Druckschrift 
2 (1823)
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

106

Noch waren keine Stunden für daS Spazierengehen bcuim'n,.Am Tage war es schrecklich heiß und des Abends trat schnell g,o.ße Feuchtigkeit ein. Seit langer Zeit schon sprach man von Reinund Wagenpferden, die vom Kap kommen sollten, aber sie krach,nie ein. Des Morgens arbeitete der Kaiser mit mehren, von uns.Mir blieb gewöhnlich die Zeit unmittelbar vor dem Diner, dasnicht eher als um 8 oder 9 Uhr aufgctragen wurde. Er lies michalso gegen 5 oder 6 Uhr mit meinem Sohne. rufen. Bei de».Zustande meiner Augen konnte ich selbst nicht inehr schreiben undlesen; mein Sohn war nun schon im Stande meinen Platz ein;,,,nehmen. Er schrieb jezt alles nieder waS der Kaiser diktirtc; ichwar nur noch dazu da, um späterhin ihm zu helfen, daß er sichin seine Gefthwindschrift finden könne, und hatte cs dabei so weitgebracht, daß ich fast buchstäblich und nach ihrem ganz vollsrändi-gen Sinne die Worte des Kaisers zu wiederholen vermochte.

Der Feldzug von Italien war zu Ende; wir gingen ihn vom

Anfänge an noch einmal durch und der Kaiser verbesserte dabeioder diktirtc wohl von Neuem. Von 8 bis 9 Uhr wurde dinirt,wie ick nur eben gesagt habe. Die Tafel stand in der ersten Piece

vom Eingänge; Frau von Moncholon saß rechts neben den, Kai>

ser, ich ihr zur Linke». Herr von Msntholon, Gonraaud >mdmein Sohn saßen uns gegenüber. Noch immer war Geruch imSaale, besonders bei feuchter Witterung, zwar unbedeutend aberdoch schlimm genug, um den Kaiser zu incommodiren. Wir blie-ben daher kaum zehn Minuten bei der Tafel; das Dessert wurdeim anstoßenden Zimmer, unsrem Salon, anfgetragcn, wir setztenuns dort noch einmal zu Tische und tranken auch da den Kaffee.Dort wurde zugleich die Unterhaltung fortgesetzt; man las einigeScenen aus Molisre, Racine oder Voltaire und bedauerte jedesmalnicht auch Corneille zu haben. Sodann wurde eine Parthie Re-vers, gespielt; cs war das Spiel, welches der Kaiser in seinerJugend geliebt hat und das ihm daher angenehme Erinnerungengewahrt. Er glaubte, daß eS ihm recht lange Zeit Vergnügen ma-chen werde allein diese Täuschung verschwand sehr bald. Wirspielten es übrigens mit allen Variationen; das gab der Sache Le-ben und ich habe gesehen, baß Fünfzehn biS Achtzchnlauscnd Mar-ken an Remisen aufgeschrieben waren. Der Kaiser suchte jedesmalRevers,, das heißt alle Stiche zu machen, was sehr schwer ist, undnichts desto weniger ihn, oft gelang. So zeigt in Allem sich feinCharakter! Zwischen Zehn und Eilf Uhr ging man auseinander.

Als ich heute, den l9., zu dem Kaiser kam, gab er mir einLibcll zu übersehen, das ihn, zufällig in die Hand gekommen war.Nach tausenderlei Dummheiten fanden wir Privalbriefe, die an die