Druckschrift 
2 (1823)
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

Leben für mich zu lassen. Die Verletzung dcö Briefgeheimnisse»kann daher den Fürsten leicht um seine besten Freunde bringen,indem sie ihn mit Unrecht Mißtrauen und vorgefaßte Meinungeneinflößt, dies aber um so mehr, da die Feinde, welche zu schadenim Stande sind, immer zu viel Klugheit besitzen, um sich dieser -Gefahr auözusctzen. So habe ich Minister gehabt, von denen ich ^nie einen Brief auszufangen im Stande war."

2ch glaube schon gesagt zu haben, daß man nach der Rückkehr lvon Elba bei BlacaS in den Tuilerien eine Menge Bittschriftenund Aufsatze fand, in denen Napoleons auf eine sehr unanständigeWeise Erwähnung geschah. Er ließ sie verbrennen. „Sie hätteneine sehr verworfene Sammlung ausgemacht, sagte der Kaiser. Zchhatte einen Augenblick die Idee, einige davon im Moniteur ab.drucken zu lassen, sie hatten einige Individuen herabgcwürdigt, aberüber das menschliche Herz nichts neues gelehrt. Die Mensche»bleiben stets dieselben!"

Der Kaiser wußte freilich bei weitem nicht alles, was die Po-lizei in seinem Namen über Schriften und Individuen verhing. Erhatte weder Zeit noch Mittel dazu. Auch erfuhr er täglich vonuns oder durch die Pamphlete, die ihm in die Hände fielen, vonArrcstationen einzelner oder Unterdrückung von Schriften die ihniganz neu waren.

Beim Gespräch über die Schriften, welche die Polizei währendseiner Negierung mit andern Blättern versehen, oder verboten lM,erzählte der Kaiser, daß, da er auf Elba nichts zu thnn gehabt,er sich das Vergnügen gemacht habe, einige derselben zu durchlc-sen, und oft die Gründe der meisten Verbote der Polizei in dieserHinsicht gar nicht begriffen habe.

Von da ging er auf die Freiheit oder Beschränkung der Presseüber. 2hm zu Folge war dies etwas unbestimmbares, das aberkeine halben Maasregeln erlaube. „Es ist nicht das Princip an >sich selbst, sagte er, was die größten Schwierigkeiten macht, fon»dern die Ausführung, oder die Umstände, unter denen man von ^diesem im abstrakten Sinne genommenen Grundsätze Anwendung znmachen hat." Der Kaiser wäre für unbeschränkte Freiheit. A»Sdemselben Gesichtspunkte, und mit denselben Gründen habe ich ihn>stets alle wichtigen Untersuchungen behandeln sehen, auch war Na>poleon in der That der Typus, die Fahne und der Herzog liebcra'ler 2deen und wird es in aller Zeit bleiben; sie wohnen in sei'!nein Herzen, seinen Grundsätzen, seiner Logik. Schienen manch'mal seine Handlungen davon abzuweichen, so geschah es nur, rostlihn die Umstände unwiderstehlich beherrschten. Hier ein BewciS!