Druckschrift 
10 (1824)
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

7

ebenfalls innig« Verlangen leiten, einen Frieden z» unterzeichnen,dessen Dauer zu hoffen war, hatte England, durch Rußland undOesterreich bewogen, in eine allgemeine Friedcnöstiftung eingehenwollen.

Nun Preußen unglücklich gewesen war, hegte rS zu großenHaß gegen uns, als daß wir nicht nach Verminderung von dessenMacht halten streben sollen. Zu diesem Zwecke erfolgte die Drga-ntsacion des GroßherzsgthumS Warschau. Man gab diesem denKönig von Sachsen zum Souverain, einen Fürsten, der sein ganzesLeben nur dazu angewendet hat, seine Unterthanen glücklich zumachen. Man suchte die Polen durch Einrichtungen zu befriedigen,die ihnen angenehm waren, und sowohl mir ihren Sitten, als mitihrem Nationalcharakter übereinkamen. Allein diese Maßregelnwaren in jedem Sinne übel gewählt.

Sachsen, das durch Preußen von seinem neuen Besitz«lhume getrennt war, konnte mir Polen keinen Körper bilden, derfest und mächtig gewesen wäre. Die Errichtung einer durch daspreußische führenden Miiicair-Scraße, um eine Verbindung zwischenSachsen und Polen zu begründen, war erniedrigend für die Preußi«sehe Nation und die Polen seufzten, daß sie sich in ihren Hoffnun«gen getäuscht sahen.

Der Kaiser federte die Besetzung der Preußischen Festungen,um gewiß zn seyn, baß diese Macht nicht an Mittel denken möch-te, den Krieg aufs neue zu entflammen. Der Feldzug von 1800bewies wie scharfsichtig seine Politik gewesen war, und brachte ihnzu dem Entschlüsse, ohne Unterlaß an der Beendigung jener Dr-ganisacion zu arbeiten, welche diesen unseligen Kriegen ein Zielsetzen soll.

Der Kaiser hat geglaubt, daß er durch die Menge der Trup«pen, welche er an die Weichsel Vorgehen läßt, und die Besetzungder Preußischen Festungen, sich furchtbar zeigen müsse, um sich derTreue seiner Bundesgenossen zu versichern und vielleicht durch Un-terhandlungen zu erlangen, was sonst wohl nur durch den Krieg zuerreichen seyn möchte.

Unter diesen Umständen ist die Gefahr dringend. Nicht ohneWagniß kann man Heere 500 Stunden weit von ihrem Gebieteentfernen, und Polen muß eben so viel von seiner eignen Kraft,als von dem Beistände des Kaisers erwarten. Die Polen müssen,ich wiederhole es, diesen Beistand, wenn der Krieg «usbricht, nuralS Vermehrung ihrer eignen Mittel betrachten und an die Zeitensich erinnern, wo sie, durch ihre Vaterlandsliebe und ihren Muth,den zahlreichen Heeren Widerstand leisteten, welche ihre Unabhängigkcit augriffen.