Druckschrift 
2 (1823)
Entstehung
Seite
90
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von Orleans Rücksicht'nehmen konnte; der Kaiser bewies uns abermit großer Lebhaftigkeit und aus sehr beredte Weise, daß, wemder Herzog von Orleans nicht vermöge seines SueccssionsrcchlS 'zum Throne gelange, cs außerdem in dem wohlverstandenen 2-tcrcsse aller Herrscher Europas sehn müßte, lieber ihn, Napoleon,dem Herzog von Orleans vorzuziehcn, der dann sein Glück nureinem Verbrechen zu danken haben würde.Denn, sagte er, wasverlangt jetzt die Doktrin der Könige bei den Ereignissen der Zeitmehr, als jede Erneuerung des Beispiels zu verhindern, das ichgegen dasjenige, was sie Legitimität nennen, gegeben habe. DerFall aber, wie er mit mir statt gefunden hat, kömmt nun inJahrhunderten nicht wieder vor, wohingegen ein solcher, wie beidem Herzog von Orleans, der ein naher Verwandter deS Monar-chen aus dem Throne ist, alle Tage und in jedem Lande wiedereintreffen könnte. Denn wo gäbe cs denn einen LandeShcrrn, dernicht in seiner Nähe, selbst in seinem Pallast, Vettern, Neffen,Brüder oder sonst irgend einen Anverwandten hätte, der sich dazueignete, das Beispiel eines Ersatzes dieser Art nachzuahmen."

Wir lasen in eben diesen Zeitungen einen Auszug der Recht-sertigungöschristen deS Marschall Ney. Der Kaiser fand sie höchsterbärmlich. WaS er gesagt hatte, war weder hinreichend, ihm da)Leben, noch seine Ehre zu retten. Seine Argumente hatten einelendes, farbloses Ansehen, um die Sache nicht noch mit eineni ,schlimmer» Namen zu belegen. Nach dein, was er sich zu Schul-den gebracht harte, behauptete er noch, daß er dem König ergebengewesen sei, und sich von dem Kaiser gewendet habe.Eine ab- >geschmackte Handlungsweise, sagte Napoleon, die, wie eS scheint,von Allen beobachtet worden ist, welche in jenen merkwürdigenAugenblicken eine Rolle spielten. Sie vergaßen, daß ich durch un-sere Wunderthaten, unsere Denkmäler und Einrichtungen dergestalt >mit unserem Nationalruhm eng verbunden bin, daß ich, ohne Frank-reich zu beleidigen, gar nicht mehr davon getrennt werden kann.ES darf mich nicht verläugucn, wenn es sich nicht selbst entehrenwill. Wie sehr man sich auch quälen und winden, welche Lügenman auch ersinnen mag, um das Gegcntheil zu beweisen, so werdeich darum doch in den Augen dieser Nation nicht weniger gelte».

Neys politische Dcrthcidigung, fuhr der Kaiser fort, scheint mirganz einfach. Er war durch eine allgemeine Bewegung, die der Willeund das Heil des Vaterlandes zu seyn schien, mit sortgcrissen worden,hatte ohne bösen Vorsatz, nicht als ein Verräther gehandelt. Unglücks«falle waren eingecreten; und so fand er sich vor ein Tribunal gestelltDies war Alles, was er über dieses große Ercigniß zu sagen haue.Sein Leben konnte er aber nicht anders vcrchcidigen- als daß er sich ans