anderer verfügen dürfe, als die in jenem Vertrage bcstinnn- tcn vier hohen Fürsten. Die Gräfin und ihre Anhänger sahen wohl ein, daß sie ohne Beistimmung dieser Männer nicht leicht zum Ziele gelangen konnten, indem cs ihnen selbst nicht möglich war, ohne Willen der Großmeister anders als mit Gewalt sich die Insignien des Königthums zu verschaffen. Denn diese lagen in der Reichs-Schatzkammer, zu welcher einzig und allein nur der Patriarch und die zwei Großmeister den Schlüssel hatten. Roger des Moulins weigerte sich, diesen auszuliefern, so lange die Gräfin Sibylla nicht von den Baronen des Reichs als rechtmäßige Erbin der Krone öffentlich anerkannt wäre. Erst 78 aus gemeinschaftliches Bestürmen des Patriarchen und des Großmeisters vom Tempel, welche sich in eigener Person in das Hospital des h. Johannes verfügt hatten, gab er den Bitten, jedoch höchst ungern, nach, und warf im Unwillen den Schlüssel in der Mitte des Hauses auf die Erde. Jene hoben ihn fröhlich auf, eilten nach der Kirche des h. Grabes und holten die Krone aus dem Schatze. Hierauf trat der Patriarch an den Altar, legte eine der beiden Kronen auf demselben nieder und krönte mit der andern die Gräfin. Dann nahm er auch die erste und überreichte sie der Gräfin Sibylla mit den Worten: „Ihr seid eine Frau, und bedürfet eines Mannes, welcher Euer Reich regiere. Nehmet diese Krone und setzet sie auf wessen Haupt Ihr wollt!" Sibylla rief nun mit feierlicher Stimme ihren : Gemahl Veit von Lusignan zu sich, und dieser empfing knieend die Krone aus ihren Händen*). Dann ! sagte sie mit lauter Stimme: „Was Gott zusammengefügt hat, sollen die Menschen nicht lösen!" Mit diesen Worten war die Feierlichkeit in der Kirche beendigt, und man begab sich hierauf in das Haus der Tempelherren zum Krönungsmahle. Die Anhänger des Grafen Raymund, Lusig- nan's erklärte Feinde, widersetzten sich dem despotischen Unternehmen der Königin mit aller Macht. Selbst der Bruder des neuen Königs, Gottfried, ein Mann von außerordentlicher Leibesstärke, aber zugleich auch von unbeschreiblicher Eigenliebe, rief bei der Nachricht von der plötzlichen Thronbestei- ^ gung des ersteren aus: „Nun beim Himmel! Wer , ') S. Anmerk. 14. meinen Bruder zum Könige machte, würde mich, wenn er mich gekannt hätte, zu einem Gott gemacht haben." Wenn gleichwol eine allgemeine Unzufriedenheit über diese Wahl im Volke herrschte, so war doch Niemand dadurch so sehr im innersten Leben angegriffen, als der ehrgeizige Regent Raymund von Tripolis. Dieser unerwartete Schritt der Königin war ein neuer Eingriff in seine vermeinten Rechte als Reichs-Statthalter, den er in seiner prahlerischen Hoheit auf eine beispiellose Art zu ahnden schwur. Ein unerwarteter Schlag sollte nicht nur die Monarchin, sondern auch ihren unwürdigen Gemahl und den ganzen Tempelhercnorden, der die Absichten der ersteren so heimtückisch unterstützt hatte, zu Boden schmettern. Mit diesem verrätherischen Entschluß entfernte er sich vom Hofe und knüpfte mit dem Erzfeinde der Christenheit, mit Saladin, Verbindungen an. Dieser versprach ihm nicht nur Beistand, sondern sogar den einstigen Besitz der jerusalemitischen Krone und die Ausrottung der Templer als ihrer gemeinschaftlichen Feinde, wenn Raymund sich entschlösse, die Lehre Mohammed's anzunehmen und sich zum Vasallen des Sultans zu erklären. Raymund willigte sogleich in den Vorschlag, und die Geschichte sagt, er habe sogar auf der Stelle sich der Beschneidung unterzogen. Unter der Maske der Verstellung täuschte er alle seine ehemaligen Glaubensbrüder. Saladin aber, heimlich von ihm unterstützt, rückte alsbald mit einer furchtbaren Armee in Palästina ein, und zeigte sich, ohne bis dahin das geringste Hinderniß zu finden, am 1. Mai 1187 vor den Mauern von St. Jean d'Acre, und foderte mit ungestümem Stolze von den Johanniter-Rittern die Übergabe der Neste. Allein der edle Großmeister Roger des Moulins crtheilte kühn und entschlossen die Antwort: ,,Die Johanniter sind nicht gewohnt, Städte zu überliefern, die sich ihrem Schutze anvertraut haben, sondern mit den Waffen in der Hand jeden Frevel der Barbaren zu bestrafen, oder — kämpfend mit Ehr' und Ruhm zu fallen." Wie von einem elektrischen Schlage belebt, griff nun Jung und Alt zu den Waffen, selbst Greise und Frauen rüsteten sich zur äußersten Gegenwehr. Auf allen Gesichtern las man Entschlossenheit und Ingrimm; überall zeigte sich die stille Wuth der Verzweiflung. Dies alles bewirkte das Beispiel eines einzigen Mannes. Ein Ausfall bei dunkler Nacht ward beschlossen. Gegen die zwölfte Stunde rückten die Ritter, das Schwert in der einen und Feuecbrände in der andern Hand haltend, in das feindliche Lager. Schon war Alles in tiefen Schlaf versenkt. Mit einem Male schlagen aus allen Zelten die Flammen zusammen. Ein furchtbares Blutbad beginnt, Entsetzen und Verzweiflung treibt Viele zur Flucht, Viele zur Gegenwehr, Viele aber auch zum Tode durch das eigene Schwert. Erst der anbrechende Morgen und Saladin's heldenmüthigcs Beispiel vermochte den Much der Ungläubigen wiederum hcrzu- ftellen. Jetzt sammeln sich die zerstreuten Truppen. Der Sultan stellt sich an die Spitze, und ein regelmäßiges Treffen beginnt am Flusse Kischon (1. Mai 1187), etwa sieben Rasten von Nazareth gegen den Jordan hin. Die Christen sind in Gefahr umzingelt zu werden; aber mit der wachsenden Gefahr verdoppelt sich ihr Much, und mit jedem sinkenden Leichnam ihrer Brüder wächst ihre Kraft und ihre Verzweiflung. Saladin, vor Zorn erglühend, jagt die Kühnsten seines Heeres in die Vorderreihen, und verdoppelt den Angriff da, wo er am meisten Widerstand findet. Es war dies auf dem linken Flügel der Ritter, welchen der Hospitaliter-Kompthuc Guarin von Soria befehligte. Kaum hat das Alles überblitzende Auge Rogers des Moulins bemerkt, daß sich die Barbaren mit aller Gewalt auf den tapfern Kompthur werfen, so grabt sich sein Schwert schon blutige Furchen durch die Glieder des Feindes. Nun verläßt der Sultan, wie ein gereizter Löwe, plötzlich seine Beute, um auf eine würdigere loszustürzen. Fluchend zerbricht er seinen Speer, schwört dem Ordcnsmeister Rache und Verderben, und rennt, das Schwert furchtbar um sein Haupt schwingend, mit dem Zuruf aus Roger des Moulins los: „Ueber- müthiger Christ! Ist mein Arm so schwach, und mein Schwert in Deinem Heere so verachtet, daß Dn den Sultan nicht des Kampfes mit Dir würdigest? Versuche es mit Saladin, der Dich nicht fürchtet!" Statt der Antwort führte der Großmeister einen fürchterlichen Hieb auf sein Haupt, doch schlug er fehl und traf nur die linke Schulter des fürstlichen Gegners, aus welcher ein Quell lauen Blutes rann. Saladin, durch diese Wunde mit neuem Zorn entflammt, drang wüthcnder auf Roger ein, durchstieß ihm mit seinem Damascenerstahl die Rüstung und tauchte sein Schwert in besten Eingeweide. Einige Schriftsteller erzählen, der abtrünnige Raymund, der sich vermummt unter dem Heere der H. *» Gläubigen befand, und im Gedränge zu Gunsten Saladin's kämpfte, habe den Großmeister des Hospitals im Rücken angegriffen und dessen Pferd gelobtet. Dieses, mit seiner Last den geharnischten Helden begrabend, habe nebst dem Gewichte seiner Waffen verhindert, sich wieder emporzuschwingen, und so den edlen Körper der Wuth der rohen Krieger preisgegcben. Guarin von Soria sah den Fall seines geliebten Meisters. Entschlossen, seinen Tod zu rächen, metzelte er die Lieblinge Saladin's vor seinen Augen nieder, röthete die Erde mit dem Blute der Ungläubigen und verbreitete Furcht und Schrecken unter den Feinden. Erschöpfung auf beiden Seiten endigte die Schlacht*). Der Sieg blieb unentschieden. Saladin verließ zuerst das Schlachtfeld, und die Belagerten zogen sich in die Festung zurück. Vor allen Rittern waren besonders Jakob von Mailly aus Tours in Frankreich, Marschall der Templer, und der Hospitaliter Heinrich eines glorreichen Heldentodes gefallen. Beide setzten den Kampf noch fort, als alle ihre tapfer» Genossen schon getödtet oder gefangen waren, obwol die Türken ihnen Erhaltung des Lebens anboten, und starben erst, nachdem sie noch viele Feinde getödtet hatten, durch Stcinwürfe und Pfeile, welche aus der Ferne wider sie geschleudert wurden, als Keiner mehr sich ihnen zu nahen wagte. Guarin fand durch seine Tapferkeit einen sichern Weg zu den betrübten Herzen seiner Brüder. Die allgemeine Achtung und Liebe wurde ihm für seinen Heldenmuth zu Theil. Seine Verdienste aner- ) S. Anmerk. 15. 83 kennend, wählten ihn die Johanniter, sobald Roger des Moulins mit den ihm gebührenden Ehren begraben worden war, einstimmig zu ihrem Me stcr. Guarin von Soria, 1137 — 1188 . oder Garnier Kaplouso*) aus Syrien (auch unt. d. N. Oarniero . 554. wo er nicht angegriffen werden konnte. Aber der Verräther hatte ihm nicht entdeckt, daß hier kein Wasser zu finden war. Kaum war die Nacht herein- gebrochen, so rückten die Heiven dicht an das Lager der Christen, versperrten alle Zugänge und steckten das Kraut und Gesträuch, welches das Lager der Christen umgab, in Brand, sodaß die Hitze des Feuers und ein gewaltiger Rauch die allgemeine Noth nicht wenig vermehrten. Boll der quälenden Angst, von Durst gepeinigt, brachten die Kreuzestruppen die ganze Nacht unter den Waffen zu, mit Sehnsucht den Tag erwartend. Die ausgehende Sonne zeigte ihnen aber erst das Verzweiflungsvolle ihrer Lage. Auf der einen Seite von den Türken umringt, auf der andern von Felsen eingeschlossen, nirgends ein Ausweg. Selbst der letzte Trost — ein tapferer Kampf — wurde ihnen nichtgewährt; denn Saladin, wohl wissend, daß jeder Augenblick, um welchen er das Treffen verzögerte, ihm den Sieg erleichterte, zog seine Schaaren zurück. Jndeß rückten die Christen verzweislungsvoll aus in geordneten Schaaren. Um die dritte Tagesstunde waren sie am Berge von Hittin im Angesichte von Tiberias und dem schönen See Genesa- reth, an dessen reizenden Usern von dem Heiland so manches Wunder vollbracht worden. Die Tempelritter, welche den Vortrab bei der Armee ausmachten, stürzten sich zuerst in die Ebene herab, wo die feindlichen Truppen sie mit wüthen- den Säbelhieben empfingen. Aber nichts brachte sie zum Weichen. Jeder Einzelne kämpfte einen dreifachen Kampf: für sich selbst, für den Orden, und für die Sache der Christenheit. Ihre Tapferkeit war ihrem Muthe gleich, denn Verzweiflung lenkte 88 ihren Arm. Nichts vermochte diesem zu widerstehen; die Ebene häufte sich von den Körpern der Erschlagenen; die Streiter badeten in Strömen von Blut. Schon waren die Vordertruppcn des Sultans zurückgeworfen, und der Sieg so gut wie entschieden, da erscholl plötzlich die Nachricht, Graf Naymund, welcher den Kämpfenden zu Hülfe kommen sollte, habe mit den Genügen die Flucht ergriffen. Jetzt hielt Jeder das Treffen für verloren, der begeisterte Muth sank, man ahnete nichts als Untreue und Verrath. Der schleunigste Rückzug war die allgemeine Losung der Überwundenen. Ba- lian von Jbelin, Raynald von Chatillon, der Sohn des Fürsten von Antiochien, und die übrigen berittenen Pullanen flohen in schimpflicher Hast, und ihre rennenden Streitrosse zertraten die hülflosen Verwundeten. Das Fußvolk, welches auf die Höhe des Berges geflüchtet war, wurde von den Heiden thcils in den Abgrund gestoßen, theils niedergcme- tzclt, theils gefangen genommen. Am längsten und wackersten hielten sich die Templer und Johanniter. Doch auch sie wurden durch den anhaltenden Kampf und die von den dicht zufammengedrängten Felsenmassen abprallenden Sonnenstralen so ermattet, daß Athem und Kräfte die Streitenden verließen. Ein glühender Durst raubte dem ganzen Heere die Besinnung. Viele der unglücklichen Soldaten, welche nun alle Hoffnung verloren hatten, warfen sich halb entseelt auf die Erde nieder, und flehten zum Himmel um die letzte Wohlthat -— den Tod. Es ergaben sich den Heiden der König Veit von Jerusalem, der alte Markgraf Bonifaz von Montferrat, der Senefchall Joscelin, der Großmeister des Tempels, der Connetable Aimerich, Honsroy von To- 89 ron, und Bischof Gottfried von Lidda, des Königs Bruder und Träger des h. Kreuzes. Selbst dieses Siegespanier der Christenheit wurde verloren und niemals wiedergesunden, wiewol cs zweifelhaft ist, ob es in die Hände der Ungläubigen gefallen sei*). Der Großmeister der Johanniter, Garnier, hatte sich, als schon Alles verloren war, mit Löwcnmuth mitten durch die feindlichen Schaaren durchgeschlagen, und erreichte von Wunden bedeckt und sich kaum noch auf dem Pferde haltend, Askalon, wo er am folgenden Tage an den Folgen gänzlicher Erschöpfung starb **). So wild und grimmig Saladin in der Schlacht war, so sanft und grcßmüthig benahm er sich nach erfochtenem Siege gegen seine gefangenen Feinde. Er empfing die unglücklichen Ritter nicht mit Hohn und Übermuts), sondern — wie es einem edlen Krieger geziemt -—- mit Achtung und Milde. Nur auf den Fürsten Raynald von Chatillon warf er einen furchtbaren Blick des Grimmes; denn er gedachte seines Racheschwurs wegen des von Chatillon mitten im Waffenstillstände treulos vergossenen Blutes der Muselmänner. Und als der König von Jerusalem, welchem Saladin mit Freundlichkeit einen kühlenden Trank bieten ließ, nachdem er sich erquickt, den Becher dem Fürsten Raynald reichte, gebot der Sultan seinem Dolmetscher, dem Könige zu sagen: „Du reichst ihm den Trank, nicht ich; denn ich will nichts gemein haben mit diesem Ruchlosen!" *) S. Ainncrk. 16. ") S. Anmerk. 17. Zu diesem Ausspruche mochte den Sultan die uralte löbliche Sitte der Araber verleitet haben, welche gebietet, daß, wenn ein Gefangener von seinem Überwinder Speise oder Trank empfangen, dieser sich des Rechtes ihm zu schaden, oder ihn zum Sklaven zu machen, begibt, ja sogar die Verpflichtung übernimmt, ihn als seinen Gastfreund gegen Jedermann zu beschirmen. Hierauf ließ Saladin alle Gefangene, Raynald ausgenommen, durch ein Gastmahl erquicken, und sich alsdann zu Letzterem wendend, foderte er ihn auf, zur Sühne seiner Verbrechen nunmehr dem Propheten Mohammed die Ehre zu geben. Als Chatillon aber standhaft erklärte, daß er nur im christlichen Glauben leben und sterben wolle, erhob sich der Sultan von seinem Sitze, zog sein Schwert und spaltete im Angesichte Aller eigenhändig mit einem gewaltigen Hiebe dem Fürsten das Haupt. Dann ließ er die Gefangenen abziehen; die Templer und Hospitaliter aber, welche in seine Hände gerathen waren, wurden auf seinen Befehl erwürgt. Bei dem Anblicke der großen Menge erschlagener Christen auf dem Schlachtfelde aber gab er Gott die Ehre, und dankte mit Thränen in den Augen und mit emporgchobe- nen Händen dem Himmel für den erhaltenen Sieg. Solch' ein Zwiespalt von Edelsinn und Grausamkeit lebte in der Seele dieses großen Regenten! Das Unglück, welches nach dem blutigen Tage bei Hittin über Jerusalem hcreinbrach, war unübersehbar. Ohne Truppen, ohne Anführer, ohne die mindeste Aussicht stand das Reich wie eine Waise da, und erwartete in stummer Verzweiflung den Augenblick seines Unterganges. Wo sich Saladin immer hinwcndete, krönte Sieg seine Laus- bahn. Alle christlichen Städte öffneten ihm ihre Thore; die Burgen und Festungen ergaben sich. Schon führte ihn das Schicksal, wie einen Todesengel, umgeben von strahlendem Ruhme über Gräber und Elend und eine Saat von glänzenden Trophäen vor Jerusalem, wo er dem letzten entscheidenden Siege entgegensah. Tod oder Unterwerfung waren jetzt die schrecklichen Loose, zwischen welchen die Einwohner zu wählen hatten. Der Königin selbst, welche sich hier eingeschlossen, blieb kein besseres Theil. Sie harrte zitternd der Entscheidung ihres Schicksals. Als aber der stolze Feind auf den Antrag zu Unterhandlungen mit spöttischem Hohne antwortete: „er sei gekommen, die Stadt mit den Waffen in der Hand zu erobern, und den Tod so vieler Tausende edler Muselmänner, welche seit Gottfried von Bouillon durch das Schwert der Christen gefallen seien, nun auch mit dem Schwerte zu rächen," da erwachte vor diesem übermüthigen Stolze noch einmal der Geist der alten Tapferkeit in den Gemüthern der Gläubigen. Man griff mit der Festigkeit der Entsagung zu den Waffen; ein Jeder war fest entschlossen, sich eher unter den Trümmern der heil. Stadt zu begraben als sich der grausamen Willkür eines barbarischen Feindes zu überlassen. Die Belagerung wurde 14 Tage vom frühen Morgen bis zum Abende mit unermüdeter Beharrlichkeit fortgesetzt. Die Priester, Stiftsherrn und Mönche stritten bewaffnet aus, der Mauer nicht minder als die Ritter und Bogenschützen. Die Greise, Weiber und Kinder aber, und überhaupt Alle, welche durch Alter oder Gebrechlichkeit unfähig waren zum Kampfe, durchzogen in Procession die Straßen von einer Kirche zu der andern und flehten zu Gott um Segen und Beistand für die tapfern Ver- theidiger des väterlichen Heims. An ihrer Spitze kämpfte Valian von Jbclin und machte so häufige Ausfälle, daß den Heiden während des ganzen Tages keine Ruhe vergönnt war. Schon jubelten die Christen in der bedrängten Stadt, als sie eines Morgens sahen, daß die Sarazenen ihre Zelte abbrachen; denn sie wähnten, daß Saladin, durch ihren Widerstand ermüdet, die Belagerung aufzuhebcn genöthigt sei. Aber wie plötzlich verwandelte sich ihre Freude in das Schmerzgefühl banger Ahnung, als die türkischen Schaaren in dem Thale Josaphat bis zu der Abtei des Calvarienberges hin sich lagerten, auf derselben Stelle, wo die Wallbrüder der ersten großen Meerfahrt vor beinahe hundert Jahren die heilige Stadt bestürmt hatten. Neue Umzüge wurden auf den Mauern gehalten mit Krüzen, Reliquien und Panieren unter inbrünstigem Gebete zu Gott und seiner Gnaden- muttcr. Alles fastete und kasteiete sich. Vornehme Frauen ließen zum Zeichen ihrer Demuth vor dem Allerhöchsten ihre Töchter entkleidet in Wannen, welche vor dem Calvarienberge aufgestellt und mit kaltem Wasser gefüllt waren, bis an den Hals un- tcrtauchen, sich und ihnen die Haare abschneiden und von sich werfen. Doch vergebens! Angriff folgte auf Angriff, bis endlich der Sultan dem Adel, den streitenden Rittern und der Königin mit ihrem ganzen Hofstaate freien Abzug gestattete. Da nun die Letztere, von der noch übrigen Mannschaft begleitet, in Gesellschaft des Patriarchen, und ihre zwei kleinen Prinzessinnen an der Hand führend sich seinem Lager näherte, ging er ihr ehrerbietig 93 entgegen und sprach ihr Worte des Friedens und des Trostes zu. Auf die rührende Bitte mehrer angesehener Frauen aus dem Hofstaate, ihre gefangenen Männer und Brüder auszuliefern, antwortete er mit einer Thräns, gab sogleich Befehl zn ihrer Befreiung, und entließ sie mit kostbaren Geschenken. Den Hospitalitern, non deren menschenfreundlichen Anstalten er Kenntnis genommen, erlaubte er aus freien Stücken, sich noch ein ganzes Jahr, bis zur völligen Genesung ihrer Kranken, in Jerusalem aufzuhalten; denn auch als Feinde pries er ihren erhabenen Muth und ihre Menschenliebe. Ec wußte, daß nur das laue Benehmen König Veits und seine Übermacht sie in seine Fesseln geführt hatte. Diese hatten mittlerweile in dem Zustande ihrer Bedrängnis, so gut es sich thun ließ, ein Kapitel veranstaltet und waren zur Wahl eines neuen Oberhauptes geschritten. Sie fiel dieses Mal nicht, wie gewöhnlich, auf den tapfersten und klügsten Ordensritter, sondern auf einen alten Mann, der sich blos durch den hohen Grad seiner Rechtlichkeit, durch die kluge Einsicht seines Benehmens und jahrelange Erfahrung zu befähigen schien. Ermengard von Aps (Daps) 1191 — 1192 . An den heiligen Stätten, welche vor neunzig Jahren durch die Tapferkeit Gottfrieds von Bouillon und seiner frommen Kampfgenossen von der schimpflichen Herrschaft der Muselmänner waren befreit worden, übten nun rohe Horden alle Gräuel des Heidcnthums. Die Fahne des Halbmondes wehte . von der Burg Davids herab, und heidnische Paniere flatterten auf allen Thürmcn der Stadt. Die : Fakih's und Kadi's nebst andern Priestern des Propheten Mohammed weihten den Tempel Salomoms auf ihre Weise ein, und wuschen ihn mit Rosen- ! waffer, welches der Sultan von Damaskus in sol- ^ eher Menge hatte bringen lassen, daß fünf Kameele an den Gefäßen zu schleppen hatten. An dem Grabe des Gekreuzigten, wo bisher nur Auserstehungsge- fänge ertönten, und der einfache Schall christlicher Lieder an die Leiden des Welterlösers mahnte, erscholl jetzt das lärmende Geschrei der muselmanni- ^ schm Priester,- und auf Golgatha stieg ihr jubeln- : der Ruf: „Allah Akbar!"*) zu den Lüften. ^ Jerusalem sank am 12. Octbr. 1187 unter dem Nacherarme Saladin's. Wer vermuthet jetzt nicht § von dem Überwinder, der auf dem christlichen Boden so viele Häupter muselmännischen Volkes verloren hatte, gänzliche Demüthigung seiner Feinde? Doch nein! Der großartige Sultan, dessen Gefühle ! für Menschlichkeit nicht erstorben waren, ließ dem schwachen Könige Veit von Lusignan Mitleiden, den tapfcrn Ordensrittern aber, welche sich bis aus das Äußerste vertheidigt hatten, Freundschaft und Gerechtigkeit widerfahren. Sein Bruder Malek-al- Adel, der dem Sultan wie an Tapferkeit so auch an Großmuth gleich sein wollte, erbat sich von Sa- ladin tausend christliche Gefangene, und als sie ihm waren bewilligt worden, gab er sie sogleich frei ohne Lösegeld. Diesem Beispiele von Edelmuth folgten ) S. Anmerk. 18. die Emire Malek-al-Modaffer und Schehabcddin, welche denjenigen Gefangenen, die aus ihren Statthalterschaften Edessa und Bira gebürtig waren, die Freiheit schenkten. Saladin selbst, als er dies erfuhr, rief voll Freude aus: „Weil denn mein geliebter Bruder Malek - al - Adel und die Emire Mildthätigkeit, das erste Gebot des Korans, geübt haben, so will auch ich solche üben!" Hierauf ließ er beim Sonnenaufgang des folgenden Tages die Pforte des h. Lazarus im südlichen Theile der Stadtmauer öffnen, und alle arme Christen, welche nach strenger Untersuchung keine Kostbarkeiten zur Loskaufung bei sich trugen, frei abzichcn bis zum Abende. Solche Züge des Edelsinnes und der Feindes- großmuth verdienen, sowie sie in den Jahrbüchern der Geschichte glanzen, in der Brust eines jeden Menschen aufbcwahrt und gepflegt zu werden als ein theures Vermächtnis oder vielmehr als ein geistiger Vorschuß, den große Männer ihrer schwächeren Nachkommenschaft geleistet, und deren Schuldschein durch ähnliche große Tharen zu tilgen, ein Jeder nach Kräften bedacht sein soll. König Veit begab sich nach Liberias zu dem Grasen Rapmund von Tripolis. Dieser treulose Verräther aber hielt ihn gefangen und verlangte nun von Saladin die Krone von Jerusalem zur Belohnung für seine treugeleisteten Dienste. Doch dieser antwortete auf ein solches Ansinnen mit beißendem Spotte; denn längst schon hatte er den niedrigen Menschen, dessen Talente und Leidenschaften er trefflich zu benutzen verstand, aus dem Grunde seines Herzens verachtet. Ein verzweiflungsvollec Tod unter den Martern des heftigsten Wahnsinns über die Nichterfüllung von Saladin's gegebenem Worte, und die Zertrümmerung seiner Pläne machte dem Leben des ehrgeizigen Raymund's ein Ende. Als man vor der Beerdigung seinen Leichnam aus- kleidete, ward man mit Erstaunen und Abscheu gewahr, daß er ein geheimer Anhänger des Islams war. Die Königin Sibylla machte sich unmittelbar nach der Übergabe der Stadt nach Askalon; die übrigen Einwohner zerstreuten sich nach allen Richtungen hin in die benachbarten Gegenden von Europa und Asien. Um diese Zeit sollen auch die Schwestern des h. Johannes, sich vom Getümmel der Waffen zu entfernen, nach Italien und Spanien geflüchtet sein, wo sie besonders in Arago- nien mit zuvorkommender Liebe ausgenommen und mit reichen Schenkungen begabt worden sind. Die Königin Sancha von diesem Staate, Tochter von Alphons von Castilien und Gcmalin des zweiten Alphons von Aragonien, mit dem Beinamen der Keusche, stiftete ein Kloster dieser Schwestern zu Sixena, einem Flecken zwischen Saragossa und Le- rida, welcher von der Großpriocin Eastellana d'Em- posta aus der aragonischcn Zunge abhängig war*). In diesem Kloster gedachte sie selbst in stiller Einsamkeit unter -geistlichen Betrachtungen die letzten Lage ihres Lebens zuzubringen. Der bedrängten Christenheit im Oriente blieb nun kein anderes Mittel mehr übrig, als einen Gesandten an die abendländischen Fürsten abzuscn- den, um diese zu einem neuen Kreuzzuge zu bewegen. Dies schien die einzige Hoffnung, an der sich *) S. Anmcrk. 19. dcr sinkende Muth noch mühsam aufrecht erhielt. Wilhelm, Erzbischof von Tprus, der Verfasser der trefflichen Geschichte von Palästina, ward abgesendet. Ganz Europa gerieth über seine Schilderung von dem unglückseligen Zustande ihrer orientalischen Brüder in Angst und Bestürzung. Clemens VIII., der eben jetzt auf den päpstlichen Stuhl erhoben worden, lud seinerseits durch den Cardinal Heinrich, Bischof von Albano, zu einem Kreuzzuge gegen die Sarazenen ein. Kaum war die Kunde davon erschollen, so wachte die Entschlossenheit der Fürsten und der Fanatismus des Volks in seiner alten Größe wieder auf. Alles griff zu den Waffen. Frankreichs und Englands Könige, Philipp II. und Heinrich II., durch hartnäckigen Zwist lange von einander getrennt, hielten zuerst Bcrathungen in ihren Ländern, legten den Unterthancn, die sich nicht entschließen konnten, das Kreuz zu nehmen, zur Bestreitung der Kosten den sogenannten Saladins- Zehnrcn auf, d. i. die Entrichtung des zehnten Theiles von ihren Gütern. Noch waren die Kriegsrüstungen nicht beendigt, als Heinrich von England starb, und sein Sohn, Richard I. (Löwenherz), den Thron bestieg. Kaum fühlte sich dieser kriegerische Aar die Schwingen frei und ungebunden, so schickte er auch schon voll Thatcnlust ein bedeutendes Heer, mit Mundvorrath und Kriegsbedarf versehen, auf einer Flotte nach dem h. Lande. Von einer gleichen Begierde, das Grab des Erlösers aus den Händen der Ungläubigen zu befreien, entflammt, nahm auch dcr deutsche Kaiser, Friedrich l. Barbarossa, das Kreuz, und zog mit seinem Sohne und Nachfolger zu Ostern des Jahres 1189 mit einer mächtigen Armee nach Asien. 98 if ^ . i Unterdessen hatte Lusignan, der König ohne Land, nach seiner Befreiung aus der Gefangenschaft die schwachen Trümmer seiner Macht noch einmal zusammcngerafft, und mit Hülfe seines Bruders Gottfried aus den zerstreuten Ankömmlingen des Abendlandes einen kleinen Heerhaufen gesammelt. Die Johanniter und Tempelherrn eilten ihm, ihrem alten Bündniß getreu, zu Hülfe; selbst der junge Prinz Konrad, Sohn des Marquis von Montserrat, der sich zum Herrn von Tyrus aufgeworfen hatte, ein in jeder Beziehung großartiger Charakter, rückte mit einem Fähnlein verwegener Reisigen gen Ptolemais. Doch der Kampf blieb trotz aller Anstrengung der Christen ungleich. Krankheit und wüthende Ausfälle rieben ganze Haufen ihrer tapfersten Streiter auf. Ein Hauptgrund des allgemeinen Unglücks war der innere Zwiespalt, welcher die Heerführer entzweite, und dessen Veranlassung ein — eingebildetes Königreich war. Lufignan's Gattin, Sibylla, war gestorben, und durch ihren Tod die Krone von Jerusalem wieder erledigt. Die einzige noch lebende Schwester der Prinzessin, Jsabella, war an den Grafen Honfroy von Thoron Ul. vcrheirathet. Der ehrgeizige Conrad wußte durch Anmuth und Überredung die junge Fürstin so für sich zu gewinnen, daß sie sich von ihrem Gatten scheiden ließ, und dem Gebieter von Tyrus Hand und Krone darbot. Lusignan behauptete seine alten Ansprüche aus das Reich, Honfroy sein Recht auf die Hand Jsabellens. Der Ausbruch eines Bürgerkriegs wurde einzig und allein durch die baldige Ankunft der beiden Könige von England und Frankreich, deren Entscheidung der Streit überlassen sein sollte, verhindert. 00 Mittlerweile war Philipp August,. König von Frankreich, vor Ptolemais angelangt (13. April 1101). Richard Löwenhcrz aber langte, nachdem seine Flotte bei völliger Windstille längere Acit im Angesichte des rauchenden Ätna zwischen den Küsten von Calabrien und Sicilien zurückgehalten worden, über Creta im Hafen zu Limasol auf Cypern an, ward aber sehr bald wegen der Harte des Kaisers Isaak Komnenus, Beherrschers der Insel, gegen die englischen gestrandeten Schiffe, besonders gegen seine schöne Braut, Prinzessin Berengaria von Sicilien, und gegen seine Schwester Johanna, die verwitwete Königin von Sicilien, mit diesem in Krieg verwickelt. Der Kaiser Isaak von Cypern stammte aus der Familie der Komnenen und war der Sohn des in der Thronfolge zurückgesetzten Sebastokrator's, der nach dem Willen seines Vaters, des griechischen Kaisers Johannes Komnenus, zu Gunsten seines jüngern Bruders Manuel der Krone von Byzanz entsagen mußte. Es gelang ihm nach einer- langwierigen Gefangenschaft bei den Armeniern, theils durch Betrug, theils durch offene Gewalt, sich der Herrschaft über Cypern zu bemächtigen. In der ersten Schlacht, welche die Engländer gegen die Cyprioten lieferten, stach der löwcnherzige Richard mit einer Lanze den Kaiser vom Rosse, und als dieser auf einem andern Nenner sich in das Gebirge geflüchtet hatte, so eroberte er mit eigener Hand das kostbare, mit Gold durchwirkte Hauptpanier, indem ec den Träger desselben nic- derrannte. Ein völliger Sieg krönte seine kühne und tapfere That. Nun ließ Richard durch die Stimme des Herolds den Frieden verkündigen, und schon am andern Tage huldigten, der alten Knecht- 5 * schast müde, viele der angesehensten Eyprier dem neuen Könige und leisteten ihm den Eid der Treue. So ward Richard in fünfzehn Tagen Herr der Insel Cypcrn mit den festen Städten Limasol, Fama- gusia, Nicosia, Buffcrentum und vielen Burgen, einer Insel, deren reiche Erzeugnisse mit Leichtigkeit nach dem gelobten Lande ihm zugcführt werden konnten, und dadurch den Unternehmungen seines Heeres gegen die Sarazenen zu großer Beförderung dienten. Wahrend der Zeit langte Friedrich mit dem Kciegsheere feines Vaters, Kaiser Friedrichs l. (Ro:h- bart) in Palästina an. Eine plötzliche Erkaltung bei einem Bade in dem Flusse Eydnus in Cilicicn hatte diesem großen Herrscher den Tod zugezogcn. Die Armee, an deren Spitze sein Sohn vor den Mauern von Ptvlcmais erschien, war durch die Beschwerden der Reise, durch Kämpfe und Niederlagen und ansteckende Krankheiten nicht nur ihrer besten Anführer beraubt, sondern über die Hälfte zusammengefchmolzen. Die Belagerung ging daher nur langsam von statten, und ob die Ehcisten gleichwol mit Heldenmuth ihren Posten behaupteten, so waren doch ihre Kräfte einerseits zu sehr erschöpft, andrerseits die Macht des Feindes zu groß und die Anzahl seiner Streiter zu überlegen, als daß sich den Gläubigen eine freudige Hoffnung hätte eröffnen können. Nur die beiden Orden der Johanniter und Templer ermunterten durch ihr Beispiel die zaghaften Gemüther, schlugen jeden der unzähligen Ausfälle des Feindes herzhaft zurück, verfolgten nicht selten ihre fliehenden Hausen bis vor die Thore der belagerten Stadt, und stellten so durch Muth und Entschlossenheit das Gleichgewicht zwischen dem zehnmal stärkeren Feinde her. Doch hatten ununterbrochene Gefechte und gefährliche, lang anhaltende Krankheiten sich wie zum Untergange diefec letzten Stützen der Christenheit verschworen. Ohne die sehnlich erwartete Erscheinung der Franzosen und Engländer wäre ihre Niederlage unvermeidlich gewesen. Endlich erschien König Richard im Lager des Kreuzheeres. Seine Gegenwart und der neue Zuwachs von Streitenden gab der Sache plötzlich eine andere Wendung. Der Geist der Tapferkeit, welcher von dem königlichen Anführer ausging, belebte die ganze Armee. Jedweder eiferte ihm nach, und der gemeinste Mann fand sich geehrt und gestärkt zugleich durch die Nähe des Helden. Keiner, und war ec noch so tapfer und unerschrocken, that cs ihm im Kampfe zuvor. Bei Waffenspielen und Turnieren hielt sich nicht leicht ein anderer Ritter gegen seine Lanze in dem Sattel fest. Allen an Stärke des Körpers überlegen, führte er mit kräftigem Arme das Schwert, und jeder Hieb und jeder Stoß vernichtete. Doch wenn es ihm gleich- wol nicht an Erfahrung im Kriege gebrach, wenn er immer im Gefechte der Erste und beim Rückzüge der Letzte war, so kann man ihn dennoch nichts weniger als einen ausgezeichneten Feldherrn nennen, noch ihn in dieser Hinsicht mit dem umsichtigen Saladin vergleichen. Zuweilen thätig bis zum Übermaß, ermüdete er nicht selten im Augenblicke der Entscheidung. In schwierigen Verhältnissen, welche nicht durch Ungestüm überwältigt werden konnten, bewährte sich weder seine Kraft noch seine Klugheit, und sein Wille war mehr starr und eigensinnig als fest und beständig. Die Tapferkeit des löwenherzigen Richard war nicht immer r' Lr' sK 102 die Tapferkeit eines frommen, für Gott kämpfenden Helden, welcher auch im mörderischen Kampfe und in erbitterter Feindseligkeit die Menschheit ehrt; denn nicht selten befleckte er den Ruhm seiner Tha- tcn durch Grausamkeit und Blutdurst. Obgleich als Sänger zärtlicher Liebe und sehnsuchtsvoller Wehmuth von der Mit- und Nachwelt gefeiert, vcrläugnete er in seinem Betragen jede Spur sanfter Empfindung. In gemeinschaftlicher Berathung vermochte ec weder durch Beredsamkeit noch durch die überzeugende Klarheit seiner Einsichten die Meinungen zu lenken, sondern er scheuchte entweder durch seinen wildaufbrauscndcn Jähzorn und ungestüme Hitze den Widerspruch zurück, oder erlangte dem Scheine nach die Beistimmung zu seinen Anträgen durch verschwenderische Beschenkung derer, welche ihren Widerspruch unterdrückten. Die natürliche Folge dieses Betragens war, daß, je weniger offener Widerspruch gegen seine Pläne und Einfälle räthlich war, um so mehr die heimliche Entgegenwirkung aufgeregt wurde. Auf diese Weise gründete sich das Ansehen, welches sich König Richard bei Untergebenen erwarb, mehr aus Furcht als auf Achtung und Vertrauen. Bei Gleichgestellten erweckte dies Betragen Neid und Feindschaft. So beurthcilt die Geschichte, die über Tugend und Laster, über Großthatcn und kleinliche Ansichten mit gleicher Unparteilichkeit zu Gericht sitzt, einen der einflußreichsten und besprochensten, aber nicht immer richtig ausgesaßten Charaktere des Mittelalters. Richard gegenüber stand Philipp August, König von Frankreich, ihm an Rang, weil er ein größeres Land beherrschte, überlegen, aber an Ruhm > ihm nachstehend. Dieser sah nun mit scheelen Augen Alles nach dem Lager des Königs von England sich hindrängen, wo die Miechtruppen von der freigebigen Hand ihres Gebieters mehr Sold und Freiheiten erhielten als im französischen Heere. Zum Übermaße des Unglücks, welches die Spannung zwischen den beiden Heerführern zur Folge hatte, wurde jetzt die alte Zwietracht zwischen Veit von Lusignan und Conrad wicver rege, und rief selbst die verjährte Eifersucht zwischen den Franzosen und Engländern ins Leben. Kaum erklärte sich der König von Frankreich für den Markgrafen Eonrad, so ergriff der König von England die Partei des Königs Veit, welcher aus der damals zu England gehörigen Grafschaft Poitou herstammte. Diesem gefährlichen Beispiele folgten Untcrfeld- herrn und Soldaten, Fürsten und Knechte; und da auch die Johanniter und Templer in ununterbrochener Entzweiung mit einander lebten, so war es natürlich, daß die Letzteren auf die Seite Englands übertraten, sobald sich die Ersteren für die Sache Philipp Augusts erklärten. Diese Spannung zwischen den Königen von Frankreich und England, indem sie, wie es nicht anders geschehen konnte, auch der Geistlichkeit und den übrigen Pilgern mehr oder weniger sich mittheilte, und im ganzen christlichen Lager eine allgemeine gegenseitige Eifersucht erweckte, hatte zwar einen Wetteifer zur Folge, welcher die Anstrengungen in der Belagerung fast bis zum Unglaublichen steigerte. Eine Maschine erhob sich nach der andern gegen die Besatzung der Stadt, und Wurfgerüste aller Art, sowie Sturmdächer von dichtgeflochtencn Baumzweigen wurden in großer Zahl aufgestellt. Der Herzog von Burgund, die 104 Tempelherrn und Ritter des Hospitals errichteten eine so gewaltige Petraria (Wurfmaschine), welche man „die Strafe Gottes" nannte, und bei der ein Presbyter durch begeisterte Rede die Soldaten zur Arbeit ermunterte, daß die Wirkung der feindlichen Baliste, welche den Namen „schlimme Base" führte, nicht nur gehemmt, sondern der dadurch zugefügte Schaden wieder verbessert wurde. Der innere Zustand der belagerten Stadt wurde mit jedem Tage bedrängter, weil die große Zahl der christlichen Schiffe, welche an der Küste von Ptolcmais kreuzten, das Meer beherrschte und den Berkehr mit den Hafen, aus welchen die Stadt früher mit ihren Bedürfnissen war versorgt worden, und selbst jede heimliche Zufuhr hinderte. Auch fehlte es an süßem Wasser, nachdem die Christen den Fluß, welcher die Stadt mit Wasser versorgte, abgcgraben hatten. An den/enfscheldendsten.Tage (11. Julius 1191) erlangte der 'Ritter Alberich Clemens, des Königs von,.Frankreich Marschall, welcher mit dem Gelübde, entweder in die Stadt zu dringen oder diesen Tag nicht zu überleben, in den Kampf gegangen war, nichf. nur die Palme des Martyrerthums, sondern es..enparb sich Gottfried von Luslgnan, welchem an diesem Tage bei dem allgemeinen Sturme der Schutz des Lagers übertragen war, durch seine tapfere Ver- thcsdigung desselben unsterblichen Ruhm; denn mehr als zehn Gurken,^welche schon das Bollwerk erstiegen hatten, erschlug er mit seiner Streitaxt; viele andere nahm , xr gefangen und fuhr fort die Steine, welche ihm seine Soldaten zutrugen, beharrlich gegen den Feind zu schleudern, obwol rings umher das griechische Feuer wüthete und ein Regen von 105 Pfeilen ihn umschwirrte. Sowohl Christ als Sa- razen pries ihn als einen Helden, welcher den Palatinen Karls des Großen, Roland und Ogier dem Dänen, gleichgestellt zu werden verdiente. Der Geist der Entschlossenheit erwachte mit neuem Feuer in der christlichen Armee. Jeder Angriff verdoppelte den Muth der Christen; jeder Kampfer vergaß in dem entscheidenden Momente den alten Haß und Neid des Nebenmannes, und stritt — nun das höchste Ziel — die Rettung der Christenheit vor Augen, mit der Kraft und Kühnheit der Verzwei- fclung. Jeder Angriff brachte neue Vortheile; das Glück der Ungläubigen aber sank mit jeder Stunde und beschleunigte den Sieg der Christen. Durch einen günstigen Vergleich war die wichtige Stadt, in welcher die Waffenvorrälhe von Ägypten, Syrien, Damaskus und Aleppo, sowie die Schätze des saladinischen Reichs aufbewahrt wurden, im Besitze der Kreuzfahrer, und von den Thürmen der großen Moschee wehten die Paniere der Könige Richard und Philipp herab. Von jetzt an ward diese Festung der immerwährende Waffenplatz der Wallbrüder. Man schritt unverzüglich nach dem Einzuge in die Stadt (13. Julius) zu der Theilung der Beute. Die Ritter Drogo von Merlou und Hugo von Gocnay wurden, der erstere vom Könige von Frankreich, der zweite vom Könige von England, jeder mit hundert der tapfersten Gefährten zu diesem Geschäfte bevollmächtigt. Philipp erhielt das Haus der Templer, und Richard die Burg. Hieraus räumte man den sämmtlichen Truppen, welche ihren Besitz fernerhin zu behaupten im Stande waren, verschiedene Quartiere ein, schloß jedoch die Pilger der andern Völ- 5 '* 106 kec aus, welche es schmerzlich empfanden, daß die beiden Könige nur Franzosen und Engländern den Eingang in eine Stadt erlaubten, deren Eroberung das mit der Aufopferung von fast 200,000 tapfern Kriegern in zwei mühevollen Jahren vollbrachte Werk der ganzen abendländischen Christenheit war. Die Johanniter, welche seit der Einnahme von Jerusalem ihren Hauptsitz zu Margat gehabt hatten, erhielten zur Belohnung ihrer treugeleistcten Dienste die Erlaubniß, sich von nun an in Ptole- mais nicdcrzulassen. Hier war es, wo ein Jahr daraus der Großmeister Ermengard von Aps seine ruhmvolle Laufbahn beschloß, und Gottfried von Duisson, 1192-1201. oder Gottfried von Donion, dollrcclo lli Oonion, an seiner Stelle mit dem Mantel des Meisterthums bekleidet wurde. Dieser schlaue Ritter, der seinem Orden mehr durch Gewandtheit und kluges Benehmen als durch Tapferkeit und festen Willen den althergebrachten Ruf zu erhalten wußte, verstand es trefflich, durch mannichfaches Einmischen in die Liebcshändel und Streitigkeiten der christlichen Fürsten, auch sein persönliches Ansehen zu erhöhen. Seine ihm anvertraute Schar fand wenig Gelegenheit, ihren Muth an den Tag zu legen. Ein allgemeiner Waffenstillstand war die Folge des so theuer errungenen Sieges von St. Jean d'Acre. Die Kreuzfahrer, deren Armee größtentheils aus Freiwilligen bestand, besonders aber die Pisaner, Genueser und Venetianer, welche das Unternehmen mit Schis- 107 ftn und Geld unterstützt hatten, sich aber bei der Thcilung der Beute übergangen sahen, sehnten sich nach ihrem Vaterlande zurück, und eilten nach einer kurzen Erholung unter Segel. Frankreichs König selbst, durch das immer steigende Ansehen eines Richard Löwenherz entmuthi- get, konnte nicht mehr langer Zeuge jener allgemeinen Bewunderung sein und folgte ihrem Beispiele um so mehr als seine Gesundheit schon seit längerer Zeit, wie Viele behaupten, durch heimlich beigebrachtes Gift, bedeutend gelitten hatte. Wahrend ec nun vor seiner Abreise das französische Heer dem Herzog von Burgund übergeben hatte, bcrannte der unermüdliche Richard die festen Burgen Askalon und Joppe, und entriß dieselben nebst ihrem Gebiete den Händen der Ungläubigen. Nach vergeblichen Unterhandlungen zwischen den von Saladin abgesendeten Emiren und dem Könige von England, unter denen sich selbst der Bruder des Sultans, Malck-al-Adel, um den Frieden bemüht hatte, waff- neten sich beide Heere zu einem entscheidenden Kampfe, 300,000 Muselmänner gegen 100,000 Kreuzfahrer. König Richard theilte die Seinigen in zwölf Scharen, aus welchen er fünf verschiedene Treffen bildete. Das erste führten die Templer, das zweite die Ritter aus Bretagne und Anjou; im dritten gebot der König Veit mit der Ritterschaft aus Poitou; in dem vierten beschirmten Normänner und Engländer den königl. Fahnenwagen; und das fünfte Treffen mit der auserlesensten und tapfersten Ritterschaft stand unter der Führung der Hospitaliter. Richard selbst, auf seinem arabischen Streithcngst, war bald vorn, bald hinten, stets in einem Kreise um das Heer sich bewegend, wo ihm zur Aufrechthaltung der Ordnung seine Gegenwart am nöthigsten schien. In der Frühe des Morgens setzte sich das christliche Heer in Bewegung, in so dichtgeschlossenen Scharen, daß kein Apfel zur Erde fallen konnte, ohne einen Mann oder ein Roß zu berühren. Um mit ungeschwachtcn Kräften dem Feinde die Stirn zu bieten, hatte der König den Befehl ertheilt, daß Niemand wider die Türken streiten sollte, bevor in der Mitte und auf den beiden Flügeln durch Trom- petcnschall das Zeichen zur Schlacht gegeben würde. Kaum aber hatte sich das Vordectreffen unter den Templern den Garten der Stadt Arsuf genähert, als das wilde Feldgeschrei der Türken: „Allah ill Allah" (es ist kein anderer Gott als Gott!) und „Allah Akbar," d. i. „Gott ist groß!" ertönte, und ihre Hcerpauken, Hörner und Trompeten erklangen. In der Ausdehnung von mehr als zwei Rasten erblickte man nichts als flatternde tückische Standarten von den buntesten Farben und Verzierungen. Am meisten litt der Zug der Hospitaliter, deren Schlachtrosse durch Armbrustschützen aus dem Hinterhalte getödtet worden waren, sodaß vielen Rittern nichts übrig blieb, als sich unter das Fußvolk zu mischen und sich mit dem Streitkolben und Schwerte gleich den Lanzenkncchten zu wehren. Trotz dieser mißlichen Lage vermied der starrsinnige Richard eine Hauptschlacht. Die Brüder vom Hospitale erhielten auf den Bericht von ihrem erlittenen Verluste und ihre Bitte um Aufhebung des Befehls, die Antwort: „der König gebiete, sie möchten aus- harrcn, und rückwärts sich verthcidigcnd in geschlossenen Reihen ihren Marsch fortsetzcn." Als nun die Sarazenen sahen, daß die Christen absichtlich den Kampf mieden, hielten sie dies für Furcht, sprengten auf ihren schnellen Rossen ganz nahe heran und schlugen die Pilger mit Keulen und Morgensternen. Nicht länger mehr diesen Schimpf, Schläge und Wunden von den Heiden zu empfangen, ohne wieder zu schlagen und zu verwunden, erduldend, rief der Hospitaliter Werner von Stapes voll Verzweiflung aus: ,,O heiliger Georg, verläs- sest du also deine treue Ritterschaft und ziehst uns der Schmach preis, von den Ungläubigen wie das Vieh geschlachtet zu werden, ohne uns wehren zu dürfen!" Nun ritt der Großmeister Gottfried von Duisson selbst zu dem Könige, um ihm Vorstellungen zu machen; doch auch er erhielt zur Antwort: „Guter Meister, man muß sich fügen, und Niemand kann überall sein!" Aber die Ungeduld der Ritter ertrug nicht länger den Aufschub. Der Marschall des Hospitals und der Ritter Balduin 'von Karnö rannten mit dem Schlachtruf: „Heiliger Georg hilf!" mit gezücktem Schwerte wider'die Heiden."'Jetzt wenden alle Johanniter ihre Rosse und stürmen mit eingelegten Lanzen gegen die türkischen Scharen; ihnen folgen der Graf Heinrich von Champagne mit seiner auserlesenen Ritterschaft, und darunter die Krone derselben?' der tapfere Jakob von Avesnes mit seinen Hecrgesellen, der Graf Robert von Drcux, dessen Bruder, der Bischof von Veauvais, 'die sämmt- liche Mannschaft des Hintertreffens. Nicht lange hernach brachen auch die Ritter aus Pöffoü, Bretagne und' Anjou mit verhängtem Jügel'Ms' dem sie umgebenden Fußvolße hervor, warfen die Feinde, welche von ihren Rossen gestiegen waren, um ihre 110 Pfeile mit größerer Sicherheit zu richten, über den Haufen und begannen mit gewaltigem Geschrei eine mörderische Schlacht. Nun säumte auch König Richard nicht langer. Von Wuth über diesen Ungehorsam einem gereizten Tiger gleich, flog er aus seinem Nenner herbei; den Hospitalitern voran warf er mit seiner Lanze mehrere türkische Anführer aus den Sätteln, ergriff sein Schwert und hieb, sich ins dichteste Gewühl werfend, wie ein Rasender um sich her. Unter diesem gewaltigen Kampfe erhob sich ein so dichter Staub, daß die Christen sich nicht mehr erkannten, und mancher Ritter in der wilden Kampflust seinen eigenen Freund und Mitbrudec verwundete. Obgleich Saladin, den Geschossen der Christen Trotz bietend, die Scharen seiner Krieger stets durchritten, und überall wo die Gefahr am höchsten, sich gezeigt hatte, konnte er die Ordnung nicht länger erhalten; ein unnennbares Schrecken ergriff die Seinigen, Alles löstte sich in wilde Flucht aus. Einige bestiegen Bäume, in deren Laube sie vergeblich den Pfeilen der verfolgenden Pilger zu entrinnen hofften; manche flohen in das Gebirge, und andere an die Küste des Meeres, wo sie sich von der Höhe des Users herab in die Fluchen stürzten. Um der Wuth der verfolgenden Sieger Einhalt zu thun, ließ Saladin alle Städte, welche noch unter seiner Botmäßigkeit standen, oder auf dem Wege, den er zum Rückzug nahm, lagen, von Grund aus zerstören. So sank die Stadt Joppe in den Staub. Nur in Bezug auf Askalon, welche Stadt wegen der Schönheit und Pracht ihrer Gebäude, der Festigkeit ihrer Mauern und der sie beschützenden Thürme „die Braut von Syrien" genannt wurde, trug er Be- 111 denken, dem Rache seiner Freunde Omnd und Sa- ninh zu folgen, und sprach unter nndcrm zu Bo- hneddin die merkwürdigen Worte, welche die tiefe Bewegung seines edlen Gemüthes nusdrücken: „Bei Allnh, lieber wollte ich meine Söhne verlieren, nls einen Stein dieser Stndt zerstören; doch wns Gott will und die Wohlfahrt der Gläubigen erfodert, möge geschehen." Nach eifrigem Gebete um erleuchtete Einsicht gab er Befehl zur Räumung und gänzlichen Zerstörung Asknlons. Richard Löwenherz schickte sich schon an, durch eine neue Belagerung der Stadt Jerusalem furchtbare Rache an Saladin zu nehmen. Allgemeiner Jubel erscholl von Mund zu Mund, als die Kunde von diesem Entschlüsse dem Lager bekannt wurde. Alles stimmte für den schleunigsten Aufbruch, nur die Templer und Johanniter waren dagegen, und riechen vielmehr zum Wiederaufbau von Joppe und Askalon, weil sie zu befürchten Vorgaben, daß mit der Eroberung der heiligen Stadt der Muth der Gläubigen sinken, und der Enthusiasmus für die Wiederbegcündung eines neuen christlichen Reiches aufhören würde. Noch war der König von England unschlüssig, als er die Nachricht von dem Tode des Markgrafen Konrad erhielt, welcher am 28. April unter den Dolchen zweier Afsafsinen, die sich öffentlich vom Islam zum Christenthum bekehrt und als Mönche verkappt hatten, zu Tyrus gefallen war. An seine Stelle wurde der Graf Heinrich von Champagne zum Fürsten von Tprus erwählt, und ihm die Witwe des Markgrafen zur Gemalin angetragen. Die Abgeordneten des Grafen Heinrich trafen den König Richard, von dessen Genehmigung 11 2 er die Annahme des neuen Fürstenthums, sowie den Titel eines Königs von Jerusalem abhangen lassen wollte, in der Gegend von Rambach, wo ec auf herumstreifende Sarazenen Jagd machte. Diesen soll Richard, von der unerwarteten Nachricht überrascht, nach einigem Nachdenken zur Antwort gegeben haben: „Da der Markgraf durch Gottes Fügung das Zeitliche gesegnet hat, so frommt kein übermäßiger Schmerz den Lebenden, und weder Wehklagen noch Betrübnis bringt Nutzen dem Tobten. Ich billige die Wahl des Grasen Heinrich zum Könige von Jerusalem, und überlasse ihm gern Pto- lemais mit allem Zubehör, sowie auch Tyrus und Joppe und Alles was künftig noch erobert werden mag. Doch rathe ich nicht zur Vermahlung meines Neffen mit Elisabeth, welche mit dem Grafen im Ehebruch gelebt hat." Bald darauf fand König Richard durch seine schwankende Gesundheit und durch die drückende Uneinigkeit in seinem Heere sich bewogen, einen Waffenstillstand von drei Jahren, drei Monaten und ebenso vielen Wochen mit Saladin abzuschließen. Die Urkunde wurde am 1. September d. I. 1192 (den 22. Schaban d. I. 588 nach der Flucht des Propheten) zwischen Omad, Gehcimschceiber des Sultans, und dem Könige Heinrich vollzogen, ledoch den Christen die freie und unentgeltliche Pilgerfahrt nach Jerusalem gestattet. Die Fortdauer der Krankheit, welche nach dem Abschlüsse des Waffenstillstandes noch vier Wochen anhielt, bewog Richard, - sobald er die Kräfte seines Körpers einigermaßen wieder- hergcstellt fühlte, in sein Vaterland zurückzukehren. Den 9. October 1192 bestieg er zu Ptolemais ein für ihn eigens ausgerüstetes großes Schiff und ver- ließ, fast ohne alles Gefolge, mißmuthig und in tiefster Stille das Land, wo er vor 16 Monaten mit dem lautesten Jubel religiöser Schwärmerei war empfangen worden. Richard hatte durch seine in Palästina vollbrachten Hcldenthaten seinen Namen unter den Muselmännern gefürchteter, als unter den Christen beliebt gemacht. Noch in späten Zeiten sprachen die Sarazenen, wenn ein Pferd sich scheute: „Glaubst du, daß der König von England komme?" und wenn ein schreiendes Kind der Türken sich nicht zum Schweigen bewegen ließ, so drohte ihm die Mutter: „Sei still, oder ich werde den König Richard rufen, welcher dich tödten wird *). Dieser Fürst soll, einigen Geschichtschreibern zufolge, noch vor seiner Abreise die Tochter des ehemaligen Kaisers Isaak von Cypern, welche er seiner Schwester zur Erziehung übergeben hatte, mit Veit von Lusignan vermählt, und ihm zugleich die Herrschaft dieser Insel abgetreten haben, welche dessen Nachfolger von dieser Zeit an 300 Jahre beherrschten. Bald darauf gewann die Aussicht der Christen eine günstigere Richtung. Saladin, dieser Fürst der Fürsten, stand eben im Begriffe, die Früchte seiner heißerrungenen Siege im Frieden zu genießen, als ihn ein galliges Fieber nach -zwölstägigcr Krankheit im 57. Jahre seines Alters von dem Schauplatze seiner Thaten rief. (3. März 1193.) Der Beherrscher vieles reichen Länder,-der mächtigste Regent des -Orients, hinterließ in seinem Schatze nicht mehr als ein Lyrisches Goldstück und -. 'l-m *) S. Anmcrk. 20. 114 47 Silbermünzen, sodaß sein Schatzmeister, der Kadi all Fadel, das Geld erborgen mußte, womit die Kosten des Leichenbegängnisses bestritten wurden. Kurz vor seinem Tode hatte er seinem Freunde Bohaeddin befohlen, seinen Leichnam in ein einfaches Tuch zu hüllen, ihn so durch die vornehmsten Straßen der Stadt Damaskus zu tragen, und vor ihm her ausrufen zu lasten: „Sehet hier Alles, was der große Saladin, der Überwinder des Orients, von seinen glanzenden Eroberungen davontragt!" Sein Leben, so lange er den Herrscherstab führte, war ohne Flecken; jede Ausschweifung war ihm fremd; vollkommener Herr seiner Leidenschaften, gab er niemals dem Zorne nach. Er herrschte mit Sanftmut!), nur selten mit Strenge, verzieh gern denen, welche ihn beleidigt hatten, strafte nur im Falle höchster Noch, und selbst manche muthwil- lige Veruntreuung wurde nur mit gelinder Züchtigung geahndet. Den Klagen und Beschwerden seiner Unterthanen verschloß Saladin niemals sein Ohr, und auch Fremden versagte er nicht ihr Recht. Die Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Krieges, den er als treuer Muselmann gegen die Christen führte, hielt ihn stets von jenen Grausamkeiten fern, die Richard Löwenherz nur zu oft aus Mordlust übte, und behandelte mit Schonung und Milde die überwundenen Feinde. Selbst in der Zeit, in welcher er, als Richard mehrere hundert Moslims vor Pto- lemais ermorden ließ, sich in die Nothwendigkeit versetzt sah, strenge Rache und Wiedervergeltung zu üben, wenn er sich nicht von seinen Glaubensgenossen den Vorwurf der Gleichgültigkeit zuziehen wollte, schenkte er gern den gefangenen Christen das Leben, wenn er glaubte gnädig sein zu dürfen. Saladin war kein gelehrter Fürst, aber er hatte Bildung und liebte den Umgang mit Gelehrten, vorzüglich solchen, welche seine Ansicht über gewisse dunkle Lehren seines Glaubens berichtigen konnten. Mit keinem Buche beschäftigte er sich lieber als mit dem Koran. Seine Kinder unterrichtete er selbst in den Lehren des Islam, nach einem Buche, welches der Scheich Kobbedoin aus Nisabur auf Veranlassung des Sultans eigens dazu versaßt hatte. Wohlthatigkeit übte er ohne Rücksicht der Religion und des Glaubensbekenntnisses, und pflegte oft zu sagen, daß wahre Wohlthatigkeit ihren hülfreichen Arm über jeden Menschen, über jedes Bedürfniß ausstreckcn müsse. Von seinen Glaubensgenossen wurde er nach seinem Tode als Heiliger verehrt; aber auch die christlichen Ritter priesen ihn, die Sünde des Unglaubens abgerechnet, als ein Muster ritterlicher Tugend. Seine Staaten thciltc er unter elf hinterlassene Kinder; doch dadurch warf er den Apfel der Zwietracht unter seine Söhne. Diesen unaufhörlichen Zwiespalt benutzte Saphadin, Saladins Bruder, um sich selbst zum Nachtheile seiner Neffen aus den Thron zu schwingen. Mit Entschlossenheit und Nachdruck griff er bald Diefln, bald Jenen an, räumte Jeden, der in seine Hände siel, aus dem Wege, riß eine Herrschaft nach der andern an sich, uno thürmte allmalig ein Reich auf, das dem vormaligen an Größe und Macht wenig nachgab. Diese innern Unruhen in des Feindes Staaten benutzte die Christenheit. Man fand Zeit, sich aufj Neue zu rüsten. Papst Cölestin Hl. brachte einen neuen Kreuzzug in Anregung, um die gegenwärtigen Umstande zu größerem Vortheile zu benutzen. Ungeachtet der Waffenstillstand noch fortdauerte, rückte das Krcuzheer zu Wasser und zu Lande vor und sing zuerst Feindseligkeiten an. Ergrimmt über diese Wort- brüchigkcit der Christen, machte sich Saphadin mit ungeheurer Hecrcsmacht auf, übersiel Jaffa und nahm cs im Sturme. Mehr als 3000 Pilger und Kreuzfahrer fanden vor den Mauern dieser Stadt ihren Untergang. Ohne Zweifel wäre der Umsturz ihres ganzen Reiches die Folge davon gewesen, wenn nicht die fortdauernden Mißhelligkeiten zwischen den Oberhäuptern der Ungläubigen den Sultan bewogen hatten, den Waffenstillstand aus sechs Jahre zu erneuern. Niemand ward durch den unglücklichen Ausgang dieses Kreuzzuges mehr gekrankt, als König Heinrich von Jerusalem, der mit dem Mißlingen dieses Planes eine Hoffnung nach der andern dahinschwinden sah. Sein Tod war die Folge dieser peinigenden Täuschung, die ihn einer gehofften Krone beraubte. Von nun an machte Gottfried von Duifson, der Großmeister des Hospitals, der bis dahin in scheinbarer Unthätigkeit gelebt hatte, all seinen Einfluß geltend, um die Königin Jsabella zu einer Vermahlung mit Amalrich von Lusignan, der nach dem Tode seines Bruders Veit die Krone von Cypern geerbt hatte, zu bewegen. Der Vorschlag des Großmeisters ward ohne Schwierigkeiten angenommen, und durch die Klugheit, mit welcher er diese Angelegenheit am Hofe zu Cypern lenkte, kam die Vermahlung in kurzer Zeit zu Stande. Doch nicht lange genoß Gottfried von Duiffon der Freude, seinen Wunsch erfüllt zu sehen. Ein schleuniger Tod machte wenige. Tage darauf seinen weiteren Plänen ein Ende. 11 ' Zllfons von Portugal, 1201 - 1204 . tin Mann von ernster Lebensansicht und strengen Sitten, fromm bis zur Schwärmerei und tapfer wie ein antiker Heros, durch ungewöhnliche Pünktlichkeit sowol in Ausübung der militaicischcn Disci- plin als in der Erfüllung der Ordenspflichten ein Gegenstand allgemeiner Bewunderung, aber von Natur stolz und aufgeblasen, bis zur Hartnäckigkeit fest, und einer von den Charakteren, welche aller Hindernisse unerachtet ihre oft chimärischen Wünsche durchsetzen wollen, — trat in Duisson's Fußstapfen. Niemand hielt fester an den Gebräuchen und Gerechtfamen des Ordens; Niemand trug aber auch mit mehr Unwillen jede Schmälerung derselben, und war fo bereitwillig als er, jeden Eingriff in die Or- dcnsstatutcn mit der äußersten Strenge zu ahnden. Kaum also mit dem Schwerte der Gewalt umgür- tct, griff er den Mißbrauch an, daß der weltliche Adel nach seiner Heimkehr aus Palästina das Jo- hannitcrkrcuz trug, welches eigentlich ein ausschließliches Ehrenzeichen und Eigenthum des Ordensbruders war. Jener Mißbrauch kam daher, daß viele vornehme Familien sogar ihre unerwachfenen Kinder nach Asien schickten, damit diese ihre Ausbildung von den Händen der Johanniter empfangen sollten, weil sie überzeugt waren, daß ihr Beispiel den wirksamsten Einfluß auf die Entwickelung des kriegerischen Geistes äußern würde. So lange sic nun in Palästina für den Glauben des Erlösers kämpften, war ihnen verstauet, das Ordcnskrcuz als Zeichen ihres Berufs zu tragen, welches Vorrecht jedoch mit ihrer Abreise ein Ende nahm. Bald trat Alfons aber auch als Reformator in dem Orden selbst auf welcher es, durch die allzugroßen Neichthümer verwöhnt, in manchen Stücken wol zu bedürfen schien. Ec wollte mehr Einfachheit und Mäßigung, und eine allgemeine Verbesserung der Ökonomie bewirken. Um dieser neuen Einrichtung desto leichteren Eingang in die Gemüther seiner Untergebenen zu verschaffen, sing ec bei sich selbst an, verringerte seinen Hofstaat, beschränkte seine Tafel, und entließ alle Diener außer einem Kapellan, einem Haus- meicr, zwei Rittern, einem Turkopolen und einem Pagen. Jedem dieser Zurückgebliebenen erlaubte er nicht mehr als ein Pferd; ec selbst behielt nur zwei Streitrosse und ein Maulthier für die Reisen. Nachdem er diese Einschränkung mit sich selbst vorgenommen hatte, glaubte er auch zu einem ähnlichen Verfahren gegen die übrigen Ritter berechtigt zu sein. Die einfache Disciplin aus Raymund von Dupuy's Zeit sollte wieder herrschend werden. Nahrungsmittel, Kleidungsstücke, Waffen, Bedienung, Alles wurde durch die strengste Reform eingeschränkt. Ein allgemeines Murren zeigte hinlänglich den widrigen Eindruck, den seine Büßpredigten und Beschränkungen aus die Gemüther gemacht hatten. Bei der geringsten Vorstellung, Bitte um Nachsicht oder verzögerter Ausübung des erhaltenen Befehls gebot er in despotischem Tone: „Ich verlange Gehorsam ohne Widerrede!" und gewöhnlich folgte eine Strafe auf den Befehl. Die ganze Versammlung brach in laute Klagen über Unrecht und Bedrückung aus. Viele der Brüder, an ihrer Spitze einer von den bejahrtesten Rittern, machten die Bemerkung, daß der Orden nicht gewohnt wäre, den despotischen Befehlen seiner Vorgesetzten blindlings 119 Gehorsam zu leisten. Aus Vorstellungen und Gegenvorstellungen entzündete sich auf beiden Parteien ungewöhnliche Heftigkeit, und der Ereiferung folgte ein gänzlicher Bruch zwischen dem Großmeister und seinen Untergebenen, wodurch dieser sich genöthigt sah, seine Würde niedeczulegen und Palästina auf immer zu verlassen. Dieser Vorfall machte die Johanniter behutsamer in der Wahl ihres Oberhauptes. Eure Interimsregierung unter dem Großkomthur war die nächste Folge. Erst ein Jahr darauf trat mit ruhiger Besonnenheit das Capitel zusammen und erkor einen ehrwürdigen Greis, dessen sanfter und friedliebenoec Charakter dem Freunde wie dem Feinde die innigste Hochachtung abgewann, und dessen liebevolles Walten das hohe Zutrauen zu rechtfertigen schien, mit welchem man ihn zur höchsten Würde cmporgehoben hatte. Er war ein Franzose von Geburt, und man nannte ihn nur den sanften Bruder Gottfried Le Rat 1L04 - 1207. Wodurch er sich den Beinamen „Is Kat" erworben habe, ist unbekannt. Bald nach seiner Ernennung, als der Geist der Kreuzzüge, so vieler mißlungener Versuche ungeachtet, in Frankreich ununterbrochen fortlebte, rief ihn eine zu Konstantinopel ausgcbrochene Empörung auf die ernste Bahn der Waffen. Das Kreuzheer, durch die traurigsten Erfahrungen überzeugt, daß der Weg zu Lande durch die Staaten des griechischen Kaisers mit unzähligen Schwierigkeiten verknüpft sei, wendete sich an den Dogen von Venedig, Heinrich 120 Dandolo, um ihn zur Ausrüstung einer Flotte zu > bewegen, welche die Wallbrüdcc nach Ptolemais übersetzen sollte. Der Doge mochte sich anheischig, gegen Entrichtung einer Summe von 85,000 Mark Silber nicht nur die bestimmte Flotte, sondern noch j 50 Galeeren auszurüstcn, welche das Kreuzeshecr begleiten sollten. Schon lagen die Schiffe segelfertig in der Rheede, und es fehlte nichts mehr als die Entrichtung der versprochenen Summe vou Seiten der französischen Fürsten; aber eben dieses wäre beinahe die Ursache des gänzlichen Schciterns dieses Unternehmens geworden. Der größte Theil der Franzosen, die sich die Unkosten der Beisteuer ersparen ^ wollten, begaben sich zu Marseille und in verschiedenen italienischen Hafenstädten unter Segel, anstatt sich in Venedig auf der republikanischen Flotte cinzuschiffen. Dieses verursachte einen beträchtlichen Geldmangel unter den französischen Baronen, sodaß s diese, trotz dem, daß man Silbergeschirre, Kleinodien von Gold w. cingeschmolzen hatte, nur die Summe von 50,000 Mark aufzutreibcn im Stande waren. Bald wäre das Übereinkommniß rückgängig geworden; doch Dandolo, welcher die Ehre dieses Kceuzzuges mit j den Franzosen thcilen wollte, erließ ihnen das noch fehlende Geld mit der Bedingung, daß man ihm vorerst zu der Eroberung der Stadt Aara in Dalmatien behülflich sein sollte, welche, obschon seit undenklichen Zeiten unter Venedigs Herrschaft, sich em- > pört und dem Könige Bela von Ungarn in die Arme j geworfen hatte. Weil kein anderes Mittel nach Palästina zu kommen übrig war, wurde der Vorschlag angenommen. So bekämpften nun Christen ohne weitere Ursache ihre Glaubensbrüder, um dadurch zu dem ! Kampfe gegen die Ungläubigen in den Stand gesetzt zu werden. Nach vielem Blutvergießen öffneten die Dalmatier, unfähig ihre Freiheit langer zu behaupten, der mächtigen Braut des adriatischen Meeres die Thore. Mittlerweile war aber die zur Einschiffung nach Palästina günstige Jahreszeit verstrichen, und die Kreuzestruppen mußten sich entschließen in Dalmatien ihre Winterquartiere aufzu- schlagcn. Sobald der erste Frühlingswind wieder zu wehen ansing, machten sich die Kreuzfahrer bereit mit verdoppelter Eile dem Ziele ihrer Wünsche cntgegen- zuzichen. Schon waren die Segel gelichtet, als eine Gesandtschaft aus Constantinopel von Seiten des jungen Alexis Komnenus, mit besten Schwester Irene sich der Herzog Philipp von Schwaben, erwählter deutscher Kaiser, vermählt hatte, mit der Bitte im Lager erschien: die Fürsten des Abendlandes um Beistand für den alten Kaiser Isaak Angelus gegen dessen eigenen Bruder anzuflehen. So hatten nämlich die griechischen Selbstherrscher durch Treulosigkeit, Neid und Familienhaß den Thron von Byzanz zu einem immerwährenden Schauplatz des Mocdens und Blutvergießens gemacht. In der Meinung, durch das Bündniß mit den Griechen, und von neuen Geldern zur Bestreitung der Kriegskosten unterstützt, mit um so größerem Nachdruck, und zur größer» Ehre Gottes den Kampf gegen die Ungläubigen zu beginnen, gaben Dandolo und die Fürsten des Abendlandes, ihre Zusage. Sechstausend Franzosen und achttausend Ve- netianer wagten cs, in einem fremden Lande ohne Lebensmittel, ohne irgend einen andern Beistand, als H. 6 welchen ihnen ihr Muth und ihre Waffen verschafften, eine Stadt wie Constantinopel zu belagern, die wenigstens 200,000 wohlgewaffnete Streiter in ihren Mauern cinschloß. Der Angriff wurde zu Wasser und zu Lande gemacht, und mit immer neuem Muthe unzählige Male wiederholt. Alle Anführer des Heeres thaten Wunder der Tapferkeit. Der Doge selbst, ein Greis von achtzig Jahren, beinahe ganz erblindet, ließ sich von seinen vornehmsten Ofsiciercn mitten untrr seine Truppen führen und munterte mit gezücktem Schwerte Alle durch Wort und Beispiel auf. Doch das Übergewicht war auf der Seite der Byzantiner, und all dies Bestreben wäre umsonst gewesen, hätte nicht der Aufall entschieden und der Belagerung plötzlich eine andere Wendung gegeben. Der Usurpator umgeben von Verrath und Meineid, seinen eigenen Leuten nicht mehr trauend, warf sich bei dunkler Nacht vcrzweislungsvoll in eine Barke, und rettete sich, seine Familie und alle seine Kostbarkeiten übers Meer. Nun öffneten seine ehemaligen Anhänger den Lateinern die Thore, und bei anbrcchendem Morgen bestieg Isaak wiederum als rechtmäßiger Herrscher den angestammten Kaiserthron. Doch das traurige Schicksal dieses Fürsten, welcher durch Murzulphlus, einen Prinzen aus dem Geblüte der Dukas, bald darauf wieder verdrängt und mit Gift und Dolch verdrängt worden war, riß die Kreuzfahrer zum innigsten Mitleid hin. Sie beschlossen einstimmig, seinen Tod an dem Vcrräther zu rächen. Die Belagerung von Con- stantinopcl ward zum zweiten Male unternommen. Nach kurzem Widerstande stürzten Franzosen und Benctianer mit bewaffneter Faust in die Stadt, 123 bestürmten die Paläste und öffentlichen Gebäude, besetzten die Thoce, und überließen sich ganz den Ausschweifungen der Rache und der Habsucht. Sobald ihre Zornesgluth in etwas gekühlt war, und die Gemüther allmälig ruhiger wurden, dachten sie auf eine neue Kaiscrwahl und erhoben Balduin Graf von Ff andern fast einstimmig auf den Thron. Die erste Sorge dieses neuen Monarchen war dahin gerichtet, die Sicherheit seines Scrp- ters durch die Vereinigung der Glaubensbande zwischen Griechen und Lateinern zu befördern. Sein Bemühen wurde von Rom aus kräftig unterstützt; Jnnocenz HI. schickte ihm mehre berühmte Kirchenlehrer, um die Zerstörung des Schisma befördern zu helfen. In derselben Absicht rief der Kaiser auch die Johanniter in seine Staaten und schenkte ihnen ansehnliche Besitzungen, sowie überhaupt in der damaligen Zeit kein Fürst in der ganzen Christenheit lebte, der nicht gewünscht hätte, den Orden des h. Johannes von Jerusalem auf seinem Gebiete einheimisch zu wissen, gleich als ob ihre Gegenwart einen segensreichen Flor über ihre Herrschaft verbreite. Zu Pisa, Florenz, Verona und andern Städten Italiens und Frankreichs wurden prachtvolle Kirchen und Hospitäler zu ihrem Behuse eingerichtet, überall fanden sie Schutz und Pflege und zuvorkommende Aufnahme, in dem entferntesten Europa sowol als in dem Wiegenlande ihres Ordens, in Asten. Mittlerweile war Amalrich von Lusignan, König von Cypern, gestorben, und kurz darauf seine Gemalin Jsabella, die Königin von Jerusalem, ihm nachgcfolgt. Zwei Kronen waren nun auf einmal erledigt. Die von Jerusalem erbte Maria, die al- 6 * 124 § f' kr ten, mit vier Galeeren, einigen Fregatten und zwei Kauffahrteischiffen (die ganze Seemacht, welche im 163 Hafen vorräthig war, indem die meisten Schiffe gegen die Seeräuber ausgelaufen), dem Sultan entgegen eilte und ihn selbst zuerst angriff. Die Ritter lenkten ihre Fahrzeuge mit solcher Schnellig- keit und Kunst, daß sie bald einen Theil der feindlichen Flotte in den Grund gebohrt, den andern erobert und die ganze Schiffsmannschaft zu Gefangenen gemacht hatten. Aus Episkopia ließ der Großkompthur alle Sarazenen, die sich zur Wehre setzten, niederhauen, Kinder und Weiber aber als Sklaven verkaufen, um mit einem Beispiele alle Eroberer von ähnlichen Plänen gegen Rhodus für immerdar abzuschrecken. Allein auch jetzt reiften die wohlthätigen Früchte des Friedens nicht in diesem Staate. Seine Helden, nicht groß genug, um das, was sie mit Muth erfochten, mit Weisheit zu erhalten, vergeudeten die Vortheile des Sieges. Die Unruhen unter ihnen dauerten fort, die mit der Empörung unter Fulko von Villaret begonnen hatten. Schlecht bemannt und unthätig lagen die Schiffe im Hafen, die beschädigten Festungswerke blieben zertrümmert, einer um den andern von den Rittern verließ die Insel, und die sonst so furchtbare Flotte war von der See verschwunden. In diesem Zustande fand den Orden Helion von Villen euve, 1323 — 1346. Llione rli Villa-^uvva aus der Provence, welcher schon im Jahre 1323, in welchem Fulko von Villaret sein Amt niedergelegt hatte, vom Papste 164 Johann XXll. zu Avignon zum Großmeister vorgeschlagen, und von den dahin berufenen Prioren und Rittern erwählt worden war. Er hielt sich, als erklärter Günstling des römischen Bischofs, mehre Jahre zu Avignon, und noch 2 Jahre zu Marseille, wo er erkrankt war, auf, und langte erst von vielen Rittern begleitet im Jahre 1332 zu Rho- dus an. Sogleich nach seiner Ankunft hielt er, wie früher zu Montpellier (1330), ein Generalcapitel, worin die Ordenswürden ohne Unterschied der Nationen nach dem alten Gebrauche verliehen wurden. Die Schuldenlast wurde nach und nach getilgt, die Burgen der Hauptinsel und der umherliegenden Eilande befestigt, neue Galeeren ausgerüstet, und die Ritter selbst unablässig in den Waffen geübt. So ward durch die Thätigkeit eines einzigen Mannes das alte Ansehen des Ordens wiederhergestellt, und auch sein ursprünglicher Zweck, die Verpflegung der Armen und Kranken, aufs neue in Anregung gebracht. Unter ihm wurde auch auf Veranlassung des Papstes Clemens VI. ein Kciegszug gegen die Türken beschlossen, und ein Bündniß errichtet, nach welchem die Rhodisec sechs Galeeren halten mußten. Zur Bestreitung der Kosten führte man in dem Orden drei verschiedene Abgaben ein unter dem Namen: Noi'tunriui», vaeant und 8poliuni *). Die Galeeren der Johanniter waren mit den päpstlichen, venetianischen und königl. cyprischen Kriegsschiffen vereinigt und bildeten unter dem Admiral .der Ocdensgaleeren, dem tapfer» Johann von Bian- dra, eine ansehnliche Flotte. Sogleich wurde von ) S. Anmerk. 21. 165 diesem die Belagerung des Hafens von Smyrna, des Zufluchtsorts der türkischen Corsaren im 1.1345 beschlossen und ausgeführt. Doch machten die Sarazenen im darauf folgenden Jahre Anstalt, ihn den Rittern wiederum zu entreißen. Ein tollkühner Türke, Namens Morbassan, machte, nachdem er die Stadt drei Monate belagert hatte, einen verstellten Rückzug und überfiel, wahrend die Christen sich dem Taumel einer sorglosen Freude überließen, beim Dunkel der Nacht den unbewachten Hafen und richtete so ein entsetzliches Blutbad an. Nichts hals nach solchem Verluste der Kreuzzug des schwachen Humbert II, Dauphins von Vienois, besonders seitdem die unglückliche Schlacht bei Creci, wo allein 1700 französische Ritter von altem Adel ihr Leben verloren, Frankreich zerrüttet hatte, und diercichen Güter der Kirche durch den langen Krieg ausgesogen waren. In demselben Jahre (1346), als der König von Frankreich jene denkwürdige Schlacht verloren, und sich dem schwarzen Prinzen selbst zum Gefangenen ergeben mußte, beschloß Helion von Villencuve seine ruhmvolle Laufbahn. Sein Nachfolger Theodat (Dieu-Vomie) von Gozon, 1846 — 1ZSZ. dessen Stammschloß Gozon noch heute ln Languedoc zu sehen ist, hatte die Erhebung zu der Würde des Meisterthums einzig und allein dem hohen Rufe seiner Tapfarkeit und seiner ritterlichen Sinnesart zu verdanken. Längst schon hatte er die Aufmerksamkeit aller Ordensbrüder aus sich gezogen, indem er in jedem Kampfe gegen die Sarazenen der Erste war. Ms er nun vollends, jener uralten Ocdens- tradition zufolge, am Fuße des sogenannten St. Stephansgeblrges auf Rhodus, obwol gegen den Befehl des Großmeisters, zum Kampfe wider das Ungeheuer *) ausgezogen war, welches durch seine Verwüstungen die ganze Infel unsicher gemacht hatte, und mit Starke und List auf die Weise, wie Schiller den Kampf besingt, den Lindwurm gctödtet hatte, stieg er von Ehrenstufe zu Ehrenstufe, wurde Kompthur, Großkompthur, dann großmeistcrlicher Stellvertreter und endlich Nachfolger jenes Villeneuve selbst, welcher ihn trotz der Bitten der Ordensbrüder wegen Übertretung des Gebots seines Ordenskreuzes und Mantels beraubt und in ein finsteres Ge- fängniß geworfen hatte. Mit Unrecht haben einige Schriftsteller behauptet, ec hatte, als er zufällig zum Wahlkompthur ernannt worden, sich selbst die Stimme gegeben, und so durch List die höchste Würde an sich gerissen. Ein päpstliches Breve von Clemens VI. v. 18. Junius 1346 bezeugt im Gc- gentheile, daß er dieselbe nur ungern und erst nach einem Kampfe mit sich selbst angenommen habe. Seine Regierung rechtfertigte die Klugheit der Wahl. Die Waffen der Rhodiscr machten unter ihm glückliche Fortschritte. Unter seiner und des Admirals Biandra Anführung verbrannten die Ritter den in dem Hafen bei Embro- einer kleinen Insel im Archipelagus, gelegenen Türken 118 Schiffe, machten 5000 auf das Land geflüchtete Feinde zu Gefangenen und eroberten als Bundesgenossen des Königs Livron von Armenien gegen Ägyptens Sultan, die Stadt Alexandretle. So glücklich aber ) S. Anmerk. 22. auch diese Unternehmungen aussielen, so hatten sie doch den Schatz des Ordens erschöpft. Der Großmeister nahm daher den Statuten zufolge, uncr- achtct er vom Papste Jnnocenz VI. aufgefodert ward, den Matthäus Paläologos in seinen Ansprüchen auf den griechischen Kaiserthron zu unterstützen keinen Antheil an den politischen Unruhen, welche das byzantinische Reich damals beschäftigten, weil es dem Orden verboten war, sich in Kriege zwischen Christen zu mischen. Theodat von Gozon hielt in Rücksicht einiger Disciplinar-Gegenstände zwei allgemeine Versammlungen, und befestigte Rhodus von allen Seiten. Von den Beschwerden des Alters gedrückt, bat endlich Gozon den Papst um seine Entlassung, welche ihm aber aus Überzeugung seiner Verdienste um den Orden abgeschlagen wurde. So behielt er seine Würde, bis ihn der Tod davon befreite. Ec starb am 7. December 1353, tief betrauert von den Sei- nigen, welche ihm die Grabschrist setzen ließen: „Hier ruht der Überwinder des Drachen." So erzählen namhafte Schriftsteller, als ein Bosio, Vertot, Helyot, Marulli, Niethammer u. A. m. Uns scheint jedoch die ganze Erzählung mit dem Drachen eine Fabel zu sein, die man den Groß- thaten ariostischer Helden an die Seite setzen kann. Peter von Cornillan 1353 — 1855 . oder von Cornelian, kietro äi OornizUsno, aus der Zunge von Provence, ein Mann von strengen Sitten und musterhaftem Lebenswandel, wurde von L68 dem Gencralcapitel zum Oberhaupts des Ordens gewählt. Kaum war er als Großmeister feierlich ausgerufcn, so schaffte er auch in einer allgemeinen Versammlung verschiedene Mißbrauche ab, welche sich nach und nach cingeschlichen hatten, und zwar erstens: die Anwendung des großen Ordcnssiegels ohne Vorwiffcn und Erlaubnis des Großmeisters, und zweitens die eigenmächtige Besetzung der Ko- menthurcien in den Provinzen durch die Großpriore. Was aber alle Mißbräuche überwog, die sein väterlich gesinntes Gemüth verletzten, war der Vorschlag des Papstes Jnnocenz VI., welcher dem Orden riech, Rhodus zu verlassen, um seinen Wohnsitz in einem den Ungläubigen näheren Orte in Palästina oder Natolicn aufzuschlagen, weil die Ritter nach seiner Ansicht ein zu ruhiges und zu gemächliches Leben auf Rhodus führten. Diesen Plan konnte entweder nur Eigennutz, um die den Johannitern zugeschriebcnen Tcmpelgüter dem Orden zu entreißen, oder Furcht vor feindlichen Einfällen der Türken dem h. Vater eingeben. Ein anderes Motiv ist nicht denkbar, indem der Antrag zu sehr gegen alle Klugheit und Politik streitet. Er schickte zu diesem Behufs Abgesandte nach Rhodus. Als aber Peter von Cornillan erwiderte: daß in einer so wichtigen Angelegenheit ohne Gencraleapitel kein Beschluß gefaßt werden könne, berief Jnnocenz VI. die Ritter zuerst nach Montpellier, und später nach Avignon selbst zu einer solchen Versammlung, um durch seine Nähe seinem Begehren mehr Nachdruck zu geben. Kindliche Ergebenheit für das Oberhaupt der Kirche und natürliche Liebe für seine Untergebenen setzte den Großmeister nicht wenig in eine peinliche Verlegenheit,, aus der ihn nur der Tod, 169 nachdem er kurz zuvor noch Nhodus befestigt hatte, im Jahre 1355 befreite. Roger von Pins, 1355 — 1365. IlugAiero 6i klN8 aus Languedoc, dessen Nachfolger, kam dem Papste zu spät in Avignon an, so- daß Jnnocenz sich mit einer kleineren Versammlung begnügen mußte, wobei die Großpriore von Frankreich und Auvergne des Meisters Stelle vertraten. Das Resultat desselben war die Übernahme Mo- rea's von Robert, Fürsten von Tarent, und die Abschaffung verschiedener Mißbrauche, die sich in den Orden eingeschlichen hatten, sowie die Vorschrift über die Almosenvertheilung von den Tempelgütern und die Verschärfung der Statuten. Das allgemeine Zutrauen, welches der Großprior von Spanien und Eastellan von Emposta, Johann Ferdinand von Heredia, bei dem Papste genoß, die dadurch veranlaßte Übergehung älterer Ordensritter in Hinsicht der verliehenen Ordenspriorate, endlich die von diesem trotzigen Günstlinge der Ordcnscasse verweigerten 1ie8pon8i»iie8 *) (Abgaben) bestimmten den Großmeister, im 1.1354 zu Rhodus ein Generalcapitel zu halten, worin festgesetzt wurde, daß jedes Priorat seinen besonderen Einnehmer habe, der die dem Orden zukommenvcn Abgaben sammeln und an. die Ordcnskammer überschicken, und daß keine dienenden Brüder mehr zur Ritterwürde erhoben werden sollten. Kurz' vor seinem ') S. Anmerk. 23. U. 8 Lode verkaufte der Großmeister bei einer allgemeinen U Hungersnoth all' sein Silbergerathe, um die Hülfs- I bedürftigen zu unterstützen, und legte (28. Mai 1365) unter tausend Segnungen der Armen mit dem Nach- ! rühme eines Vcrthcidigers des Ordens und Vaters der leidenden Menschheit ruhig fein Haupt nieder. f Raymund Berengar ! 1Z6S - 1Z74. i I aus dem Gefchlechte der Grafen von Barcelona, h halte sich durch seine Waffcnthaten einen so aus- si gebreiteten Ruhm erworben, daß ihn die einstim- » mige Wahl der Brüder von dem Castell Sarrasin, ß welchem er als Kompthur Vorstand, zur Meister- ) würde berief. Seine erste Thal, womit er die Wahl rechtfertigte, war die in Gemeinschaft mit dem Könige von Cppern unternommene Zerstörung einer Corsarenflotte in dem Hafen von Alexandrien. Damit noch nicht zufrieden, entwarf er den Plan, diese Stadt zu überfallen und dem Orden zu unterwerfen; allein dies Vorhaben wurde vcrrathen, und der Feind rüstete sich nach Kräften zum Empfange der christlichen Streiter. So tapfer letztere auch stürmten, wurden sie von den Belagerten mit einem Regen von Steinen, Wurfspießen und Pfeilen : in den Wall gestürzt. Auf die Mahnung des Königs von Cppern: „Wir sind verrathcn, unsere Mühe ist umsonst!" antwortete .-Berengar mir Stolz: „Nein! die Johanniter können nicht von Sarazenen ( geschlagen werden!" Dies sprechend gibt er das Aei- E chen zum Angriff, schwingt sich aus eine Leiter, i bahnt sich mit seinem Schwerte einen blutigen Weg ! durch die Reihen der Feinde, stürzt gleich einem losgcrissenen Felsen, der alles zerschmettert, über sie her, und röthct die Mauern mit dem Blute ihrer « Bcrthcidiger. Durch das Beispiel ihres Meisters entflammt, erstiegen die Ritter auf den gehausten Leichen ihrer Kampfgenossen die Seitenmauern der Stadt, und streckten Alles zu Boden, was sich ihrer Gewalt entgcgenstemmte. Daun zogen sie aber als wilde Krieger, nicht als milde Christen, durch die Straßen der Stadt, tödteten die Männer an der Seite ihrer Weiber, und schleppten außer einer un- ermessenen Beute an Gold, Silber und Juwelen, Alles, was ihrer ersten Wuth entging, in Sklaven- kctten mit sich fort. Kurz nach seiner Rückkehr nach Rhodus machte Berengar die traurige Erfahrung, daß die meisten Kompthure die Abgaben verweigerten, und die Brüder der italienischen und provcncalischen Zunge in arger Entzweiung lebten. Dies bewog, ihn bei dem Papste um seine Entlassung anzuhalten. Dieser, zu sehr von dessen Verdiensten überzeugt, lehnte sein Gesuch ab, berief die ältesten Kompthure zu einer außerordentlichen Versammlung (^ssembleo in der Ordenssprache) nach Avignon. Von dem Großmeister selbst, den er wegen seines hohen Alters von der persönlichen Erscheinung befreite, trug er blos ein schriftliches Gutachten über die Vcrbeste- , rungcn im Orden vor. Das Endergebnis davon war Wiederherstellung der Eintracht und ein Gesetz, daß bei der Meisterwahl zwei Ritter von einer jeden Zunge das Wahlrecht ausüben, und der große Ordensrath aus acht Conventual-Baillifs, drei Groß- prioren, aus zwei der ältesten Ritter und dem Aufseher der Krankenpflege bestehen, der Großmeister 8 * 172 aber jederzeit den Vorsitz und doppeltes Stimmrecht haben solle. Berengar genoß die Früchte dieser neuen I Einrichtung nicht mehr. Im Jahre 1374 entriß ihn ein schleuniger Tod den Scinigen, und durch ihn ! dem Orden eine Stütze. In die Fußstapfen dieses Mannes trat Robert von Julliac, 1374 — 1376 . I Roberto äi luIUaoo, welcher zur Zeit seiner Ab- ^ Wesenheit von Rhodus erwählt wurde.. Kaum war ! Robert erwählt, als er von dem Papste Gregor XI. den Auftrag erhielt, die Vertheidigung von Smyrna zu übernehmen. Der neue Meister beeilte sich, so sehr ein solches Unternehmen auch die Kräfte des Ordens überstieg, den Befehl zu vollziehen. Ungewöhnliche Kriegsanstaltcn des türkischen Kaisers Amurats l., welche sogar einen Überfall von Smyrna oder Rhodus selbst befürchten ließen, bestimmten den römischen Bischof, eine Assembler in Avignon zusammenzurufen, dem Großmeister 500 Ritter und ebenso viel dienende Brüderckzu Hülfe zu senden. Jetzt herrschte in dem Orden ein scheinbar dauerhafter äußerer Friede, indem Amurat seine Waffen blos nach Servien und Bulgarien trug, jedoch in seinem Innern nagte eine um so größere Unruhe, da der Großprior von England, Robert von Alci, und Sanchez von Sumassa, Großprior von Casti- lien nebst Alvare; von Gonsalva, Heermeister von Portugal, hartnäckig die Nesponsionen verweigerten, ! und erst mit Androhung des Kirchenbannes zu ih- ! rer Pflicht zurückkehrten. i 173 Nicht lange mehr überlebte Robert von Julliac diese unheilbringende Zerrüttung der Ordensdisciplin. Er starb,- nachdem er kaum zwei Jahre regiert hatte, wegen seiner Weisheit und Sanftmuth allgemein bedauert. !!- Johann Ferdinand von Heredia, r« 1376 — 1396 . Mit nicht geringem Erstaunen sah man nun einen Mann mit der großmeisterlichen Würde bekleidet, welcher nicht lange zuvor dem Orden die gebührenden Abgaben verweigert und durch sein klug- berechnetes^Schmiegen in alle Formen als Günss- ling des Papstes einen gefährlichen Einfluß auf den Brüderverband geäußert hatte. Aus einem der ältesten Häuser in Aragonien entsprossen---nahm Heredia erst als Witwer einer zweiten Gemalin, nachdem er die Kinder der Pflege seines Bruders -übergeben hatte, unter dem Großmeister Helion von Villeneuve das Johanniterkreuz, und glänzte bald ebenso durch sein edles Betragen und den Anstand und die Feinheit der Sitten als durch Muth und Tapferkeit, sodaß er sich in kurzer Zeit das allgemeine Zutrauen aller Ritter erwarb. Vorzüglich aber gelang es seinem einschmeichelnden Wesen, den Großmeister ganz für sich zu gewinnen, welcher ihn nach der Einnahme von Alexandrien, wo der'Orden viele seiner ältesten Brüder verloren, mit den reichsten Kommenthureien beschenkte, und ihn als Abgeordneten zur Schlichtung eines Erbschastsprozesscs zwischen zwei Ordensrittern an den Papst sendete. Seiner Feinheit und Be- redsamkeit gelang cs auch wirklich, die Vermittlung zu Stande zu bringen; doch erfuhr man zu Rho- ! dus mit Verwunderung und Unwillen, daß er den i Zweck seiner Gesandtschaft, die Theilung der Einkünfte, zu seinem eigenen Vortheile verwendet habe. Er hielt es daher auch der Klugheit gemäß, in Avignon zu bleiben, wo ec sich die Liebe des Papstes in dem Maße zu erwerben wußte, daß dieser ihn zum Vermittler zwischen Philipp von Valois, König von Frankreich, und König Eduard von ! England erkor. ! Als der Letztere Heredia's Friedensvorschläge verwarf, begab sich dieser in das französische Lager, ! und rettete dem Könige von Frankreich in der unglücklichen Schlacht von Creci nicht nur das Leben, sondern machte sogar an der Spitze einer kleinen Schar Fußtruppen mit solcher Lebensgefahr den > Sieg streitig, daß 'er, von Wunden überdeckt, kaum noch die Überreste der französischen Armee zu erreichen im Stande war. Endlich gelang es ihm auch, zwischen beiden Monarchen einen Waffenstillstand aus ein Jahr zu stiften. Eine neue Periode seines Glückes begann, als Jnnocenz Vl. an Clemens Stelle auf den päpstlichen Stuhl erhoben worden war. Täglich stieg der erklärte Günstling höher in jeder Art von Auszeichnung; er wurde mit neuen Wohlthaten überhäuft; Alles ging nach seinem Willen, durch seine Hände. Die mächtigsten Fürsten Europa's buhlten um seine Freundschaft. Dies war die Ursache, warum das Ordenscapitel, in Hoffnung einer glücklichen Zukunft keinen Andern, als ihn zu Julliac's Nachfolger erwählte. Um nun zu Rhodus mit einem Glanze zu erscheinen, der eine Rechtfertigung der auf ihn gefallenen Wahl sein sollte, rüstete er neun Galeeren und noch viele andere Fahrzeuge auf seine Kosten aus und bemannte sie mit einer großen Anzahl Söldlinge. Eben als er im Begriffe war, die Anker zu lichten, bat ihn Papst Gregor XI., welcher vernommen hatte, daß der ehrgeizige Cardinal Montcassin die Rolle eines Gegenpapstes zu übernehmen gesonnen sei, um sicheres Geleit von Avignon nach Rom. Heredia befehligte das Schiff, welches Gregor'n führte, in eigener Person, und hielt nebst den Johanniter- Gcoßprioren von England und St. Giles, an dessen Seite einen feierlichen Einzug in Rom. Auf seiner Fahrt nach Nhodus traf er an der Küste von Morea mit der venetianischen Flotte zusammen, welche eben im Begriff war die Stadt Patcas wiederzuerobern, welche der Republik von den Türken entrissen worden war. Bon Heredia's Tapferkeit und Kriegserfahrung durch den weitverbreiteten Ruf unterrichtet, bat der Admiral den Großmeister, ihn bei diesem Werke zu unterstützen. Dieser, seinem Hange zum Abenteuerlichen folgend, begann in Vereinigung mit den Venetianern den Sturm. Ohne zu sehen, ob ihm Andere folgen, erstieg er der Erste die Stadtmauer und drang, das Schwert in der Hand, auf den Platz. Hier fand er den türkischen Statthalter, der sich ihm tapfer zur Wehre setzte. Ein besonderer Zweikampf beginnt. Doch der Großmeister, trotz der schweren Rüstung rascher in seinen Bewegungen und in den Waffen geübter, stößt seinen Gegner nieder, haut ihm den Kopf ab, und ehe sich die andern Ritter zu seiner Hülfe herbeidrangen ist er schon im Besitze von Patras. Durch einen so glückt!» 176 chen Versuch ermuntert, wollte er nun ganz Morea erobern, und beschloß zuerst Corinth anzugreisen; aber gerade als er zur Besichtigung dieses Platzes ausging, siel ec in einen Hinterhalt, und wurde als Gefangener in die Citadelle von Corinth gebracht, in welcher er drei Jahre lang in einem finsteren Verließe schmachtete. Vergebens machten die beiden Großpriore, welche diesem Kriegszuge beigewohnt hatten, alle möglichen Versuche, ihren ta- pfcrn Anführer loszukausen, und boten selbst die Rückgabe von Patras an; doch umsonst. Hercdia verwarf sogar jeden Antrag mit den Worten: „Theure Brüder, lasset einen unnützen Greis, der ohnehin nicht lange mehr leben kann, in seinen Ketten sterben, sucht euch vielmehr, anstatt als Geisel zu dienen, selbst zu erhalten; denn ihr seid jung und könnt dem Orden noch lange mit Nutzen dienen!" Nach drei Jahren lösete sich der Großmeister mit seinem Privatvermögen aus, und eilte nach Nhodus, um sich Rechenschaft über die Ordenskammer und den Zustand der Finanzen ablegen zu lassen. Wie blutete sein Herz bei dem Anblicke einer völligen Anarchie, des offenbarsten Ungehorsams, den Priore, Kompthure und Ritter gegen den Orden ausübten. Der Schatz.war erschöpft, die Finanzen im Verfall, und die Gemüthcc durch das neueKirchcn- Schisma aufs äußerste aufgeregt. Die Ritter der italienischen und englischen Zunge wollten ihn nicht mehr für ihr Oberhaupt anerkennen, weil Papst Urban VI. (Bartholemäo Pignano, Erzbischof von Bari) ihn wegen seiner Anhänglichkeit an den Gegenpapst Clemens VIV. (Cardinal Robert von Genf), seiner Würde entsetzt, und eigenmächtig den Prior von Capua, Richard Carracciolo, zum Großmeister ernannt hatte. Unerschrocken hielt er nichtsdestoweniger drei Ordcnsversammlungen': zu Avignon, Valencia und Emposta (für die Ritter der spanischen Zunge), in denen es ihm durch Bescheidenheit, Sanftmuth und Geduld gelang , -die Ritter in die Grenzen ihrer Pflicht zurückzuweisen. Kaum war dieser Kummer beseitigt, so wurde Rhddus und Smyrna von Ba» jazet l., Sultan der OsmimeN, zu gleicher Zeit mit einem Überfall bedroht. Jetzt zeigte sich Heredia's uneigennütziger Eifer für das allgemeine Beste des Ordens. Als hätte er jene Summen, über deren unrechtmäßige Erwerbung man ihn beschuldigte, nur geborgt, um sie den Brüdern in dem Augenblicke der Gefahr mit verdoppelten Zinsen zurückzuzahlen, ließ er auf eigne Kosten Waffen und Lebensmittel nach jenen Orten führen, und besoldete aus seinem Privatvermögen die Miethtruppen des Ordens. Um sich ganz mit dem Himmel wegen seiner frühem Untreue zu versöhnen, stiftete er zu Eapso und Ru- brille (Uubulo) in Aragonien eine Kommenthurei, mit einer Collegi'alkirche für 12 Priester, zu deren Unterhaltung er die Einkünfte des Peterschloffes und der Landschaft Exariel anwies. Durch neue vortreffliche Gesetze und kluge Maßregeln zur Aufrccht- haltung der Ordenszucht und Eintracht setzte er allem diesem die Krone auf, und versöhnte als einer der größten und» würdigsten-Meister, bis zum letzten Athemzuge für das Wohl des Ordens thätig, alle diejenigen, die ihn früher als ihren Feind zu verwünschen oft ^ genug Ursache hatten. Sein im zwanzigsten Jahre» seiner Amtsführung 1396 zu Avignon erfolgter Tod wurde als ein schwer zu er- 8 * * setzender Verlust von allen Rittern mit Ausnahme der Italiener und Engländer innigst betrauert. Der im I. 1383 von Urban VI. ohne Zuziehung des Conventes, folglich unrechtmäßig erwählte Gegengroßmeister Uieearllo Larraooiulo starb am 18 Mai 1305, ohne je einen bedeutenden Einfluß auf den Orden geäußert zu haben. Da Bajazet mit jedem Tage die Grenzen seines Reiches erweiterte, schritten die Ordensbrüder mit verdoppelter Eile zur Wahl eines neuen Oberhauptes. Diese siel auf Philibert von Naillac, 1Z96 - 1421. und hätte schon darum — wenn er gleichwol seinem Vorgänger an kriegerischem Sinne und Tapferkeit weit nachstand — keinen Würdigem treffen können, weil er mit großer Seelenruhe mitten in Stürmen aller Art als kluger Staatsmann das Steuer der ihm anvertrauten Macht lenkte und stets nur der Pflicht und dadurch dem Gedeihen entgegenführte. Kaum hatte Sigismund, König von Ungarn, von dem Papste und dem Könige von Frankreich unterstützt, welcher Letztere ihm ein ansehnliches Heer, unter Anführung des Grafen von Revers, ältesten Sohnes des Herzogs von Burgund, zu Hülfe schickte, eine Art von Kreuzzug gegen den Eroberer Bajazet beschlossen, so stieß auch der Großmeister Philibert von Naillac mit feinen Brüdern zu ihm, nachdem er zuvor, mit den Venetianern im Bunde, eine Flotte ausgerüstet hatte, welche Thomas Moncenigo befehligte. Seinem Beispiele folgte bald auch der Großprior des deutschen Ordens, Friedrich Graf 179 von Hohenzollern, der sich mit seinen Rittern unter die Fahnen des Hospitals reihte. Bei der festen Stadt Nicopolis kam es zu einem entscheidenden Treffen, in welchem die Christen den vollständigsten Sieg erfochten hätten, wenn nicht dir ungestüme Hitze ihrer Anführer sie zur Verfolgung der feindlichen Reiterei fortgeriffen hatte. Da empfing sie aber der Sultan mit einer wohl- geordneten Armee von 40,000 Mann hinter einem Hügel, und richtete eine so große Niederlage an, daß der größte Theil der Franzosen und Ungarn getödtet wurde. Der Prinz von Burgund selbst und 300 von altem Adel wurden gefangen, und letztere sogar vor den Augen ihres Herrn hingerichtet; er selbst wurde blos wegen des Lvscgeldcs verschont. Niemand entkam, als Ungarns König und der Großmeister der Hospitaliter, indem sie sich, durch die allgemeine Verwirrung begünstigt, in einem Schifferkahne flüchteten, den sie an dem User der Donau unfern des Schlachtfeldes vorfanden. Von nun an machte Philibert ein stilles, fried- sames Wirken zu dem Hauptzwecke seiner Regierung. Ec schickte sechs Ritter an den ägyptischen Hof, um die gefangenen Christen zu befreien, unterhielt Consuln zu Alexandrien, Rama und Jerusalem, befestigte Nhodus mit Pracht, erwarb für den Orden die Provinzen Sparta, Coron und Mo- rea, vermittelte die Streitigkeiten zwischen dem Könige von Cypcrn (Janus von Lusignan) und den Genuesen, welche ihn wegen dem Überfalle der von ihnen eroberten Stadt Famagusta anfeindcten, lieh jenem Monarchen 64,000 Ducaten zur Bestreitung des Tributes an Genua, und unternahm in Ge meinschaft des französischen Marschalls Boucicault 180 damaligen Vicekönigs von Genua, einige wenige, ob- wol glückliche Streifereien an den Küsten von Syrien und Palästina. Wenn cs auch der allgemeinen Kirchenversammlung zu Pisa (1409), welcher auch der Großmeister Naillac in Person beigewohnt hatte^ nicht gelungen war, durch Erwählung eines neuen Stellvertreters Christi und durch Absetzung der beiden Gcgenpäpste der Kirchenspaltung ein Ende zu machen, so verbannte doch das Concilium zu Constanz im Jahre 1414 den Geist der Zwietracht glücklich aus dem Herzen der Gläubigen, und Alles wurde scheinbar wieder ein Hirt und eine Heerde. In dieser Periode des allgemeinen Friedens versammelte der Großmeister alle Ordensbrüder zu einem Generalcapitcl in Rhodus, um auch in seinem Reiche die brüderliche Eintracht, welche er in der zu Äix in der Provence gehaltenen Affemblee vergebens zu erstreben bemüht war, wicderherzusiellen. Der ehrwürdige Greis erlebte noch die Freude, die Wiedervereinigung des Ordens bestätigt und die Ritter alle unter wechselseitiger Versicherung der Liebe, in brüderlicher Umarmung von einander scheiden zu sehen. Bald daraus schloß er im Jahre 1421 unter Segenswünschen für das allgemeine Wohl freudig und getrost sein Auge. 4. tu > Anton von Fluviau, 1421—14Z7. „ Antonio klluviano 6e la Kiviere, aus der catalo- nischen Zunge, Gcoßprior von Cyperu, wurde nach ihm zum Meister erwählt. Dieser erhabene Mann 181 zeigte gleich nach seinem Regierungsantritte so viel Wachsamkeit und Thätigkcit, daß der Sultan von Ägypten mit dem Könige von Eypern, dem der Großmeister zu Hülfe eilte, Frieden schloß und die Ausführung seines Planes auf längere Zeit verschob. Sein Hauptaugenmerk war auf die Wiederherstellung der alten, zum Theil verfallenen Ordensdisci- plin, auf das Einsammeln der rückständigen Abgaben und die Festsetzung der Strafen für die Saumseligen, gerichtet. Ec ordnete daher auf den 23. Mai 1428 eine allgemeine Ordensversammlung zu Rho- dus an. So zahlreich hatten sich noch nie die Brüder cingefundcn. Unter der Blüte der Ritterschaft erblickte man dort den klugen Johann von Vivonne, Großprior von Aquitanien und großmeisterlichen Statthalter in allen französischen Zungen, den ehrwürdigen 80jährigcn Greis Thibaut de la Tour, Baillis von Rhodus, Anton von Saint-Chamand, Großmarschall, und die tapfern Brüder Johann von Laflic, Grvßprior von Auvergne und Johann von Ventatour, nebst vielen andern der angesehensten Ordensbrüder aller Zungen. Eine feurige Rede des Großmeisters, worin er auseinandersetzte, daß man der immer wachsenden Macht der Türken und Perser nur durch Vereinigung aller Kräfte widerstehen könne, daß aber die Ordcnskammec weder aus dem Priorate von Frankreich, welches durch die Kriege mit England zerstört sei, noch aus dem böhmischen, dessen Ländereien durch den Hussitenkrieg ein gleiches Schicksal erlitten, noch aus Polen, das durch seine Fehden mit den Marianern oder Deutschocdenshcr- ren ganz erschöpft sek, Unterstützungsgcldcr beziehen könne, folglich müsse die ordentliche Berichtigung der jährlichen Responsioncn zum Hauptzwecke g«-- 182 macht werden, damit die Religion (so hieß der Orden in seiner Sprache) keinen Schaden leide. Alle Brüder erkannten diese Gründe für vollwichtig und bewilligten, zum Ersätze der Rückstände, den lebenslänglichen Verkauf der Ordensgütcc an Weltliche. Endlich wurde festgesetzt, daß die Kompthure der einzelnen Ritterhäuser die Novizen frei halten sollten ; als Oberhaupt über alle in Deutschland befindlichen Priorate wurde eine neue Würde, die des GroßbaiUifs oder Gcoßkompthurs der deutschen Lande, dessen Sitz zu Heitersheim in Preisgau war, errichtet, und ihm nicht nur die Aufsicht über alle Kom- menthureien selbst in Böhmen und Mähren, sondern auch der Oberbefehl über das St.-Petersschloß in Cacien anvertraut. Anton von Fluviau leuchtete seinen Untergebenen als ein edles Beispiel der Mäßigkeit und De- j muth vor. Er lebte so einfach wie der geringste Ritter, baute aus dem Gelde, welches für seinen Hofhalt bestimmt war, ein prächtiges Krankenhaus , und hinterließ dessenungeachtet 200,000 Kronen in dem Ordensschatze. Ec genoß das seltene Glück, durch keinen Feind von Außen gestört, bis zum letzten Athemzuge in stiller Thatigkeit für des Ordens Wohl bemüht, seine Tage zu beschließen, und nur die Liebe und Bewunderung seiner Brüder mit ins Grab zu nehmen. Er starb am 29. October 1437. Johann von Lastic, ! 1437 — 1454 . welcher schon als Großprior von Auvergne durch seine strenge Rechtlichkeit die Augen Aller auf sich 183 gezogen hatte, trat in Fluviau's Fußstapfen; doch nicht so ruhig war seine Regierung. Schpn im Jahre 1440 rüstete sich der Sultan von Ägypten im Bunde mit Amurat H., türkischem Kaiser. In weniger als 40 Tagen waren durch die Tapferkeit Lastic's mehre Stürme muthvoll abgeschlagen und mehre Schiffe des Feindes durch den Großmarschall zerstört, und ein so vollkommener Sieg erfochten, daß aus dem ganzen Abendlande Edellcute und Ritter zufammenströmtcn, um im Kampfe gegen die Sarazenen das Iohanniterkreuz zu verdienen. Doch die ungewöhnliche Menge neuer Akoly- then verursachte so große Ausgaben, daß in der Assembler zu Rhodus vom I. 1444 die Auflage zweier Annaten oder doppelter Jahrgange beschlossen wurde. Der Großmeister selbst trat, um sammtliche gefangene Christen aus der Sklaverei des Sultans los- zukaufcn, seine Einkünfte großmüthig an den Orden ab. Nichtsdestoweniger wurde er von einigen t Kompthuren, welche über die Erhöhung der Jahrgelder aufgebracht waren, bei dem Papste verklagt. Nicolaus V. war schwach genug denselben Gehör zu geben, und maßte sich sogar den eigenmächtigen Entwurf neuer Ordensstatuten an. Unerschrocken und freimüthig, im Tone edler Unbefangenheit, wie ihn nur die gerechte Sache einflößt, vertheidigte sich Lastic, und dies hatte zur Folge, daß der römische Stuhl dem Großmeister nicht nur die höchste Macht, sondern auch die Finanzverwaltung überließ. Bald darauf wurde aber eine neue Würde, die eines Conventual-Conservators, eigentlichen Fi- nanzministers, begründet, welche in allen Jungen abwechseln sollte. Der ehemalige Ordensschatzmcister war von nun an nichts mehr als Großsiegelbewahrer. 184 Die letzte kräftige That dieses Regenten war die « Verweigerung des Tributes/ welchen Mohammed II., ! Amucats Sohn, von dem Orden verlangt hatte, «I und die Sendung des Kompthurs Peter von Au- » busson an Karl VII., Könign von Frankreich, um ihn um Beistand gegen jenen Fürsten tonzuflehen. Am 19. Mai 1454 verließ er'denuSchauplatz seiner Thaten, auf dem erounaufhöclich'Nmit Stürmen aller Act zu kämpfen hatte. tu , Jakob von Mil ly/" II - 1454—1461. Nu U'U,,. . .! uu verwaltete ruhig sein Amt als Großprior von Auvergne, als ihm der Ritter von Boisrond seine am ersten Juni desselben Jahres^ erfolgte Ernennung ä zum Großmeister überbrachte. Kaum war dieser zu ' Rhodus angekommen, als schon die türkischen Schiffe in dem Gewässer dieser Insel erschienen. Obwol von dem Eilande Cos oder Lango von den Rittern, denen die Vertheidigung desselben anvcrtraut war, zurückgetrieben, übersielen die Sarazenen den Flecken Archangelo auf Rhodus selbst, metzelten die Einwohner nieder und verheerten in einem gleichen An- ^ falle von Wuth die Inseln Lerro, Nissara, Simia ! und Calamo mit Feuer und Schwert. Durch diese traurigen Beispiele belehrt, wurden mehre Punkte von Rhodus befestigt und überall Wachen ausgestellt. Dann wurde der Kompthur von Sacconay mit Friedensvorschlägen am Mohammed abgesendet, diesem jedoch das sichere Geleit von dem Feinde verweigert. Dies veranlaßte neue Reibungen. Die Johanniter hielten deshalb zwei Galeeren der Ve- 4 netianer, welche damals aus Handelsintereffe mit den Sarazenen ein Bündniß geschloffen hatten, auf offener See an, und nahmen alle darauf befindlichen Unterthanen des Sultans gefangen, worauf die Ve- netianer bei einer Landung auf Rhodus die allerunmenschlichsten Grausamkeiten verübten, den Hafen blockirten und die Hauptstadt selbst mit einer Belagerung bedrohten, wenn die gefangenen Moslims nicht sogleich ausgeliefert würden. Auf diesen Antrag wollten die jungen Ritter nur mit Kanonen antworten; allein der Großmeister, davon unterrichtet, daß die Flotte den geheimen Befehl hatte, im Verweigerungsfalle.alle Ocdensinseln zu verheeren, überwand seinen Stolz und lieferte zum Besten des Ganzen die Sarazenen aus. ou > Durch eine gleiche weise Mäßigung verhütete er den Ausbruch einesttg'csahrlichen Zwistes unter den Brüdern selbst/ welche sich darüber beschwerten, daß die Ämter und Würden ausschlicßend den Rittern aus. Frankreich zugetheilt. würden. Eine heftige Kopfgicht entriß ihn zu früh seiner stillen Wirksamkeit, und überließ die Schlichtung jenes Haders dem Bruderm' . " - Ni /'.M sie Peter Rayinund Zacosta, lE n:. UI- U---1461— 1467. einem Castilianec von Geburt, welcher sogleich nach dem Antritte seiner Regierung dahin entschied, daß eine neue Zunge zu Gunsten der Castilianer und Portugiesen errichtet, und dieser die Besetzung der Würde eines Großkanzlers-eingeraumt werden sollte. Von nun an zahlte der Orden acht Zungen. 186 Unter diesem Großmeister genossen die Ritter mehre Jahre der längst ersehnten Ruhe, indem ihr ärgster Feind, Mohammed ll., die Eroberung des Reiches von Trapezunt beschlossen hatte. Diese Muße verwendeten sie zur Befestigung von Rhodus und zur Erbauung einer neuen, auf mehren Felsen im Meere gelegenen Burg, welche man Thurm des h. Nicolaus nannte. Um noch andere Sicherheitsmaßregeln zu treffen, veranstaltete Jacosta im I. 1462 (nach Andern 1465) eine Hauptversammlung der Ordensbrüder, welcher Ausruf aber zur Folge hatte, daß mehrere Kompthure sich bei dem Papste Paul il. beschwerten, daß ihr Meister sie aus grundloser Furcht immer zu langen und kostspieligen Reisen nöthige. Das Generalcapitel wurde daher zwei Jahre später zu Rom gehalten, wo der würdige Greis, durch seine Rechtfertigung die Ankläger be- ^ schämend, mit einem schönen Triumphe seiner Unschuld am 21. Februar 1467 von dieser Erde schied. ! Da er während der Versammlung gestorben war, ^ so begrub ihn der Papst selbst in der St.-Peters- ^ kirche, und die Brüder schritten sofort zu einer neuen j Wahl. Die Stimmen waren zwischen zwei Rittern getheilt, bis endlich Johann Baptist Orsini, 1467 — 1476 . 6!i»nl>attista Orsini (lean-HsptisIs lies llrsins), Prior von Rom, am 4. März 1467 durch die Mehrheit einer einzigen Stimme, über seinen Nebenbuhler, Bruder Raymund von Ricard, aus der proven- yalischen Zunge, den Sieg davon trug. Nachdem er von dem Papste den Segen der Einweihung empfangen, eilte er nach Rhodus zurück, um gegen die Übermacht der Türken in jedem Momente zu Schutz und Trutz gerüstet zu sein. Voller Beforgniß vor einem Überfalle, machte er den tapfersten Ritter, Peter von Aubusson, der zugleich in der Befcsti- gungskunst sehr erfahren war zum Oberaufseher aller Werke und Graben und zum Statthalter der ganzen Insel, und berief außerdem die ältesten und erfahrensten Brüder jeder Zunge zu sich, um im Falle der Noch über die nützlichsten Maßregeln sie um Rath zu fragen. Da erblickte man den edlen Bcctrand von Cluis, Großprior von Frankreich, an dessen Seite den entschlossenen Johann von Wul- ner, Kompthur von Oison, den unternehmenden Johann von Sailly, Prior von Fieffes, nebst dem feurigen Prinzen Johann von Bourbon, Kompthur des Ordenshauses Boncourt. Hierauf schickte er unter dem Befehle des Rit- i ters von Cardon den Vcnetianern mehre Galeeren zu Hülfe, sowie Peter von Aubusson an der ! Spitze mehrer Tapfer» auf die Insel Negroponte, um die belagerte Stadt zu beschützen. Allein die Übermacht Mohammeds siegte, und die fürchterlichsten Mordscenen bezeichnet«: auch hier die blutigen Fußstapsen des wortbrüchigen Eroberers. Ein mehrjähriger Krieg zwischen ihm und Ufin-Kassan, Schach von Persien, der nichts geringerem als der Oberherrschaft über Asien galt, gewährte dem Orden auf kurze Zeit Ruhe. In dieser Zeit wurde der an einer langwierigen Krankheit daniederliegeude Or- sini am 8. Juni 1476 von Altersschwäche dahingerafft. 188 Peter von Aubusson, «1476 — 1503 . ist- - Äls, aus dem uralten Geschlechts der Grafen de-la Marche, einem der ersten Häuser der Auvergste, war durch die Wünsche Aller rechts eigentlich «vor der Wahl schon zu dem Oberhaupte" "des Ordens gewählt, dessen Leitung in den 'wichtigsten"Angelegenheiten ihm schon von dem vorigen Großmeistemüber- laffen war. „Aubusson!" rieftnälle Rittec'einstimmig ^ in dem Eapitel, und die ganze "Insel«'« hallte wider j von dem geliebten Namen.: Aubusson «allein blieb stumm und unentschlossen: "Noch flossenffbine Thrä- >nen im Erguß freudiger Überraschung, als" die ersten Kompthure, nach der Sitte des Ordens, ihn auf ihren Schultern zum Hochaltars der Kathedral- , kirche trugen, und ihm im Angesichte Gottes und der Menschen ihre lauten Huldigungen darbrachten, i Ganz Rhodus feierte^ mit öffentlichen Lustbarkeiten i und Freudenfesten diese Wahl. Die Furchtsamsten wurden herzhaft, und nur der Feind der Christenheit zitterte. i Nie hat ein Meister durch seine persönliche Liebenswürdigkeit, Thatenlust und Tapferkeit so glan- ^ zend die von ihm gehegten Erwartungenübertrof- fen. Unablässig mit der Verbesserung ««des Ordens im Innern und Äußern beschäftigt, ließ «er den Hafen von Rhodus mit einer großen Kette verschlie- ! ßen, und rings um die Insel neue Thürme und ! Bollwerke errichten. Gleich einsichtsvoll in Staatsgeschäften als in Kricgsanstalten, hatte er überall Kundschafter ausgestellt, mit Klugheit und Kraft den Trotz der Venetianer zurechtgewiesen, und mit 189 fremden Mächten Unterhandlungen angcknüpft. Ebenso großmüthig gegen Jeden seiner Unterthanen gesinnt als rastlos thatig für das allgemeine Wohl, erkaufte er aus seinem eigenen Vermögen von dem Gouverneur von Lycien die Auslösung der gefangenen Ritter».'verschaffte vielen tapfern und edlen Männern die langersehnte Freiheit, die zeither hoffnungslosen schweren Ketten schmachteten, und gab so dem Orden seine Stützen wieder. Einen solchen Mann,.-»gleich groß als Mensch und Regent, der sich den,-,Beinamen Vater und Schutzengel des Ordens erworben hatte, an ihrer Spitze, trotzten die Ritter allen Gefahren, und stark genug gegen jeden Feind stählten sie an seinem Beispiele ihren Muth. Nur zu bald gab ihnen das Schicksal Gelegenheit, diesen zu erproben. Mittlerweile hatten die Venetianer mit der Pforte Frieden geschloffen. Persiens König, der Einzige, dessen Macht Sultan Mohammed zu fürchten schien, war zu sehr von der Bürde eines alten schwachen Körpers gedrückt, und zu sehr durch unaufhörliche Kriege entkräftet, um eine andere als vertheidigcndc Stellung anzunchmen; Florenz und Genua folgten den eigennützigen Plänen, die ihnen der Geist des Handels und der Gewinnsucht eingaben.. Fast alle christlichen Fürsten standen in gegenseitiger. Fehde; Ungarns König Mathias Eorvinus führte einen blutigen Krieg wider Friedrich Hl., römischen Kaiser. Der Orden war also ohne Hülfe, auf seine eigene Tapferkeit beschränkt. Nichts stand also Mohammeds Absichten wider Rho- dus in dem Wege. Kaum war aber die Nachricht von dessen Kriegsrüstungen dem Großmeister zu Ohren gekommen, so sendete er auch schon durch den Ritter von Cardonne, Inhaber der Vallei Ma- jorca, ein Sendschreiben an alle Zungen, worin er unter dem letzten Juli 1477 eine große Versammlung auf Nhodus ansetzte. Dieser Aufruf hatte die erwünschtesten Folgen; alle Brüder wetteiferten um die Ehre, schneller an dem Orte ihrer Bestimmung cinzutrefsen, um ihr Blut für den hohen Orden zu vergießen. Das Ergcbniß dieses Genecalcapitels war, daß die Ritter, auf deren strahlenden Gesichtern man Geistesstarke, Muth und Unerschrockenheit las, ihr geliebtes Oberhaupt voll Zuversicht auf feine Weisheit zum unumschränkten Diktator über den Orden ernannten. Alles drängte sich nun unter die Fahnen Peters von Aubusson. Von allen Seiten strömten Novizen herbei. Eine Menge französischer Ritter vom ersten Range, darunter des Großmeisters älterer Bruder, Anton von Aubüsson, Herr und Vicomte von Monteuil, Ludwig Freiherr von Eraon, und der ehrwürdige Benedictus Scaliger, Herr von Eskale, ein Abkömmling der alten Fürsten von Verona, landeten mit einem ansehnlichen Gefolge auf ! Rhodus. Selbst die auf der Insel befindlichen Fremden griffen zu den Waffen, und bald entbrannte ein edler Wetteifer zwischen den geistlichen und weltlichen Rittern, der sich bis auf den gemeinsten Wappenknecht herab erstreckte. Der Großmeister ernannte nun vier Feldhauptleute, und den Grafen Rudolph von Werdenberg, einen deutschen Ritter, der sich als Großprior von Brandenburg nicht wenig Verdienste erworben hatte, zum General der Reilerei. Er selbst aber besichtigte und verbesserte die Festungswerke. Kaum waren diese Anstalten getroffen, so bekam er die Nachricht, daß die osmanische Flotte mit MO Segeln die Meerenge von Galipoli verlassen, io: und sich von der Insel Scio, welche im Jahre 1770 durch den Sieg der russisch-kaiserlichen Flotte über die Türken, auf welche die Zerstörung der türkischen Seemacht bei Tschesme erfolgte, weltberühmt geworden ist, nach Rhodus zu in Bewegung setze. Das Jahr 1480 war der Zeitpunkt, in welchem der Sieg neue Strahlenkränze um die Häupter der Johanniter flocht. Mohammeds II. Admiral und Großvczier Misach Paläologus, ein griechischer Prinz, welcher nach der Eroberung von Constantinopel zur mohammedanischen Religion übergegangen war, landete am 23. März 1480 mit einer Armee von 100,000 Streitern, während das ununterbrochene Feuer des groben Geschützes Insel und Meer erdröhnen machte. Die Kanonen der Stadt antworteten mit gleicher Lebhaftigkeit und suchten die Schiffe, welche die See ringsum bedeckten, zu zerstreuen. Das Schwert in der Hand schritten die Ritter kühn dem Feinde bis an das Ufer entgegen. Der erste Angriff geschah auf den von Fluten rings bespülten St. Nikolausthurm, von dessen Eroberung der Besitz des Hafens abhing. Der Grofivezier hatte viele Spione, unter denen sich vor allen ein Deutscher Namens, Georg Frapant, ein im Festungsbau und in der Kriegswissenschaft hochersahrcner Mann, auszcichnete, der seiner Kunst und Klugheit wegen gemeinhin nur Meister Georg genannt wurde, und der den ganzen Plan zu diesem Angriffe entworfen hatte. Der Großmeister, die Gefahr eines Platzes, dessen Erhaltung eine der unentbehrlichsten Schutzwehren für die Stadt war, erkennend, verdoppelte die Sorgfalt für die Rettung desselben. Der Kompthur Ea- rctto wurde mit einer Auswahl der tapfersten Rit- 192 ter zur Verstärkung gesandt. Überall ließ er neue ' Verschanzungen, Batterien und Laufgräben aufwerfen. Er selbst warf sich mit seinem Bruder und wenig Getreuen in die Festung, Mit Anbruch des 9. Juni gab der Großvezier das'Zeichen zum Sturme. Seine Soldaten, kühn dem Tode trotzend, der aus tausend Feuerschlünden sie. bedrohte, sprangen unter gräßlichem Gebrülle. an das Land und versuchten den Schütt zu ersteigen, der die Bresche deckte, aber überall fanden sie die Ritter, und die tapfersten Kompthure an ihrer, Spitze. Me Einwohner, Greise, Weiber unHKinder nicht ausgenommen, waren auf den Beinen, um Vertheidi- gungsmaterial herbeizuschaffen, selbst die Nonnen j hatten ihre Klöster verlassen, um für die Beschü- - tzung des Glaubens Handarbeit zu leisten. Durch keine der Schwierigkeiten aufgehalten, legten die Türken unerschrocken die Leitern an und erstiegen, den Säbel in der Hand, mit einer Entschlossenheit die Mauer, welche den muthigsten Kämpfer hatte außer Fassung bringen können. Die Ritter aber schleuderten schweres Steinmassen auf die Stürmenden, warfen sie von den Leitern und gossen siedendes Öl und Pech auf sie herab. Überall, wo die Gefahr am höchsten war, focht Aubusson und entflammte durch sein Beispiel die Christen. Jetzt warf er sich mit einem Haufen der tapfersten Brüder dahin, wo der Großvezier, die Wuth seiner Truppen mit frischer Kraft reizend, die heidnische Tapferkeit am meisten glänzen ließ., Hier befahl er die Fahne der Religion hoch in die Luft zu heben, und im Angesichte des heiligen Zeichens, an dem der Welt-Heiland verblutete, um die Rechte der Christenheit zu kämpfen. Wie mit überirdischer Begeisterung wirkte das helleuchtende Kreuz, und die Johanniter schlugen die Barbaren standhaft zurück. Misach Paläolog, der das Weichen seiner Truppen bemerkte, drängte sich mit den Janitscharen heran, um dem ritterlichen Pannccher- ren die Fahne zu entreißen. Schon wankt sie unter dem gewaltigen Hiebe des Veziers und erröthet von dem eignen Blute ihres Trägers. Der Großmeister,.^» Augenblick der Gefahr erschauend, stürzt wie ein Lowe herbei und rächt fürchterlich die Wunden, die der Admiral dem Fahnenträger schlug. Rings sinken unter dem Arme der ergrimmten Ritter die Türken wie niedergemaht zu Boden, oder stürzen gleich übergewichtigen Erdklumpen von den Mauern herab. Inzwischen hatte der Janitscharen-Aga einen zweiten Angriff auf den Nicolausthurm gerichtet, welchen ein ziemlich breiter Eanal von dem türkischen Lager trennte. Hier mußte eine Brücke geschlagen werden, um den Truppen den Übergang zu sichern. Drei seiner vornehmsten Ofsiciere, Mer- la-Bey, der Tochtermann von einem der Söhne Mohammeds, der General der Galeeren, und der Commandant der natolischen Bogenschützen übernahmen die Ausführung des Planes. In einer dunkeln Nacht befestigten sie an der Spitze des Walles vom Nicolausthurme am Fuße eines mit Wasser bedeckten Felsens einen Anker, durch dessen Ring man mittelst eines großen Taues die Brücke hin- überzieheu wollte; allein der Anschlag wurde »erreichen. Ein englischer Matrose löste geschickt das Seil ab und vereitelte so ihren Plan. Mit um so größerer Wuth ruderte der Feind jetzt auf einer schwimmenden Batterie heran und begann einen heftigem Sturm als je zuvor. Diesen empfingen tl. 9 die Ritter mit einem Regen von Kugeln und feurigen Pcchkränzen. Der Ritter Hugo von Mon- tholon war der Erste, der den Halbmond und den feindlichen Banner von den Mauern schleuderte. Der Aga der Janitscharen suchte den Großmeister mit gierigen Augen, konnte ihn aber, weil er in dem dicksten Haufen focht, lange nicht finden, endlich erkannte ihn sein Blick besser und sicherer durch die Stärke seiner Schwertstreiche als durch seine glänzende Rüstung. Jetzt munterte er 12 der kühnsten Janitscharen mit den herrlichsten Versprechungen auf, den Großmeister zu tödten. Schon stürzen diese im Angesichte der umstehenden Ritter auf Peter von Au- busson los und versetzen ihm fünf bedeutende Wun- ! den. Der Bitten der Seinigen unerachtet, welche ihn beschworen, auf seine Erhaltung zu denken, streitet er standhaft, die eignen Wunden vergessend, ge- > gen 13 Helden, und mit den Worten: „Bester, wir sterben, geliebte Brüder, als wir weichen! was , ist schöner, als für Glauben und Orden zu sterben!" stürzt er mit seinen Rittern in die dichtesten Reihen der Feinde und richtet ein Blutbad an, das Alle mit Entsetzen und Staunen erfüllte. Dieser Angriff, welcher von der einen Seite eben so hartnäckig unterhalten als von der andern entschlossen erwiedert wurde, schien nur mit dem völligen Auf- ! reiben der beiden Theile sich endigen zu wollen, als ^ plötzlich das Feuer entschied, was die Waffen nicht hatten entscheiden können. Mehre von den türki- ! sehen Galeeren wurden durch die Brander der Christen angezündct, andere waren durch das Geschütz aus der Festung in den Grund gebohrt worden. > Die Türken selbst hielten jetzt die Johanniter für ^ mehr als Menschen, verloren den Muth und ergossen sich in so eilige Flucht, daß einer den andern tödtete, um sich den Ausweg zu erleichtern. Es war ein schreckliches Schauspiel, als die ersten Strahlen der ausgehenden Sonne den Kampsplatz beleuchteten; die Trümmer der Brücke, die schwimmenden Leichen, die zerbrochenen Waffen, die schwarz aufsteigcnden Rauchsäulen, hier das Geprassel der Flamme, dort das Gekcach der niederstürzenden Mauern, durchschwirrt von dem Geschrei der Unglücklichen, die dem Tode zu entfliehen suchten, von dem Ächzen der Verwundeten, dem dumpfen Donner der Kanonen, und dies Alles in dem schauerlichen Dunkel der Dämmerung !! Die Ritter benutzten die allgemeine Verwirrung der Feinde zur glorreichen Verfolgung. Vergebens ermahnte sie der Großveziec: weder Versprechungen noch Drohungen wurden gehört, er sah sich endlich durch den Strom der allgemeinen Flucht fortgerissen und segelte, mit Schande bedeckt, voller Verzweiflung fliehend von Rhodus Veste *). Als Aubusson seine Gesundheit wieder erlangt hatte, eilte er an der Spitze der wenigen Übergeblic- benen in die Kirche und feierte ein rührendes Dankfest für die glückliche Rettung der Insel. Daraus bethätigte er seinen Dank durch den Bau dreier Kirchen zu Ehren der h. Maria und des Schutzpatrons des Ordens, und errichtete ansehnliche Stiftungen. Die tapfersten Johanniter erhielten ansehnliche Belohnungen und wurden mit Ehren und Gütern überhäuft. Mohammed 1l., welcher der schönen Griechin *) S. Anmerk. 24. V* Irene, die er leidenschaftlich lieble, auf die Vorwürfe seiner Paschas, daß ihn diese Liebe von Kricgsthatcn abzöge, im Angesichte des staunenden Heeres mit blutendem Herzen den Kopf abschlug, um das Gcgentheil zu beweisen, knirschte vor Wuth bei der Nachricht dieser Niederlage. Nun vereinte er Gewalt mit List; wahrend er eine nette Armee gegen Rhodus rüstete, machte er durch Bestechungen den Versuch, Aubufson zu vergiften. Der Lohn für diesen mißglückten schändlichen Anschlag war ein schleuniger Tod, der ihn in Bithynien überraschte. Dieser Monarch, welcher zwei Kaiserthü- mec, Constantinopel und Trapezunt, erobert, zwölf Königreiche und mehr denn -ZOO Städte unter seine i Botmäßigkeit gebracht hatte, ließ —- als ob Alles dieses noch nichts sei, auf sein Grabmal setzen: „Ich wollte Rhodus erobern, und Italien unter- ^ jochen!" — Zwei Söhne Mohammed's, beide zu stolz, um die Herrschaft mit einander zu theilen, stritten sich um den Besitz seines ungeheuren Reiches. Ba- jazet, der Ältere, vecstattete dem Orden Ruhe, denn er liebte die Bücher mehr als die Waffen, und Wein und Weiber mehr als die Wissenschaft. Zn der Schlacht bei Bursa wurde der jüngere Bruder ! Zizim (Tschim) besiegt und genöthigt, auf der Flucht sein Heil zu suchen. Fliehend warf er sich in die Arme des Ordens, von dem er mit Freuden ausgenommen wurde. So führte das Schicksal selbst ; den Johannitern einen Geisel in die Hand, um ihnen die Ruhe, die sie durch Mohammeds Tod erhalten hatten, unter seinem Nachfolger zu sichern. ! Der Großmeister Aubusson verweigerte ritterlich " die Auslieferung seines Gastes, machte sich aber ! gegen eine jährliche Summe von 40,000 Ducaten für Unterhalt und Bewachung, anheischig, den Prinzen in keine andere Hände als die des Ordens gelangen zu lassen. Um persönlicher Sicherheit willen, sagte man, wurde der Prinz nach Frankreich auf die Kommenthurei Bourneuf in Poitou geführt, wo er zwar mit Anstand behandelt, aber doch unter immerwährender Aussicht gehalten wurde. Der stumme Schmerz zog den ehrgeizigen, kühnen Jung« ling nach und nach in die finsterste Schwermuth herab. Dies .ist ein unaustilgbarer Flecken auf Au- bussons sonst so klarem Lebensspiegel; denn einen Prinzen, welcher Ansprüche auf eines der ersten Reiche der Welt hatte, seiner Freiheit berauben, und in—'wenn auch noch.so glänzender-— Gefangenschaft zu halten, bleibt um so mehr ein Verrath an der Menschheit, als derselbe sich auf Treu und Glauben den Johannitern anvertcaut hatte. Später übergab er noch, sein Wort verletzend den unglücklichen Tschim gegen Zusicherung beträchtlicher Vocthcile für den ganzen Orden und gegen das Versprechen eines Cacdinalhutcs für seine eigne Person, der Willkür des Papstes. Papst Alexander VI., in Verbindung mit Baja- zet, damals etwas Unerhörtes, der Vater der ganzen Christenheit im Bunde mit dem Erbfeinde derselben ! — welchen nach den 40,000 Ducatcn jährlichem Einkünfte.gelüsten mochte, verweigerte dem Könige Carl VIII. von Frankreich die Auslieferung des Prinzen, welchen dieser ebenfalls zu seinem tollkühnen Plane, gegen Griechenland benutzen wollte. Eine Belagerung von Rom und die nothgedrun- gcne Flucht des Papstes in die Engelsburg war die Folge der Verweigerung. Unterhandlungen wurden 198 angcknüpft, worin Alexander VI. zwar Alles versprach, was man wollte, jedoch entschlossen war, Nichts zu halten, sobald ec wieder frei wäre. Sein Sohn, der Cardinal Borgia, ließ aber, um dem Sultan sein Wort zu halten, den jungen Prinzen vergiften. Eine heimliche Flucht im Dunkel der Nacht verrieth deutlich genug den Urheber dieser abscheulichen Thal. So sehr nun auch Aubusson für das innere Wohl zu Rhodus arbeitete, die Juden wegen verschiedener Verbrechen aus seinem Staate verbannte, die Kleiderpracht der Ritter beschränkte und dieDis- ciplin aus die alte Einfachheit zurückführte, ebenso untergrub Papst Alexander Vl. diese Ruhe durch die willkürliche Verleihung der welschen Ordensgüter und Würden an die Eardinäle, hauptsächlich aber an seine Neffen und Kinder. Dadurch wurde das Ansehen des Ordens herabgesetzt, und viele der tapfersten Ritter, welche die ihnen nach dem Alter und selbst auch nach den Verdiensten gebührenden Com- menden verloren hatten, auf das tiefste gekränkt. Der Großmeister verfiel selbst in eine Gcmüths- krankheit, welche ihn am 3. Juli 1503 im 80. Jahre seines Alters dahin raffte, nachdem er dem Orden 27 Jahre vorgestanden hatte. Noch kurz vor seinem Tode sah sich der würdige Greis genöthigt, dem großen Bunde der christlichen Mächte gegen die Türken beizutrcten, an deren Spitze außer dem Papste Kaiser Maximilian I. und die Könige von Frankreich, Portugal und Ungarn standen. Allein da sich zwischen den Franzosen und Spaniern ein Krieg in dem Königreiche Neapel entzündet hatte, und der Admiral der französischen Flotte, Philipp von Rabcnstein, ein Günstling Ludwigs XI., nach dem unglücklichen Angriff 199 I auf Mitplene mit einem sehr beträchtlichen Verluste sich zurückzuziehen genothigt sah, waren die Johanniter abermals allein auf dem Kriegsschauplätze und von allen Bundesgenossen verlassen. Auf dem Todtenbette sagte Peter von Aubusson mit eindringlicher Stimme zu den Umstehenden: „Nur einen Augenblick, meine theuersten Brüder, kann ich noch den meinigcn nennen; ich benutze ihn. Euch zu bitten, daß Ihr einen Nachfolger wählen mögct, der den Platz, den ich verlasse, besser ausfüllen möge als ich. Eure einzige Ehre sei die Vecthcidigung des Glaubens und treuer Gehorsam den Ordensregeln." Kaum hatten sich die Brüder, die alle in Thrä- ! nen aufgelöset waren, wiederum erholt, so schritten ^ sie zu der neuen Wahl eines Meisters. Emmerich von Amboise, 1503 — 1512 . 4lmeri oder ^niorico ä Amboise, aus einer der ältesten und angesehensten Familien Frankreichs, Sohn Peters, Herrn zu Amboise (Kämmerer Karls VI. und Ludwigs XI.) und Anna von Bouilly war der Mann, den die meisten Ritter zu ihrem Oberhaupte wünschten. Er befand sich-damals noch als Großpcior in Frankreich, reifete aber alsobald nach Rhodus ab und berief dort zu Anfang des Jahres 1504 ein Generalcapitel zusammen, um sich über die Wohlfahrt des Ordens zu berathen. Bajazct hatte nämlich, aufgebracht über den Schutz, welchen die Ritter dem Sohne des unglücklichen Tichim «erstatteten, den Corsaren, welche unter seiner Flagge kreuzten, unter Anführung des berüchtigten Häupl- 200 lings Kamali, den Befehl erthcilt, das ganze Gebiet des Großmeisters zu zerstören. Diese wurden aber wacker zurückgeschlagcn, und kaum hatte der Anführer gehört, daß die Ritter Fabrizio Carretto und Raimund von Balagne, damals der Schrecken aller Cocsaren, die Ingel Lango vertheidigten, so veränderte er seinen Plan und begnügte sich, auf der Insel Lcro zu landen. Diese rettete jedoch Paul Simeoni, ein junger piemontesischer Ritter, durch seltene List und Geistesgegenwart, indem er selbst die Weiber als Krieger verkleidet auf den Mauern zur Vertheidigung herbeiführte. Die Türken hoben, eine so große Anzahl von Kämpfern nicht vermachend, plötzlich die Belagerung auf. Nicht lange nachher nahm der Kompthur von Gastinau, einer der ersten Seehelden des Ordens, den Sarazenen die große Caraque weg, ein Schiff, welches alle Jahre mit kostbaren Spezereien und Handetswaaren beladen von Alexandrien nach Tunis und Constantinopel segelte. Dieser beträchtliche Verlust bewog den Sultan von Ägypten, eine Flotte auszucüsten, welche mit einem Schlage die Seemacht der Rhodiscr zerstören sollte. Der vorsichtige Großmeister, von diesem Unternehmen unterrichtet, kam ihm zuvor- rüstete die große erbeutete Caraque, welche sieben Stockwerke hatte und mehr als tausend Soldaten faßte, aus, und schickte sic von vier Galeeren und 18 Linienschiffen begleitet, dem Feinde nach dem Meerbusen Ajazzo, wo dieser Schiffsbauholz zu neuen Fahrzeugen zubereiten ließ, entgegen. Zum Anführer der Galeeren wurde der Portugiese Andreas von Amaral, ein eben so muth- voller und erfahrener als eitler und unbiegsamer Seemann, erwählt und der Oberbefehl über die - 201 Schiffe dem französischen Ritter Millers von l'Jsle Adam übergeben, der durch seine ausgezeichneten Verdienste sich das Zutrauen des ganzen Ordens erworben harte. Ein mörderisches Treffen, welches 3 Stunden anhielt, setzte die Johanniter in den Stand, die feindlichen Schiffe zu entern und Mann an Mann fechtend, nebst vielen Gefangenen und ansehnlicher Beute den glänzendsten Sieg zu erringen. Unter ähnlichen Befehdungen dauerte der Krieg mit den Sarazenen noch mehre Jahre fort und wurde Veranlassung zu zwei Generalversammlungen (1510 und 1512), wahrend welcher letzteren Em» merich von Ambosse starb (8. Nov. 1512) *). Guido von Blanchefort, 1512—ISIS. hatte schon als Großprior von Auvergne die Augen aller Mitbrüder auf sich gezogen. Die neue Wahl war daher bald entschieden. Sie traf den Mann der allgemeinen Liebe und des allgemeinen Wun- sches. Aus einem der edelsten Hauser Frankreichs entsprossen, ein Sohn jenes Guido von Blanchefort, Herrn von Janucain und Bois-Lamp, welcher unter Carl VH. von Frankreich das Amt des Sene- schalls bekleidet, und in dieser Würde den Samen zu der nachmals so berühmt gewordenen Generation der Herzoge von Lesdiquiöces und Crcqui ausgestreut hatte-, und Anna's von Aubusson (Schwester des großen Meisters), übernahm er mit freudiger Zuversicht die Zügel der Regierung, ohne jedoch die Früchte seines Strebens zu arndten. ) Nach einigen Chronisten am 13. Nov. 1512. 9" 202 Schon nach einem Jahre und zwei Tagen nach dem Antritte seines Meistecthums überraschte ihn der Tod zu Poppa della Caracca. Fabrizio del Carretto, 1513 — 1521 . aus der Familie der Marchese del Finale in Ligurien, Großadmiral des Ordens, hatte sich bei der letzten Belagerung von Rhodus so vortheilhast ausgezeichnet, daß ec einstimmig zum Oberhaupte der weitverzweigten Ordcnsverbindung ausgerusen wurde. Er soll, um seine Ritter in unermüdetcr Wachsamkeit zu erhalten, bei dem Kriegsheere jene großen Hunde eingesührt haben, die den ganzen Tag umherschwärmten, auf ein gewisses Glockenzeichen zum Futter kamen, und dann wieder herumlicfcn, um jeden Türken, der sich sehen ließ, in Stücken zu reißen. Der älteste Historiograph des Johanniterordens, Bosio, erzählt von einem dieser Hunde, daß er täglich sein Brot nach einer Eisterne getragen habe, in die sich ein Christ vor der Wuth der Türken geflüchtet hatte; der Hund magerte zusehends ab, und als sein Wärter ihm einst folgte, entdeckte man den Unglücklichen, der sich nicht selbst heraushelfen konnte, und der bis dahin von dem Hunde allein ernährt worden war. Der tapfere Carretto berief unmittelbar nach seiner Erwählung ein Generalcapitel nach Rhodus, um alle zu einer tapfecn Gegenwehr erfoderlichen Maßregeln zu treffen; denn als nach Selims Tode sein Sohn Soliman H. fast zu gleicher Zeit mit Carl V., Kaiser der Deutschen, den Thron bestieg 203 und seine Laufbahn mit einem siegreichen Feldzuge gegen die Ungarn eröffnete, waren die Augen von ganz Europa nun auf die Belagerung von Belgrad, dieser wichtigen Festung, gerichtet, welche man als Schutzwehr der Christenheit gegen die türkische Macht ansah. Wahrend Soliman noch vor Belgrad lag, wurde der Orden durch Carretto's Tod (10. Jan. 1521) seines Oberhauptes beraubt, gewann aber an Philipp Villiers de l'Zsle-Adam, 1521 — 15Z4. dem ehemaligen Armenpfleger und Großprior von Frankreich, eine kräftige Stütze. Dieser Regent, besten Jugend bis zur Erreichung der großmeisterlichen Würde nichts anders als eine ununterbrochene Kette ritterlicher Handlungen war, weshalb ihn die Geschichte mit dem Beinamen des „Helden- müthigen" bezeichnet, hatte sich durch seinen biedern, menschenfreundlichen und offenen Charakter die Liebe Aller, die ihn kannten, in so hohem Grade erworben, daß er trotz der Kabale eines mächtigen Gegners, am 22. Jan. 1521 einstimmig zum Großmeister ausgerufen wurde. Dies war Andreas von Moral (nach Einigen, Antonio Amoral), Kanzler des Ordens und Großprior von Castilien, welcher schon lange mit grenzenloser Ehrbegicrde nach der höchsten Würde strebte und Kunstgriffe aller Art in Bewegung setzte, um die Herzen vieler leichtgläubigen Brüder zu gewinnen. Wenn Geistesgegenwart, Muth und Tapferkeit allein schon zu solchen Ansprüchen berechtigen, so gebührte ihm die hoffnungs- 204 r -i'i 5 ^ p. vollste Zuversicht, denn er hatte jene Eigenschaften bei dem letzten Überfalle der ägyptischen Flotte bei Ajazzo hinlänglich bewährt. Da es ihm durch seine Beredsamkeit, geheuchelte Freundschaft und falsche Vorspiegelungen gelungen war, eine bedeutende Anzahl von Rittern auf seine Seite zu bringen, tri- umphicte ec schon, sich aus dem Meisterstuhle träumend, über sein Glück, als dieses ihm treulos den Rücken wandte, und.,einen Bruder, den ec eben so unversöhnlich haßte als dessen Ruhm schon lange beneidete, auf den Gipfel der erwünschten Größe erhob. Dieses unvermuthete Ereigniß war ein Donnerschlag für Moral. Gekränkter Ehrgeiz, Schaam und Betrübniß nagten an seinem Herzen. Nach dem Blute Villiers und seiner Brüder lechzend, that sein stolzer Sinn Rache brütend den Schwur: dies sollte der letzte Großmeister sein, der zu Rhodus regiere! Die ihm verliehene Kanzlerwürde setzte ihn in Kenntniß aller Rathschlüsse gegen die Türken und erleichterte ihm die Ausführung seines Vorhabens. Der schändliche Moral wählte einen Juden zu seinem niedrigen Werkzeuge, und dieser verschmitzte Kopf sendete, damit jeder Verdacht wegsiele, die ihm anvertrauten Briefe durch Pfeile an Soliman. Der Sultan erfuhr auf diese Weise von dem Vercäther Alles, was ihm die Belagerung von Rhodus erleichtern konnte. Er erfuhr, wo die Veste am wenigsten verwahrt und der Angriff am leichtesten sei; ja er wußte sogar, daß die Insel, aller Hülfe von außen her entblößt, vergeblich auf Entsatz hoffen könne. Inzwischen hatte Soliman an den Großmeister geschrieben, ihm zu seiner Ernennung Glück gewünscht, und nebst der Nachricht von der Schleifung der Veste Belgrad die Versicherung gemeldet, daß jetzt Rhodus und die Ritter sein liebster Gedanke seien. Diese Worte waren kein Mittel, wodurch ein Villiers de l'Jsle-Adam eingeschüchtert werden konnte. Am 24. Juni 1522 warf Soliman mit einer Ungeheuern Kriegsflotte auf der Höhe von Rhodus die Anker aus. Diese Armada, aus 400 Segeln bestehend und von dem Admiral Curtogli angeführt, hatte 140,000 Landtruppen unter dem Befehle Mustapha's, des Günstlings und Schwagers von Soliman, am Bord. Achmct, ein sehr geübter Ingenieur, erhielt die Aufsicht über die Belagerungswerke, und Peri, der des Sultans ganzes Vertrauen befaß, sollte den jungen feurigen, aber nicht genug erfahrenen General Mustapha, welcher an 8000 Pfähle mit sich führte, um die Christen daran spießen zu lassen, Weiber und Kinder aber dem großherrlichen Harem und den Janitscharcn versprochen hatte, als Rathgebcr begleiten. Kaum erblickten die Rhodiser die schwellenden Segel, so schwellte auch schon ein Hauch der Tapferkeit die heldenmütige Brust des Großmeisters an, sein Wille entflammte sich wie der Funke in einem auflodernden Feuer in dem Willen des Höchsten. Er lud alle seine Ritter zu sich auf die Burg und fügte zu der großmeisterlichen Gewalt die schonende Milde des Bruders, zu den Befehlen des Feldherrn die Bitten des Freundes und zu den Drohungen des Richters die großmüthigen Worte des Rathgebers. Mit kaum 4500 Soldaten und 600 Rittern setzte sich der Großmeister, nachdem er vergebens durch Gesandte alle christlichen Höfe um Beistand angeflehet hatte, zur Wehre. Er 206 ließ sogleich den Hafen mit einer doppelten Kette verschließen, am Walle des Niolaus - Thurmcs, um das Annähern der feindlichen Galeeren zu hindern, einige Schiffe versenken, die Mauern mit zahlreichem Geschütz bepflanzen, und eben so die Basteien und Wälle mit Kriegsinstrumenten aller Art, mit Feuertöpfen und großen Steinen, um sie aus die Stürmenden zu werfen, auf das reichlichste versehen. Ritter, Soldaten, Bürger, Offiziere, selbst Priester und Mönche boten freiwillig zu allen Arbeiten die Hand; Greife, Frauen und Kinder trugen Erfrischungen auf den Mauern umher oder warfen siedendes Pech, Steine und Klötzer auf die Belagerer. Besonders stachen die Franziskaner mit Spießen manchen Muselmann von der Sturmleiter. Der Großmeister übergab die Aufsicht über den Mund - und Kriegsvorrath drei Commissarien, welche er aus den Großkreuzrittern wählte. Darunter befand sich auch der Vecräther Amoral, welcher, um die Sorgfalt des Ordens zu vereiteln, behauptete: daß die Rüstung der Türken zuverlässigen Nachrichten zu Folge nicht sowol gegen Rhodus als gegen Cypern gerichtet sei. Allein der vorsichtige Villiers de l'Jsle-Adam schickte einen dienenden Bruder, Namens Anton Bosio, nach Kandia, um von dem Statthalter 500 Mann Hülfstruppcn nebst einer Ladung Wein zu erbitten. Trotz der Verweigerung des ersten Gesuchs gelang es dem verschmitzten Bosio, die Mischlinge als verkleidete Kauflcute und Matrosen auf die Schiffe zu bringen, und so sein Vorhaben glücklich auszuführen. Vor allen zeichnete sich der Ingenieur Gabriel Martenigo aus, der früher die Aufsicht über die Festungswerke in Kandia gehabt hatte. Sobald dieser, von Beweisen des Zu- traucns und der Achtung überhäuft, die Bastionen und Schanzen verstärkt hatte, verließ der Großmeister seinen Palast, nahm seinen Posten in der Nähe der Marienkirche, um desto schneller auf dem Walle zu sein, welchem der erste Angriff drohte. Nach gepflogenem Rathe beschlossen die türkischen Obersten, mit der Belagerung der Hauptstadt den Anfang zu machen, und dann die festen Schlösser und Burgen zu zerstören. Die Laufgräben wurden geöffnet und eine Batterie nahe an der Stadt aufgeworfen; allein die Ritter zerschmetterten in häufigen Ausfällen Alles, was sich in der Ebene sehen ließ, verjagten die Feinde und zerstörten ihre Werke. Der türkische Krieger, von jeher gewohnt aus dem ersten Treffen Vorbedeutungen zu ziehen, weissagte voll Angst die schrecklichste -Zukunft. Nur mit Peitschenhieben war der Sarazene zu dem Angriffe und in den Kampf zu treiben. Ec gebehrdete sich, als ging er statt des Sieges, der unvermeidlichen Sklaverei oder dem Tode entgegen. Erst der Donner der Kanonen, das Schmettern der Trompeten und der Freudenschall der Instrumente, welches die Ankunft des Großsultans im türkischen Lager verkündete, brachte einen neuen Geist unter die feindlichen Truppen. Alles bemühte sich, die Schande der vorigen Feigheit wieder abzuwafchen. Soldaten und Schanzgräber minirten Tag und Nacht. Eine unglaubliche Menge Arbeiter verloren bei diesem Werke ihr Leben durch die Kugeln der Johanniter, weil die türkischen Bollwerke von allen Seiten dem Kanonenfeuer der Festung ausgesetzt waren. Der deutsche Posten wurde zuerst angegriffen, doch der Großmeister hatte ihn von innen mit 208 Schanzkörbcn, Erde, Balken und Reisig unterstützt, und so das Vorhaben des'Feindes vereitelt. Nach einem so schlechten Erfolge des Angriffs von dieser Seite- 'beschloß dccnPascha Per! die Batterien gegen den Nicolausthurm M richten, allein auch hier war sein Bemühen umsonst. Auf seinen Befehl richtete nun der Feldherr Mustapha den Angriff auf die vorzüglichsten Basteien der Hauptfestung. Jndeß die alte Mauer der Stadt leistete allen Stürmen unerschüttert Widerstand. Der Großmeister selbst eilte der italienischen und englischen Bastei zu Hülfe, und ließ muff Martenigo's Rath 200 Mann einen Ausfall machen, um dadurch Zeit zu gewinnen, neue Vorbaue und Verschanzungen hinter der Bresche anzulegen. Die Christen stürzten mit bewaffneter Faust in die Laufgraben, überfielen die Türken, hieben nieder, was sie erreichen konnten, und jagten, was ihrem Schwerte entrann, in die Flucht. Allein dieser Widerstand der Ordensritter und alles Unglück ihrer Feinde schien den Belagerten nur wenig Erleichterung zu verschaffen. Die stets sich erneuende Anzahl der Türken- welche die Insel überschwemmt hatten, ward durch keine Niederlage vermindert, die ungeheure Menge ihres Geschützes durch keinen Verlust geschwächt. Der Großmeister suchte jetzt die Belagerung in die Lange zu ziehen, in der Hoffnung- daß der Feind wahrend des Winkers die See nicht länger würde behaupten können. Dies änderte Solimans Entschluß, und er gab Befehl, Anstalten zum Sturme der Festung zu treffen. Durch eine- unzählige Menge von Schanzgräbern wurden Minen nach allen Richtungen angelegt, und Schutt und Steine herbeigeschafft, um die Gräben auszufüllen; doch Martcnigo's Schlau» heit wußte!jede der,'erstem aufzusinden und während der, Nachtodie,-Arbeit ! des Tages zu zerstören. Die Arbeiter wurden mit Granatenkugeln auseinandergetrieben und-die, in den unterirdischen Gängen befindlichen Türken, durch hineingeworfene Pulverfässer erstickt." Aller angewandten Mühe unerachtet konnte man nicht verhindern, daß eine zerplatzende Mine die Mauer in einem Umfange von mehr als sechs Torsen einstürzte. Der fromme Villiers kniete eben an den Stufen des Altars der nahen Kirche, um den Himmel um Beistand anzuflehen, als die Mine mit einem fürchterlichen Gekrache losging. Wie ein schnellüaus) dem Traume Erwachender sprang er auf, ergriff Helm und Lanze und flog auf den gefährlichsten Punkt. Hier haut er an der Spitze der Seinen wie ein Wüthender auf die Sarazenen ein, schleudert mit kräftiger Hand den Halbmond von der Mauer und ermordet und zerstreut Alles, was sich ihm zu > widersetzen wagt. Furcht und Schaam fesselt Mustapha's'Arm, welcher die ersten Flüchtlinge mit, gezücktem > Schwert zu Boden streckt. Das^ Gefecht„erneuert sich/, Man,kämpft von beiden Seiten mit gleichem Hartnäckigkeit. Steine, Granaten- Pechkränze-, Kanonenkugeln, Feuertöpfe und Holzbrände hageln, auf die Türken herab. Umsonst verschwendet Mustapha öDrohworte und Ver- sprechungen-aAlles weicht, Alles flicht. Wen der Tod in der Schlacht verschonte, ereilte er nun auf der Flucht. Die aufgehende Sonne dieses Tages (17. September) erblickte an 3000 Türken todt dahingestreckt aus der Wahlstatt. Knirschend vor Wuth hielt Soliman einen Kriegsrath und beschloß einen 210 Generalsturm zu wagen. Der Großmeister traf indessen von seiner Seite alle mögliche Anstalten zur Verthcidigung. Noch in der Nacht vor dem Sturme musterte er alle Wälle und Bästionen der Stadt und ermunterte feine Truppen, standhaft für die Ehre der Christenheit und des Ordens zu kämpfen, und lieber den Tod als eine schimpfliche Knechtschaft zu wählen. Voll Rührung stürzten sich»>Bürger und Ritter, Griechen und Lateiner einander in die Arme und schwuren sich Treue bis in den Tod bei dem Kreuze des ewigen Überwinders. Mit anbrc- chendcm Morgen des 24. Septembers begann der Sturm der Sarazenen von allen Seiten. Bewunderungswürdige Entschlossenheit glühte in den Adern der Janitscharen, welche sich nie so muthig gezeigt als hier, wo sie im Angesichte ihres Sultans kämpften. Fromme Zuversicht auf eine höhere Macht lenkte den Arm der Ritter, welche die Gegenwart ihres Großmeisters gleich einer heiligen Erscheinung zu beschützen schien. Mitten durch eine Wolke von Kugeln steigen die Feinde beherzt auf den Trümmern der Mauern empor, aber eben so muthig schlagen die Ritter jeden Angriff ab und stürzen sie sammt den Sturmleitern von den Wällen herunter. Sechs volle Stunden dauert das mörderische Getümmel mit gleicher Wrtth und gleichem Glücke fort, bis endlich der Großmeister als letzte Hülfe 200 Mann frischer Truppen aus dem Nicolausthurme herbcizog. Diese geben dem Gefechte plötzlich eine andere Wendung. Die Janitscharen wanken zurück, und Soliman sieht sich gcnöthigt, um dieser schimpflichen Flucht einen Anstrich von Ehre zu geben, zum Rückzüge blasen zu lassen. Dem tapsern Kompthur von Bourbon, welcher mit einer kleinen Schar 211 durch die Easemattcn in die am meisten bedrohte Bastei vorgedrungen war, den Halbmond von dem Walle riß und statt dessen die Ordensfahne wieder aufpflanzte, dann Alles, was die Kanonen noch am Leben gelassen hatten, niederhicb, gebührt die Ehre dieses Tages! — Schon beschloß Soliman, durch das Mißlingen dieses letzten Hauptangriffes und durch den Verlust von 15,000 seiner tapfersten Krieger muthlos gemacht, die Belagerung aufzuheben, als die Aussagen eines Überläufers, und wie man erzählt, ein Brief des Verräthers Amoral den Sultan benachrichtigten, daß die-Festung unmöglich einen zweiten Sturm dieser Art auszuhalten im Stande sei. Er entfernte sogleich seinen Feldherrn Mustapha und übertrug die Leitung seiner Armee dem kühnen Pascha Achmct, welcher die Batterien mit verdoppeltem Nachdruck spielen ließ und sich zu einem zweiten Hauptsturme bereitete. Jetzt war Rhodus in der drohendsten Gefahr. Seine Vertheidiger bis auf wenige dahingerafft, die meisten an Krankheit oder ihren Wunden danieder- liegend, vie'le todtmatt von Hunger und Verzweiflung. Nur die schleunigste Hülfe von Außen konnte den Orden noch von seinem Untergange erretten. Mit jedem Augenblicke stieg die Noch, die Sehnsucht verdoppelte sich, jetzt eilte Alles nach dem Hafen, und unruhevoll starrten die Blicke auf die offene See — doch vergebens, kein Fahrzeug war zu sehen, das die erwünschte Rettung verkündete. Schon entsank den Ordensbrüdern der letzte Funke von Muth, als am 22. November die englische und spanische Bastei durch eine Mine in die Luft gesprengt, und die Bresche 24 Stunden lang mit 212 den schwersten Kanonen unaufhörlich beschossen wurde. Der zahllosen Menge der Eindrmgendcn konnte die entschiedenste Tapferkeit der Ritter nicht langer widerstehen. Die Sturmglocken verkündigtem mit schauderndem Getöse den Augenblick der größten Gefahr. Schon schien Alles verloren, als der Himmel den Belagerten zu Hülfe kam. Ein ungewöhnlicher Platzregen stürzte in Strömen danieder und schwemmte den Ecdwall hinweg, der die feindlichen Laufgraben deckte. Ganz unbedeckt standen- nun die Türken dem Kanonenfeuer der Festung ausgcsetzt, und mußten sich mit großem Verluste zurückziehcn. So endigte sich der Tag, an welchem der Untergang von Rhodus beschlossen war, mit Triumph für die Johanniter. Soliman, außer sich vor Wuth, daß er schon 6 Monate vergeblich mit 200,000 Mann die Festung belagerte, vergrub sich tiefsinnig in sein Zelt und ließ erst nach langer Zeit die Besatzung durch einen Herold zur Übergabe auffodern. Der Großmeister aber gab zur Antwort: „Die Ritter des h. Johannes unterhandelten mit den Ungläubigen nur mit dem Schwert in der Faust!" Erst auf die Vorstellungen des Kompthurs Martenigo und des Priors von St. Gilles, daß bei dem gänzlichen Verfall der Festungswerke die Stadt kaum langer mehr gehalten werden könne, und auf tausendfältige Bitten der Einwohner, schien Villiers de l'Jslc-Adam zu einem Vergleiche-geneigt. Doch die Sarazenen, durch Nachgiebigkeit kühn gemacht, erneuten den Angriff auf die spanische Bastei, und obgleich die Stadt mehr, einem Schutt--- und Steinhaufen als einer Festung ähnlich fah, vertheidigte der Großmeister selbst den Posten. Ein blutiges, hartnäckiges Treffen begann, welches den ganzen Tag dauerte,. Von beiden Seiten gleiche Tapferkeit, gleicher Muth. -Villiers sucht im Gedränge den Sultan und findet ihn. il Die, Kraft der Verzweiflung ^streitet mit ^beiden Helden. Mächtige Hiebe fallen auf des Großmeisters graues Haupt, doch er antwortet, auf jeden Schlag. Soliman kämpft wü- thcnv und! hitzig -- der Großmeister kalt und beharrlichem Nun bcichtrSolimans Schwert, das Schild entsinkt feiner Hand) der Gegner stürzt über ihn und-will sich -seiner- bemächtigen/-teils der Emir Al- basor mit seinen Zamtscharen zu besten Befreiung herbeieilt. Nu ' -UDie Nacht rbrach ein und machte diesem Verzweiflungskampfe > ein Ende. Allein kaum hat der Tag-gegraut-isv' wirft sich Villiers mit seinem schwachen Häuflein dem eindringenden Emir Mula entgegen. Der kühne iFeldherroAltomor fällt durchbohrt von seinemSchwerte, und hört noch im Fallen den Stoß von seinen Feinden lobpreisen. Der Feldherr Jsmael will den Tod jenes Helden rächen und treibt sein blitzendes Schwert gegen den Großmeister, allein auch dieser sinkt u zur Erde. Nun ergrimmt Mula über den die menschlichen Kräfte fast übersteigenden Widerstand) rafft all' seine Körperstärke zusammen und stürzt sich mit den Kühnsten über ihn. Noch ergibt sich Villiers nicht. Gleich einer Flamme bei schwacher Nahrung ist jetzt sein Kampf.auKaum von ein Paar Getreuen unterstützt, haut er noch immec-u obwol mit blutlosem Arme, obwol schon langsamer zu. Da stürzt Soliman, dem dieser Heldenmuth' alle Scharfe seines Zornes ' benahm, wie ein Adler herbei, und ruft den Sei- nigen zu:u „Haltet ein! Euer Arm ist nicht berühmt genug diesen Helden zu tödten; und Du Herr" 214 sprach er zu Villiers, „ergib Dich, du Krone aller christlichen Kampsesheldcn! erkenne mich, oder wenn Du willst, das Schicksal für deinen Sieger! ich verlange keinen Triumph über deine Person; Rhodus allein ist es, und nicht dein Leben, wonach ich strebe." — Erst jetzt, da weder seine noch seines Ordens Ehre darunter litt, senkte der Großmeister sein Schwert und foderte für sich und die Ritter, als jeder Hoffnungsschimmer verschwunden war, freien Abzug. Ein Vertrag kam zu Stande, dessen Hauptpunkte waren: Die Kirchen und ihre Heiligthümer sollten verschont, die christliche Religion nach wie vor auf der Insel geduldet, und das Volk 5 Jahre von allen Auflagen befreit werden. Jedermann sollte es fceistehen von der Insel abzuziehcn; 12 Tage war die Frist, binnen welcher die Ritter ihre Habseligkeilen nebst allen Kleinodien, heiligen Bildern. Reliquien und Opfcrgesäßen aus der reichen St. Johanneskirche cinpacken und nebst den wichtigsten Or- densdocumenten und dem ganzen Geschützvorrath zu Ausrüstung der Galeeren, an Bord bringen sollten. Geiseln von beiden Seiten bekräftigten die Treue dieses Vertrags. Kurz vor dem Abzüge bemühte sich der Sultan bei einem Besuche, den ehrwürdigen Großmeister über den schnellen Wechsel seines Glücks zu trösten, bot ihm sogar an, wenn die zur Abreise bestimmte Zeit nicht zu einer bequemen Einrichtung seiner Geschäfte zureiche, dieselbe zu verlängern, und sagte im Herausgehcn aus dem Palaste zu seinem Oderfeldhercn Achmet, der ihn begleitete: „Beim Propheten, es kostet mir Überwindung, diesen alten Mann aus seinem Bcsitzthume zu vertreiben." Hierauf machte der Großmeister mit 215 der bewunderungswürdigsten Gcmüthscuhe die Nei- scanstalten, und ließ alles zur nahen Abfahrt bereit halten *). Es war ein rührender Anblick, die unglücklichen Bürger, mit ihren Habseligkeiten belastet und von ihrer Familie umgeben, aus ihren Häusern ziehen zu sehen, um>ihr Vaterland Rhodus zu verlassen, welches der Orden 220 Jahre lang mit steigendem Ruhme behauptet, und 600 Ritter nebst 4 — 5000 dienenden Brüdern sechs Monate lang, eines Verräthcrs in ihrer eignen Mitte unerachtet, gegen 200,000 Türken vertheidigt hatten. So verließ nun der Großmeister mit 50 Segeln ein Land, welches schon im Jahre 1310 vom Kaiser Ottoman 1., dann von seinem Sohne Orkan im I. 1322, und weiter von Mohammed 14 im I. 1480 harte Belagerungen mu- thig ausgehalten, und den Orden zu einer schwindelnden Hohe erhoben hatte. Von allen Seiten hörte man ein Klagegetön von weinenden Kindern, von jammernden Weibern und von Greisen, die ihr Geschick verwünschten. Nach diesem Unglücke wollte das unergründliche Geschick die Standhaftigkeit des Heide nmüthigen Meisters Villiers de l'Jsle-Adam auf eine neue Probe stellen. Bald nach der Ausfahrt vom Hafen zu Rhodus (26. De- cember 1522) überfiel ein gewaltiger Sturm die unglücklichen Flüchtlinge, zerstreute die Flotte, bohrte einige Fahrzeuge in den Grund und gestattete den Übriggebliebenen nur ein schwankendes Obdach in den Häfen von Kandia. Der Großmeister erreichte zwar glücklich die Rhede bei Setia, wo er bei einer Musterung fand, es seien ihm von seinen Unteres S. Anmerk. 25. 216 chanen an Männern, Weibern und Kindern gegen 5000 Seelen gefolgt ^ - § Diese Menschenmenge, krank, ohne Kleider und ohne Vermögen, sehnte sich nach Unterhalt,,,Bedeckung und einer bleibenden Stätte,y.,,,Der Großmeister schaffte sowol Lebensmittel alß, die nothwen- digsten Kleidungsstücke herbei, aber. ,eMn'ble.ibenden Aufenthaltsort halst, er, jetzt-selbst .für sich und seine Ritter nicht mehr. Hobqldz.seing.^Schiffe. ^ausge- bessert waren, ging er wstd^ unter S.egel, nachdem er einen Abgesandten ans. einer.' leichten Brigantine an den Papst gesendet hatte,, um. ,von diesem eine Bulle zu bewirken.,-welche den Rittern bei Strafe der Excommunication und des Verlustes des Ordenskleides gebot, dem Großmeister und dem Convente vollen Gehorsam zu leisten, und ihm überall hinzufolgen, wo er seine Residenz aufzuschlagen für gut fände. Widrige Winde hatten inzwischen den Großmeister genöthigt, mit seiner Flotte bei der Insel Ce- rigo anzuhalten, und erst zu. Anfänge des Maimonats langte er endlich in dem Hafen zu Messina an, wo ihm der Vicekönig Pignatelli die Stadt zu seinem Aufenthalte anbot. Hier pflanzte er, statt der gewöhnlichen Ordcnsflagge, eine Fahne auf mit dem Bilde der Madonna, die ihren tobten Sohn in den Armen hält, mit der Umschrift: „/Mietis 8P08 mss redu 8 ." Hier kam ihm die päpstliche Bulle sehr zu statten, denn manche unzufriedene Ritter hatten, wie er vorausgesehen, den Entschluß gefaßt, in ihr Vaterland zurückzukehren, um bei ihrem Landesherren ein besseres Schicksal zu suchen. Die erste Sorge des Großmeisters war daher, ein Untersuchungsgericht niederzusetzen, um zu erfahren, welcher von seinen cinberufencn Rittern die Sache des Ordens verlassen habe. Auf die Entscheidung, daß die Ausgebliebenen nur durch Winde und Stürme zurückgchalstst worden waren, brach er voll Freuden in die Worte'aus: „Dank sei es dem Himmel ! Keiner meiner Ritter hat Schuld an dem Sturze von Rho'dus!" Kaum hatte indessen L'Jsle Adam durch päpstliche Drohungen oder sanftes Zureden die Ordnun'g wieder hergestellt, so traf ihn ein neuer Schlag des'Schicksals. Die Pest brach zu Messtna' aus und nvthigte ihn mit seinen Rittern, wovon schyir Einige das Opfer dieser wüthenden Seuche' wären, eine 'gesündere Gegend aufzusuchcn. Er fand diese im Meerbusen von Bajä. Der Aufenthalt eines Monates in jener reinen Lust stellte alle Kranke wieder her, und nun steuerte ec mit seiner Eolonie nach Eivita-Vecchia, voll Begierde, sich mit dem Papste über einen künftigen Wohnplatz für seinen Orden zu unterreden. Der Papst ging ihin bei seinem Eintritte ins Zimmer freudig entgegen, umarmte ihn und machte ihm unter den ehrenvollsten Lobsprüchen wegen seiner heldenmüthigen Verteidigung von Rhodus schöne Hoffnungen rege. Allein der Tod vereitelte wenige Tage darauf (14. September 1528) die Erfüllung dieses Versprechens. Was aber Hadrian nicht leisten konnte, das wurde von seinem Nachfolger, Julius von Medici, der ehemals selbst ein Ordensmitglied gewesen war und jetzt unter dem Namen Clemens VII. den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte, ausgeführt. Er wies ihm die Stadt Biterbo (in dem Kirchenstaate) zur einstweiligen Niederlassung an, und gestattete, daß die Schiffe und Galeeren zu Eivita-Vecchia im II. 10 218 sichern Hafen bleiben dursten. Man hatte dem Großmeister verschiedene Vorschläge über die künftige Niederlassung des Ordens gemacht. Unter andern schlugen ihm spanische Ritter vom ersten Range — vermuthlich im Einverständnisse mit den kaiserlichen Ministern — die Inseln Malta und Gozzo und die Stadt Tripolis vor, welche dem Kaiser als König von Sicilien zugehörtcn. Dieser letzte Vorschlag gefiel dem h. Vater am besten; es wurde aber beschlossen, gegen Earl V., dessen Grundsatz war, kein Sklave seiner Worte zu sein, und gegen die geheimen Absichten seiner Minister, welche den Orden ihrem Oberherrn wieder unterthan zu machen gesonnen sein möchten, mit äußerster Behutsamkeit zu Werke zu gehen. L'Jsle Adam schickte den Prior von Eastilien, den Ritter Martenigo, und den Kompthur Bosio als Botschafter nach Madrid, den Kaiser um die Abtretung der Insel Malta und Gozzo zu bitten. So sehr es dem Kaiser, diesem tief berechnenden Politiker, darum zu thun war, einen kriegerischen Orden auf diese Inseln, deren Besatzung viel Aufwand er- foderte, zu verpflanzen, und er deshalb in den Johannitern die sicherste Schutzwehr seiner Erbkönig- rciche Neapel und Sicilien gegen die afrikanischen Raubstaaten zu errichten strebte, so spannte er doch seine Foderungen dergestalt hoch, daß es der Großmeister um so weniger für rathsam fand in dieselben einzugehen, als ihm ein neuer Stern der Hoffnung, Rhodus wiederzuerlangen, bereits aufgcgan- gen war. Endlich brachte jedoch die Aussöhnung des Papstes mit dem Kaiser, bei welcher der Letztere dem Erstem in jenem verhängnisvollen Augenblicke nichts 2l9 abzuschlagen wagte, die Unterhandlung zu Stande. Die gegenseitige Übereinkunft wurde den 24. Mar; 1530 zu Castel Franco, einer kleinen Stadt in dem Gebiete von Bologna, unterzeichnet. Diesem Vertrage zufolge überließ der Kaiser dem Orden in Betracht so vieler seit Jahrhunderten der Christenheit geleisteten Dienste die Schlösser und Festungen von Malta, Gozzo und Tripolis, mit allen ihren Gerechtsamen der höher» und nieder» Gerichtsbarkeit und dem Rechte über Leben und Tod, sammt allen übrigen Privilegien, Einkünften und Immunitäten als ein sreiadeliges Lehen, unter den Bedingungen : 1) dem Könige von Sicilien oder dessen Statthalter jährlich am Allerheiligentage einen Falken zu überreichen. 2) Im Falle der Erledigung des Bisthums zu Malta, ihm drei Candidaten voc- zuschlagen, aus welchen er einen wählen könne, mit dem Vorrechte, daß der Erwählte das Großkreuz des Ordens erhalte und als solcher die Freiheit habe, dem Conseil beizuwohnen. 3) Daß der Großmeister jedem neuen Nachfolger im Königreiche das Lehen aufs neue muthen, und sich in seinem und seines Ordens Namen eidlich verbinden sollte, 4) aus diesen eingeraumten Ländern dem Königreiche beider Sicilien keinen Abbruch zu thun. 5) Keinen aus diesen Reichen flüchtenden Verbrecher zu schützen, sondern ihn, wenn er ein Majestatsverbrecher oder Ketzer sei, auf Verlangen auszuliefern. 6) Zu dem Admiral stets einen Italiener zu nehmen, und 7) wenn der Orden die Insel Rhodus je wiedererobern sollte, diese neu eingeraumten Länder dem Könige von Sicilien wieder abzutrecen *). *) Die Schenkungsurkunde und den Eidschwur des 10 * 220 Der'Papst rrthcilM-Mtkelst eMr--Bulle unter detst -äd? 'Aprll'MZ6^dWiBWchr"GM«Ml^Bi»ld darauf"wur'den'st^efÄrdestMt^ als -Gestlndre-Mach Siciliett' 'geschitkt^VM'ffdkchi'EicMnIW! Hvetot' Pi- gnatellö'/ Hiiczoff'choN-'MontiEnej^denrEidtldevEreue abzÜstgeN^ 'ünö''dbff Kaiser- erstNstke stüNllftchs.Eontt mistarien/chvelche-stschstMt ^Nstf-beMsti Bevollmäch- t^gten^ nach Maltä"'einschiffteM>und" dM-RlmrNr-die Besitzungen^ aüf'PieferJnsil'/"sowie die-won-iGozzo und Tripolis 'übergabEli^SchMuschjckmiiM^GiNß- meister' eine'^Nengö'- vAi-«WeMeutt»''4Md^ Baumaterialien zur Herstellung des zerstörten Schlostks San Angelo, sowie Pulver und Schießbedarf nach Malta ab, als sich dem UnkrNehnwn neue Schwierigkeiten in den Weg stellten. Der Vicekönig von Sicilien foderte^doll stur das^Getreidech-welchesildie Ritter einführtestst-üstd^der MüN'zMeister Machte sogar 'die Anzeige, ''daß ch'eit Kaiser'^'zu Mattst keine^inndere Münze als^ mit ftjnemÜBilde I'UndoStempelsschln- gen lasten wolle: Der Großmeister und ^det' Ordensrath-wußten-üdaff Malta^bisher feist Getreide frei aus Sicilien MMeNchattsPchnd sähest also den verlangten Zoll als eine Akt-von^T'ributhi sowie das Verbot des MÜnzenprägetts! als 'stiNen'-Beweis der Abhängigkeit für di>MKuküstft ast.iuariill Mm Einige"Nitter waren-ihlerüberlsto entrüstet,-'daß sie dcn^ganzen Vertrag 'vernichtet' wistenowollten. Klügest^'und - gemäßigM'Heffahtn stich der ehrwürdige Großmeister.^l"Er schickte AbgeordneB an Carl V., um ihm Geaenvoritellirngen zu machen-, doch diese waren ohne Erfolgt geblieb'eN,'-'h'atte^nicht dev Papst ___' ->«' -pinoyl tt,»otds tz,a »,«.>,!,«) Vlccköings, von ^icären sstÄÄsgeÜn,^!;!'? III. p. Zl7. Apxsoä. lilr. L.'ff. u. Vol.- Ill'.'P. SS5. ldl. 6. die. Rollendes -Mittlers-übernommen. ^.Clemens VII. benutzte fjWsch-. ftinen-, Neffen Sulpiati,seinen Einfluß beindemliKaistrtzso glückliche daß Letztere,!:, auch noch dis- beiden', streitigen-,Artikel- bMilligte.-^.Jetzt stand dec.-BesitznahmovoniMalta kein Hinderniß mehr im Wcqe.tzchAm 26. Ottpher des.Igst.7Z0 lief der Großmeister, mit seiner,-.-Flotte -nach-,einem glücklich über- standenrn-t-Sturme. in den Hasen des neuen Ordenssitzes-ein. Non', nun an nahmen die ehemaligen Hospitaliter.,und gnachherigen Rhodiserrittcr den NameT- Oavalivri sti Malta oder Maltescrrit- leLanliolchd iiMin - noM ' nr nc '-', - ., !NI?,,, M ä lta al sst O rd e n s si tz. - " !, Wie Rhodus im Alterthume durch seine Seegesetze, durch die berühmte Rednerfchule des Aschines, wo so viele Römer die Gabe der Wohl- redenheit stich anzueigncn strebten, durch seine mit den Gemälden des Pcotogenes gezierten Prachttem- pcl und Paläste mit dem Kunstwerke des Chares, dem 70 Ellen hohen-. von Antiochus als Leuchc- thurm errichteten Kolosse, der auf zwei Felsen am Eingänge des Hafens stand, zwischen dessen Beinen die Schisse hindurchsegeln konnten, und ferner als Vaterland des Aristophanes sich berühmt gemacht hatte,-- so war auch.Malta, welcher Insel schon Vater Homer unter dem Namen Hyperia oder Ogy- gia, wo Ulysses mit der Kalypso und später sein Sohn Telemach mit der Nymphe Eucharis seine Erstlingszeit der Liebe feierte, gedenkt, und welche die Griechen des schonen Honigs wegen, den sie dem berühmten Honige von Hybla gleich achteten, Melita nannten, ein hochgcsrierter Gegenstand der 222 älteren Geschichte. Selbst die christliche Legende nennt Malta als die Insel, auf der dem Apostel Paulus, als er Reiser zum Feuer zusammentcug, sich eine Natter um den Arm schlang, die er sogleich in die Flammen schleuderte, und so den Wahn seiner Gefährten, die ihn für einen Mörder hielten, den die göttliche Rache verfolge, auf einmal vernichtete, und da er weder todt zur Erde siel, noch seine Hand schwoll, sich bei den Heiden das Ansehen eines Gottes verschaffte. Obschon aber, wie viele Theologen behaupten, Malta nicht die Insel war, an welcher der Apostel Schiffbruch litt, sondern Melcda im adriatischen Meere, wie selbst die Apostelgeschichte durch die Worte: „da wir in Adria fuhren," beweiset, so verehrt dennoch die gläubige Christenheit die Grotte des h. Paulus, welche in drei Theile abgctheilt ist, in deren vorderstem das Volk auf den Knien liegt, in dem mittleren die wundcrthätige Erde aufbewahrt wird, und in dem letzten sich ein Altar mit der schönen von Caffa gefertigten Statue des Apostels befindet. Die Insel Malta liegt 60 italienische Meilen I südlich von Sicilien und 190 Meilen von Afrika in dem mittelländischen Meere und ist reich an Baumwolle, Zuckerrohr und edlen Früchten. Obgleich die Insel, etwa 20 Stunden im Umfänge, keinen Fluß von Bedeutung, sondern nur Bäche, und dazu nur selten Regen hat, liefert sie, wenn sie auch kein Getreide erzeugt, die schönsten Melonen, Feigen, Pomeranzen und Trauben, und es ist dies alles um so mehr zu verwundern, da sich dem Auge fast nichts anderes als verwitterter Kalkstein- felscn und Maucrtrümmcr, welche die Wirkung der Sonnenstrahlen verstärken, darbietet; obwol die Kahl- beit des Bodens nicht so wörtlich zu nehmen ist, daß man — wie viele ehedem glaubten — die Erde aus Sicilstu herheigeholt habe. Malta mit seinen, beiden Inseln, Gozzo und Comino oder Cumnetto (Kümmelinsel), kann das volkreichste Land von Europa genannt werden, denn cs leben da aus 6 Quadratmeilen gegen 80,000 Menschen; auf Gozzo aber, welches noch nicht zwei geographische Quadratmeilen halt und von dem unbewohnten Comino nur durch den Canal Freghi getrennt wird, und das wahrscheinlich einst mit Malta zusammenhing, zahlt man 24,000 Einwohner. Herrlich ist der Anblick der Insel Malta von der See aus. An dem von steilen Felsen ringsumgür- tcten Ufer liegt in Nordwestcn die Hauptstadt Valetta, ein Amphitheater von fünf Städten (la Valetta oder Citta nuova, Citta vittoriosa, Sanglea, Burmola und Cottonera), drei Festungen und einer Menge Bastionen, und überall ist die ganze Insel, wo sie nicht von steilen Naturfclsen geschützt wird, geschirmt durch Forts und Thürme. Auf der Erdzunge, die den herrlichen Hafen in zwei Halsten theilt, liegt Valetta, und auf deren Spitze das Castell St. Elmo, unsterblich in der Geschichte. In der Mitte der Insel erhebt sich auf einem Hügel die Stadt Civita-Vccchia, wo man sehenswerthe Katakomben und den durch ganz Italien berühmten blutstillenden Schwamm (t'u,iA»8 iklditensis) findet, einst Regal, wie in Preußen der Bernstein. Übrigens bietet der Mangel an Vegetation im Innern, wo man statt Wälder, Wiesen und Baumgarten, Flüsse und Auen nur Walle, Thürme und Bastionen erblickt, einen die Brust beklemmenden Anblick dar; und nur die Eingebornen, ein 224 seltsam gemischter/H^schnsschlag zwisclM, Afrikaner und Europäer nsst,Meisten de^^-Mpunsschey- un) arabischen Sprache, mögen im Äiäöbpuchs.shrep,-,Vaterlandsliebe Malta il liuve^ävs ölouäo^^ „ die Blume der Welt"), yenneq,, nm'-o ,n'.Nol-: Hier-,aus Malta fehlte es,tzem,^chen,.nichs,,an neuen Kämpfen nach Junep-j Ustd-„ nach -„Außen. Kaum hatte der Großmeistep'-Hiesen neucir^WOnsitz bezogen, - so war seine erste -Sorge- darauf geachtet, die Festungswerke von.^Malta, wieder,,herzustellcn, Gozzo durch Vecschanzungen gegen/dje Überfälle der Corsaren zu decken-^, und Tripolis mit einer-zahlreichen Besatzung zu^versehcn.,- Sehnsüchtig blickten aber während-aller dieser-Vorkehrungen seine, sowie der sämmtlichcn Johanniter Augen nach ihrer verlornen Heimat — Rhodus hin- Die Eroberung von Modon, durch welche tzr^sich den Weg zu jener vielgewünschten Heimkehr zu.-bahnen hoffte, blieb daher die erste und wichtigste-Angelegenheit seines Geistes. Zu diesem Ende wurden, so weit es die Oc- dcnscasfe erlaubte, -fremde Truppen gemiethet, und deren Commandv-einem Verwandten des Papstes, dem Prior von Nom, Ritter Salviati, übergeben. Der Feldzug mißlang, unecachtet die Christen durch zwei von der Lage der Dinge genau unterrichtete griechische Renegaten, Namens Scandali und Ca- jolan, unterstützt waren. Von nun an richtete der Großrycister,- erhaben über jedes Unglück, seine ganze Ausmerksämkeit allein auf Malta. Die KccuzeMagge erschien wieder, ihrer Hauptbestimmung gemäß, auf dem Meere zum Schutze ihrer Glaubensgenossen und.zum Schrecken der Ungläubigen. jDetzt-vereinigten sich die Ordens- galeecen mit der verbündeten'Flotte des Kaisers und i 225 des Papstes/ welche 'Unterstem Befehle des großen SeehAd!en"ÄndreäK Dsttist Zeinen' Zug widdr die TÜ'rkest"Än'iedstäWc mi rnpam st. BclOveV'Ansstl^Skchlistzst 'vorbeife'gclnd"iststrde beschlossen, einen Angriff geM- 'Coron/'dcis älte'Ehä- rbneffEzff MÄrnkhffM '.Mhtz: dsstÄuthendsten Gc- g'enistehr stürmten distMktter' ustter Anführung der beMst-'''Priore''vön'RomNststd'Äüderg'ne mit so üst- erMM Däpfeckert^erne'^Mauer, die '^wast' 'schon gekvnstig''beschössest wäst/^äber aus Mängel an hohen ''Leistest sticht" strrciW'AAden konnte, sondern mit^HänNn undf'Wßen üklimmt werden mußte, däß"ffe trvtz"dds'^tein-''und'Pfeilregests und des siedendest Oels'dkd Ordest^fahst'e auf der Bresche aufpflanzten, ustds bäld 'darä'üffl'da Schrecken vor ihnen Herzog,"Packrs eröMteni'- Äald solltstaber dieser sd' eben ernstig^ne Ruhm dstrch eistest Vorfall wieder ausgelöscht - Mrdest , welcher den'edlen Vkltters de'l'Jsle'Ädam ftinesti Cstde naher'brachte. Ein jungest ftänzöflschcr'Ritter aus'der Zunge von Provence wurde vost'^dinech flöstesttinischen "'Edelmanne aus dem Gesölge"W^Priors 'vvn Rom im Zweikampfe ekstomtst.Dies'"war die" Wstanlaffustg einer blsttiäest -''Fehde^Äst^st"'dest'"§)rb'ensmitglicdern selbst"''kw dest KÄstzösen gegest Italiener, taub gegen alke'GesD/'nur'M^linden Leidettschaft folgend, die Waffen ergriffen^ und sogar' zu "Kanonen ihre Zuflucht naMest.''^ ' Z'wols RiiW'wutdstn MÄrdensklIdes beraubt, und ' einigst/RädechfüMst"Wckt in hiss' Meer geworfen/'"Eifl"^so MffaBiMt Trtst'Hstch km Gehorsam und E^stoW V^Mchflchung^ seiner Ritter, vcrdustdttst^inir 'der^DgcUdÜeäs Ahstüstg einer 'noch weit fchlistiinecst Zukstüft öÄsentteii döst alten Mei- 10 "* 226 , / r 1 ) r ster in eine düstere Schwermuth. Die schlimme Nachricht aus England, daß Heinrich Vlll. gegen den Orden wüthe und nicht nur die ganze englische Zunge aufgehoben, sondern sogar die strikter Jngley, Adrian Forrest, Adrian Fortescue, Bohus, Mar- maduke, welche ihren Glauben nicht abschwören wollten, durch das Veil des Henkers hingerichtet, Thomas Milton und Eduard Waldegrave zu ewigem Gefängnisse vcrurtheilt, und James Bell, Richard Bell und John Noel aus immer des Landes verwiesen habe, füllte das Maas seiner Leiden, welchem seine längst untergrabene Gesundheit am 21 . August 1534 unterlag. Ihm folgte nichts in die Gruft als die Anerkennung der Mitwelt, die sich in der schönen und wohlverdienten Grabschrist: „Hie jaoet virtus vivtrix kvrtunao." ausspricht, und die ungetheilte Bewunderung späterer Geschlechter. Die Familienlinie dieses großen Mannes besteht noch, ist aber nach und nach durch wiederholte Schläge des Schicksals in so mißliche Verhältnisse gerathen, daß nach der äs lier les <>ste 8 im I. 1730 ein Edelmann desselben Geschlechts in der Gegend von Troyes in der Champagne durch Steinfuhren und Tagelöhnerdienste sein Leben zu fristen sich genöthigt sah. Nach Villiers Tode wurde Pierino del Ponte, 15Z4 - 1535. Bailli von St. Euphemia, aus der Zunge von Italien, mit der Großmeisterwücde bekleidet. Gleich nach feinem Regierungsantritte and er Gelegenheit 227 zu großen Thaten. Ein türkischer Seeräuber Ho- ruck Barbarossa, der schon im Jahre 1ö18 nebst seinem Bruder Khair-Eddin den Algierern zu Hülfe geeilt, und dann nach Emir Selim Eutemis Tode zum Könige ausgerufen worden war, hatte sich inzwischen mit einer ungeheuer» Flotte, an deren Spitze er zum Schrecken von Sicilien und Malta im mittelländischen Meere erschien, im Namen So- limans, Tunis bemächtigt, und jetzt Tripolis mit einer Belagerung bedroht. In dieser bedrängten Lage nahm der Großmeister seine Auflucht zu Kaiser Karl V., als dem mächtigsten Fürsten Europa's, der Muth und Kraft genug hatte, sich auch zur See mit diesem Feinde zu versuchen. Der Kaiser gab um so williger den Anfoderungen Gehör, da die Macht jenes Corsa- renfürsten seinen eigenen Staaten in Sicilien und Neapel gefährlich zu werden ansing. Allein gewohnt, nie etwas zu unternehmen, ohne zuvor alle geheimen Hebel der Politik zur Erweiterung seiner Loc- theile in Bewegung gesetzt zu haben, versuchte er auch jetzt zuerst Barbarossa von Soliman, dessen Admiral er war, abtrünnig zu machen. Als aber der kühne Seeräuber auf das Anerbieten, ihn zum unumschränkten Herrn von ganz Afrika zu machen, wenn er sich mit dem Kaiser verbände, und dann sein Reich als ein kaiserliches Lehen anzunehmen gesonnen wäre, mit Erdrosselung des Gesandten antwortete, schwur ihm der beleidigte Karl Rache und Untergang. Er hatte es auch nicht zu bereuen Ursache gehabt, daß er sich dem Orden verbindlich gemacht. Vierhundert Ritter, jeder mit zwei Knappen erboten sich freiwillig zum Kampfe. Achtzehn wohlbe- LL8 waffnete Brigantirtzn, Galeeren, . sammt der großen Cgvaque. -wurprp.'.HMechM, .Md ihre Leitung dem KvWttzW^DoMM, -tzisS Admiral der Flotte, und den? DgM AnM vpn Grol^,. als Commandapt der Landungstttzppe>tz,undder großen Earaque. Mv^rtzraud- „gj nw-Mp! N Zn deni. Hafen .von Kaghigri..stieß,-her Lasser mit einer Flotze . ,Yon„,b^inahe:-,HM)Und,etz segeln und einer,Ars»ee von.ZtzjOOO Mann-, >mf MDchiffe des Papstes, griff dann die feindliche- Zestung-Go- letta mit solchem Nachdruck an, daß sich die Christen, des ttrp^ern,ffjs.itzeHandes,.de^Türke.n.Micrach- lct, in Zelt ^von einer'Stunde nach vielem Blutvergießen, des Platzes und der darin aufgefundcncn reichen Beute, hauptsächlich Geschütz und Munition, chemMerten.^. sl, asH-.!-/ mpiniZ chr. Als KaxlL. NW siegreich nokL^unis (vorgerückt war, kam ihm der italienische- .Ritter Paolo -Si- meoni, ebenderselbe,,- d.s^ schon iNustine-m - achtzehnten Jahre durch List die. Insel Lero -,gerettet, und von Seeräubern gefangen, Mrden war, Mit 6000 Christen entgegen^,,rvelchg, ihre,,,,Sklavenketten zerbrochen und sich der,CitabelIe-von ,Tunis bemächtigt hatten. Barbaroffg„,floh in größter Eile aus der Stadt. Mit der ptiMhprte-sten GiM-samkeit überfielen jetzt -/di«,^kaiserlichen- Truppenz,,von. Simeoni herbeigcrufcn^, die- -ungiücklichen,,Trineseu^-„sengten, mordeten, plünderten ^md-^verheortM Alles U auf was ihre blinde ÄTchMAMrstj.fichtznAtziMMV Menschen sollen um dasoiLeb.en gekommen,-fozmsri" Nachdem die Ruhe in. Tunisdie-zwar eine Todtenrtlhe^ genannt!.werden konnte ekimMiedek- her- gestellt, und Mulep Hasken-,! der. jüngste Sohn»des rechtmäßigen Königs Muley Mohammed, als kaisccn 229 licher'Vasall aufMen^ Aston gesetzt war, trat das chüstkcht sMe^MkMi!st'"'nach^ Europa an, «nd "KMtti Mh - MW^AutjMMdlÄen schweren Sturme^^ü DkepaW"m GlmieE'^ Dit' Ord'ens- schiffe w'Nrfech^m'MMn^JWre' des netten Äüsent- haltes sieggekrönt ihre Anker in dein Hafen von Malta ^«s^'v'erkäsiWm Mer bald ihrHFreuden- wimM Ärit""schivarM^TtaüerflaggcnhHenn bald Ntich ^dem SiegesfDeOMnten die Riiter^an der Bahre"ihtes Meisters! " >ül- chu ür,.' t,ura<:-- - '^/DMrtch''vd^'Saint IUI« M'NU« wlit. >ül!N! ^1--. - -»msnufüssinn M1I,Ü1ZZ5 ^ 15Zg . -Manu tziichin inuchnligi Jaille Villach Einigen Dillier 6s 8nint-6»iIIö, nach Andern Dskitloriv bilin 8anta FallsH mit dem Beinamen 1'oIons^WrioiN von Toulouse aus der proveneiali- schm Junge-, wurde vott den versammelten Brüdern als dcvrWürdigste befunden, seine Stelle einzuneh- mern Der neue Großmeister, von Natur ein starker gewaltiges Mann, aus ganzer Seele Krieger und hochbegeistörtNsür Mas Wohl der Christenheit, ließ die Ritter des h. ^'Johannes nicht lange un- thätkg in^Malta/^ Sein Beispiel weckte den alten Kriegergeist wieder ^Nuf, der unter Vielen zu schlummern aansing^n-GesaNgene'Christen aus der Sklaverei der Ungläubigen zu erretten war setzt der Zielpunkt alles Steedens; die reiche Beute, die man auf Barbarossa's Schiffen gefunden hatte, ein neuer Sporn des heiligen Eifers. Fasttäglich''wurden-erbeutete Fahrzeuge und Schiffe in dem'Hafen von Malta eingcführt. Der kühnste und tapferste ^Verfolger der Corsaren war 230 der Prior von Pisa und General der Ordensgalceren Botigella, der mit solchem Glücke gegen diese Feinde der Christenheit focht, daß sie in dessen großem schwarzem Hunde, der stets bei ihm auf dem Verdecke saß, den Teufel zu erblicken glaubten, der ihm von Allem, was auf den feindlichen Galeeren vorgehe, Nachricht gebe. Kein Corsac und kein türkisches Schiff durfte sich mehr blicken lassen, ohne gefangen nach Malta geschleppt zu werden. Darüber wurden die Türken so aufgebracht, daß sie nicht nur die weggenommenen Städte Susa, Monastro und Tachiora wiedereroberten, sondern die Maltesercittec auch aus Tripolis zu verjagen beschlossen. Ein karamanischer Corsar, Namens Airadin, in der Schule Horuk Barbarossa's ausgewachsen und wegen seiner Grausamkeit allgemein nur: Llursse- Diables („Schrecken der Teufel") genannt, übernahm es, diesen (Auftrag auszuführen. Von Tunis, welche. Stadt er bald wieder durch einen unerwarteten Überfall in seine Hände brachte, mar- schirte er in der Nacht gegen Tripolis in der Hoffnung, von der Finsterniß begünstigt, auf einer der am schwächsten besetzten Seiten die Mauern der Festung mit Strickleitern zu ersteigen. Allein ein zweiter Manlius unter den Rittern, Georg Schilling, Großprior von Deutschland, der durch seine Kundschafter von dem zu befürchtenden Überfalle Nachricht erhalten hatte, empfing die Stürmenden mit nachdrücklicher Gegenwehr, warf den Vordersten mit der Wucht seines Schildes von der Mauer und schleuderte die Nachfolgenden und Alle, die auf der Leiter waren, über den Wall in den Graben hinunter. Doch die Corsarcn hatten schon wieder ei- NM andern Thcil der Festung erstiegen, ehe der deutsche Ritter noch seine Untergebenen zu wecken Gelegenheit gehabt hatte. So drangen die Eorsa- ren mit Gewalt immer weiter vor, und Tripolis hätte unterliegen müssen, wenn nicht der gefürchtete Anführer Aicadin, der seinen Soldaten zum anfeuernden Beispiele selbst an der Mauer herankletterte, von des kräftigen Schilling's Faust selbst in den Graben hinabgestürzt worden wäre. Bei diesem Anblicke sank den Türken der Muth. und sie ergriffen eiligst die Flucht. Der Großmeister, von der ausgestandenen Gefahr seiner treuen Ritter in Kenntniß gesetzt, beschloß die feindliche Burg, welche der Thurm von Alkaida hieß und Tripolis von der Landscite gänzlich cingeschlossen hielt, zu zerstören, um diesen Ort vor einem zweiten Überfalle z-u sichern. Die Ausführung des Anschlags wurde dem sieggewohnten Botigella übertragen, der durch die glorreiche Schleifung jener Burg, wobei viele Feinde des Ordens unterlagen, neue Lorbeeren um seinen Scheitel flocht. Diesem tapferen Generale, zu dem die Ritter wie zu einem Heros aus dem Altecthume emporblickten, gebührte eigentlich die Nachfolge in der Großmeistcrwürde, als ihm bei seiner Heimkehr aus Afrika die Nachricht von dem Tode Dietrichs von Saint-Jaille an der Rhede von Malta cntgegenge- bracht wurde., Ec starb am 12. November 1535. Allein durch die fCabale des spanischen Ritters Cortes, welcher, wie alle seine Ordensbrüder der ara- gonischen und castilischen Zunge, eifersüchtig waren, daß die höchste Ehre stets nur den Franzosen und Italienern zu Theil wurde, siel die Wahl auf 232 Ioha rstn v-v st O m e d e s, ,U' n»y»il m'stüL: »>L --ilp u>«»»n- -! j!!i-l)r- si-ISSSl-chtstSS. n«v,rK m a-,l n». .-- ,i»tzik«>> mm» »nüo .-.-»»InG U" Don lluan Omede^ einenHAragoisteitj ehedem- Kastellan von Empostn, derr bei -dttr-BLlagsruntz von Rhodus glanzende BewoisriHeinesi-Heldsnmuches'-air den Tag gelegt-hatte) aber-^von-tdeffSn Gg'eiMM sich der Drdcn zum voraus nicht viel Gutes versprechen konnte. Er hielt--sogleich ein GeiMilcapi- tel, wobei--er bedeutende-V-eränderungen indem Or- denshecre vornahm. nSo'^wandelttder denNamön des Drapier in jenen-des-Gran--Consetvatdresum. Die Ernennung des Generalss der-Galetten'wurde dem Großmeister allein überlaffc-ns --Er -ernannte hierzu, aus geheimem Gcoll^gegeii lseiUSn Nebenbuhler Botigella/l den jungen Florentiner Les-'-StroW, Neffen des -Papstes Clemens allst, den cheinl-Dheim trotz seiner Jugend bereits---schon zum Ptivt voN Capua gemacht hatte-.- Unter- dein berühmten kaiserlichen General Andreas Dvria> gebildet, machte ersetzt auch seinen erstem Zug Ms Heerführev'Mit diesem Feldherrn gegen- eine Flotte-von-ztvöff-Galeeren, welche eine große Anzahk'von JdNitscharon und Spahis nach Dalmatien-MetsetzenchöM-' - Entschloffen, ihr Leben nub-gegen- VasMnes'christ- lichen Ritters zu- verkaufen-'-Achten'-die JEscha- ren mit wahrem Löwenmilthe-uiide-richteten- -aus altem Haß ihren Hauptangriff-uMeN-die' Malteser. Zwei türkische Schiffe fielen Mhtt Strozzi-s Haupt- galcere mit vereinigtev-Machpan/'i Schon war das Ocdensschiff in Gefahr'Wttwaltigt'zU werden, als auf einmal ein gutgttkchtetec - Kanonenschuß das eine der feindlichen Fahrzeuge plötzlich in den Grund 233 bohrte. .Jetzt, war der Kampf zwischen beiden Hauptgaleeren gleich. Die Türken ließen sich alle bis auf den letzten Mann MstechcwflLund Strozzi eroberte die Galeere, ohne einen einzigen Gefangenen gemacht zu- haben,!, ErstwgtÄ iWomM nach,-seinem mit beträchtlichem,. Verluste ivon-Rittern,--'.Ossicieren und Soldaten-,erfochtenenüSiegemgegen ein» französisches Geschwader,M'euzteyo,trennte sich der Ordenöadmiral von ihm,51 um mit-»seiner-Beute nach Malta zurückzukehren. Kaum war,er-da an ge langt- so machte ihn die Kindesliebe.dem Ordensgelübde untreu. Auf die Nachricht-, .daß PiMpp Strozzi, der sich an der Spitze der unzufriedenen Florentiner gegen das Haus Medici ausgelehnt hatte ,»,um ihre republikanische Verfassung zu behaupten, in einer Schlacht wider den jungen Cosinus- von Medici, gefangen und in Ketten- nach Florenz, gehracht!» worden sei, kannte der gute Sohn keine..heiligere Pflicht, als zur Befreiung seines Vaters herbcizueilen. Doch schon unterwegs traf ihn die Trauerbotschaft, daß sich sein Vater im Gefängnisse selbst entleibt habe. Um nun dessen Tod und die unterdrückte Freiheit seiner Vaterstadt an dem Kaiser zu rachen, »reihte er sich unter Frankreichs Fahnen:,,.r -w Der Johanniter-Großmeister,»sah sich daher ge- nöthigt, -als.sdie-Corsaren »aufs neue Tripolis und das mittelländische Meer »zu beunruhigen ansingen, den Oberbefehl über „die Orden.sflotte dem vielfach erprobten-Ritter Paulus Simeoni, und das Com- mando der Landtruppcn,dem Marquis von Terca- nuova, -einem jungen.Sicilianer, zu übertragen. Allein letzterer ließ- sich durch «inen Renegaten, der aus der Stadt , ins Lager- kam,,-und ihm aus Reue wegen seines Abfalls von der christlichen Religion die schwächste Gegend der. Mauer zu bezeichnen vorgab, auf das schändlichste, betrügen. Die Ritter ^ trafen die stärkste Vcrschanzung und eine.'zahlreiche Mannschaft dahinter, und sahen: sich von einem Hagel von Kugeln und Pfeilen, zum Rückzüge genö- thigt. Voll Unwillen und Verdruß kamen die Rit- , ter von diesem Unternehmen nach Malta zurück ! und beschwerten sich bei -.dem Kaiser über ihren ! General. .. n > ^ Mittlerweile schlug Soliman,die östreichisch-un- ^ garische Armee, und nahm selbst Buda (Öfen) in Besitz. Jedermann glaubte.mun>: der Kaiser werde > sich mit seiner ganzen Macht nach dieser Seite hinwenden, um die Fortschritte des Sultans aufzuhal- ren. Allein ganz wider alles Vermuthen beschloß ec jetzt einen Zug nach Afrika, welchen zwar sein ^ erfahrener Admiral, der große Sceheld Doria, miß- rathcn, aber natürlich geschwiegen hatte, als ihm Karl V. entgegncte: „Aweiundzwanzig Regierungs- ! sichre können mir, und zweiundstebenzig Lebensjahre > Euch genügen, um zufrieden zu sterben." Als der Herrscher hierauf, unerschütterlich in seinem Willen, der vereinigten Flotte nach Afrika auszulaufcn befahl, stieß Georg Schilling, der damals Admiral der Oc- densgaleercn war, mit 400 Rittern und 800 Knappen auf vier Galeeren zu ihm. Um sich vor den übrigen Truppen bei dem ersten Anblick schon auszuzeichnen, trugen sie rothe Waffenröcke, welche von vorn und hinten in der ganzen Länge ein weißes > Kreuz durchschnilt. Nach einem heftigen Sturme erreichten sie am 24. Oct d. I. 1541 die Rhede von Algier. Die Auffodecung sich zu ergeben, be- ' antwortete der Aga Hasken als Gouverneur mit den trotzigen Worten: „Es sei thöricht seinem Feinde 235 einen Rath geben zu wollen, aber noch thörichter wäre es/'einen von dem Feinde gegebenen Rath zu befolgen.^- a-lii-Mt Ä Inzwischen begann Vas Gefecht' von allen Seiten. Ei« kalter Nordwind-i begleitet von Regen und von der -Finsternis der-Nachtabegünstigt, -erneuerte die Schlacht mit doppelter Hitze-- Schon warfast alles verkdreN-'fchdn'-flöhen die- italienischen Truppen oder ließen sich, von Kalte ganz erstarrt,- ohne Gegenwehr^ umbringen---da schickte der Kaiser mit den Worten:->stWellen,,geworde-N!I'N-ach mannigfaltigem Ungemachn-kam-oder ,-traurige-, sperrest der vereinigten Flotte,amä2Z. Äov.i-m8ich. zu Earthagena an - wo, . die .-PrdeNsgÄeeren »sich trennten und nach Malta zurückkehrteM -s mm - Ein Mann wir'Schilling konnte - aber, ttotz des erlittenen Verlustes-- nicht-,ruhig mit seiner Flotte den Hafen hüten. Ergstceifte daher, sobald!-die beschädigten Schiffe wieder-ausgebessert waren-, unaufhörlich gegen die Corsaren un8«'säuberte durch seine unermüdete Wachsamkeit,dgs ganze Miktelmcer. Darauf war sein Augenmerk auf Tripolis gerichtet. Da er seine Hoffnung auf kaiserliche Hülse zur Befestigung von Tripolis.-mreitelt sah,/, legte er mit seinen Rittern (.selbst Hand dabei an, und vertauschte das Schwert mit- dem Spaten,, um die Festung gegen Barbarossa's Angriffe-,so hcrzustellen, daß sie im Stande wäre-n sich rvenigstens so lange zu halten, bis ihr von Malta-,oder.Sieilien Hülse gebracht werden^,könnte. Als der damalige Gouverneur von Tripolis,- Ferdinand von Braquemont, seinen Abschied verlangte, so -wurde der Kompthur Johann von La Valette-, der.«sich bereits durch ebenso große Rechtlichkeit als schöne Beweise sei- 237 nes'Heldenmutht4»das Werkrauen des Ordens cr- wotben-ttzattel-rLahin nbtzeWckt-lsiiii .« m m ÄÄcb ä r ossa - har te- sichutisirvisch en durch seine Aus- schwekftmgva'^'-zltsiEoüchmÄnvpekl.einen"-'schnellen Tod zugezogen; wesyalb'ldove furchtbare D r a g'u rzi' sein Lieutenants eim blutdücstendes. Ungeheuer,' an dessen Stellt «vn'-'Solim a nu rc n a im tn ns o r d e N'."t Das "erste, waldloser MMslMrsartnWfährer'unterilahin, war dieEroderuttg- derl Svädre Susa-uMonastro- Fakes und>'2lsvika')- r in e ü' Smdt Mscheri' Tunis und Tri- poM nsit> 'einem egroßen'stind -sichern Hafen;' welches ganchSitilieM-lN.Scl)te>ckcnNseM.n istin,^," -- 'M'DechKaistw'Karl'VS'^m'Kine' Staaten besorgt, säiickte seinen bertlhmckstbUd'Mira'l; den edlen" Greis Audreas'-Dociah" zü welchem sich, außer' den' päpstlichen GaleerSN/l auchnndch"leinigi! Ordsnsschiffe unter dem Ritter del la^SaNgls'göstllte'n, dem Kinde entgegen, während Dragsi t/Mer eine sv geringe Seemacht Unbekümmert-Astikli'snKüsteN-'verließ, um Spanien zu bcunrühigenbp DieliFestüng ^Afrika sollte nun als Vormauern derdchvifllichen Herrschaft wieder- aus den Händen'der VnglÄMM''gerissen'! werden. Der Ba>Ui--von'l-La i'-Sangle-jl'-dem auch hier Won dem Sohne''des WicekäNigKivÄn Meäpel DoN Gärzia de LoleVV, die'Eht^deN^csteiV und'gefährlichsten Postens üüberlassen-'tMkde, ^ch'eilte'l'smieU Truppen so ciNst'daß dkvvKvMpthsit! G iVN,' begleitet'"bon den ältesten 'Rittebnch- mit'dM OtdensfakM voranMar- schirtn,-und'der Ritterlivon G ui me ran, oder im Falle" dieser'-bleIbesi'"Mte', Uder junge- Ritter Co- pitr mit den airdetN 'Edelleuten aus verschiedenen Nationen)'-die alKFceiwillige' dieü'tcn/ihn unterstützen sollte. Eröselbst blieb^mit einer'Abtheilnng hinter 238 dem Zuge, um den am meisten Bedrohten zu Hülfe zu eilen. Sobald das Zeichen zum Sturme«gegeben war, bestiegen die Malteser-leichte Barken, mm sich an die Mauer führen zw lassen. Durch eine Sandbank aufgehaltcn, sprangen sie- ins Wasser und drangen watend unter einem Regen von Musketenkugeln, Pfeilen und Steinen-bis'an den Fuß der Mauer vor. Ritter Giou ersteigt der Erste den Wall und ist schon im Begriff, die Ordensfahne auf denselben aufzupflanzen, als ihn eine Kanonenkugel zu Boden streckt. Jetzt ergreift Eopier das Panier und behauptet mit wahrem Löwenmuthe seinen Posten. Auf allen Seiten stürzen die tapfersten Streiter. Guimeran sieht seinen Bruder wenige Schritte vor sich niedergeschmettert, nun kannte sein Ingrimm keine Grenzen mehr; der Schmerz reißt ihn zur wildesten Tapferkeit fort; er rafft alle seine Kräfte zusammen, öffnet sich mit Gewalt einen Weg durch die Leichen der Sarazenen, die sein Schwert durchbohrte, und dringt siegreich in die Stadt ein. Bei dem Siegesgeschrei der Christen ergreifen die Türken und Mauren die Flucht, und Afrika ist wieder in der Gewalt der Ritter von Malta. Äußerst erbittert über den Verlust seiner stärksten und wichtigsten Stadt faßte Dragut den Entschluß, sich an den Maltesern, als den Haupturhe- becn jener Niederlage, fürchterlich zu rächen. Er machte daher dem tückischen Kaiser den Antrag, er möchte vor Allem daraus bedacht sein, die Malteser ganz zu vertreiben, weil diese als Erzfeinde der Religion des Propheten allen seinen Plänen in dem Wege ständen. Soliman, auf die Ritter ohnehin schon längst ausgebracht, gab sogleich Befehl, eine mächtige Flotte zum Untergänge von Malta auszurüsten. Die Nachricht von dieser außerordentlichen Kricgsrüstungi'machte auf den Großmeister nicht den Eindruck, der einem wachsamen Feldherren geziemt- Um sichren Winken des spanischen Hofes immer gehorsam zu'zeigen, ließ er seine Galeeren unter dem Eommando des Ritters Pied-de-Fer sich mit den kaiserlichen 'vereinigen. Doch kaum war dieser mit seinem Geschwader an der Küste von Italien angekommen, - so verbreitete sich schon das Gerücht, daß die türkische Flotte unter Segel gegangen, und Tripolis und Malta das einzige Ziel dieses Seekrieges sei. Beunruhigt durch diese Botschaften, welche der französische Ritter Villega- gnon bestätigte, machte der Ordensrath dem Großmeister dringende Vorstellungen, daß er für die Sicherheit ihrer Besitzungen Sorge tragen möchte, indem zumal Tripolis in diesem Augenblicke nur von Greisen und kranken Rittern besetzt sei. Doch alle Vorstellungen waren vergebens bei einem Manne, dem Alles eine verlorene Maßregel schien, was nicht zur Bereicherung seiner Familie dienen konnte. Am meisten litten unter diesem Eigennutze die unglücklichen Einwohner von Gozzo. Omedes schickte ihnen nicht nur keine Hülfe, sondern war sogar grausam genug, ihre Weiber und Kinder, die sie nach Malta in Sicherheit bringen wollten, mit der äußersten Härte zurückzuweisen, blos weil er besorgte, daß die Unterhaltung derselben ihm zur Last fallen möchte. Bald wurde der starrsinnige Großmeister durch die furchtbare Wahrheit belehrt, daß er sich und seine Untergebenen betrogen habe. Eine ungeheure Flotte von 112 Galeeren mit vielen anderen Schis- 240 fen und Fahrzeugen unter dem Befehle des Pascha Sinam und der" gefürchteten Cörsaren Dragut und Salarais erfchien plötzlich ^in'' dem' ANHesichte von Malta. Eine'allgemeine Bestürzung bemächtigte sich der^Bewohnetttder'Jnfeli Vor Schrecken außer sich floh Jung und Alt denifesten Burgen zu. Aber die Ritter- von dem Heldmgeiste ihker Ahnen beseelt, griffen muthig zünden Waffen, UM die Türken von einer Landung abzuhalten. "WähteNd der Kompthur Upson, ein Vorbild der englischen Ritterschaft, an der Spitze von 30 Rittern und einer großen Anzahl waffenfähiger Mannschaft das Ufer von der Seite der Burg deckte ch besetzte der tapfere Guimeran Mit 100 Rittern und 300 geübten Schützen den Berg Sceberras, einen Felsen, der die zwei größten Hasen der Insel trennt, und beobachtete von da, mit seinem Gefolge aus die Erde gelagert, die Bewegungen des Feindes. Nicht lange, so erschien der türkische Feldherr mit einigen Brigantinen, um einen Landungsplatz zu suchen. Da er aber das Ufer an der Burgseite den Wirkungen des groben Geschützes aus der Festung San-Angelo bloßgcstellt fand, so wendete er sich nach der Seite des Felsens Sceberkas. Sobald er nahe genug gekommen war, ließ Guimeran eine so wüthcnde Salve auf seine Schiffe geben, daß Alles in Schrecken und Unordnung ge- rieth, und der türkische Oberfeldherr kaum Zeit genug fandft-seine Truppen ans Land zu setzen um im Gefühle der Rache die Verwegenen dafür zu züchtigen. Bevor er aber seiner ganzen Wuth Luft zu machen Gelegenheit hatte, erhielt er von seinem Gebieter Soliman die geschärfte Weisung, über Malta und Gozzo nicht die Einnahme von Tripolis, das wegen der Belagerung von Afrika am wichtigsten wär.e,, W versäumen.-.-.:Er nahm sich also vor, die Jnsel-chsps zui-verwüstm-und dann sogleich an diesen L)rt seiner -neuen Bestimmung!, zu eilen; doch wolste er^ei» -chlutigas Andenken aus Malta zurück- lassem,.. Dix Truppen, wurden also ausgeschifft, und verbreiteten-ausffstreMdganzen Auge bis zu der Stadt Tod und Berdö.rbenM Dasnschwere Geschütz wurde mit äußerstsplÄnflrengung-über die Felsen und Abgründe fortgeschleppt. Wenige Tage — und die feindlichen BatterienOspielten im lebhaftesten Feuer von allen Seiten-gegen die Hauptstadt der Insel. Omedes, dem es darum zu thun war, vor Allem sich selbst und die- großmeisterliche Burg in Sicherheit zu setzen, war kaum zu bewegen, daß er l den Ritter Villegagnon mit sechs Gefährten der ! Stadt zu Hülfe schickte; denn er fürchtete die Zahl seiner Verthcidiger dadurch zu vermindern. Ec gab sogar dem wackern Villegagnon, welcher den Rath erthcilt hatte, daß -man die Altstadt, als einen Hauptpunkt des ersten feindlichen Angriffs, mindestens mit 100 Rittern besetzen müsse, zur Antwort: „Von seinen Untergebenen verlange er nur ! Muth und Gehorsam, aber keine Vernunft und keine I prophetische Sehkraft; wenn er sich fürchte, wür- ' den schon Andere seine Stelle ersetzen." Tief gekränkt entgegnete Villegagnon-: „Ich will Dir zeigen, ! Herr und Gebieter, daß mich noch niemals die Furcht eine Gefahr fliehen gelehrt hat." In demselben Augenblicke schwang er sich, nur von sechs Gefährten i begleitet, auf ein im -Burggraben weidendes Roß und sprengte ohne Sattel und Rüstung nach der belagerten Stadt. Unter dem Mantel der Dämmerung erklimmt er, von keinem Feindesauge er- 11 . 11 242 späht, die Mauer, und setzt durch seine plötzliche Erscheinung die Einwohner in die, freudigste Bestürzung. Als ein Hülse verkündender Bose ward er gleich einem Rettungsengel mit lautem Zubel und Freudenschüssen bewillkommt. Diese. Zuversicht und der Umstand, daß man eine christliche Flotte zu Malta's Entsatz im Anzuge wähnte, bestimmte den türkischen Feldherrn Sinam, die Belagerung aufzuheben und seine Truppen wieder einzuschiffen. Durch diesen Mangel an Thatkraft und Aufopferung von Seiten des Ocdenshauptes wäre die Stadl nebst der ganzen Insel eine Beute der Sarazenen geworden, hätte nicht der Einnehmer des Ordens zu Messina den glücklichen Einfall gehabt, durch eine Barke, von der man voraussehen konnte, daß sie in die Hände der feindlichen Corsaren gelangen würde, an den Großmeister einen erdichteten Brief mit der Nachricht zu schreiben: „Der Admiral Doria sei bereits mit einer wohlausgerüsteten Flotte aus Spanien zurückgekommen, er befinde sich schon an den Küsten von Sicilicn, und fliege mit dem Entschluß, das Äußerste für das Wohl der Christenheit zu versuchen, zum Entsatz von Malta herbei." Durch diese Botschaft erschreckt, hob Sinam die Belagerung auf, erlaubte aber, bevor er abzog, seinen Truppen die Insel Gozzo zu plündern. Der Eommandant der Ordensburg, den Omedes bei seiner Wahl als einen der tapfersten Ritter gepriesen batte, war feig genug, die Thore zu öffnen und das Schloß der barbarischen Wuth der Türken zu überlaffen. Nachdem die Mauern geschleift waren, steuerte der Osmanen-Feldherr gerade auf Tripolis los Doch er fand, der schwachen Befestigung un- erachtet, an dem Befehlshaber dieser Stadt, dem Ordensmarschall Kaspar von Ballier, einem alten, unter den Waffen ergrauten Krieger, einen unerwarteten entschlossenen Widerstand. Die Belagerung begann. Durch das ununterbrochene Feuer von drei Batterien wurden die Laufgräben geöffnet. Glücklicherweise trafen sie den festesten Theil der Mauer, und das Bombardement blieb ohne Erfolg, bis einige Überläufer die Schwäche der Festung vcrricthen. Schon stürzte die Mauer ein, und nur wenige kranke Ritter zeigten sich hinter derselben als Gegner. Zur Vollendung des Unglücks brach unter den Ordensmitgliedern selbst, auf Anstiften einiger spanischen Ritter, eine Meuterei aus. Einer der Letztem mit Namen Nunnez von Herrera, drohte sogar dem Marschall mit dem Tode, wenn er diesesmal > nicht der Nothwendigkeit nachgeben und die Festung ! dem Feinde überliefern wollte. ! Von der Menge der Treulosen, worunter sich be- i sonders die Ritter Fauster und de Sousa bemerkbar ! machten, überstimmt und übermannt, entschloß sich der alte Mann, obgleich mit blutendem Herzen, zu einem mündlichen Vergleiche und ging, nur von seinem Freunde Montfort begleitet, in das türkische Lager. Allein dies edle Zutrauen kam ihm theuec zu stehen, denn als er auf die Frage, ob er das ! für die Kriegskosten gefederte Geld mitbringe, sich aus die bereits bestätigte Übereinkunft berief, antwortete der Pascha, vor Wuth knirschend: „Solchen Hunden werde er das Wort nicht Hallen", und als der Marschall ganz ruhig erwiderte: „so möchte er die Entscheidung dem Schicksal der Waffen überlassen", gab der Pascha Befehl, den Eommandan- ten zu entwaffnen und mit Ketten belastet auf seine Galeere zu schleppen. Den Ritter Montfort schickte 11 * 244 er gleichsam zum,.Hohne,sin die Festen,g,,zuzüch und verlangte nochmals die Erstattung der Kriegskosten. Ec ging noch .weiter imFeiner, schädlichen Grausamkeit. Als: er durch Überläufer-endlich ,dieÄach- richt erfuhr,/daß die Ritter entWoKnFeien, den ihnen anvcrtrauten Platz bis,-;um letzten.Mijtstro- pfe» zu verthcidigen. nahm er sMeH-,Wcht.,Ui.feiger List,/-und ließ den Belagerten Hekannt, Dachen, daß er allen denen,, welchej-augenblicklich,,die Ptadt verlaffen würden, völlig freien Abzug/gestatte. -Kaum hatten sich aber die.Ahvrg.,geöffnet,, ufldi die,.Weiber und Kinder und Greise die Stadt verlaffen, so umzingelte Morat Aga, an der SMe ffesM,Maurischen Reiterei, die Heerstraße, „schlug alles sich Eisen und Bande, und, führte die..Auswanderer als Skla- von hinweg. Der Großmeister,, aus diesch Nachricht vor Schrecken und Entsetzen außer,Ach ^suchte, die Schuld dieses Verlustes auf den MarschalhM walzen, sodaß dieser durch/eich bestochenes,,Hericht .für schuldig erklärt wurde,, bis.,,es endlich einigen Gutgesinnten, und namentlich., dem edlen. Millegagnon gelang, die Ehre des. Beschuldigten, zu. Mten und die schändlichen Kunstgriffe, aufzudecken.^,,,. Zn. seiner trefflichen Schrift: llpbellu Hoffton«!,, I'»r. 1552.4., hat er sechs,Vextheidigungsgründe näher entwickelt, und somit, wie schon,.sgühex. durch das vielgelesene. Buch ^,6aro>11s/ simgoratarisi.e^echtio in slrivain ack AlKvrian,, ?ar, 1542/ 4. Lern,Orden ebenso wesentliche,.,Dienste Mit .der, Feder als mit dem Schwerte geleistet. . . ^ Inzwischen', war Leo^Stxozzi,,gus^deM. H-anzösi- schen Dienste,.wieder, nach.,Maltch.zurüchgekehrt.,,,Er wurde mit offenen 2lrmen,empsqMN, „und,Hm von dem geängstigten Großmeister die Wiederherstellung 245 der Festungswerke zu Malta'' übertragen. Dieser Held war es- der in der Nahe der Burg auf dem Berge Sl.'Jülian das Fort St. Michael, und auf der'Spitze dcs'Sceberra's das Fort San-Elmo erbaute, Zum Andenken an einen der Thürme, welche dörr Eingang des'Hasens zu Rhodus deckten. Allgemeine Achtung und innigste Dankbarkeit wurden ihm für die schnelle Ausführung dieser Werke zu Theil. Nur der neidische Großmeister suchte einen Mann zu entfernen, der die Liebe Aller besaß, und gab ihm den Auftrag, die reiche Handelsstadt Zoara, das ehemalige Possidonia, an der Küste von Afrika wegzunehmcn. StroZzi, dem jede Gelegenheit seinen Much zu prüfen erwünscht war, fügte sich mit Freuden diesem Befehle. Im Dunkel der Nacht landete er im Hafen, keine Wache hielt ihn auf, ec fand sogar die Thore offen und drang mit seinen Rittern bis in die Mitte der Stadt vor, ohne von den Einwohnern bemerkt zu werden. Das Geräusch der Trommeln und Trompeten weckte endlich die unglücklichen Zoarer aus ihrem Schlummer; doch wo sie immer hineilen, stürzen sie in die Hände ihrer Feinde. Schon wollte der Kompthur la Valette 1500 Gefangene abführen lassen, als die Nachricht erscholl, daß 4000 türkische Reiter unter Moral-Aga im Anzuge wären. Der anbrechende Morgen zeigte Nun den Christen die Größe ihrer Gefahr. Die Einwohner der Stadt vereinigen sich nun mit ihren Rettern, und selbst die Gefangenen zerbrechen ihre Ketten. Vergebens rafft Strozzi seine von Mordsucht und Raubgier trunkenen Ritter zusammen, er muß der überlegenen Anzahl weichen, allein wie ein gehetzter Bär zieht er sich kämpfend 246 zurück, bis ihn eine Musketenkugel schwer verwundet niederstreckt. '4 ^ an ^ Schon fallen die Türken wie eine Meute über ihn her, als der Ritter Tarnillos, ein ManN^'vvn außerordentlicher Größe und Leibesstarke, dies erblickend, Alles um sich m'ederhaltt und den Feld- Herrn auf den Schultern durch das Wasser'sin-ein Boot tragt. Groß war der Verlust an Maltesern gewesen, die meisten Waffengefährten dieses Feldzuges schlummern in Afrika's Erde den Ävigen Schlaf, und nur wenige retteten mit genauer Noch die Ordensfahne. Der Admiral Strozzi aber lief mit seiner Flotte, ehe er noch von seinen Wunden wiederher^estellc war. zu neuen Thaten von Malta aus,'kreuzte den ganzen Sommer d. I. 1552 aus dem Mittelmeere bis an die Mündung des Nils, und kehrte, reich mit Beute beladen, zugleich mit einem englischen Schiffe, das eine sehr erfreuliche Botschaft brachte, in den Hafen von Malta zurück. >6 Die bis zur Überspannung fromme Maria, Königin von England, schrieb an den Großmeister: „Sie fühle sich durch ihr Gewissen aufgcfodert, dem Orden alle Kompthureien und BesitzungeMl'wieVer einzuräumen, die sowol ihr Vater Heinrich Mil. üls ihr Bruder Eduard M. ihm entzogen hätten;!> er möchte die Ordensgüter durch einen Bevollmächtigten zu London wieder in Besitz nehmen'lassen." Der Kompthur von Montfertat würde mit dieser Sendung beauftragt und war so glücklich, sie ohne Schwierigkeiten zu beendigen. Ehe er aber zür Freude des ganzen Ordens wieder heimkehrte, erhielt er un- terwegcs die Nachricht von des Omedcs plötzlichem Tode. Er starb den 6. September 1553. 247 Ohne AwMl wtM kxin,,anderer Ritter als der berühmte General Leo Strozzi zu dieser Würde gelangt, hätte nicht der Ritter Villegagnon aus den Einfluß fl.ufmecksam gemacht, den seine Rachsucht auf das HausiMedici ausüben, und gar bald die Macht, des Qtdens zum Werkzeuge seines Haffes gebrauchen würde. Die Wahl fiel daher guf den bisherigen Gcoßhospitaliter io .ch, Claudius vou Saugle, UI.II 1553 — 1557 . . . i-l, - u - Olsucle «Is einen Ritter voll Uneigennützigkeit und Biedersinn. Die Ernennung traf ihn zu Rom, wo xr sich gerade als Gesandter aufhielt. Das Wohl des Ordens vor Augen, suchte er die Kapserkcit seiner Untergebenen durch unausgesetzte Übung zu bekräftigen, damit nicht Weichlichkeit den alten Geist unterdrücke. Er schickte daher den Prior von Capua, Strozzi, mit fünf Galeeren ab, um gegen die Eorsaren an der Küste von Sicilien zu kreuzen. Dieser übernahm den Auftrag mit um so größerer Bereitwilligkeit, als es ihm erwünscht sein mußte, von Malta entfernt zu leben, weil wider einen seiner vertrautesten Diener der Verdacht entstanden-war,,, daß er den Ritter Villegagnon mir noch. zwei andern, die bei der Gcoßmei- sterwahl am eifrigsten wider seinen Herrn gestimmt halten, vergiftet. habe. Der Wunsch, seine Ehre zu retten, fand eine unerwartete Gewährung, indem eme Musketenkugel, die ihn bei Portecole traf, ihn von dem Schauplatze des Lebens abries. An seine Stelle wurde der Ritter Philipp von la Valette zum 248 Admiral, dssr OcdciMsteerciz .^xzMNfc „Aoliman, durch, die unaufhörliche», LsefelchuMtrsdiMs, tgpfern Frldherrn entrüst^.,, schu)gp .dMaHchen.jhM, Untergang., Dei;,GroßmMe^ahexnliM,MZrHßen -.Aufopferungen sogar arzs, seines, MjMveriWgsn,Mgl- ta's. Festungswerke mit ncrM,,,Bgstiozv» .unstüGlä- ben verstärken. . .Aum Darsse., fsir Me UWi'gennüH/ge Vorsorge naMte».-di«, RiMchie HslbirMi^^Mi» ! chncl von jetzt an WgZnsch.vqn.,sa, grk-Mu'L Unter seiner. Regierung .wurde .Maltg'^ ,Mlstte des Wohlstandes durch,^ein, .Ereigniß geknicktz,ütvel- ches in der Geschichte der Naturerscheinungen beinahe einzig dasteht.. ^,Am stA,.SeptembM^55Kmex- hob sich .ein so furchtbgrcr Gturmwind/.s,perbunden mit wolkenbruchartigem Platzregen (welchen>O.rkan die,Neugriechen ou-ov.nennen), daßSchiffe in dem Hafen zertrümmert, vier „Galeeren nebst mehren Offizieren, und ..Soldaten in den,,, Grund gebohrt, und die meisten.Häuser auf Malta , zertrümmert wurden. Der ganzen Irisch.schien cher Untergang, bereitet zu sein. Wo die Gefahr,,und Unordnung am größten war, sech. man heNf Gtoßmei- ster. So riß er mit eigner Handchie.aSsitenbreter von einer umgesiür;ten„Galcero„- aus.,deren Innern er ein klägliches Geschrei vernommen hatch,.,,und rettete so den Ritter von Esküre, bekannter unter dem Namen, Romegas, welcher dst, ganz,e,Nacht bis ans Kinn im Wasser zügcbracht, und nur mit der größten Anstrengung/, den Kopf im Kielwerke haltend, sein Leben gefristet hatte. Die Sorgfalt -des GWßMisteochKch das, Wohl seines Staates, fand ,, bei der. Schlichtung eines Streites unter den Rittern selbst, bald» darauf, neue Gelegenheit, sich in einem glänzenden Lichte zu zei- 249 gen. - Ein Piemonteser- Namens Morct de Missard, har-ke nach- Strvzsi's Tode sich eine seiner Galeeren zligeciMt, um-damit unterldein Schutze des Herzogs l-von-'Savvyen nach der Levante'Zu segeln. Der Bruder« des verstorbenen Priors schickte mit Einstimmung des ^Papstes den ftanzösischen Ritter Le Fouroup aß-, -um Me Galeere dem Räuber wieder M entÄißen: Mit- glücklicher List vollzog dieser den Auftrag und brachte in wenigen Tagen den gefangenen Piemonteftch mit seiner Beule nach Malta zurück. Dieser wendete sich an die savoyischcn Ritter und beklagte 'sich, daß man die Ordensflagge durch Betrügerei beschimpfen lasse. Der Franzose abeA drang Müs Bestrafung " des Räubers Moret. Die-'Ritter nahmen nach-dem verschiedenen Interesse ihrer-LandsmMn-schaften Partei, und so entspann sich ein heftiger ^Zwiespalt. den nur die Ruhe und das ehrfurchtgebietendß Ansehen des Meisters zu dämpfen vermochte. Doch -der 'Verdruß zog ihm eine Krankheit zu,'- welcher>tr 'balb darauf am 15. September 1557'llm -Alkir von 60 Zähren unterliegen mußte. Nie war eine Wahl schneller erfolgt und, noch ehe sie geschehenen den Gemüthcrn Aller einstimmig-beschlossen/- als die eines Nachfolgers von la Sangle. .- --- not/-. -nilse . , -Johann..de la Valette, uri am -^nu . an R mi 1287 -- 1563. st i - mid-dem^BeinameNl Pariföt,ö Großpri'or von St.- Gilles«wnr -dec-Mann, 'den alle Herzen zu ihrem Gebieter "wünschten. Nie hat ein Herrscher -mit mehr Würde die 'großen Erwartungen, die man von 11 * 250 seinem Gemestrsinn sinh,„senM)KDfmahiy:! allffl ausgebliebenen Ritterw,Deiches,Schicks»l^)bestizxdez?s die Venetianer traf, als,Zurechtweisung das ^reuz- ab. Von dem neuen Vicekönige-von Sicilien, Oio- vanni Lacerda, aufgesodert nahm er gleich im, Anfänge seiner Regierung an einem Feldzuge gegen Tripolis, die Residenz des gefürchteten >DrMtt,.,liedhaften Antheil. Philipp II.,-König von Spanienin der Hoffnung, durch die Eroberung- von Tripolis seine Lehnsherrschast über Tunis zu sichern-, trat diesem Bunde bei, und rüstete-unter.demnB?fehle seines Großadmirals Doria eine große Flotte.-aus. Auch la Valette schickte 400 Ritter und 1500 Soldaten unter dem Großkompthur d-Uc de Tessiers zu diesem Zuge ab. Der Vicekönig, durch Draguts Vertheidigungsanstalten erschreckt, segelte nach der Insel Galves und verlor bei deren Belagerung durch Mangel an Wasser, Hitze und ansteckende Krankheiten fast die ganze Armee. Selbst von den Maltesern kehrte nur ein kleiner Überrest kranker Truppen in die Heimat zurück. La Valette schickte neue Truppen unter dem Ritter Maldonat mit drei Galeeren ab. Die übrigen Schiffe befehligte der Galeerengeneral Giou und der Admiral der großmeisterlichen Fahrzeuge Romegas. Allein da Lacerda auch jetzt noch nicht der Warnung der einsichtsvolleren Feldherr» achtete, so wurde die ganze christliche Flotte von den türkischen Geschwadern unter Kara- Mustapha und dem Pascha Piali eingeschlossen. Zwanzig Galeeren und 14 große Fahrzeuge wurden eine Bellte-'dcs-'FeiudeK,'''-und der Kompthur Mal- döncck^' eR-ffthL'-'MchickterSteuermann, entging nur durch'^sÄ)läue''Wettdstn'gen -er Gefangenschaft. Der NittköüüMntstöi) in ^der Macht auf einer Brigan- till^ ulld'^-verdünkte^ sein' Leben einzig und allein DöiMs'-'Gefchicklichkeit. Glücklicher waren die Ritte--ist den Untetnehmungen, welche sie ohne fremde HüA, 'ttstr-ihrer' eignen Tapferkeit vertrauend, ge- geA Vst-Osmanen unternommen hatten. La Va- lette's Heldengeist beseelte Hohe und Niedrige mit gleichem Mmhe. Seinem Beispiele folgten die Komp- thure, rüsteten -auf ihre Kosten Schiffe aus und erhoben den Orden durch ihre Unterstützung mit Wort ülld That bis zu einem nie erreichten Grade der Vollkommenheit. La Valette's Periode war der Culminationspunkt seiner Größe. Dst utiausgesetzten Fehden, welche die Ordensschiffe zögen die Türken und Corsarcn führten, entzündeten den glimmenden Haß im Herzen Soli- mans zur lohenden Flamme. Der Verlust der Festung Pignon de Velez, an der afrikanischen Küste in der Nahe von Fez, welche der König von Spanien in Verbindung mit den Maltesern um diese Zeit erobert hatte, beschleunigte in dem Sultan den Entschluß, die Ritter von ihrer Insel zu vertreiben und ihre Festungen der Erde gleich zu machen. Auf einen Wink von diesem gefürchteten Gebieter wurden alsobald in seinem ganzen Reiche nie erhörte Zurüstungcn gemacht, alle Schiffe und Galeeren in seinen Hafen bewaffnet, und eine furchtbare Armee zusammengezogen. Er befahl dem Vice- könig von Tripolis und Algier, Mulep Haskem, und dem Corsarenführer Dragut, zu seiner Flotte von Malta zu stoßen. Das Eommando zur See erhielt der Az'^PW, o^iG?g.z,dmaMvertrauce " MU-RÄrM^-l-MOoSesEmMe- "^^k5!^,.ch. isuIch'lwI n-nist choü'st ^ .M WMW. Zck'Wöchs4 MMxliMY Mrd^et„^^;^^ Wpff, einem gMsci)en MeMuc!,.,Aelgssxt„>stchts,igW hje sorgfältrMe^^Änst^ten^^itrMMei^ZWMM'M-S zu treMfl^ und^^j^i^M)R^chuxB esnMenü- schreiben,.sich WMsigM /ssuS der Mssh,g:iWsikidW., eine H,yrM W/-ym.,',symY-Mrx DV, .MM.VM Spanisn. ,ündg vMbeflH,j^ülf<8nWMartr^ Seinem,Aufrufe ,zz»j»>M' Mdtzen- üchfffuWv M mehr d^n SÜtz MtM Mt ^HMxWaxpflM und Reisigen. -Mljke >M,o^»dnbid dienenden ^Wer ungcMp/.ffOO, Rittep.und^K.509 streitbare Mchmer, thei^,M>tzrojHn, stheilf fremde von dem.Orden angeworffene..Truppen,^ !.theils in Compagnien vestheilte^tahfer unh. Landleute/. Am IS^Mai "prMWidi'e. türkische Flotte auf derK^He vöy^,Maltas bestand aus 159 Ruderschlffen sorvol.(MiHsxn,,gls GalMW^ und hatte MOÜtz' ö'^,tMerstgn ^WMikjliLqnitscharm und Spahis).f am Mpd^.^Mefe landekriz,ffn einiger Enkstmzing/ypnH,pM^dgN„damgliZezpHaupt- orte der ^j,se^ MViMteN!-.,po». da -aus die ganze Gegend. Hierauf' be>'chlossen sie das Fort San-Elmo zu belagern, um durch dessen Einnahme für die Flotte .einen >sichM Hastm zu gewinnen. Dem Commastdanten schien es unmöglich, sich gegen einen solchen Angriff lange halten zu können. La Valette, auf die Gefahr aufmerksam gemacht, wollte sich selbst mit einer ausgesuchten Mannschaft 2L3 in- das^FM-iSW^Ginp Wr^ech '^.Npch auf die d riu g e ndst eii! W o Wilu n g Ä' -stick' V kde nsbcüdesc änderte er jedoch seinen Entschluß^dahin ab,.-stäß ec die MtchcMWlH brffAK"^Mir. KdmpthÄ'Deguüvras, Büilst' 'Mr llNigrdpvnte '/üust^ sttm Ritter Mehran, einMlklsttzechickiu^ÄnxrschrpWWMtlNie, mit' einer Eomptichli^'f^a'WHVriFWrrippH/chttttt VLm Befehle des MlteK^JbhäM^^'^'Md'a', ükirrdch'g) Der tapfer^'MtvM'^tnäMe einen Ausfall, jagte dttFeiüdc Älsdj^MdetschaUZNNgen, j^ah sich aber am >ENd6>geUöryig6, stein chärtnackigett Widerstande zu ' weichen. Unglücklicherweise erhob sich ein hcs- tiger- Wind')-"Aelchkt^steN Dampf' des Geschützes nach dein l Fori ttied Ünd die Belagerten in eine so dichte'Wd'lke ^nhMe, Väß sie die Bewegungen des Feindes^nicht Mklsr stststbrscheiden konnten. Unter Begünstigung^dfese^o Rauchwolke bemächtigten sich dirli Türken' dieses'^Dbstens, verschanzten sich da und errichtetem sogleich eine Batterie. Mittlerweile kam ein "berüchtigter Cocsar-, der Renegat Ulucchi- Ali k) mit- ftchK Galeeren und 900 Mann' Land- tcuppen, und ^wenige Tage'nachher der Vicekönig von TripolischDr'agutsmit 1600 Mann und 13 Galeeren ,'izur'Unterstützung chci: Türken an. Die türkischen uJngettiisirrb Näherten sich endlich, unter der Bedeckung emK^ünkiUfhörlichen Musketenfcuers, dem Fuße des RabrliUs,'' 'um ' wechsclsweise auf den die m '-ü" ^ll'sil'-o (-,ue - < *) Eigentlich Ochiali, Kilig- Ali, ein gcborner Cala- brese. Nach Lori Schlacht bei Lcpanto 1572 , aus welcher c,r-Mtz Trümmern der ottemanischcn Flotte nach Eonstantigopel führte, wurde er von Sclim IH. züin Pascha erhoben, worauf er den Titel: „Kilig" (Degen) erhielte. 254 Festung bedeckenden) EavaKer ^'Izun^fouerNLs Sie fanden dieSch i ldlvachsoÜNdl") bietisänimttAM christlichen Soldakenrcknn tichem iEl)Krfö chuf der Erde liegende Sogleich cl w u rdo -W Sr sta-rkun g ü h Kb e igeh r l t> das Ravelin ^erstiegen,'-mudöldrö goößwnTheilo dbt Wache niedergehaueniauAufaidas.'' Gefchveb/iiwolches die Fliehenden erhoben^-eiste Msdran mit ben'Rit- tem Gonzales und La Motte imnd ihren Waffen^ knechten herbei, um den Posten nur mit'dem Erben zu verlassen. Das Treffen, welches von Sonnenaufgang bis Abend dauerte , hat den -'Türken ZOOO ihrer tapfersten Soldaten gekostete Von den Belagerten starben ungefähr, 100 Mann und MMikter den Heldentod; doch war die Ehre des Sieges der unüberwindlichen Tapferkeit der Malteser zuzufchreiben. Unerachtet der großem-Niederlage beschossen wenige Tage darauf die Türken die Festung von der Seite des Hafens Muscicto rohne Aufhörcn Tag und Nacht. Zu gleicher Zeit erhöhten sie das Ravelin, in dessen Besitz sie gekommen waren, durch Wollsäcke, Faschinen und Reisig so sehr, daß das schwere Geschütz von da aus den Wall des Forts bestreichen konnte. Der Pnscha ließ endlich aus Bäumen, Segelstangen und Brokern eine Brücke erbauen, auf welcherddie Tütken bis an die feindliche Brustwehr vordrangen. Nun begannen selbst die tapfersten Ritter zu zagen,, und schwerlich hätte sich eine Aussicht zur Rettung eröffnet, wäre nicht in der folgenden Nacht die Brücke durch den tollkühnen Lamiranda, der an der Spitze einiger Tupfern einen Ausfall machte,- zerstört worden. In - -fi *) Der in der damaligen Terminologie der Kriegsbaukunst übliche Ausdruck „Katze." 255 dieser bedrängten,.-Lage -schickte' die Besatzung den Ritter MedranuWitsidevSkBotschaft-wurden Großmeister ab, daß das-Wrt mich« mehr-länger hu -hal- tenoftr,!? Diescr-aÜer,üübLrzeugtiMdaßi jetzt Mlles darauf all komme? Me Fortschritte der Belagerer zMver- zögern-raindem dev Viceköni^vomSicilien nur unter der-Bedingung Hülftüversprochen habe/! wenn-St.- Elms,',sich halte-, gkaubter-jcht zur Rettung! des Ganzen^ einem Lhcil aufopfern?zu müssen, und foderte die Besatzungcidurch lihre Abgeordneten zuvAusdauer und standhaften-Gegenwehr auf. d-Mit dieser-Entschließung unzufrieden ^setzten'53 Ritter in der Festung ein-Schreiben an-'lm Valette^ auf, worin sie sagtenWenn er nicht in der Nacht Unterstützung an Mannschaft- oder Boote -zur Abreise schicke, so würden sie-teinen Ausfall in das türkische Lager machen, umpMann rgegcn- Mann eines,d ehrenvollen Todes zu sterben."- Seine-dAntwort lautete aber: „Es haben sich tapfere Krieger: genug gefunden, ich nenne darunter nur den -edlen Constantia Castriotv, jenen wackern Sprößling des großen Skanderbeg, die Verthcidigung eines Platzes zu übernehmen, an dessen Erhaltung sie verzweifeln. Kommen Sie daher zu uns in die Burg zurück, meine Brüder! Sie werden dann für ihre Person sicherer, und ich werde wegen der Erhaltung eines Postens, wovon die Existenz des ganzen Ordens abhangt, um' so ruhiger sein!" Die Verachtung, welche in diesen Worten lag, machte auf die Unzufriedenen den lebhaftesten Eindruck. Sie beschlossen zu bleiben und sich und ihre Ehre unter den Ruinen der Festung zu begraben. Der Großmeister schickte ihnen, nachdem sie in den demüthigstcn Ausdrücken um Verzeihung ge- 256 beten hatten, bei dem Dlmkel der-Nacht Mundvor- rath, Nekrutm und Munition, Und-hatzNhnen nach seiner eigenen Erfindung ein -garff' n'euks -Verlheidi- gungsMittel an. Leichte'-Hölzetne Reife) welche in siedendem Öle eiNgeweicht-wärenH-wurdeü mit Wolle oder anderem Brennstoffe -üMwiMtptiMd in' siedendes Pech eingstauchtl-""^ . loo Diese^Meifen, brennend Unter diö-Stürmenden geschleudert, umfaßten nicht selten zwei öder drei der Soldaten und nöthi'gten sie, wenn sie nicht ein Raub der Flammen sein wollten, sich-eilends ins'Wasser zu stürzen. - '8 mu - - Die Belagerer hatten inzwischen- täglich ihte-An- griffe fortgesetzt. Vom 17. Junius bis zum" 14. Julius verging kein Tag ohne Gefecht, ohne jedoch irgend wichtige Fortschritte in der Eroberung zu machen. Endlich beschloß der Pascha mit seiner ganzen Macht einen Hauptsturm zu Wägern Der 16. Julius 1565 war der dazu bestimmte Tag. Mit anbrechendem Morgen zerschmetterte-die Artillerie von der Landseite-die letzten Überreste der Festungswerke, während» dir Schiffe von der Meerseite unaufhörlich Bomben warfen. Mit noch nie erhörtem Heldenmuthe -stand die Besatzung zum Empfange der Stürmenden bereit. Es kam bald zum Handgemenges Nicht nur Mann gegen Mann stritten die Kämpfer,-! sondern- wenn das Schwert zerbrach, umschlangen "sie sickchwie gereizte Tiger und rangen sol'lange-, bis der Dolch entschied. Jetzt bedienten-sich-die Malteser mit großem Vortheile der brennenden Reife. Die meisten, welche davon ergriffen wurdest, 'Mußten lebendig verbrennen. Furchtbarl Mb-das'Geschrei dieser Unglücklichen, verbunden mit dem Tumulte der Kam- pfMW^cheMWnM ^tzkMWuydgten,^M Röcheln «M Gähp^tzeyrKt^chmW^dMiHsNNM-der. Ka- UMN^MdtzhM? MMch^-dMiMMNentzmWnmrn. „ Kgst ktzWke. -VM,ldM,LMy SM-Ai»Ulk.Md seM VM tzeßMirg„e>M, MeN/,schpeMicheNf,Kampf, wchch W MagUtWEtzehMRNlMl chrech>,wichen, noch die Belagerer vom Angriffe ahstanden^-genau KM»M»k-^«ß,nt«iMrMsr: mit Thra»WiMü!ltstz UstU dMr -unchfkMhchzMtend, wg chie,,DeMv jghesMl, am höchsten,avar,, dierBat- lerien -ch«riFostMÜ, Sanglea /g San - Angelo -und der Burg unaufhörlich Hegen die Belagerer spielest/ und pepnichtetsnfschnnMMinoi FerMcWnden,-inM als ljlPO,:Zürken. tz„M^Paschg>,sah sich,- endlich genö- thigf, W>. AeicheWzuW<,8i.ückzuge »z^ngcben.,>,jDer 8rdM„vUlsL)bef.^diesM StuMe,-fvelcher-sechs volle Skundenngeda-uHrr hatte, M^Nittep^und an 300 Soldaten. ,,,-L>axunter,hefanH. sich auch der helden- müthige,,Wehr,an.u?Zhm,Lfolgte bald, darauf,her ge- fürchtettaDraguchiche^jbei ,xchem Stceiszuge zur Erforschung ,iher> Schanzen tödtlich verwundet worden war, iwchie^GBldefjhB'ZMdens... . Am 21. Julius kameN'/jdie Türken,-),mit^ihrer ganzest,)AcMKe.,MM'.eDAMieelr- Die Entschlossenheit und, der.,,Tod?MOh -,-er^.Besggerten machte .ihnen den,Siegi!Noch;«inmql^Mftig»eeeUmspnstf^Ein unaufhörliches- Feuer PeMichtetez alle,Versuche -der Ver- theidigung; zumal Hai,-nun auch der letzte Strahl von Hoffnung aus,^Unterstützung verglommen war. Sie bereiteten ->fichzi,in,-zher!l ?Nacht durch den Empfang der Sacram-mle zu,dem ehrenvollen Tode vor, dem sie mit Asthruch , des-Tages , auf ihrem letzten Posten sich hinzuopfern entschlossen waren. Eine stillcührende Begeisterung leuchtete auf al- 258 len Gesichtern. Die Liebe - zum Leben, war überwunden, die Todesahnung machte sie-.-muchigr Sogar die Kranken und Verwunderen ließen sich auf die durchlöcherte Mauer tragen, um da---mit- schwacher Hand noch den Degen haltend ,2 den Feind zu erwarten, den sie aufzusuchcn nicht mehr im Stande waren. Der verhängnisvolle Morgen des Todcstagesii^- es war der 23. Juliris ^ graute. Mit dem dröhnenden Siegesgeschrri.^Allah! Allah!" stürmten die Türken heran. Die Ritter wehrten sich mit. der Kraft der Verzweiflung. Vier Stunden hatte schon der blutige Kampf gedauert. . Jetzt war l alles Pulver verschossen, alle Vertheidigungsmittcl erschöpft; da durchsuchten die sterbenden Ritter die Taschen ihrer erschlagenen Feinde, um mit ihren Patronen sich noch einige Zeit lang zur Wehre zu setzen. Roch stand zwar der Kompthur Lamiranda mit'60 Mann auf dem Hauplwalle und trotzte, wie ein Fels im Meere, dem gräßlichen Sturm. Um 11 Uhr des Mittags aber kamen die Osmanen mit verdoppelter Übermacht. Ein Krieger aus der tapfer» Ebristenschaar sank nach dem andern in die Bresche. Ritter Vridiers de la.Gardampe^ lödtlich verwundet, sagte den Brüdern, die ihn nach dem Spirale bringen wollten: „Ich.gehöre zu den Tobten; laßt mich liegen und -vertheidigt die Lebenden!" schleppte sich dann nach einer Eapclle i.nd hauchte: am Fuße des AlcarS seinen Geist aus. La Valette ries, als inay ihn-dcwegen wollte, zum Besten des Ganzen sein Leben zu retten, voll Begeisterung aus: „Kann ich meine alten Tage, mein Leben von 72 Jahren glorreicher enden?" Endlich stürzte auch der Kompthur und mit ihm die letzte Stütze von St.-Elmo; 2L0 doch" endigte-" sich-MrmAngvrff- nur mit dem Tode des letztem-MttersR ndom mis,-- Der GVoßmsistersisdeN'udaS" Unglück- statt nie- derzudeUgeN'/rleheb zu-'stadken schien/Üsagte zu eini- gen'alten Nittern-ävelcheüihn über den Verlust seines MiebteN Messen! Heinrich "de la Valette trösten wollteN-t'bMlle Ritter- sM mir gleich lieb; ich be- trkchte-sse alle'-wie meine Kinder; ich bedaure ebenso - sehemdE tapferst- Potastron wie den la Valette. Übrigens find uns-ldiese, sowie die Andern, ja nur unlkeiM Paar TagL> vorangegangen." 'RMitüschallender-Musik-iund wildem Freudengc- schrei'dz'Sg jetzt die türkische Flotte triumphirend in den Häfen-iMasa'-Muscietto ein, und das Panier deS> Halbmonds wehete auf dem zerstörten Fort. Der wilde Mustiiphmsselbst'fühlte bei dem Anblicke so'vieler edler Kriegers die sterbend noch ihren Posten bedeckteN-'-kine-Regung-von Mitleid, und sagte gerührt, Nks er-in das kleine Fort S.-Elmo trat: „Was wird uns'e-rst der Vater kosten, da schön dbeser kleine Knabe so viel gekostet h a t."^Jn diesem Castelli allein sielen 130 Ritter und gegen! 1300 Soldaten f aber auch 8000 Türken >wurd'endcin Dpfeb des Todes. Grausamkeit und Übermuth traten bald an die Stelle 'der ft Siegesfteude.d n Um den noch in den übrigett Festungen -befindlichen Maltesern Schre- ckeno eiüziffagen)' - liest: VierS racheschnaubcnde Musta- pha diesenigen Ritter nauf' dem Schlachtfelde heraussuchen, die -noch nicht ganz verschieden waren, gab den Befehl', Ahnest» das Herz aus dem Leibe zu reißen, ln die Leichname' Kreuze zu schneiden, die verstümmelten »Glieder auf Bretcr zu binden und in die See zu werfen, in der Hoffnung, daß 260 sie die Fluth an den Fuß des Schlosses St. - An- gclo, und bei der Burg des Großmeisters vorbei tragen werde. ' ' Dieser Anblick preßte'"'dem alten La Valette Thränen aus; allein sehr^bald trat gerechter Unwille an die Stelle' seines Schmerzes. Um den türkischen Feldherrn durch Wiedervergelkung'zu strafen und ihn zu vermögen, künftighin nicht mehr als Henker Krieg zu führen, ließ er alle gefangenen Osmanen erwürgen und ihre noch blutigen Köpfe statt der Kugeln durch seine Kanonen in Mu- stapha's Lager schleudern. Die Eroberung der Festung St. ^Elmo kostete dem Orden IM der tapfersten Ritter, mit den Waffenknechten im Ganzen 1300 Mann; die Türken hingegen verloren an 8000 Mann. Doch wurde eine Auffoderung zur Übergabe der ganzen Insel, welche Mustapha an den Großmeister ergehen ließ, mit edlem Stotze zurückgewiesen. Die Folge davon war ein neuer Hauptangriff gegen die Insel la Sangle. Seinem Unternehmen kam Haskcm, Vicckönig von Algier, mit seinen Beduinen zu Hülfe, und bat sich als einzige Belohnung die Erlaubniß aus, einen Sturm gegen das Fort St.-Michael wagen zu dürfen. Diese Bitte gewahrend, übertrug der Pascha den Angriff zur See einem alten griechischen Corsaren, dem Renegaten Eandclissa, wahrend er sich den Befehl über die Landtruppen vorbehielt. La Valette, durch einen Überläufer von Allem unterrichtet, ließ von dem Felsen Eoradin an bis an die Spitze der Insel eine zusammenhängende Reihe von Pfählen einschlagen, welche mittelst eiserner Ringe durch eine Kette verbunden waren, um jede Landung zu verhindern. Schon wurde die Fe- stung wiederuzy; mehre (jTags lang von allen Seiten heftig befcho,ffWMd am 15. Julius ein neuer Sturm gewagt. Das Schloß St. Angelo, die Burg und die Insel-La ^gngle Wurden von allen Seiten mir heftigem Kanonen,ftuer,angcsallcn. Sogar das Pfahl- Wrk,avurde yon^Eandclissg angesaflen, allein der Befehlshaber dieses , wichtigen -Postens, der alt« Ritter,Guimeran feuert«, nicht, eher, als bis die Türken,.gqnz nahe, waren. So .lödtete er mit einer einzigen Kartätschenladung an 400 Mann. Can- deliffa, aber,, im Lager »und Kriegsgetümmel ausgewachsen und,.dann gm unerschrockensten, wenn die Gefahr am höchsten , brachte seine wankenden Truppen dadurch zum Stehen, daß er die Kähne vom Ufer Mtftrnen und,Zahnen somit alle Hoffnung zum Rückzuge abschneiden ließ: Nun blieb ihnen nur die Wahl-zwischen Sieg oder Tod. Ein wü- thendcs Geinctzelchegann^das länger als fünf Stunden dauerte. Die Stürmenden bemächtigten sich endlich der Vcrschanzung, und pflanzten den Halbmond auf den zertrümmerten Wall. Schon wankten die Ritter zurück ^-als der Admiral Monte, durch einen solchen Vortheil--des Feindes beschämt,, mit verdoppelter Kampflust den Streit erneuerte, und la Palette-seinen Getreuen .die längst ersehnte Unterstützung zuschickte,j/j,Der Kompthur Giou, General, der (Galeeren,, drang, mjc den. Rittern Ruy Go- mez Medina und Quincy, das Schwert in seiner gewaltiger Faust>. gus,,die Osmancn-ein, riß ihre Fahnen und-Feldzeichen nieder, und, zwang sie, die VcrschanzuM„,zu- verlassen.- Caudelissa selbst verlor durch, diese TapftMt..,die gewohnt« Oruhe und schiffte sich eilig mit siinen.„Truppcn ein; allein der Tod, dem er auf dem Lande entging, holte ihn 262 auf dem Meere ein. Seine Barken, von ganzen Haufen Flüchtender überladen, - sänken unter 'oder wurden durch die Vattetien ^dev^ Christen in den Grund gebohrt. Weit umher war'dieSee mitLeich- namcn bedeckt. Mit den Worten:'s,Hieb der Lohn von St-Elmo!"> wurden^diejenige!,', welche' an das Ufer schwammen und knieesthlchm ihr Leben baten, unbarmherzig niedergehauen. Auch - Haskem's Angriff zu Lande war nicht 'glücklicher. Die Ritter Carlo Rufo, Nobles und de la Ricca fetzten den Algierern von der Seite von Bormole und dem Castell St.-Michael ein so heftiges Kartätschenfeuer entgegen, daß sie nach einem furchtbaren Blutbadc, welches über fünf Stunden dauerte und mehr als 40 Rittern und 200 der tapfersten Soldaten das Leben kostete, zurückweichen mußten. Mittlerweile ward die Stadt von allen Seiten unterminirt, sah ihre Vertheidigungswälle zerstört und den Feind im Besitze der"Außenwerke, und stand so bei der immer geringem Anzahl von Kämpfern am Rande des Verderbens. In diesem Augenblicke der Entscheidung berief der Großmeister seinen OcdenSrath. Die meisten Ritter stimmten dafür, man sollte sowol die Einwohner als die Besatzung in das Castell St.-Angelo bringen, und dann alle noch übrigen Werke in die Luft sprengen. Der unerschütterliche La' Valette aber sagte: „Es ist unsere Pflicht, lheure Brüder, die Feinde der Christenheit von alleltzUSciten zu vertreiben, oder da zu sterben, wo wir stehen!" Von Lag zu Tag ward jetzt die Belagerung hartnäckiger und mörderischer. Der Donner der Kanonen stürzte eine Mauer nach der andern in den Grund und zerschmetterte ihre Vertheidigcr. Bald hier, bald dort,, bald-,an beiden Orten zugleich waren sie , zur, blutigen.Gegenwehr gezwungen. Nirgends,Ruhe^ nirgends Sicherheit,,, und doch überall Unerschrockenheit und Kraft., .und Ausdauer und freudiger Hodksmüth, Mg, möglichen Mittel, welche Kunstleder List darzubieten jm Stande waren, wurden.von, den Osmanen ohne Unterlaß versucht; doch keiner ihrer Anschläge, weder der Sturm vom 2. August noch der,, folgende vom 7. August, den der Pascha selbst an der Spitze von 8000 Mann unternommen hatte, gelang. Die Besatzung der Burg St.-Michael widersetzte sich mitteben der,Entschlossenheit, mit der sich die hcldenmükhige Schaar auf St. - Elmo unverwelkliche Lorbeern auf dem Felde der Ehre pflückte. Der alte Kompthur Mcs- quita, von der Bedrängniß dieses letzten Forts in Kenntniß gesetzt, hatte den Ritter Baudouin de Ligny mit einem Haufen Bewaffneter ausgesendet, um die Aufmerksamkeit des Feindes von diesem Punkte abzulenken. Ligny überfiel das türkische Lazareth und tvdtetc Alles, was ihm in die Hände gerieth. Der Zweck wurde erreicht. Das Schreien der Kranken, das Getöse der Fliehenden und das Stöhnen der Sterbenden verbreitete allgemeinen Schrecken in dem Lager der Osmanen. Voll Angst, den Vortrab der sicilianischen Hülfsarmee im Anzuge wahnend, ergriffen die Meisten die Flucht. Der Pascha selbst, dem das Gerücht zu Ohren kam, hob schnell den Sturm auf, um dem aukommcndcn Feinde, wie es Männern geziemt, entgegenzugehen. Außer sich über den. Umstand, so sich getäuscht zu sehen, und den Vorlheil aus, den Händen gelassen zu haben, beschloß endlich Mustapha mit Piali gemeinschaftlich einen Hauptangriff so lange sortzu- setzen, bis die Ritter, durch Ermattung mehr cils durch Gewalt besiegt, freiwillig die Waffen streckten. Am 18. August stürmte Piali die castilische Bastei, während Mustapha seinen Angriff auf das Castell St.-Michael erneuerte. Die an das Unbegreifliche grenzende Ausdauer und Tapferkeit der Ritter allein rettete den Platz. La Valette, mit einer leichten Pickelhaube bedeckt, ohne sich Zeit zu nehmen seinen Panzer umzuschnallen und die Schic- § neu anzulegen, in der Hand bloß sein treues Schwert, eilte ohne Schild den angegriffenen beiden Posten zu Hülfe. Ec ließ in der Nacht eiligst Verschanzungen hinter Verschanzungen aufwerfcn; Weiber und Kinder waren sowie die vornehmsten Ordensbeamten in unausgesetzter Arbeit, um den Türken jeden Fußbreit Landes so lange als möglich streitig zu machen. Dem Kompthur Claramonte trug ec auf, mit einem kleinen Haufen Auserwählter einen Ausfall auf den gefährlichsten Erdwall des Feindes zu machen. Dieser schlich sich, von dem Dunkel der Nacht unterstützt, mit den Seinigen leise dahin und griff die Wachen mit solchem Ungestüm an, daß sic diesen wichtigen Posten verließen und in das Lager zurückflohen. So sahen die Türken mit ! Erstaunen und Bestürzung ein Werk, durch welches sie den Ruin der Stadt zu vollenden hofften, nun gegen sich selbst angewcndet, und die Belagerten wiederum aufs Neue gesichert. Außer sich vor Wuth über diesen Vorfall, beschloß der Pascha mit seiner ganzen Heecesmacht einen Hauptangriff gegen die Cite notable zu machen, um wenigstens, wäre er auch genöthigt, unverrichteter Sache von Malta abzuziehen, eine Menge Gefangener als Zeugen seines Sieges mit nach Constantinopel zu führen und dadurch den Sultan über den unglücklichen Ausgang seines Unternehmens zu trösten. Fest entschlossen/ sich unter den Trümmern der Hauptstadt zu begraben, leisteten die Ritter auch jetzt noch eisernen Widerstand, als auf einmal die lange umsonst gehoffte Hülssarmee des Vicekönigs von Sicilieti,! unter dem Befehle des Feldmacschalls Ascanio della Corne, an dem von den Belagerern am weitesten entfernten Gestade der Insel landete. Die türkischen Feldherren hatten durch Kundschafter die Nachricht erhalten, die Spanier würden sich bei dem Castell San Angelo ausschiffen. Dies zu verhindern, war der Osmanenführer Piali mehre Tage hindurch in dem großen Hafen vor Anker gelegen, nachdem er den Eingang desselben durch eine Kette von Booten, Stangen und Segeltauen versperrt hatte. Mustapha aber hob, als er hörte, die spanisch-stcilianischen Ritter seien unter ihrem Obersten Alvarez de Sande an einem andern Orte der Insel gelandet, ungesäumt die Belagerung auf, ohne ihre eigentliche Anzahl zu erforschen, zog seine Besatzung aus San-Elmo zurück, und schiffte sich mit solcher Eilfertigkeit ein, daß er sogar die ungeheuren Kanonen, die eine so furchtbare Wirkung gemacht hatten, mitzunehmcn verfaß. Bald aber folgte Beschämung auf diesen Schrecken. Ein Sklave brachte die Nachricht, daß die angekommene Armee, vor welcher 16,000 Mann geflohen waren, kaum aus 6000 Mann bestand. Was seine innere Wuth noch erhöhte, war, daß er von seinem Schiffe aus die Malteserritter auf eben der Stelle die Fahne des h. Johannes auf- II. 12 266 pflanzen sah, wo wenige Stunden vorher noch das Panier des Propheten geflattert hatte. Doch Mustapha, durch die Botschaft des Überläufers doppelt in Unruhe, gesetzt, da er mit seinem Kopfe vielleicht seine Übereilung bezahlen mußte, beschloß umzukehcen, und eher das Äußerste zu wagen, als sich der Verantwortung eines übereilten Rückzuges auszusetzcn. Seine Soldaten jedoch, längst über die Grausamkeit ungeduldig, mit der man sie zu Tausenden dem Tode entgegengeführt hatte, wi- dersetzten sich. Sie mußten mit Stockschlägen und Nuthenhieben an das Land getrieben werden; doch gegen ihren Willen zur Schlacht geführt, thaten sie keinen Widerstand. Kaum sahen sie die Christen ernstlich auf sich eindringen, so ergriffen sie wie gescheuchtes Wild die Flucht. Nur mit Mühe erreichten sie, unter Bedeckung von Haskems Algierern und des Geschützes auf Piali's Schiffen, ihre Boote. Mustapha wurde von seinen fliehenden Soldaten mit fortgerissen. Die Spanier verfolgten den Feind bis an das Ufer, und die Osma- nen verließen die Insel nach einem Verluste von mehr als 30,000 Mann. Zum Andenken der großen Thaten, wovon Borgo (die Burg) das Haupttheater war, wurde diesem Orte der Name Otta vittoriosa, die siegreiche Stadt, beigelegt, ein Ehrenname, den sie noch jetzt führt. So endigte die viermonatliche Belagerung von Malta, und die Ritter von St.-Johann blieben in ihrem theuer erkauften Eigenthum. Nicht leicht wird es in der Geschichte ein Beispiel größerer Selbstaufopferung geben, und ohne Erhebung des Gemüths Niemand die heldenmüthige Vertheidi- i.- 267 gung von St.-Elmo lesen, einer That, gleich dem Spartanersteg bei Thermopylä. Der ganze Erdball tönte wieder von dem Ruhme dieser Helden. Der Name La Valette und seiner Ritter war von nun an hochgefeiert in der ganzen Christenheit*). Die prächtigsten Beleuchtungen, die kostbarsten Feuerwerke, feierliche Gebete und Danksagungen, Gesandtschaften und Freudenfeste der seltensten Art lösten einander ab, und zu Rom wurde die Befreiung Malta's auf Befehl des Papstes von der Engelsburg herab mit Kanonendonner verkündet. Die Monarchen Europa's wetteiferten in Glückwünschen, Lobeserhebungen und Geschenken für den tapfer» Großmeister. Philipp II., König von Spanien, übersandte ihm einen goldenen, mit kostbaren Edelsteinen besetzten Degen. Pius IV. bot ihm sogar den Cardinalshut an, eine Ehre, nach welcher die größten Äbte und nicht selten selbst Prinzen aus regierenden Häusern geizten. Johann von La Valette wollte aber als sou- verainer Fürst seinen Titel nicht durch eine untergebene Ehrenwürde verdunkeln, und schlug das Anerbieten aus. Alle diese Beweise der Achtung, alle Lorbern des Ruhms waren aber nicht im Stande, das väterlich gesinnte Herz des Großmeisters zu beruhigen, als er die Nachricht erhielt, daß Soliman, im höchsten Unwillen über den erlittenen Verlust, schon die Vorbereitungen zu einer neuen ungeheuren Rüstung gegen Malta vorgenommen habe. Nun blickte der Held mit doppelter Rührung auf das H S. Anmcrk. 26 . 12 entvölkerte Land, auf die zerstörten Häuser, die zertrümmerten Waffen, die entblößten Magazine, die vielen umherliegenden Todesopfer und verwundeten Ritter, und Thrancn des Mitleids rollten über seine bleichen Wangen. Die Burgen waren ohne Mauern, die Cisternen ohne Wasser, die Artillerie unbrauchbar und die wenigen übergebliebenen Brüder ohne Nahrung, todtmatt und ohne tröstende Hoffnung. In diesem Momente der Verzweiflung, durch die Gefahr, welcher seine entvölkerte und verwüstete Insel nichts entgegenzustellen vermochte, auf das Äußerste gebracht, nahm La Valette seine Zuflucht zu einem Mittel, welches ihm nur die Verzweiflung cingcben konnte. Er fand Wege und Leute, im Zeughause zu Constantinopel Feuer anlcgen zu lassen. Die Gewalt deL Pulvers sprengte die Vorrathskammern in die Luft und vernichtete die meisten kaum noch vollendeten Galeeren. Eine große Anzahl der Arbeiter verlor bei dem entsetzlichen Brande das Leben. Soliman wurde dadurch genöthigt, seinen Nachtangriff aufzuschieben, und Malta war zum zweiten Male gerettet. Ec kehrte seine Waffen jetzt nach Ungarn, wo er bei der Belagerung der durch Zri- ny's Heldenmut!) so großartig vertheidigten Veste Sigeth seinen Tod fand. Sein Sohn Selim, mit den Venetianern im Kriegeließ dem Großmeister Zeit, die Spuren der Zerstörung durch unausgesetzte Thatigkeit zu vertilgen, die Walle auszubes- sern, neue Mauern aufzuführen und durch weise Anstalten den Grund zu der ruhigen Größe zu legen, in welcher der Johanniterorden noch mehr denn zwei Jahrhunderte blühte. Er selbst, der alte unermüdliche Held, leitete den Bau, er selbst wachte über die Vollziehung seiner Befehle, überall gegenwärtig, überall arbeitsam, eifrig und mit großer Umsicht thätig. , Der Papst, die Könige von Portugal, Spanien und Frankreich wiesen namhafte Summen hiezu an, selbst die meisten Kompthure verkauften ihre besten Hausgerälhe und schickten Alles, was sie im Vermögen hatten, um den edeln La Valette in seinem Unternehmen zu unterstützen. So war der Großmeister im Stande, schon am 28. Marz 1566 auf dem Berge Sceberras den Grundstein zu der neuen Stadt zu legen, die noch heutiges Tages als Hauptstadt der Insel seinen Namen führt und verherrlicht*). Eine ununterbrochene Arbeit, von der Niemand sich ausschloß, folgte auf diese Feierlichkeit. In diesem militairischen Fceistaate war Alles thätig von dem ersten Ordensbeamteten bis zum Handlanger. Der Großmeister verließ während zwei Jahren nur selten seine Arbeiter und brachte ganze Tage auf dem Baue zu. Hier gab er jedem Bittenden Gehör; von hier aus erließ er seine Befehle. Der Kompthur de la Fontaine, ein in der Befestigungskunst hocherfahrner Mann, führte die Aufsicht über das Ganze, und hatte dabei über nichts zu klagen, als über den sehr fühlbar gewordenen Mangel an Geld. Jeder Tag kostete den Orden an Arbeitslohn und Material gegen 1500 bis 2000 Thaler. Um diesem Übelstande einigermaßen abzuhelfen, ließ der Großmeister Kupfermünzen von verschiedener Größe und ungleichem Werthe schlagen, welche auf der Stirnseite mit zwei verschränkten. ) S. Anmerk. 27. 270 Händen, auf der Kehrseite mit La Valette's Wappen und der Inschrift: „Nou aes, secküäeg!" geziert waren. Wie sehr wurde aber der edle Meister durch das Gegenthcil dieses Wahlspruches getäuscht! So glorreich auch der Zcnith seines vielbewegten Lebens war, in dem er als eine Sonne an dem politischen Himmel glänzte, so trüb und gewitterschwer war sein Abendroth. Die letzten Augenblicke dieses Helden waren, wie einst bei Villiers de l'Jsle-Adam, durch innere Zwiste unter den Ordensbrüdern selbst mit düsterem Kummer umwölkt. Einige junge spanische Ritter glaubten sich im Ausbruche ihrer Freude über den erfochtenen Sieg zu dem ausgelassensten Lebenswandel berechtigt, und schmälerten bald durch Trunk, bald durch Unzucht und allerlei Spottgedichte die Ehre der wackersten Ordensbrüder und der angesehensten Frauen von Malta. La Valette, ein milder Vater, aber strenger Richter, vernahm kaum die Kunde dieser Ausschweifungen, als er, obwol mit blutendem Herzen, den Ordensrath versammelte, um die Übertreter des Gebots und hauptsächlich die Verfasser jener Lieder zur Strafe zu ziehen. Wie man noch versammelt und mit Abfassung des Urtheils beschäftigt war, stürmten die Aufrührer in den Kapitelsaak, rissen im Angesicht des Großmeisters dem Kanzler die Feder aus der Hand, warfen das Tintenfaß zum Fenster hinaus und zogen sich unter Spottreden und Schmähungen aller Art zurück. Durch ihre Mitverschworncn unterstützt, begaben sie sich eiligst auf schon zum Absegeln bereit stehende Barken und steuerten nach Sicilien. La Valette, durch eine solche Meuterei bis zu Thrä- nen gerührt, tilgte ihre Namen aus der Ordensliste, nahm ihnen Kreuz und Mantel ab, und erkannte ihnen, wenn sie es je wieder wagen sollten, nach Malta zurückzukehren, ewiges Gcfängniß zu. Er schickte alsbald den Ritter Caprona als Abgesandten zu dem Statthalter von Sicilien, die Flüchtlinge als Rebellen zurückzufodern. Sein Wunsch wurde nicht erreicht; denn der Statthalter ließ diese Unwürdigen in ihr Vaterland zurückkehren. Noch schien das Maß seiner Leiden nicht voll zu sein. Ein neuer Kummer beugte sein graues Haupt. Der Papst, der kurz zuvor La Valette den Eardinalshut angeboren und seinen Schutz und Schirm zur Aufrechthaltung der bestehenden Statuten dem gesammten Orden verheißen hatte, besetzte nun eigenmächtig die Stelle eines Ordenspriors in Rom, und verbot sogar, als sich der Großmeister über diesen Eingriff in statutarische Rechte beschwerte, dem Abgesandten von Malta den Aufenthalt in Rom. Vergebens machte der Großmeister dem Papste wichtige Vorstellungen, vergebens mengte er die triftigsten Gründe mit den gerechtesten Vorwürfen in seinen Briefen, um den Papst mit der lauten Stimme der Wahrheit von Eingriffen in die Rechte des Ordens abzuhalten. La Valette fand kein Gehör; päpstliche Neffen genossen das römische Priorat, so oft es durch den Tod eines Cardinals erledigt wurde, und Pius V. befreite jene Usurpatoren selbst von den gewöhnlichen Gebühren, die dem allgemeinen Ordensschatze von jeder Präbende anheimfielen. Diese Kränkungen umdüsterten die Seele des alten Helden mit einer finstern Melancholie, welcher zu entfliehen er sich mit Leidenschaft den Freu- 272 den der Jagd hingab, die aber auch nur zu bald unheilbringend für ihn wurden. Eines Tages traf ein Sonnenstich sein weißes Haupt, an dessen Folgen er nach drei Tagen, am 22. August 1568, starb. Kurz vor seinem Tode berief er die Aungen- häupter zu sich, und ermahnte sie gegenseitig zum Frieden, zur Einigkeit- und zur Erhaltung der alten Ordenszucht. Dann erinnerte er sie noch einmal an den vor dem Angesichte des Gekreuzigten am Altäre geleisteten Schwur des unbedingtesten Gehorsams gegen ihr künftiges Oberhaupt. Zum Nachfolger empfahl er ihnen den Ritter Antonio von Toledo, einen Vetter des Herzogs von Alba, welchen sie aber wegen seines Hochmuthes und harten Charakters, den er von seinem Oheim geerbt zu haben schien, nicht wählten Kaum hatte der Tod die Leiden des alten, um den Orden sowol als um die ganze Christenheit so hochverdienten Meisters geendigt, so meldeten sich auch schon viele der angesehensten Ritter, einem Manne von solchen Tugenden nachzufolgen. Darunter waren: Alfonso von St.-Elemente (Oberhaupt der Zunge von Aragonien), Jacques de la Motte aus Frankreich, Nunnez de Maldonat und Antonio von Toledo aus Spanien. Die Tugend, welche allein Vertrauen schenkt und Vertrauen ärn- tet, trug auch hier den Sieg über Anmaßung davon, und schenkte die meisten Stimmen dem Groß- prioc von Capua, Pietro Guidalotti, welchen, da er von mütterlicher Seite ein Enkel von Julius III. war, den Geschlechtsnamen dieses Papstes angenommen hatte. 273 Peter von Monte, 1568 —1572, verherrlichte diesen edeln Namen sowol durch seine Gerechtigkeitsliebe als durch seine Tapferkeit und den heldenmüthigen Widerstand, den er wahrend Maltas Belagerung zum Schrecken des Feindes bewiesen hatte. Seine erste Sorge nach dem Regierungsantritt war, seinem unvergeßlichen Vorgänger die letzte Ehre zu erzeigen. Ec ließ dessen Körper im großmeisterlichen Ornate auf einem Paradebette in der Kirche unserer lieben Frauen von Phi- lcrme feierlich ausstellen, dann aus der cntmasteten Capitane, die der Held im Leben selbst befehligt hatte, von zwei Trauecgaleeren gezogen, mit einem Gefolge von mehren schwarz behangencn Ordensschiffen, auf denen die türkischen Trophäen ausge- breiret lagen, von dem großen Hafen nach dem Hafen Musciet führen, von wo er in Begleitung seiner Hausofsicicre und der ganzen Dienerschaft, von denen ein Jeder eine brennende Fackel trug, von der Geistlichkeit in die Kapelle Notre Dame 6e In victoire getragen wurde, welche er einst auf eigene Kosten hatte erbauen und zu seiner letzten Ruhestätte einrichtcn lassen. Unmittelbar nach dem Katafalk folgte der Großmeister mit den höchsten Or- densbeamleten, dann die sämmtlichen Ritter, jeder eine türkische Fahne oder ein erobertes Waffenstück tragend, und die Knappen beschlossen den Zug. Nachdem La Valette, von Jedermann beweint, in seiner selbsterbauten Gruft zum ewigen Schlafe beigesetzt war, richtete der neue Großmeister seine ersten Sorgen aus die neuangelegte Stadt, und voll- 274 endete das Werk, als ein heiliges Vermächtniß seines Vorgängers. Drei Jahre nach der Grundsteinlegung, 1571, wurde sie schon feierlich zum Or- denssitze cingeweiht. Hierauf verlieh Peter de Monte den verdientesten Gliedern verschiedene, durch den Tod vieler bei der Belagerung von Malta gefallener Kompthure und anderer Beamteten erledigte Würden, und belohnte selbst die Laienbrüder und Knechte, die sich durch Pflichttreue oder Tapferkeit ausgezeichnet, auf eine reichliche Weife. Die Ritter Francois de Bourges, Pierre de Pelloquin, Christophe de Montgaudny, Baudouin de Sevre und Franz von Arkcnburg erhielten die einträglichsten Pfründen, welche sie jedoch nicht in ungestörter Ruhe genießen konnten; denn im zweiten Jahre von Monte's Amtsführung wurden die Ordensgaleeren plötzlich von den Raubschiffen des berüchtigten Korsaren Ucchi-Ali angefallen und deren drei weggekapert. Die übrigen wurden durch diesen unvermuthetcn Angriff so sehr in die Enge getrieben, daß die Capitane (das Fahrzeug, welches der Ordensadmiral in eigener Person befehligte) am Fuße des Thurmes von Monchians auf der sicilia- nischen Küste scheiterte. Durch diesen Unfall verhindert, konnte sich die Ordensflotte nicht so zahlreich, als man wünschte, bei der Schlacht von Lepanto (1571) einsindcn. Die wenigen Schiffe aber bedeckten sich mit Ruhm. Zwar gerieth die St.-Etienne, plötzlich von drei türkischen Galeeren umzingelt, in die äußerste Gefahr; da eilte die Capitane zu deren Befreiung herbei, zwang zwei der feindlichen Fahrzeuge, sich zu ergeben, und war schon auf dem Punkte, auch das 275 dritte wegzunehmcn, als durch Ucchi-Ali's Erscheinen auf den Gewässern von Lepanto der Kampf sich erneute, viel edles Ehristenblut kostete und nebst dem Verluste des Hauptschiffes auch den Tod des Freihcrrn von Spar, Oberfcldherrn der Landtruppen, herbeiführte. Doch dieser Sieg war von keiner langen Dauer. Zwar machten die Malteser- riktec St.-Aubin, Roquelaure und Ferdinand von Eoiro auf den ägyptischen Meeren reiche Beute; allein ihr Werth vermochte den großen Verlust nicht zu ersetzen, den der Orden durch die Gefangenneh- mung zweier Kriegsschiffe unter dem unglücklichen Befehle des Kompthurs von St.-Elemente erlitten hatte. Von dem Bewußtsein nicht erfüllter Pflicht gefoltert, suchte der flüchtige Ritter an den Stufen des päpstlichen Stuhles Vergebung und Heil, ward aber an den Großmeister verwiesen, zur Rechenschaft gezogen, zum Tode verurtheilt und zu Malta enthauptet. Ein so vcrzweislungsvolles Ereigniß entflammte den Muth der Ritter mit solchem Heldenfeuer, daß sie sich nicht scheuten, den gefürchteten Seeräuber selbst anzugreifen. Nie ist eine Seeschlacht mit mehr Beharrlichkeit und Kampflust geliefert worden. Einen Tapfern nach dem andern sah man an der Seite Ucchi-Ali's fallen. Erst nach dem Tode seines Unterfeldherrn Earagiali wehten die Wimpel von St.-Johannes wieder auf der Eapi- tane. An diesem auf immer denkwürdigen Tage (8. October 1571) wurden, außer dem Feldherr» selbst, 5000 Türken getödlet, und 20,000 Ehristenskla- ven fanden ihre Freiheit wieder. Der heldenmü- thige Sieger Don Juan dÄustria und der vene- tianische Admiral Veniero nahmen den Ungläubigen 140 Galeeren, ohne die Schiffe, welche verbrannt oder in den Grund gebohrt wurden. Von Seiten der Christen fielen 7600 Mann und 14 der ersten Hauptleutc. Kurz vor seinem Tode hatte der Großmeister noch die Genugthuung, sein und des Ordens Ansehen von dem königlichen Hause der Hospitalite- rinnen zu Sixena wieder anerkannt und dessen Unterwürfigkeit ausgesprochen zu sehen. Die Königin Sancha, Gattin Alphons 1l. von Aragonien, mit dem Beinamen der Keusche, hatte aus Betrübniß über den Verlust des heiligen Landes zum Andenken so vieler in Palästina für den Glauben verbluteter Ritter zu Sixena, einem kleinen Städtchen zwischen Saragossa und Lerida, ein Hospitaliter-Nonnenkloster gestiftet, welches unter der Gerichtsbarkeit des Großpriorats von Aragonien stand. In der Voraussetzung, daß dieses Haus ihr sowol als andern Prinzessinnen der königlichen Familie einst in stiller Abgeschiedenheit von dem Gewühle der Welt zum Aufenthalte dienen könnte, wurde bei den« Baue nichts vernachlässigt, was die Pracht zu erhöhen, die Bequemlichkeit zu vergrößern und die Marken von dessen Umfang zu erweitern im Stande war, sodaß cs vielmehr einem Palaste als einem Kloster ähnlich sah. Nach der ersten Stiftung sollten 60 Jungfrauen darin ausgenommen werden, und zwar Cataloniens und Aragoniens Töchter aus so allen und angesehenen Familien, daß sie gar nicht einmal nöthig hätten, die Adelsprobe abzulegen. Sixena wurde gar bald das reichste und berühmteste Kloster im 277 Königreiche. König und Papst (Cölestin III ) wetteiferten mit Ertheilung von Freiheiten und Gütergeschenken. Die Nonnen erhielten, wie alle Hospi- taliterinnen im I. 1195, die Regel des h. Augustin. Ihre Kleidung bestand aus einem Rocke von scharlachrothem Tuche und einem schwarzen Mantel mit einer Kaputze; auf der Brust das achteckige weiße Kreuz. In der Kirche trugen sie ein Chorhemde von feiner Leinwand, und wahrend des Gottesdienstes hielten sie zum Andenken an ihre königliche Stifterin einen silbernen Scepter in der Hand. Die Priorin hatte das Recht, Gnaden aus- zutheilen, und konnte selbst den Priestern, welche das geistliche Amt ihrer Kirche verwalteten, Strafen zuerkennen. Sie hatte Sitz und Stimme in den Ordens-Generalkapiteln von Aragonien, und folgte im Range auf den Großprior oder den Kastellan von Emposta. Diese Gemeine geistlicher Jungfrauen, die selbst dir Königin Sancha nebst einer ihrer Prinzessinnen Töchter unter ihren Schwestern zahlte, wollte sich zu Ende des sechzehnten Jahrhunderts, um d. I. 1569, der Oberherrschaft und dem Gehorsam der Großmeister entziehen und keinen Herrn als den Papst über sich erkennen. Die Priorin Hieronyma Olibo aber schrieb unter dem 4. August 1571 an den Großmeister zu Malta, daß sie sich in Allem seiner weisen Einsicht fügen wolle. Peter von Monte starb am 26. Januar 1572 in einem Alter von 72 Jahren.