Druckschrift 
2 (1823)
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

gcl leiden ließe», wollten sie, daß wir den Leidenskelck bis auf dieHeft» leeren sollten. St. Helena ist ein wahres Sibcrien. DerUnterschied liegt bloß in der dortigen Kälte statt der hiesigen Hitze„ d im kleinern Umfange.

Der Kaiser Napoleon, welcher sich einst im Besitz einer sogroßen Macht befand und über so viel Kronen gebieten konnte, isthier auf eine häßliche kleine, auf der Höhe eineö unfruchtbaren Fel-sens stehende Hätte, von einigen Fuß im Ouadrat, ohne Vorhän-ge, ohne Laden, ohne Meubles, beschränkt. Hier soll er schlafen,sich anziehen, essen, arbeiten, wohnen, und muß hcrauSgehcn, wenner sie reinigen lassen will. Zu seinem Unterhalt bringt man ihmanS der Ferne einige elende Schusseln, wie einem Verbrecher inS" Gefängniß. Er hat in der Thac Mangel an den ersten Lebens-i bedürsnissen. Brod und Wein ist nicht wie wir beides zu genießengewohnt sind, und widersteht unö daher. Wasser, Kaffee, Butter,Del und andre nothwendigc Dinge sind höchst selten, oder uner-träglich schlecht. Ein Bad, das ihm für seine Gesundheit unent-behrlich ist, kann er nicht haben, auSrcitcn eben so wenig.

Seine Gefährten, seine Diener sind zwei Meilen von ihm undkönnen nur unter Begleitung eines Soldaten zu ihm gelangendSie sind ihrer Waffen beraube, müssen wohl gar die Nacht aufder Hauptwacht zubringen, wenn sie etwa zu spät zuräckkommcn,oder die Wachten schlecht instruirt sind, was fast täglich vorfällt,lind so vereint sich für unö auf diesem abscheulichen Felsen dieHärte der Menschen mit den Widerwärtigkeiten der Natur. Gleich-wohl wäre es so leicht gewesen, »ns einen erträglichen Aufenthaltanzuwciscn und uns eine anständigere Behandlung zu sichern.

Wahrhaftig, wenn die Beherrscher von Europa dieses Exil be-stimmt haben, so ist die Ausführung ihres Willens durch einengeheimen Haß geleitet worden. Wurde diese Maasrcgcl nur von derPolitik als nothwcndig vorgeschrieben, hätte sie dann nicht, um dieWelt davon zu überzeugen, das berühmte -Opfer, um dcsscntwillcnsie, wie sie sagte sich genöthigt sah, alle Grundsätze und Rechte zuverletzen, mit allen Zeichen der Achtung, der Ehrerbietung und derSchadloshaltung umgeben sollen? —

Wir befanden unö insgesammt bei dem Kaiser und er sprachmit Wärme über daö, was geschehen war: „Für welche schändlicheBehandlung hat man unö ausbcwahrt! rüste er ars. Das istwahrhafte Todesangst! Mit der Ungerechtigkeit, mir der Gewaltvereinen sie die Kränkung der Ehre und langsame Martern. Wennich ihnen so schädlich war, warum räumten sie mich nicht ganzaus dem Wege? Einige Kugeln in das Herz oder vor den Kopswären hinreichend gewesen; mid in einem solchen Verbrechen hätte.