so versicherte der Kaiser, daß auf den Posten nur sehr wenige ge«lesen wurden. Selten daß einer der Briefe, die offen oder wiederzngesiegelt an Privatpersonen gelangten, gelesen worden wäre. Wiehätte man auch damit fertig werden wollen. Dies! sollte mehrein Wittel sei)», um gefährliche Correspondcnzen abzuwenden, alssic zu entdecken. Diejenigen Briefe, die man wirklich gelesenhatte, trugen davon nicht die mindeste Spur, da hierbei die aller»größte Sorgfalt angewendec wurde. Schon seit Ludwig dem Xiv.,sagte der Kaiser, bestand ein politisches Polizeibureau, um die Ver-bindungen mit dem Auölande zu entdecken. Von dessen Regierungan waren die ncmlichen Familien hierbei im fortwährenden Besitz;die Individuen und ihre Funktionen aber ganz unbekannt; dochgalt es nichts desto weniger für ein ordentliches Amt. Sic wur-den dazu mit großen Kosten in den verschiedenen HauptstädtenEuropas gebildet, hatten ihre eigne Moral und gaben sich nur un-gcrn zu Durchsicht der Briefe in, Innern her, womit sie sich gleich-wohl beschäftigen mußten. Sobald nun jemand auf der Liste die»ser wichtigen Beobachtung (surv-gliancl-) stand, wurde sein Wappenbei dem Bureau nachgcstochcn und seine Briefe gelangten, nachdemman sic gelesen hatte ganz unverletzt und ohne die mindeste Ver-dacht erregende Spur an -Ort und Stelle. Diese Verhältnisse, diegroßen Verlegenheiten welche dadurch entstehen konnten, die bedeu-tenden Vorchcilc, welche hierbei zu erreichen waren, gaben demAmte LeS Gencraldireccors der Posten jene große Wichtigkeit, undforderte» von seiner Person so viel Klugheit, Bedächtigkeit undScharfsinn.
Der Kaiser machte Lavalctte desfalls große Lobeserhebungen., liibrigcnö war er, der Kaiser, niemals ein besonderer Freund dieserMaasrcgcln. In Hinsicht auf die diplomatischen Nachrichten, dieman sich auf diese Weise verschaffen konnte, glaubte er, daß sie. nicht im Verhältniß zu den großen Kosten stünden, welche dabeiverwendet werden müßten; denn das Bureau verursachte einenAufwand von SechSmalhunderttausend Franken, und, so viel diesonsiigcu Privatbriefc anbctriffc, war er der Meinung, daß damitmehr Böses alS Gutes bewirkt würde. „Selten, sagte er, werdenVerschwörungen auf diesem Wege angesponnen; und die Meinun-gen Einzelner, die man aus ihrer Correspondenz erfährt, können,besonders bei unserm Charakter, einem Fürsten eher verderblich alsnützlich werden. Worüber beklagen wir uns bei unsrer nationellenGefügigkeit und Beweglichkeit nicht alles? Icmand den ich beimLever mißhandelt hatte, wird Nachmittags niederschreiben, daß ichein Tyrann sei; am Tage vorher wird er mich mit Lobpreisungennbcrhänfc haben, und am folgenden Tage vielleicht bereit scyn, sein